Test: Sicherungsgeräte 2018

Neue Halb-Automaten und Auto-Tubes

Foto: Ralph Stöhr Sicherungsgerät Mad Rock Airguard Halbautomat

Fotostrecke

Von Black Diamond bis Wild Country, hier gibt es die Features, Stärken und Schwächen der neuesten Sicherungsgeräte auf dem Markt.

Verbessert oder neu entwickelt: Das Angebot an Halbautomaten und Autotubes wächst auch in 2018 immer weiter. Hier geben wir den Überblick über die neuen Sicherungsgeräte und die Vor- und Nachteile der einzelnen Modelle (mehr zur Anwendung in der Fotostrecke).

Sicherungsgeräte in diesem Test (weiter unten auf dieser Seite):

  • Black Diamond ATC Pilot
  • Mad Rock Lifeguard
  • Mammut Smart 2.0 mit Smarter
  • Wild Country Revo

Seit die Alpenvereine fürs Hallen- und Sportklettern Halbautomaten oder Autotubes statt einfachen Tubes empfehlen, verbreiten sich die Geräte immer stärker. Allen gemein ist, dass sie beim Sturz entweder aufgrund ihrer Geometrie (Autotubes) oder mit einem beweglichen Bremsnocken (Halbautomaten) das Seil stark bremsen oder ganz blockieren.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt

Während bei den Halbautomaten die Position der Bremshand keine Rolle spielt, besteht bei den Autotubes die Gefahr, dass ein Sturz nicht gebremst werden kann, wenn die Bremshand oberhalb des Geräts ist und nicht zupackt. Dem hat sich Mammut nun mit dem Smart 2.0 und dem kleinen Zusatz Smarter angenommen. Dieser Aufsatz verhindert, dass das Seil im ungünstigen Winkel aus dem Gerät herausläuft und sorgt dafür, dass die Bremswirkung auch bei "Bremshand oben" gegeben ist. Das für dieses Jahr angekündigte Click Up Plus soll an dieser Stelle ebenfalls verbessert worden sein, lag aber leider für den Test noch nicht vor.

Bei allen Sicherungsgeräten laufen dünne Seile leichter durchs Gerät als dicke. Was beim schnellen Seilausgeben ein Vorteil ist, kann beim Ablassen zum Problem werden. Da soll das Seil ja schön dosiert durchlaufen. Das klappt mit Smart 2.0 und ATC Pilot shr gut, mit dem Lifeguard braucht es aber Konzentration und einen kräftigen Grip der Bremshand. Das Lifeguard ist deshalb aus unserer Sicht eher geübten Grigri-Sicherern zu empfehlen.

Richtig bedienen bleibt wichtig

Trotz integrierter "Bremskraftverstärker": Auch bei Autotubes und Halbautomaten gibt es Fehlbedienungen. Wichtig bleibt daher, sich mit diesen Geräten sehr gründlich vertraut zu machen, die korrekten Abläufe zu verinnerlichen und – was oft vernachlässigt wird – die Angaben in der Bedienungsanleitung zu beachten.

Black Diamond ATC Pilot

Foto: Ralph Stöhr Sicherungsgerät Black Diamond Mad Rock Mammut Wild Country Autotuber Halbautomat

Getestet und für gut befunden: Der Autotuber ATC Pilot von Black Diamond.

Praxis-Test: ATC Pilot von Black Diamond

Mit dem ATC Pilot hat nun auch die amerikanische Hardware-Schmiede Black Diamond einen Autotuber im Programm. Der ähnelt äußerlich dem Ergo von Salewa. Doch offenbar war das ATC Pilot bei Black Diamond schon in Entwicklung, bevor das Ergo auf den Markt kam. Und unterscheidet sich in einigen Details doch stark: Oben, und damit überall, wo das Seil läuft und reibt, besteht das Gerät aus einem massiven Stahlblock. Unten dient ein Plastikgehäuse der Seilführung.

Das ATC Pilot lässt sich beim Seilausgeben und -einziehen – ähnlich wie das Ergo oder Smart – weitgehend wie ein normaler Tuber verwenden. Wenn das Seilausgeben schnell gehen muss oder das Gerät dabei blockiert, greift der Daumen der Bremshand unter die ausgeprägte Nase (die etwas griffiger als beim Ergo ausfällt) und zieht diese leicht nach oben, wa?hrend die Führungshand Seil durchzieht. Die Bremshand bleibt dabei immer und problemlos am Seil.

Zum Ablassen umgreift die Führungshand das Gerät und neigt es leicht, die Bremshand bleibt dabei unten. Das Ablassen funkioniert sehr dosiert und angenehm. Black Diamond weist darauf hin, dass je nach Seil- und Karabinerkombination die Bremswirkung unterschiedlich ausfällt. Tatsächlich blockierte das ATC Pilot in unseren Tests mit dünnen Seilen nicht vollständig, hier packt das Ergo etwas kräftiger zu.

Fäcts: ATC Pilot von Black Diamond

Gefällt uns: Sehr gutes Handling mit dünnen Seilen, gutes mit dickeren; Bremshand­prinzip einfach einzuhalten; dosiertes Ablassen sehr einfach; Daumenhebel zum schnellen Seilausgeben gut ausgepra?gt.
Gefällt uns nicht so gut: Je nach Karabiner­/Seilkombination kein vollsta?ndiges selbsta?ndiges Blockie­ren (aber starke Bremswirkung)
Gewicht: 92 Gramm
Preis: 39,99 €
www.bdel.com

Mad Rock Lifeguard

Foto: Ralph Stöhr Sicherungsgerät Black Diamond Mad Rock Mammut Wild Country Autotuber Halbautomat

Beim schnellen Seil-Ausgeben das Bremshandprinzip nicht zu verletzen, erfordert auch beim Mad Rock Lifeguard Übung.

Wie ein kleines Grigri ohne Gehäuse kommt das Lifeguard von Mad Rock daher. Von der Funktionsweise ist das komplett aus Metall gefertigte Gerät dem Grigri sehr ähnlich: Ein drehbarer Nocken klemmt im Sturzfall das Seil ab und bremst so den Sturz. Auch die Bedienung ist weitgehend identisch: Gerät aufklappen, Seil einlegen, zuklappen, mit Verschlusskarabiner am Gurt befestigen und los geht‘s. Das Seil ausgeben – auch wenn es schnell gehen muss – klappt vor allem bei relativ dünnen Seilen gut mit der Tuber-Methode. Das liegt auch daran, dass die Federspannung im Lifeguard etwas höher zu sein scheint als beim Grigri.

Mit dickeren und älteren Seilen blockiert es beim schnelle Durchziehen dann schon mal. Die sogenannte Gaswerkmethode (wie beim Grigri) funktioniert so ähnlich auch beim Lifeguard, allerdings fehlt dem Gerät der seitliche Falz, unter dem beim Grigri dann der Zeigefinger liegt. Die Gefahr besteht, das Teil dann – fehlerhaft – ganz zu umfassen und so die Bremsfunktion außer Kraft zu setzen. Zum Ablassen wird wie beim Grigri am Hebel gezogen. Der ist zwar aus Metall, aber recht kurz und der Ablassvorgang schwer zu dosieren, vor allem mit neuen, dünnen Seilen. Über eine Anti-Panik-Funktion verfügt das Lifeguard nicht.

Mit Gangschaltung und Notbremse: Grigri Plus von Petzl im Test

Fäcts Mad Rock Lifeguard

Gefällt uns: Für erfahrene Grigri­-Sicherer eine leichte, kleine und stabile Alternative; Bedienung beim Seilausgeben mit dünnen Seilen sehr gut.
Gefällt uns nicht so gut: Keine Anti-­Panik-­Funktion beim Durchziehen des Ablasshebels; Ablassvorgang eher schwierig zu dosieren; Gaswerkmethode etwas anspruchsvoller als beim Grigri.
Gewicht: 154 Gramm
Preis: 69,95 €
www.madrock.com

Mammut Smart 2.0

Foto: Ralph Stöhr Sicherungsgerät Black Diamond Mad Rock Mammut Wild Country Autotuber Halbautomat

Etwas komprimiert und mit Sicherheitsplus kommt das neue Smart von Mammut daher.

2009 brachte Mammut mit dem Smart den ersten Autotuber fürs Klettern mit dem Einfachseil auf den Markt. Knapp zehn Jahre später erscheint mit dem Smart 2.0 die zweite, verbesserte Version des weit verbreiteten Geräts. Die grundsätzliche Form und Funktionsweise ist dabei gleich geblieben, die Änderungen stecken im Detail.

Durch eine veränderte Geometrie bremst das neue Smart schneller und blockiert das Seil dann vollständig. Die Nase, die zum Ablassen und schnellen Seilausgeben nach oben gezogen wird, ist nun angenehm gummiert und besser zu greifen. Das Seil läuft beim Ausgeben einen Hauch flüssiger als beim alten Smart. Mit dem kleinen Zusatzteil „Smarter“ bringt Mammut einen Aufsatz zum Smart 2.0, der die Sicherheit spürbar erhöht.

Der kleine, wenige Gramm schwere Plastikclip mit kippbarem Metallhebelchen wird hinten ins Smart 2.0 eingeclippt und führt dazu, dass das ins Gerät einlaufende Seil immer einen minimalen Knick hat, unabha?ngig von der Position der Bremshand. Das kleine Teil bewirkt, dass das Smart 2.0 auch bei fehlerhafter Bremshandhaltung – Hand weit oben über dem Gerät – im Sturzfall nahezu sofort anspricht und bremst, was ohne Smarter nicht immer gegeben ist. Auf das Handling hat es sonst keinen merklichen Einfluss. Mammut empfiehlt das Smarter primär fu?r Einsteiger, wir finden es aber so gut, dass wir es jedem Smart 2.0-Nutzer ans Herz legen wu?rden.

Fäcts Smart 2.0 mit Smarter

Gefällt uns: Prima Handling mit dünnen Seilen; schnelle An­sprache der Bremsfunktion; Bremshandprinzip einfach einzuhalten; mit Add­-On Smarter Bremswirkung auch bei Fehlhaltung der Bremshand gegeben.
Gefällt uns nicht so gut: Schnelles Seilausgeben mit dickeren, älteren Seilen anstrengend (ähnlich wie Smart).
Gewicht: 93 Gramm (inkl. Smarter)
Preis: Smart 2.0: 39 €, Smarter: 19 €, Set aus Smart 2.0, Smarter und empfohlenem Crag Smart HMS: 69 €
www.mammut.ch

Wild Country Revo

Foto: Ralph Stöhr Sicherungsgerät Wild Country Revo im klettern-Leser-Test

Neues Konzept: Das Revo von Wild Country.

"Das Revo ist eigentlich ein ganz normaler Tuber mit einer Backup-Funktion", so beschreibt es sein Entwickler Egon Resch. Seil ausgeben, Stürze halten, Ablassen – all das klappt im Normalbetrieb, ohne dass die integrierte Fliehkraftbremse – das Backup – einschreitet. Auch wenn ein Kletterer im Seil hängt, muss die Bremshand halten. Wenn aber der Sichernde, aus welchem Grund auch immer, die Bremshand vom Seil nimmt und dieses beginnt, zu schell durchs Gerät zu laufen, blockiert das Revo das Seil in Sekundenbruchteilen und sorgt so gegenüber einem normalen Tuber für ein gewaltiges Sicherheitsplus.

Ein aufklappbares Gehäuse, darin eine "lose" Rolle, über die das Seil läuft, und im Innern eine Fliehkraftbremse, die blockiert, sobald die Laufgeschwindigkeit des Seils (und damit der Rolle) einen definierten Wert überschreitet – mit diesen Ingredienzien beschreitet das Revo völlig neue Wege. Es ist seit 1991, als das Grigri auf den Markt kam, das erste Sicherungsgerät mit einer fundamental neuen Technik. Die Fliehkraftbremse, die greift, wenn das Seil schneller als 4 Meter pro Sekunde durchläuft (das entspricht etwa einem Sprung aus einem Meter Höhe), ist dabei wirklich nur Backup und wirkt nur, wenn die Bremshand gar nichts tut. Dann blockiert sie das Seil aber in Sekundenbruchteilen. Die Blockierfunktion ist auch dann gegeben, wenn das Gerät beim Sturz gegen den Fels oder gegen die erste Express-Schlinge geklemmt wird.

Fäcts Wild Country Revo

Gefällt uns: Bedienung wie beim Tuber; schnelles Seil-Ausgeben mit allen Seil-Durchmessern funktioniert sehr gut; ungewolltes Blockieren passiert nicht, Bremse wirkt in beide Richtungen (Seil falsch herum einlegen nicht möglich); ermöglicht sehr gut, weich zu sichern; gutes Handling, wird beim Ablassen nicht heiß, Back-up Funktion beim Partnercheck überprüfbar.
Gefällt uns nicht so gut: relativ hoher Preis.
Gewicht: 275 Gramm
Preis: 130 €
www.wildcountry.com

Halb-Automaten und Auto-Tubes – Preisvergleich




Mehr:

09.03.2018
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 02/2018