Teil des
KL Ausrüstung zum Klettern Sarah Burmester

Was brauche ich zum Klettern?

Kaufberatung: Kletter-Ausrüstung

Wer klettern möchte, braucht Ausrüstung. Der Markt ist groß, die Produkte vielfältig - hier gibt es den Überblick, worauf man achten sollte.

Kletterschuhe, Gurt, Chalkbag, Sicherungsgerät – meist kann man das Kletter-Equipment in der Halle ausleihen, doch sobald man merkt, dass man dabei bleiben will, lohnt sich die Investition in eigene Ausrüstung.

Hier gibt's den Überblick, worauf man beim Ausrüstungskauf achten sollte – plus einige Empfehlungen. Wir haben die Reihenfolge der Wichtigkeit gewählt, und fangen daher mit Kletterschuhen an. Bei Kletterschuhen und Gurt ist An- und Ausprobieren sinnvoll!

Kletterschuhe kaufen: darauf sollte man achten

Kletterschuhe sind wichtig, um auf kleinen Tritten zu stehen. Und erst mit ihnen bekommt man ein Gefühl für eine gute Fußtechnik. Außerdem verbessern die Gummisohlen mit ihrer Reibung und dadurch guten Haftung den Halt an der Wand.

Kletterschuhe müssen relativ eng sitzen - sollten aber nicht zu unbequem sein. Da verschiedene Firmen mit ihren vielen Modellen unterschiedliche Passformen verwenden und jeder Fuß anders ist, sollte man sich die Zeit zum Ausprobieren nehmen. Dass der Kletterschuh eng und halbwegs bequem am Fuß sitzt, ist wichtig.

KL Kletterschuhe für Anfänger - gerade Allrounder
Hersteller / www.klettern.de
Gerade Allround-Kletterschuhe: Black Diamond Momentum, Boreal Alpha, La Sportiva Oxygym, Ocun Strike QC, Scarpa Vapor (letzterer hat etwas Downturn).

Im guten Fachgeschäft findet man meist die Möglichkeit, die Schuhe nicht nur anzuprobieren, sondern auch zu testen. Die Schuhe sollten eng sitzen, aber keine Schmerzen verursachen. Wenn man in den Schuhen hin- und herrutschen kann, dann sind sie noch zu groß. Wenn irgendwo zwischen Fuß und Schuh größere "Luftblasen" liegen, ist die Passform vermutlich nicht geeignet. Besonders im Zehenraum und an der Ferse sollte der Schuh firm anliegen.

Klettverschluss, Slipper oder Schnürschuh? Das ist Geschmacksache: Schnürschuhe lassen sich meist besser anpassen, Klettverschlüsse hat man schneller geöffnet und geschlossen. (Tipp: Wer Kletterschuhe mit Klettverschluss wählt, sollte die Klettverschlüsse beim Aufbewahren immer schließen - das verlängert die Lebensdauer des Klett-Mechanismus.) Slipper sind meist eher weich und erfordern mehr Kraft in den Füßen.

Weich oder hart? Es gibt relativ weiche Kletterschuhe und eher steife Modelle. Auch hier muss man sich überlegen, worauf man Wert legt: Weiche Schuhe sind eventuell angenehmer zum Fuß, und bieten mehr Gefühl ("Steh' ich jetzt auf dem Tritt oder nicht?"), dafür braucht man allerdings auch viel Kraft in den Füßen, um solch flexible Schuhe auf kleinen Tritten zu halten. Steifere Modelle sind eventuell weniger sensibel, bieten aber mehr Stabilität und entlasten so die Muskeln. Eine Grundtendenz lautet: Je kürzer die Kletterstrecke, desto weicher der Schuh - und je länger die Zeit an der Wand, desto steifer der Schuh.

Ein guter Kletterschuh sitzt eng, (halbwegs) bequem, und umschmiegt den Fuß gleichmäßig.

Kletterschuhe kosten zwischen 60 und 180 Euro.

Kletterschuhe im Preisvergleich

Klettergurt: das muss ein Gurt können

Wer mit Seil in die Höhe klettern will, der braucht zunächst: einen Klettergurt. Aber was für einen?

Der Klettergurt ermöglicht das gesicherte Klettern am Seil sowie das Sichern. Er verbindet den Körper des Kletterers (und Sicherers) mit dem Seil.

Worauf achten?

Beim Gurt lohnt es sich, ebenso wie bei den Kletterschuhen, ein bisschen Zeit zum Anprobieren mitzubringen. Denn es kann vorkommen, dass man einige Zeit im Gurt sitzt (wenn man bei einer Klettertour einmal pausiert, oder beim Sichern, oder im alpinen Gelände am Stand). Daher sollte sich der Gurt bequem tragen und auch nach einigen Minuten des darin Hängens nicht einschneiden. Wer auch mal ins Gebirge gehen möchte oder Tradklettern, sollte auf ausreichend Materialschlaufen achten.

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Ralph Stöhr
Der Black Diamond Chaos im Praxistest.

Der Klettergurt muss passen. Er sollte den Rumpf gut umschließen, und das auf Bauchnabelhöhe. Ein Klettergurt ist keine Hüfthose - wenn der Gurt nicht um den Bauch passt, stimmt die Größe nicht. Die Beinschlaufen sollten weder schlackern noch zu eng sein. Wenn sich eine Hand gut zwischen Bein und Schlaufe schieben lässt, passen die Beinschlaufen.

Wer plant, mit unterschiedlich dicken Kleidungsstücken unterwegs zu sein oder schonmal im Gewicht schwankt, der ist mit verstellbaren Beinschlaufen gut beraten.

Klettergurte kosten zwischen 40 und 150 Euro. Sicher sind sie alle: Auf den Markt kommen nur Modelle, die verschiedene Sicherheitsprüfungen und Zertifizierungen überstanden haben.

Klettergurte im Preisvergleich

Sicherungsgeräte: Tuber oder Halbautomat?

Es gibt verschiedene Sicherungsgeräte. Die meisten basieren auf dem Prinzip von Knick und Reibung, sodass die über das Seil beim Sichernden ankommenden Kräfte umgelenkt und damit gemindert werden. Sehr effektiv sind sogenannte Auto-Tuber mit Bremskraftunterstützung. Bei diesen Geräten ist nicht ganz so große Handkraft erforderlich wie bei regulären Tubern, deshalb eignen sich diese am besten für den Anfang.

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Ralph Stöhr
Der Autotuber ATC Pilot von Black Diamond im Test.

Empfehlenswerte Auto-Tubes sind zum Beispiel das Mammut Smart 2.0, das Edelrid Jul 2, Black Diamond ATC Pilot oder der Fish von Austrialpin. Ebenfalls ein empfehlenswertes Sicherungsgerät ist der Halbautomat Grigri+ von Petzl.

Das Grigri Plus im Test: was das neueste Grigri kann

Auch das Revo von Wild Country können wir empfehlen, allerdings hat es keine Bremskraftunterstützung, das heißt, etwas Handkraft sollte man schon mitbringen. Das Revo basiert auf dem Tuber-Prinzip und verfügt über einen Notfall-Mechanismus: Es blockiert erst dann, wenn das Seil zu schnell durchläuft.

Test: Neue Sicherungsgeräte im Vergleich (2018)

Sicherungsgeräte im Preisvergleich

Kletterseil: ein Überblick

Jetzt soll es losgehen, mit Vorsteigen, oder mit dem Klettern am Fels. Dazu braucht man ein Kletterseil. Doch was genau brauche ich da?

Was man umgangssprachlich "Kletterseil" nennt, ist im Fachjargon ein "dynamisches Einfachseil". Die Anschaffung steht dann an, wenn man sich sicher ist, dass man das Klettern intensivieren möchte und selbst häufiger vorsteigen möchte.

Dynamisch (im Gegensatz zu statisch) heißt, dass sich das Seil geringfügig dehnt, und so Stürze beim Klettern abfangen kann, ohne dass es dem Kletterer den Rücken bricht. Einfachseil (im Gegensatz zum Halb- oder Zwillingsseil) heißt, dass es am einfachen Strang stark genug ist, um Stürze zu halten.

Solch dynamische Einfachseile gibt es in verschiedenen Längen, Dicken und mit diversen Beschichtungen. Die erste Frage lautet daher: Wofür brauche ich das Kletterseil? Wenn klar ist, dass man nur in der Kletterhalle unterwegs ist, reicht ein kürzeres Seil (für die Halle sind 40 Meter Länge üblich) ohne Beschichtungen aus. Je kürzer, desto günstiger der Preis.

Kletterseile 2018: Kletterseile 2018

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Wer allerdings schon die ersten Fels-Ausflüge plant, der sollte sich informieren, wie hoch die angepeilten Felsen sind. Fürs Draußenklettern sollte man rund 60 bis 70 Meter Länge anvisieren. Und wer sehr lange Routen klettern will (z.B. im Donautal oder in Südfrankreich), kann sich überlegen, ein 80 oder 100 Meter langes Seil anzuschaffen.

Die verschiedenen Beschichtungen sollen die Seile gegen Schmutz und / oder Feuchtigkeit schützen. Wer einen Seilsack benutzt und keine Gletschertouren plant, braucht diese aber nicht unbedingt.

Was den Durchmesser angeht, kann man sich entscheiden zwischen sehr dünnen Seilen, die dafür sehr leicht sind und etwas schneller verschleißen, oder sehr dicken Seilen, die sehr robust sind und angenehm im Handling sind, aber dafür schwerer. Oder man wählt die goldene Mitte, die ungefähr zwischen 9,8 Millimetern und 10,2 Millimetern liegt.

Kletterseile kosten ungefähr zwischen 1,50 Euro und 3,50 Euro pro Meter. Sicher sind sie alle: Auf den Markt kommen nur Modelle, die verschiedene Sicherheitsprüfungen und Zertifizierungen überstanden haben.

Kletterseile im Preisvergleich

Express-Schlingen: darauf kommt es an

Express-Schlingen, Exen, Schlingen oder Express-Sets nennt man die mit einem Stück Bandschlinge verbundenen Karabiner, die das Kletterseil mit den Sicherungspunkten (Haken oder auch Klemmgeräten) verbinden.

Wer in erster Linie in gut eingerichteten (mit vielen Bohrhaken versehenen) Sportkletter-Routen unterwegs ist, der ist mit einem Satz (acht bis zwölf, je nach Felshöhe) relativ kurzer Expressen gut beraten. Beim Sportklettern ist es hilfreich, wenn der seilseitige Karabiner fixiert ist und mit halbwegs breiter und steifer Bandschlinge verbunden. Ergänzend kann man zwei bis vier etwas längere wählen, um bei starkem Zick-zack-Verlauf des Seils die Seilreibung zu vermindern.

Wer allerdings auch selbst absichern will (Trad- oder Cleanclimbing), der profitiert wahrscheinlich von längeren und flexiblen Schlingen, die man den jeweiligen Gegebenheiten anpassen kann.

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Hersteller
Links: Sportkletter-Schlinge mit Drahtschnapper; Mitte: Exe mit massivem Schnapper; rechts: verlängerbare Schlinge mit Drahtschnapper fürs Alpin- und Tradklettern.

Die Schnapper ("Öffnungen") an den Karabinern kommen entweder als Drahtbügel oder massiv daher. Welche Variante man wählt, ist Geschmacksache: Drahtbügelschnapper öffnen sich weniger leicht, wenn sie Erschütterungen ausgesetzt sind; massive Schnapper sind dafür leichtgängiger.

Express-Schlingen kosten ungefähr zwischen 13 und 33 Euro das Stück. Sicher sind sie alle: Auf den Markt kommen nur Modelle, die verschiedene Sicherheitsprüfungen und Zertifizierungen überstanden haben.

Sonstiges & Zubehör

Neben dem grundlegenden Equipment auf den vorangegangenen Seiten gehören noch weitere Utensilien dazu, um die Kletter-Ausrüstung zu komplettieren.

Kletterhelm

Der Helm schützt vor Steinschlag und vor dem harten Aufprall mit dem Kopf, sollte man einmal unkontrolliert stürzen. Es gibt unterschiedliche Konstruktionsweisen und Modelle. Wer an den Fels oder ins alpine Gelände will, sollte sich einen Helm anschaffen.

Kletterhelme kosten circa zwischen 40 und 200 Euro. Anprobieren ist empfehlenswert.

Chalkbag

Der umhängbare Beutel fürs Magnesia ("Chalk") gehört dazu, wenn es anstrengend wird. In vielen Klettergebieten gehört es zum guten Ton, nach dem Klettern (und Chalken) kurz über die Griffe zu bürsten, damit die Route nicht "zuschlonzt". Chalkbags kosten je nach Größe zwischen 10 und 40 Euro, gute Bürsten zwischen 5 und 10 Euro.

Kletter-Zubehör im Preisvergleich

Hinweis zum Thema Sicherheit

Alle Ausrüstungsgegenstände, die man in Deutschland kaufen kann (außer Chalkbags und Accessoires) haben diverse Prüfungen und Zertifizierungen durchlaufen. Daher sind alle erhältlichen Teile "sicher" - und sie werden auch nicht sicherer, wenn der Preis über dem Durchschnitt liegt. Trotzdem macht ein genormtes Seil noch keine Sicherheit, man muss es auch richtig anwenden.

Sicherheitsrelevante Ausrüstung wie Klettergurt, Sicherungsgerät, Express-Sets und Kletterseil empfehlen wir nicht gebraucht zu kaufen, sondern im qualifizierten Fachhandel.

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