Teil des
KL_Kurt_Albert_Portrait Martin Schepers

Kurt Albert - ein Nachruf

Kurt Albert ist wie schon gemeldet gestern gestorben. Eine Würdigung.

Es ist ein Schock: Kurt Albert ist tot. Gestorben nach einem Unfall an seinen heimischen fränkischen Felsen. Abgestürzt an einem „harmlosen“ Klettersteig. Der Vater des Rotpunkts, der das Klettern nicht nur in Deutschland maßgeblich geprägt hat. Der mit dem Bierkrug seilfrei in der Wand hing und trotzdem immer betonte, beim Klettern nicht das Adrenalin, sondern den Spaß und die Herausforderung zu suchen. Es ist unfassbar. Sein Verlust macht nicht nur uns tieftraurig, sondern auch Kurts Freunde in aller Welt.

Kurt wurde 1954 geboren und begann im Alter von 14 Jahren in der Nürnberger Kletterszene mit dem Klettern. Wie zu jener Zeit üblich, ging es zunächst in die Berge, wo er als 17-Jähriger den Walkerpfeiler, ein Jahr später die Eiger-Nordwand durchstieg. Vom ersten Trip ins Elbsandstein 1973 brachte Kurt den Freiklettervirus zurück, der ihn dann sein Leben lang begleiten sollte. In der Fränkischen Schweiz begann er, bestehende Routen freizuklettern. 1975 markierte er zum ersten Mal eine „befreite“ Route mit einem roten Punkt – und schaffte damit die Bezeichnung für den Freikletterstil, wie er heute weltweit üblich ist: rotpunkt. Ein Begriff, der rund zehn Jahre später ja auch der deutschen Kletterzeitschrift ihren Titel geben sollte.

Kurt widmete sich dem Freiklettern mit Vehemenz, beging viele Neutouren, kletterte 1982 mit dem „Magnet“ (damals mit 9+ bewertet, heute 9) eine der schwierigsten Touren seiner Zeit. Er zog mit Wolfgang Güllich, Flipper Fietz und Norbert Sandner um die Felsen, lebte in der legendären Kletter-WG im fränkischen Oberschöllenbach mit seinen Kletterfreunden und Besuchern aus aller Welt zusammen. Der studierte Mathematiker blieb dem Lehrerdasein nicht lange treu. Kurt gehörte zu denjenigen, für die Klettern viel mehr als ein Sport ist – es war sein Lebensstil, bis zuletzt. In sein Leben passte kein geregelter Job oder Tagesablauf, der ihm die Freiheit geraubt hätte, klettern zu gehen.

Zu seinem Kletterleben gehörte auch das Abenteuer und das Reisen. Mit Wolfgang Güllich, Bernd Arnold, Stefan Glowacz, Holger Heuber und vielen anderen machte Kurt weltweit die großen Felswände unsicher. Patagonien, Venezuela, Karakorum, China, Indien, Kanada: Es gibt kaum eine Ecke der Welt, die Kurt nicht auf der Suche nach Neuland durchstreift hätte. Dabei hinterließ er große Routen rund um den Globus und schuf sich Freunde in aller Welt. Denn Kurt war, auch wenn er er seine Ziele ernsthaft verfolgte, immer ein lockerer Typ. Ihm saß ein fränkischer Schalk im Nacken. Kurt brachte gute Laune mit und auf seinen Vorträgen, mit denen er seinen Lebensunterhalt zum Teil bestritt, das Publikum verlässlich zum Lachen. Kurt Albert wurde nicht nur mit großen Kletterleistungen berühmt – er hatte Charakter.

Mit Kurt Albert verliert die Szene eine ihrer herausragenden Persönlichkeiten. Und das schmerzt unendlich. In allem, was er uns hinterlassen hat, lebt Kurt aber weiter.

Zur Newsmeldung: Kurt Albert nach Absturz lebensgefährlich verletzt

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