KL Piolet d'or_Prezelj_Lorencic Giulio Malfer

Piolet d'Or abgesagt

Die Verleihung des Piolet d'Or 2008 ist abgesagt worden. Nach der harschen Kritik an der Veranstaltung durch mehrere Preisträger im Vorjahr konnte ein neues Konzept nicht mehr rechtzeitig abgestimmt werden.

Am 15. Februar hätte es wieder so weit sein sollen. Die Organisatoren des renommiertesten Preises für alpinistische Leistungen, das französische Montagnes Magazine und die Groupe de Haute Montagne, hatten zur Verleihung des Piolet d'Or 2008 ins italienische Aostatal geladen. Zum ersten Mal in ihrer 17-jährigen Geschichte sollte die Veranstaltung außerhalb Frankreichs stattfinden – ein Signal für Veränderung …

Doch dann erreichte uns gestern Abend die Absage der Piolet d'Or-Verleihung 2008 durch Phillipe Descamps, Chefredakteur des Montagnes Magazine. Angesichts der Kritik des Procederes, aber auch des Geistes der Preisverleihung, die im Vorjahr laut geworden war, hatten die Organisatoren sich sowohl an eine Veränderung des Regelwerks als auch an eine neue Definition des Stellenwerts des "Goldenen Pickels" gemacht. Doch leider ist es den Organisatoren nicht gelungen, rechtzeitig die neuen Regeln und Leitlinien mit allen betroffenen Gruppen verbindlich abzustimmen. Daher wurde die Veranstaltung, bei der die besten alpinistischen Leistungen des Jahres 2007 gekürt werden sollten, nun abgesagt. Die Geschichte des Piolet d'or erfährt zumindest eine tiefe Zäsur, bevor sie 2009 in neuem Gewand fortgesetzt werden soll.

Im Vorjahr hatte sich der frisch gewählte Piolet d'Or-Gewinner Marko Prezelj nicht besonders dankbar für seine Auszeichnung gezeigt und die Preisverleihung scharf kritisiert. Zum einen stellte der Slowene die Auffassung, alpinistische Leistungen miteinander vergleichen zu können, prinzipiell in Frage. Zum anderen monierte er, dass es beim Piolet d'Or letztlich nur um Ruhm und Geld gehe und dass die teilnehmenden Alpinisten sich von den Medien in diese "billige Falle" locken ließen, "in der die Selbstgefälligen schnell gefangen und ausgebeutet werden".

KL Piolet d'or 2006_House_Anderson
Giulio Malfer
Auch der Gewinner von 2006, Steve House (re.), gehörte in den letzten Jahren zu den vehementesten Kritikern des Piolet d'Or.

Der US-Amerikaner Steve House, Gewinner des Piolet d'Or 2006, schloss sich der Kritik Prezeljs an und forderte, dass der Preis künftig nicht mehr von Journalisten, sondern von den Kletterern untereinander vergeben werden solle. House hatte in den Jahren zuvor mehrfach schon die Kriterien, nach denen die Gewinner ermittelt wurden, gerügt und eine höhere Gewichtung des Stils der nominierten Erstbegehungen eingefordert. Aber auch andere Spitzenalpinisten hatten sich in den vergangenen Jahren kritisch gegenüber dem Vergleich alpinistischer Leistungen und dem medialen Spektakel geäußert. In klettern 5/07 haben wir ausführlich über die Kontroverse berichtet.

Die Organisatoren haben sich die Kritik offensichtlich sehr zu Herzen genommen. Da wir auch in der Jury für den Piolet d'Or 2008 vertreten waren, liegt uns ein Papier vor, in dem das neue Reglement sowie eine neue Definition des Preises umrissen werden. Künftig soll der Piolet d'Or nicht als Wertung der "besten" alpinistischen Leistung vergeben werden, sondern als eine Art Ernennung zu einem "Botschafter des modernen Alpinismus" für ein Jahr. Eine Klassifizierung der Teilnehmer der Endrunde soll nicht mehr stattfinden, sprich alle ausgewählten Bergsteiger sollen gleichermaßen für ihre Leistungen geehrt werden. Auch die Jury, der die Auswahl der Teilnehmer obliegt, soll sich in Zukunft anders zusammensetzen: Neben den von der Groupe de Haute Montagne ausgewählten Bergsteigern und den vom Montagnes Magazine ausgewählten Journalisten sollen nun auch die Nominierten gleichberechtigt mitentscheiden. Darüber weisen die Organisatoren darauf hin, dass künftig dem Stil der Unternehmungen eine noch größere Bedeutung beigemessen werden soll – Begehungen im Alpinstil, der sparsame Einsatz von technischen Mitteln sowie der Respekt vor Einwohnern, der Umwelt und zukünftigen Bergsteigergenerationen sollen einen noch höheren Stellenwert erhalten.

Mit ihrer Entscheidung, den Piolet d'Or neu zu definieren und dafür notgedrungen die Verleihung 2008 abzusagen, zeigen die Organisatoren, dass sie sich ihrer Verantwortung gegenüber dem Alpinismus bewusst sind – und dass sie ihre Veranstaltung nicht als einseitige mediale Inszenierung, sondern als Miteinander von Alpinisten, Medienvertretern und den nominierten Spitzenbergsteigern verstehen. Ob der renommierte Preis diese Zäsur schadlos übersteht, muss sich allerdings erst noch zeigen.

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