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Klettergriffe entwerfen

Interview mit einem "Shaper"

Reinhard Fichtinger aus Innsbruck ist Fotograf, Routenbauer und entwirft Klettergriffe für Squadra Climbing Holds. Wir haben ihn zum Shapen von Griffen befragt.

In der Kletter- oder Boulderhalle lachen sie uns in allen Farben entgegen: Klettergriffe. Mal als große runde Sloper, mal als kleine Farbklecks-Leisten. Ergänzt werden sie meist mit größeren sogenannten Volumen, die - oft aus Holz - mit ihren größeren Abmessungen das Potenzial haben, die Wandstruktur zu verändern oder auch optisch Schwerpunkte zu setzen.

Doch wie entstehen Klettergriffe eigentlich? Während in den 90ger Jahren noch der Fels und die Natur als Inspiration für Klettergriffe herhielten, wurde schon bald mit abstrakteren Formen experimentiert. Für Kinder gelten Tierformen schon immer als der letzte Schrei. Für die sogenannten erwachsenen Kletterer gibt es rundere Klettergriffe, Plastikknubbel unter dem Stichwort "Ergonomie" - und mit angeblich anatomisch günstigen Formen soll die Verletzungswahrscheinlichkeit gesenkt werden.

Schließlich wird noch unterschieden zwischen guten Griffen, die hauptsächlich im Bau von Kletter-Routen zum Einsatz kommen, und tendenziell eher schlechten Griffen. (Das heißt nicht, dass es schlechte Griffe sind, sondern gute Griffe, die aber schlecht zu halten sind.) Verwirrt? Wir auch. Mehr zur Erhellung des Themas Klettergriffe gibt's deshalb hier in unserem ABC der Klettergriffe.

Reinhard, wie wurdest du Shaper?

Als Routensetzer ist man viel mit Klettergriffen und Volumes konfrontiert und hat ständig Bewegungsabläufe, Züge und Griffformen im Kopf. Als ich vor einigen Jahren die Gelegenheit bekam, selbst Klettergriffe zu designen, hat mich das sofort interessiert.

Ist Shaper ein Beruf?

Ich selbst bin kein hauptberuflicher Shaper, denke aber, dass es einige gibt.

Wie geht das Shapen praktisch vor sich, wie lange arbeitest du an einem Griff?
Ganz unterschiedlich, von einer Stunde bis zu mehreren Wochen. Einige Shapes liegen bei mir lange unvollendet herum, bis ich wieder neue Inspiration zum weitershapen finde oder sie endgültig wegschmeiße.

Woher kommen die Ideen und wie vermeidet man, einen Griff zu shapen, den es schon irgendwo gibt?
Im Hinterkopf ist bei mir immer der Routenbau, spezielle Bewegungen, die nach bestimmten Griffformen verlangen. Dass sich Griffe immer wieder ähneln, lässt sich kaum vermeiden, vor allem bei Standard-shapes wie zum Beispiel Leisten.

Hast du eine Shape-Philosophie?
Mir ist es wichtiger, dass ich mit meinen Griffen spezielle Bewegungen schrauben kann, als jetzt eine perfekte Nachbildung der Natur zu shapen.

Du schraubst auch viele Wettkämpfe. Wie beeinflusst das deine Tätigkeit als Shaper?
Vor allem im Wettkampf spielt es eine wesentliche Rolle, Griffe zu haben, die sich ganz speziell oder wie man so sagt „zwingend“ einsetzen lassen.

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