Hardshells für den Kletter-Rucksack

4 Regenjacken im Test

Foto: Hersteller Hardshells fürs Klettern im Test
Hier stellen wir stellen euch hier vier relativ preisgünstige, wasserdichte Jacken vor, die zudem leicht und klein verpackbar sind.

Dieser Kurz-Test erschien in klettern 6-2018

Hier gibt's weitere Hardshells im Test: Hardshells für im Test 2016

Bei den meisten Kletterern, Boulderern und auch Alpinisten wird die Regenjacke hoffentlich die meiste Zeit ihr Dasein als Backup im Rucksack fristen. Dann hat man jedenfalls bei der Planung der Bergtour oder des Trips alles richtig gemacht, zumindest was das Wetter angeht.

Wenn aber doch mal ein überraschendes Gewitter zuschlägt oder die Tour nicht vor der Regenfront zu Ende ist, muss die Jacke zuverlässig vor Regen und Wind schützen. Um nur gelegentlich einen Schauer oder Wettersturz trocken zu überstehen, braucht es aber nicht gleich eine expeditionstaugliche High-Endjacke. Da genügt es auch eine Nummer kleiner. Wir stellen euch hier vier relativ preisgünstige, wasserdichte Jacken vor, die zudem leicht und klein verpackbar sind.

Vier Membranen, ein Ziel

Dicht und dabei möglichst atmungsaktiv: Das wird von einer Funktionsjacke gefordert. Die vier Hersteller erreichen dies durch vier unterschiedliche Membrantechnologien. Black Diamond setzt auf Gore-Tex Paclite, Marmot und Patagonia auf die hauseigenen Entwicklungen EVODry sowie H2No, Salewa seit jeher auf Powertex. Alle vier funktionieren mit kleinen Unterschieden gut. Keine der Jacken zeigte in Sachen Dichtheit schwächen.

Bei der Klimaregulierung liegt das Agner Jacket von Salewa wegen der fehlenden Pitzips (= Lüftungs-öffnungen mit Reißverschluss unter den Armen) leicht hinten. Die Jacke punktet dafür in Sachen Abriebfestigkeit. Letztere ist bei Patagonia etwas vermindert, dafür ist das Stretch Rainshadow Jacket extrem leicht sowie weich und sehr angenehm zu tragen. Dass Funktionsjacken auch ökologisch verträglich hergestellt werden können, zeigt Marmot mit dem Eclipse Jacket.

In puncto Kletterperformance – dazu müssen sie im Einsatzfall ja auch taugen – überzeugen Black Diamond und Salewa. Beide Jacken machen jede Bewegung mit. Die voll helmtauglichen Kapuzen des Liquid Point Shell und der Agner Cordura 2 PTX lassen sich mit und ohne Helm schnell und gut anpassen.

Foto: Hersteller Hardshells fürs Klettern im Test

Black Diamond Liquid Point Shell

Black Diamond Liquid Point Shell

Mit der Liquid Point Shell bringt die Firma aus Salt Lake City eine klassische Hardshell mit Gore-Tex-Membran auf den Markt. Das verwendete Gore-Tex-Paclite verzichtet auf eine Schutzlage auf der Innenseite der Jacke, was Gewicht spart. Gore-üblich sind alle Nähte getaped, dazu sind die Reißverschlüsse wasserabweisend. Der Schnitt der Jacke ist aufs Klettern ausgelegt: Nimmt man die Arme hoch, zieht es nirgends und die Jacke rutscht – auch ohne Klettergurt – nur minimal hoch. Die Kapuze passt locker über den Helm. Die Fronttaschen sind mit Gurt über der Jacke zugänglich, aber nicht mehr voll nutzbar. Die Jacke fällt ziemlich groß aus.

Fazit: Leicht, dicht und atmungsaktiv – bei der Blauen ist alles im grünen Bereich.

Das gefällt uns:
Relativ leichte Jacke; guter Schnitt für viel Beweglichkeit; sehr dampfdurchlässig und wasserdicht; helmtaugliche Kapuze; Hauptgewebe "bluesign approved"

Das gefällt uns weniger:
Je nach Körperbau bildet sich vor dem Bauch eine etwas ausladende Falte.

Info:
Material: 75D Gore-Tex Paclite
Ausstattung: 2 große Fronttaschen mit RV, 1 Front-RV, einstellbare Kapuze, Ärmelbündchen mit Velcro-Verschluss, Pitzips
Gewicht/Packmaß: 405 g (Gr. L)
Preis: 250,00 €




Foto: Hersteller Hardshells fürs Klettern im Test

Marmot Eclipse Jacket

Marmot Eclipse Jacket

Marmots EVODry Technologie basiert auf einer PFC-freien Membran, die auf einen Oberstoff aus recyceltem Nylon auflaminiert wird. Auf PFCs verzichtet Marmot auch bei der Imprägnierung und den wasserabweisenden Reißverschlüssen. Mit 20.000 mm
Wassersäule und hoher Dampfdurchlässigkeit (20.000 MVTR) macht die Jacke auch bei echtem Schlechtwetter eine gute Figur. Die Taschen sind auch mit Gurt zugänglich (allerdings nicht mehr komplett nutzbar), der Schnitt dürfte an den Ärmeln noch einen Tuck weiter ausfallen. Ein Helm passt nur ganz knapp unter die Kapuze.

Fazit: Viel Öko und die wirklich gute Atmungsaktivität gefallen. Für Kletterer fällt der Schnitt stellenweise etwas knapp aus.

Das gefällt uns:
Angenehm weiche Jacke;ohne Helm gute Kapuze; sehr dampfdurchlässig; auch bei viel Regen wasserdicht.

Das gefällt uns weniger:
Ärmelschnitt etwas knapp (kann an Ellbogen ziehen); Kapuze mit Helm knapp; nach längerem Gebrauch scheint die Imprägnierung etwas nachzulassen

Material: 100% recyceltes Nylon
Ausstattung: 2 große Fronttaschen mit RV, 1 Front-RV, einstellbare Kapuze, Ärmelbündchen mit Velcro-Verschluss, Pitzips
Gewicht: 410 g (Gr. XL)
Preis: 270,00 €




Foto: Hersteller Hardshells fürs Klettern im Test

Patagonia Stretch Rainshadow Jacket

Patagonia Stretch Rainshadow Jacket

Aus hauseigenem Material geschneidert kommt von Patagonia eine sehr weiche, angenehm zu tragende Jacke. Der relativ weite Schnitt lässt beim Klettern die volle Bewegungsgfreiheit. Der Klimakomfort überzeugt mit einem sehr dampfdurchlässigen Material und Pitzips. Die Kapuze passt problemlos auch über voluminöse Helme. Auch ohne Helm lässt sie sich gut anpassen. Der Schild der Kapuze könnte aber etwas größer ausfallen. Jacke und Taschen sind dicht. Für einen Einsatz mit Klettergurt sitzen die Fronttaschen aber zu tief. Das geringe Gewicht geht zudem etwas auf Kosten der Robustheit des Materials.

Fazit: Alltagstauglicher, sehr leichter Wind- und Wetterschutz für weniger extreme Einsätze.

Das gefällt uns:
Sehr leichte, wasserdichte Jacke aus angenehm weichem Material, gute Bewegungsfreiheit durch Stretch und weiten Schnitt, sehr gutes Klima, helmtaugliche Kapuze

Das gefällt uns weniger:
Weniger robustes Material, Fronttaschen werden vom Klettergurt verdeckt

Material: 2,5-Lagen H2No Performance
Ausstattung: 1 Brust-, 2 gr. Fronttaschen mit RV, Front-RV wasserdicht, einstellb. Kapuze, Velcro-Ärmelbündchen, Pit-Zips
Gewicht: 300 g (Gr. L)
Preis: 230,00 €




Foto: Hersteller Hardshells fürs Klettern im Test

Salewa Agner Cordura 2 PTX

Salewa Agner Cordura 2 PTX

Salewa setzt seit Jahren auf Powertex als atmungsaktives, wasserdichtes Material. Beim Agner Jacket sind Cordura-Fasern mit eingearbeitet, was die Jacke bezogen auf das geringe Gewicht sehr abriebfest macht. Beim Klimakomfort muss man, auch wegen der fehlenden Pitzips, leichte Abstriche machen. Die Passform mit einem körpernahen Schnitt und vorgeformten Ärmeln ist hervorragend. Auch mit Klettergurt bleibt die volle Bewegungsfreiheit erhalten. Die sehr gut anpassbarer Kapuze mit ihrem steifen Schild ist voll helmtauglich. Über einen Zwickel mit RV im Nacken lässt sich das Volumen zusätzlich anpassen.

Fazit: Leicht, robust, dicht – die Jacke von Salewa steckt auch härtere Beanspruchungen weg.

Das gefällt uns:
Sehr leichte, wasserdichte Jacke, sehr guter körpernaher Schnitt und beste Bewegungsfreiheit, robustes Material, ausgezeichnet anpassbare, helmtaugliche Kapuze mit steifem Schild.

Das gefällt uns weniger:
Direkt auf der Haut getragen leicht unangenehmes Gefühl.

Material: 2,5-L Powertex Extreme Cordura
Ausstattung: Brusttasche mit wasserdichtem RV, Front-RV mit Abdeckleiste, verstellb. Kapuze, elast. Ärmelbündchen, Packbeutel
Gewicht: 325 g (Gr. L)
Preis: 250,00 €




14.09.2018
Autor: Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 06/2018