12 Alpinrucksäcke im Test

Leichte Lastesel - aktuelle Tagesrucksäcke im Test

In alpinen Klettereien ist Gewicht sparen angesagt. Wir haben 12 Rucksäcke zwischen 700 und 1200 Gramm und von 25 bis 40 Litern Volumen geschultert.
Zu den getesteten Produkten
Foto: Johannes Bertsch Alpinklettern mit Rucksack

Wer lange unterwegs ist, muss seine wichtigen Utensilien gut verstauen können...

Ob alpine Sportklettereien oder anspruchsvolle Abenteuerwege – ein Trend ist allen Disziplinen am Berg gemein: die Ausrüstung wird immer leichter und auch weniger. Selbstverständlich bleiben da auch die Rucksäcke nicht von den Sparmaßnahmen ausgenommen. Wir haben deshalb 12 aktuelle Alpinrucksäcke zwischen 25 und 40 Litern Fassungsvermögen getestet, die laut Hersteller­angaben plusminus ein Kilogramm auf die Waage bringen.

KL OD Millet Prolight 27

Die aktuellen Alpinrucksäcke müssen hohen Ansprüchen gerecht werden.

Sparen, aber wo?

Gewicht sparen lässt sich an mehreren Stellen: bei den verarbeiteten Textilien, beim Tragesystem und bei der Ausstattung mit Befestigungen und sonstigen Features. Im Feld sind hier unterschiedliche Philosophien vertreten: Einige Hersteller setzen auf dünne Ripstop-Materialien, die zwar Schutz vor größeren Einrissen bieten, bei der Abriebfestigkeit aber gegenüber Geweben mit stärkeren Garnen im Nachteil sind.

Andere sparen beim Tragesystem und verzichten auf steife, aber schwere Rückenplatten oder Alustreben, was sich wiederum in einer schlechteren Lastübertragung des Gewichts von den Schultern auf die Hüfte niederschlägt. Für den Tragekomfort ist aber nicht nur diese Lastübertragung, sondern natürlich auch die Konstruktion und vor allem die Polsterung der Schulter- und Hüftgurte verantwortlich. Hier reicht das Angebot von üppig bis nicht vorhanden.

Aber auch für die Performance beim Klettern ist die Tragekonstruktion mitverantwortlich. Sie soll dafür sorgen, dass der Rucksack nah am Rücken anliegt, dass die Lastübertragung nach unten auch in der Senkrechten und bei Tragen eines Klettergurts funktioniert, dass der Rucksack bei Oberkörperbewegungen gut mitgeht und dass die Schultergurte die Armfreiheit nicht einschränken. Wichtig für die Kletter-Eignung eines Rucksacks ist auch, dass der Schnitt möglichst flach ist, respektive dass sich der Schwerpunkt durch Kompressionsgurte möglichst nah an den Rücken bringen lässt.

Zudem sollte der Rucksack nicht zu tief sitzen, damit Seit- und Rotationsbewegungen des Oberkörpers nicht behindert werden, aber vollbepackt auch nicht zu hoch aufragen, damit beim Blick nach oben der Helm nicht mit dem Deckelfach in Konflikt kommt. Und last but not least sollte ein Alpinrucksack nicht den Zugriff auf die Materialschlaufen des Klettergurts einschränken. Wer einen Klettergurt besitzt, bei dem die Materialschlaufen oben am Hüftgurt angenäht sind, hat hier schlechte Karten. Denn dann darf die „Hüftflosse“ des Rucksacks nur aus einem dünnen Gurtband bestehen, andernfalls kommt es immer zu Einschränkungen.

Neben der reinen Kletterperformance darf man von einem Alpinrucksack auch erwarten, dass er solide Halterungen für Eisgeräte aufweist, noch besser ist natürlich, wenn sich auch Steigeisen und Ski am Rucksack befestigen lassen. Des weiteren sollten sich Gurte und Verschlüsse auch mit Handschuhen problemlos bedienen lassen.

KL OD Mammut Extreme Ultra Light 28 Detail

Ausgefeilte Details: Viele Modelle bestechen mit durchdachten Lösungen.

Resümee und Empfehlung

Entsprechend des Einsatzbereichs haben wir bei der Bewertung die Kletterperformance der Rucksäcke an erste Stelle gesetzt. Daneben haben wir die Befestigungsmöglichkeiten, den Tragekomfort, das Volumen-zu-Gewicht-Verhältnis und die Robustheit der Modelle einfließen lassen. Die beste Kletterperformance boten der Speed 30 von Black Diamond und der Mammut Extreme Ultra Light. Nur geringfügige Abzüge bei diesem Kriterium macht der Millet Prolight 27 mit seinen optimalen Befestigungsmöglichkeiten wett, der Deuter Speed Lite 30 mit seinem geringem Gewicht.

22.09.2008
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 7/8 2008/2008