KL Ines Bischoff Portrait

Interview

Ines Bischoff im Interview

Ines Bischoff aus Reutlingen war eine der acht Frauen, die im Februar 2008 beim Bronx Rock Invitational Boulderwettkampf mitgemacht haben. Danach hat sie uns einige Fragen beantwortet.

Mit ihren 37 Jahren fällt Ines Bischoff etwas aus dem Rahmen im Wettkampfgeschehen. Frauen mit zwei Kindern und einem Beruf – Ines ist Grundschullehrerin – gehen da ja eher selten an den Start. Doch die Reutlingerin, die vom Turnen zum Klettern kam und 1994 richtig ins Wettkampfklettern einstieg, hat den Spaß am Klettern und Bouldern nie verloren und ihre gute Form über die Jahre halten können – auch dank des „Räumles“, einem Boulderraum in Reutlingen. Im Deutschlandcup war sie in den 90er-Jahren meist weit vorne zu finden. Mit Geburt der ersten Tochter begann eine lange Wettkampfpause, die sie unter anderem mit siegreichen Teilnahmen am Red Chili Bouldercup immer wieder unterbrach. Seit letztem Jahr ist sie beim Deutschen Bouldercup wieder sehr erfolgreich dabei.

geboren: 15.05.1970
Wohnort: Reutlingen
Klettert seit: 1989

Stärken: Körperkraft, Untergriffe, einige Jahre Bewegungserfahrung

Schwächen: Angst vor Misserfolg. Wenn andere große Erwartungen an mich stellen, kann ich schlecht damit umgehen

Lieblingsgebiete: Avers, Tessin, Ceüse, Frankenjura

Am liebsten klettere ich: Möglichst viele verschiedene Boulder und Routen

Nächstes Kletterziel: An Ostern bouldern gehen, wohl ins Tessin

Schwierigste Route: Eine 8a+ in der Tarnschlucht

Größte Wettkampferfolge: In der Mit-Kinder-Zeit der 2. Platz beim Bouldercup ispo 08

Sponsoren: Bergfreunde.de

KL Ines Bischoff am Wartenberg
Ralph Stöhr
Um Familie, Beruf und Kletterleidenschaft unter einen Hut zu bringen bouldert Ines vorwiegend, hier am Wartenberg in der Pfalz.

Ines, was bedeutet für dich das Klettern?
Freunde sehen, Spiel, Spaß, Sport. Ausgleich zum Alltag, zu Arbeit und Kindern.

Sind Frauen die besseren Kletterer?
Frauen haben den Vorteil, dass sie in der Regel mit weniger Kraft beginnen. Daher sind sie darauf angewiesen, sich technisch besser zu bewegen. Wenn dann die Kraft dazu kommt, können sie die schon gelernte Technik noch dazu nutzen. Dafür sind die Mädels oft nicht gezwungen vorzusteigen, wenn sie einen Mann dabei haben, der gerne Mut und Stärke beweist. Da fehlt dann oft das Selbstvertrauen „dann fall ich halt auch mal weit rein”. Frauen sind nicht die besseren Kletterer, aber die genauso guten Kletterer.

Was rätst du deinen Geschlechtsgenossinnen, um beim Klettern voran zu kommen?
So machen, wie man Lust hat. Sprich: selbst Routen und Boulder aussuchen; dann vorsteigen, wenn man wirklich mag; und sich nicht von wohlmeinenden Menschen reinquatschen lassen. Aber natürlich auch einfach viel machen. Bouldern vor allem bringt viel.

Kletterst du lieber mit Frauen oder mit Männern?
Allein an Partnerinnen mangelt‘s! Das Klettern mit Frauen macht anders Spaß. Der Tratschfaktor erweitert sich von Kletterzügen, Kletterrouten und Klettergebieten auf wirklich interessante Dinge! Okay, es gibt auch Männer, mit denen man richtig reden kann, aber wenn man eine Statistik aufstellen würde … Davon mal abgesehen macht es am meisten Spaß, wenn man eine Route oder einen Boulder gemeinsam auschecken kann und ähnlich schnell hinkriegt, egal ob mit einem Mann oder einer Frau!

Wie kannst du aus deinen langjährigen Klettererfahrungen profitieren?
Wovon ich auf alle Fälle profitiere, sind die Bewegungserfahrungen. Wettkampferfahrung hatte ich nur beim Schwierigkeitsklettern, das mit den Boulderwettkämpfen mache ich ja auch „erst“ seit ein paar Jahren. Aber den Umgang mit Stress kann man halt üben, und beim Boulder-Wettkampf kann ich mein Können auf alle Fälle viel besser an die Wand bringen, als es mir je bei Wettkämpfen mit Seil gelungen ist. Beim Bouldern kann man alle Power von Anfang an einsetzen. Zum Meter machen war ich glaube ich nie locker genug. Und beim Bouldern hat man mehr Chancen, da kann man auch mal einen Boulder verhauen. Der Gedanke entspannt mich.

Ist die Motivation zum Klettern nach so langer aktiver Zeit immer noch die selbe?
Ich verbringe heute viel weniger Zeit mit Klettern. Daher bin ich in den Momenten, wo ich klettern oder bouldern kann, sehr viel motivierter, weil das ja etwas Besondereres ist.

Was hat dich daran gereizt, nach längerer Wettkampfabstinenz wieder mitzumischen?
Erst habe ich nur hier bei uns kleinere Boulder­wettkämpfe mitgemacht. Dabei hab ich gemerkt, dass ich doch ganz schön fit bin. Und dann wollte ich halt noch mal checken, ob ich auf Deutschland­ebene mithalten kann. Kann ich. Ist ja auch spannend, ob man so einen Wettkampfboulder schafft. Und wenn‘s erfolgreich ist, dann motiviert‘s natürlich auch.

Wie waren deine Eindrücke vom Bronx Rock Invitational?
Super, klasse, total gut. Nach dem Schrauben hab ich noch gedacht, warum ich für so was so weit gefahren bin. Ich fand das total stressig, nur Wand anschauen, Leiter hoch, Leiter runter. Nach dem Bouldern wusste ich dann wozu: Das Wiederholen der Boulder mit den anderen Frauen hat richtig Spaß gemacht. Hier ging‘s wirklich darum, dass jeder möglichst gute Leistung an die Wand bringt. Auch mit Hilfe der „Konkurrenz“.

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