Aktuelle Allround-Kletterseile im Vergleich

Report Einfachseile

Hallenseile, Rotpunktseile, Workoutseile: Die Spezialisierung im Seilmarkt schreitet voran. Wer ein gutes und langlebiges Allroundseil sucht, sollte zu einem 10-Millimeter-Einfachseil greifen, der meistverkauften Seilklasse. Wir stellen neun Zehner vor.
Zu den getesteten Produkten

Das Seil gehört zum Klettern wie der Ball zum Fußball.

Auf dem deutschsprachigen Markt tummeln sich Einfachseile von megadicken 11,4 Millimetern (Tendon Trust) bis extradünnen 8,9 Millimetern (Mammut Serenity). Generell hat sich das Seilangebot stark ausdifferenziert, nicht nur Kletterprofis haben verschiedene Seile im Einsatz (zum Beispiel ein abriebfestes, kurzes Hallenseil und ein Seil zum Draußenklettern). Die starke Spezialisierung führt im Gegenzug dazu, dass einzelne Seile auf ein immer engeres Einsatzspektrum ausgelegt sind.

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Der Trend zu immer dünneren Seilen ist allerdings vorläufig gestoppt. Mit dem Serenity (oder dem Beal Joker mit 9,0 mm) ist hinsichtlich des Handlings und von den Sicherheitsreserven her die Grenze des Machbaren erreicht. Die Hersteller sehen mit den verfügbaren Technologien und Materialien kaum noch Spielraum, dünnere Seile zu produzieren. Die dünnsten Einfachseile sind vorwiegend als Rotpunktseile für Durchstiegsversuche im Projekt gedacht. Zum Auschecken einer Route sind sie zu verschleißanfällig, zum alpinen Klettern die Sicherheitsreserven zu gering. Dafür bieten sie dem Spezialisten geringstes Gewicht und minimale Seilreibung.

Foto: Archiv Edelrid Kletterseil in der Produktion

In der Mitte laufen die Kernzwirne, außen rotieren die Spindeln mit dem Mantelgarn: ein Seil in der Produktion.

Ein Seil für alle Fälle

Die meisten Kletterer sind aber keine solchen Spezialisten. Kein Wunder, dass der Großteil der Einfachseile, die heute über den Ladentisch gehen, einen Durchmesser um 10 Millimeter aufweist. Die Standardlängen sind 60 oder 70 Meter. Das 10-Millimeter-Seil ist quasi der Volkswagen unter den Einfachseilen. Es bietet einen guten Kompromiss aus Sicherheit, Gewicht und Lebensdauer und eignet sich für alle Spielarten des Kletterns, bei denen ein einzelner Strick genügt. Die von uns vorgestellten Seile mit rund 10 Millimetern Durchmesser sind solche Allrounder, wobei wir Seile ausgewählt haben, denen ihr Hersteller besondere Langlebigkeit bescheinigt.

Unter der Lupe

Denn das will der Kletterer natürlich: ein möglichst langlebiges Seil mit guten Werten, und am besten noch recht preiswert. Nicht immer gelingt es, alle diese Eigenschaften zu vereinen. Betrachtet man zum Beispiel die Schweizer Seilspezialisten von Mammut, so fällt auf, dass die Eidgenossen sehr günstige Seile im Angebot haben, aber auch scheinbar ähnliche Seile für fast den doppelten Preis. Der Unterschied liegt hier in der Vorbehandlung und Ausstattung des Rohmaterials und im Seilaufbau, vor allem aber in der späteren Veredlung des Seils während der Herstellung (siehe letzte Seite). Das besonders preiswerte „Passion“ von Mammut kommt zum Beispiel ohne eine solche Veredlung, nimmt damit Wasser, Schmutz und Staub leichter auf und kann im Handling und der Lebensdauer seinen teureren Konkurrenten nicht das Wasser reichen. Nur merkt man das im Laden noch nicht.

In den letzten Jahren erfreuten sich die Seilhersteller stetig wachsender Verkaufszahlen, die zum Teil auf den Hallenboom zurückzuführen sind. Dieses Wachstum lockt an, und so sind seit 2009 mit Camp und Skylotec zwei neue Seilanbieter in Deutschland dazu gekommen. Auch deren Seile haben wir unter die Lupe genommen.

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28.03.2009
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 2+3/2009