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Kletterer Daniel Jung im Interview

„Ich mag keine Geschenke“ - Daniel Jung Interview (+ Bilder)

Daniel Jung, einer der stärksten deutschen Kletterer, über Eitelkeit, Aussehen und Charakter – von Routen, natürlich. Plus: Bilder von Daniel am Fels.

Schwere Erstbege­hungen, ungewöhn­liche Linien, und lange, schlecht abgesicherte Routen – Daniel gehört zu den ambitioniertesten deutschen Kletterern. Sein Studium geht er dagegen etwas ruhiger an ...

In diesem Artikel:

Interview mit Kletterer Daniel Jung

Daniel, wie lang willst du eigentlich noch studieren?
Weiß nicht. Ich lasse mir Zeit und mache einen guten Abschluss.

Und dann wirst du Lehrer?
Genau. Oder ich mache ‘ne Boul­derhalle auf. Super wäre natür­lich Kletterprofi, aber davon kann man ja nicht leben. Und außer­dem hätte ich auch keinen Bock auf Leistungsdruck. Das stelle ich mir stressig vor, wenn du unbe­dingt was Tolles reißen musst, und das klappt vielleicht nicht.

Seit wann kletterst du?
1997 hat der Alpenverein bei uns eine Kletterwand gestartet – die würde heute gerade noch als Boulderwand durchgehen, so mit vier Metern, aber damals musste man da mit Seil klettern. Vorher habe ich mich mit meinen Brüdern Markus und Sebastian in Berdorf schon mit selbstgebastelten Gurten abgeseilt. Mit dem Klettern ging es aber erst Ende der 90er­ Jahre los.

Was hat dich damals am Klettern fasziniert?
Ich kannte Berdorf eben von Fa­milienausflügen und wollte da die Wand hochklettern. Und dann sah ich im Topo ein Bild von Jean­ Minh Trin Thieu in Siu­rana. Da hab ich mir gedacht: Boah, irgendwann will ich auch mal so klettern! Meinen ersten Wettkampf in der Jugend A hab‘ ich dann gewonnen, und da dachte ich: Super, wenn ich weiter Wettkämpfe gewinne, dann kann ich später meine Kletterreisen so finanzieren. Aber das funktioniert für mich nicht. Und ich bin halt sehr gern draußen.

Welche Art von Kletterei gefällt dir besonders gut?
Ganz natürliche Linien. Auf gechippte (künstlich veränderte/beschädigte, Anm.d.Red) Routen hab‘ ich keinen Bock, sowas klettere ich normal nicht. Das nimmt mir den Reiz. Und ich mag es, wenn es tech­nisch anspruchsvoll ist. Wenn man herumknobeln muss, also ‚richtig klettern‘. Da habe ich so­gar ein Kürzel für meine Topos, wenn die Kletterei anspruchsvoll ist: ‚RK‘, das steht für: Richtig klettern. Ich freu‘ mich einfach über natürli­che Sachen. Wenn ich einen schönen Felsen sehe, schöne Griffe und Strukturen – zack, freu‘ ich mich total. Das gilt auch, wenn ich einen kleinen Stein finde, der mir gefällt, oder ich sehe eine Raupe oder einen schönen Baum. Das sind so Sachen, da kann ich mich lang mit beschäftigen. Das war eigentlich schon immer so. Ich glaube, die ersten Worte, die ich sprechen konnte, waren Stock und Stein. Und heute spiel‘ ich eben immer noch gern mit Steinen (grinst).

Und vom Spielen mit Steinen wird man so gut?
Nee, vielleicht nicht. Früher hab ich Sechser rauf und runter ge­klettert. Aber ich wollte immer besser werden, weil es hieß, wenn du besser bist, darfst du bei den Erwachsenen mittrainieren und kannst zweimal die Woche an die Kletterwand. Irgendwann hab ich dann in der Rotpunkt den Satz gelesen: „Den zehnten Grad kriegt man nicht geschenkt.“ Okay, hab‘ ich mir ge­dacht, dann muss man sich halt anstrengen. Das habe ich dann auch getan, und irgendwann hat es eben auch mal geklappt.

Du machst häufig Erstbegehungen. Warum?
Das ist spannend! Was zu klettern, was noch keiner gemacht hat: Vielleicht ist es viel zu schwer, vielleicht passt es aber auch und es hat sich bisher nur keiner getraut reinzugehen ... Und man muss basteln. Und man kann sich Namen ausdenken, das ist auch schön. Und: Meist ist kein Chalk drin. Keine Spuren, super. Denn eigentlich ist es ja Kappes. Ist doch völlig egal, ob du da jetzt als Erster hochkletterst oder nicht. Aber wenn keiner vor dir da war, musst du selber gucken, wie das geht – das ist cool!

Was muss eine Linie haben, damit sie dich interessiert?
Das ist so eine Sache. Das ist ein bisschen wie mit den Damen. Es gibt Linien, die sehen super aus, haben aber einen langweiligen Charakter. Andere sehen nicht so top aus und haben dann den Knüllercharakter. Also ich klettere lieber Sachen, die weniger Begehungen haben. Das ist meist ein Zeichen dafür, dass die Kletterei interessanter ist. Weil die meisten Leute ja lieber „gängigere“ Kletterei mögen, aber das finde ich meistens langweilig. Leider sind das oft die Linien, die spektakulär aussehen.

Das heißt, du hast noch keine Frau getroffen, die gut aussieht und gleichzeitig einen guten Charakter hat?
Äh, ja, doch, das gibt es schon auch (räuspert sich). Und es gibt natürlich auch welche, die mies aussehen und ‘nen miesen Charakter haben (lacht). Aber bei Routen gibt es eigentlich keinen schlechten Charakter. Manche sind halt unbequem, manche langweilig. Ich mag tricky und abgefahrene Sachen. Ich mag keine „Geschenke“. Ich finde komplizierte Sachen gut.

Was machst du an Ruhetagen?
Manchmal auch klettern. Viele leichte Sachen, Fünfer und Sechser. Auch wenn ich an einem Projekt arbeite, möchte ich viele Routen zur Auswahl haben. So kann ich, wenn es im Projekt mal nicht läuft, neue schöne Sachen klettern. Das ist mir wichtig.

Du machst selbst Musik. Wie ist es dazu gekommen?
Früher habe ich Trompete gespielt. Und mit 14 habe ich mir ein Maschinchen gekauft, so eine Groovebox, ein Drum-Computer mit einem Möchtegern-Synthesizer. Ich hatte überhaupt keine Ahnung. Aber ich wusste: Da kann man Musik mit machen. Dann habe ich mich sehr lang damit beschäftigt. Mittlerweile mach‘ ich Musik am Computer.

Was ist sonst noch wichtig im Leben für dich? Gute Leute, draußen sein, nach einem langen Urlaub nach Hause kommen ... Abenteuer. Ich mag neue Sachen. Und dann ist es natürlich wichtig, dass man Leute hat, mit denen man das teilen kann, was man macht.

Mit wem teilst du derzeit die meisten Dinge?
Ähm ... Unterschiedlich, meist mit meinem Bruder Markus und guten Freunden.

Anders gefragt: Hast du derzeit eine Freundin?
Nein. Vielleicht bin ich da etwas anspruchsvoll. Außerdem habe ich ohnehin mehrere komplizierte Beziehungen am Laufen – Felsprojekte, da kann ich keine Freundin brauchen ...

So so, anspruchsvoll ... Was muss eine Frau denn mitbringen?

Wär‘ ganz cool, wenn sie mitklettert, lustig und hübsch ist, ein Auto und viel Geld hat (grinst).

Bilder von Daniel Jung in Siurana, Ettringen und Norwegen

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Dein perfekter Klettertag?
Je nachdem. Supergeil find‘ ich es, in einer hohen Wand zu klettern. Vielleicht irgendwo in der Pampa, wo noch keiner war. Am liebsten mit wenigen, guten Placements, so dass die Kletterei schön luftig ist, aber nix passiert, wenn man fällt. Und dann muss noch etwas Unvorhergesehenes passieren, damit das Ganze spannend wird, aber gut ausgeht.

Der Abenteuer-Aspekt?
Ja genau (lacht). Also zum Beispiel fallen die Kletterschuhe runter oder die Wasserflasche läuft aus ... Letztes Jahr am Lysefjord in Norwegen wurde es mal richtig spannend, als es anfing zu regnen. Grasige Platten hochwackeln, ohne Sicherungsmöglichkeiten, mit einem Band drunter – da ging nichts, wir mussten warten, bis es halbwegs trocken war. Und dann kamen nasse Risse, teilweise Schulterrisse, und wir hatten natürlich nur kleine Camalots. Da hat mich ein Sky-hook gerettet. Das war schon lustig. Oder in Patagonien, da hat uns der Wind beinahe aus der Wand geweht.
Aber ich finde auch einen netten Sportklettertag super, mit lecker Frühstück, Klettern in der Sonne – zu heiß darf‘s natürlich nicht sein! Ein bisschen Wind, eine coole Route auschecken, nicht hochkommen, und dann im Dunkeln nochmal einen Go setzen und das Ding mit Taschenlampe durchklettern.

Mit Taschenlampe? Du meinst eine Stirnlampe, oder?
Ja, genau. Im Winter ist es immer so schnell dunkel, und daher habe ich viele meiner Begehungen mit Taschenlampe geklettert. Auch im Urlaub. An den letzten Tagen eines Urlaubs will ich einfach viel klettern, dann klettere ich halt auch abends oder nachts.

Dein Bruder Markus ist ja auch ein sehr starker Kletterer. Gibt es da Rivalität?
Markus ist echt ein guter Kletterpartner. Rivalität gibt‘s gar nicht. Überhaupt nicht! Das ist motivierend, aber als Rivalen fühlen wir uns nicht (lacht). Und der Markus klettert ja ganz anders als ich. Das ist eher inspirierend.

Bist du eitel?
Ähm ..., früher wahrscheinlich schon. Mit 16, Haarspray und so. Aber mit 18 war dann Schluss, weil ich da eine Brille gebraucht habe. Und Brillen sind ja immer hässlich, damit sieht man eh albern aus.

Aber mit Brille sieht man doch klug aus?

Ja, mittlerweile vielleicht, jetzt ist das Mode. Aber als ich meine Hornbrille angeschafft hab‘, da waren die Reaktionen noch nicht so positiv (grinst).

Dein Tipp an Kletter-Anfänger?
Lasst euch nicht von falschem Respekt zurückhalten. Lasst euch nicht sagen: Das ist zu schwer. Macht den Partnercheck – beim Sportklettern sterben ist doof. Und, das ist jetzt nicht so schön, aber das ist mir wichtig: Vergrabt euer Klopapier und was sonst noch dazu gehört. Nehmt eure Kippen, Tape-Reste und sonstigen Müll wieder mit. Kaugummis an den Fels drücken ist echt scheiße. Tickmarks wegbürsten wär‘ mir auch wichtig. Auch die von anderen. Es nervt wirklich, wenn der Fels zugemüllt ist. Nehmt deshalb auch öfter mal Müll von anderen mit. Der Daniel ist dann glücklich und freut sich.

Danke Daniel!

Fäcts: Daniel Jung

Geboren: am 16. November 1983 in Siegen, wo er noch heute wohnt. Daniel studiert Mathematik und Geografie auf Lehramt für Haupt- und Realschule.

Die härtesten Routen: Jungle Speed (9a), Siurana; Karamba (9a), Karacho (8c+, beide Phantasialand).

Die Schönsten: Leck Crack (8b), Norwegen; Supercowboy (8c+), Siurana – und viele andere schöne Routen, deren Namen er sich nicht merken kann.

Die Längsten: Eine vielleicht zwischen 150 und 200 Meter hohe Wand in Norwegen, wo Daniel und Markus das letzte Drittel ohne Standplatz gleichzeitig rausgeklettert sind; in der Tarnschlucht einige 50 bis 60 Meter lange Routen im Bereich 8a und 8b.

Seine Stärken: Super Motivation, Leisten, Biss.

Seine Schwächen: Manchmal zu aufgeregt vor einem Durchstiegsversuch, Löcher und Sloper, die Haut könnte noch etwas stabiler sein.

Bilder von Daniel Jung in Siurana, Ettringen und Norwegen

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Ticklist des Lebens: Weiterhin schön viel klettern; einen guten Job finden; Abenteuer, Expeditionen und Spaß haben.

Sponsoren: Five Ten, Black Diamond, Chimpanzodrome.

Daniel hat einen Blog, auf dem man seine Aktivitäten verfolgen kann: Daniel-Jung.Blogspot.de//

Mehr:

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Bilder vom Klettern in Sagres, Portugal

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