Sicherungsbrillen getestet

Von CU bis Belaggles: Prismenbrillen zum Sichern im Test

Foto: Hersteller Prismenbrillen zum Sichern im Test
Sicherungsbrillen helfen, die ungesunde Über­streckung der Halswirbelsäule zu vermeiden. Wir haben drei aktuelle Modelle für euch ausprobiert.

Vom Sichern herrührende Nackenschmerzen waren keine Seltenheit, bis findige Kletterer auf die Idee kamen, Prismenbrillen fürs Klettern zu optimieren.

In Frankreich wurde die erste Sicherungsbrille am Markt, die CU von Power'n'play, gleich "Zauberbrille" (lunettes magiques) getauft. Und es ist tatsächlich zauberhaft, wie sehr Prismenbrillen den Nacken schonen. Zudem helfen die Brillen dadurch, dass der Blick durchs Prisma nach oben fokussiert wird, sich beim Sichern stärker auf den Vorsteiger zu konzentrieren.

Hier zeigen wir drei aktuelle Sicherungsbrillen, weiter unten gibt's noch Risiken und Nebenwirkungen sowie die Funktionsweise erklärt.

Prismenbrille CU von Power'n'play

Die CU liegt inzwischen in der dritten Generation vor, bei der die Nasenauflage zwischen den Prismen stabiler ausgeführt ist. Damit verbiegt sich die in Deutschland hergestellte Brille an dieser Stelle nicht mehr so leicht. Das Gestell aus Edelstahl weist keine Gelenke auf, stattdessen sind die elastischen Bügel stark nach innen gebogen. Einhändig aufsetzen geht daher nicht – die CU muss auf die Nase, bevor der Kletterer loslegt. Die relativ kleinen Prismen genügen, um den Vorsteiger sicher im Auge behalten zu können, erlauben aber in Bodennähe auch den Blick darüber oder darunter. Kurzum: leicht, elegant und zweckmäßig.

Sicherungsbrille Power‘n Play CU
Gewicht: 34 Gramm (inkl. Brillenband)
Prisma: 24 x 13 mm, 39 mm Prismenabstand
Lieferumfang: Brille, Aufbewahrungsbox, Brillentuch, Brillenband; auch mit farbigem Gestell lieferbar
Preis: 97,50 Euro

Foto: Hersteller Sicherungsbrille - Prismenbrille zum Sichern

CU Sicherungsbrille, Modell 2016.

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Prismenbrille Plasfun von Y&Y Vertical

Von Y&Y aus Grenoble kommt die Plasfun, die über ein leichtes Plastikgestell verfüfgt. Sie ist in unterschiedlichen Farben lieferbar. Von den Abmessungen und der Qualität der Prismen her (es kommt wie bei der CU ein hochwertiges BK7-Glas zum Einsatz) ist die Plasfun fast identisch mit der CU, der größte Unterschied ist der Rahmen. Das Plastikgestell hat keine scharfen Kanten und liegt griffig in der Hand. Die Vorteile der Plasfun, die am meisten auffallen: Das Brillengestell kann sich nicht verbiegen (so dass die Prismen nicht gegeneinander verschoben werden), und sie lässt sich auch einhändig aufsetzen.

Sicherungsbrille Plasfun von Y&Y Vertical
Gewicht: 36 Gramm
Prisma: 24 x 13 mm, 40 mm Prismenabstand
Lieferumfang: Brille, Etui mit kleinem Karabiner
Preis: 59,90 Euro

Foto: Hersteller Sicherungsbrille - Prismenbrille zum Sichern

Sicherungsbrille Plasfun von Y&Y Vertical.

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Sicherungsbrille Belaggles von Vertical Vision

Die Belaggles (eine Kurzform für "belay goggles", also Sicherungsbrille) aus Nevada folgen dem amerikanischen Motto "Big is beautiful". Die Prismen fallen breiter aus, das Gestell ist groß, eher klobig und sitzt relativ schwer auf der Nase. Der Hersteller lobt dafür die Stabilität und Langlebigkeit der Belaggles. Dazu tragen auch die gerundeten Kanten der Prismen bei, die Absplitterungen am Glas verhindern sollen. Das Sichtfeld ist etwas breiter als bei den anderen beiden Sicherungsbrillen, über oder unterm Prisma durchzuschauen fällt aber schwerer. Wie die Plasfun lassen sich die Belaggles einhändig aufsetzen.

Vertical Vision Belaggles
Gewicht: 66 Gramm (inkl. Brillenband)
Prisma: 32,5 x 15,5 mm, 28,5 mm Prismenabstand
Lieferumfang: Brille, Etui mit Karabiner, Brillentuch, Brillenband
Preis: 89,99 $ plus Versand aus den USA

Foto: Hersteller Sicherungsbrille - Prismenbrille zum Sichern

Vertical Vision Sicherungsbrille Belaggles

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Risiken und Nebenwirkungen der Sicherungsbrille

Die Verwendung einer Sicherungsbrille kann auch zu gefährlichen Situationen führen. Insbesondere das Aufsetzen der Brille, während der Vorsteiger schon klettert, kann dazu führen, dass in diesem Moment die Sicherung vernachlässigt wird. Deshalb: Die Brille vor dem Start des Kletterers auf der Nasenspitze parken und dann bei Gelegenheit nur kurz hochschieben, ohne das Bremsseil loszulassen oder in eine falsche Position zu bringen.

Eine weiteres Risiko entsteht, weil der Fokus nur noch nach oben gerichtet ist und eventuell (unterhalb des eingeschränkten Gesichtsfeldes) entstehendes Schlappseil gegebenenfalls nicht bemerkt wird. Hier hilft Aufmerksamkeit, Training und eine gut geschulte "Sensorhand" (die Hand, die oben am Seil ist).

Welche Prismenbrille kommt wo her? Aus Grenoble kommen die in China gefertigten Prismenbrillen der Firma Y&Y Vertical. Vertical Vision entwirft und stellt seine Brillen dagegen in Nevada, USA, her. Alle Brillen sind übrigens auch vor normalen Korrekturbrillen einsetzbar.

So funktioniert die Prismenbrille fürs Klettern

Foto: Redaktion Sicherungsbrille - Prismenbrille zum Sichern

So funktionieren die Prismenbrillen zum Sichern.

Der Geodät (Vermessungskundler) Karl Maximilian von Bauernfeind erfand das nach ihm benannte Prisma, mit dem man ums Eck entweder nach oben oder nach unten schauen kann. Dabei wird der Lichtstrahl im Prisma zwei mal reflektiert. In den Sicherungsbrillen (und ihrem Gegenstück, den sogenannten Liegebrillen) kommen dazu meist sogenannte 60°-Prismen zum Einsatz, bei denen die Basisfläche verspiegelt ist.

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27.03.2018
Autor: Redaktion klettern
© klettern
Ausgabe 03/2016