KL Johanna Ernst in Chamonix Heiko Wilhelm
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Interview mit Johanna Ernst

"Ich bin nicht so die Sportliche..."

Die 16-jährige Johanna Ernst dominiert derzeit die internationale Wettkampfelite im Schwierigkeitsklettern. Steffen Kern hat mit ihr gesprochen.

Wenn dir Anfang 2008 jemand gesagt hätte, dass du am Ende des Jahres Jugend-Weltmeisterin, Rockmaster, Österreichische Meisterin, Europameisterin und Weltcup-Gesamtsiegerin sein wirst – was hättest du geantwortet?
Da hätte ich erst mal lachen müssen, weil ich das nicht geglaubt hätte. Aber dass es jetzt so gekommen ist, ist natürlich super!

Was war das für ein Gefühl, als du bei deinem ersten Erwachsenen-Lead-Weltcup gleich gewonnen hast?
Das war halt etwas komisch in China – von den Zuschauern her. Die haben nicht angefeuert, und als ich auf dem Podium stand, hat keiner geklatscht, außer dem Team natürlich. Aber ansonsten – vom Gefühl her – war‘s schon der Wahnsinn.

Hast du da bereits an den Gesamt-Weltcup gedacht?
Nein, da hab ich nur gedacht, lässig, jetzt hast gewonnen. Schaun mer mal, wie‘s beim nächsten geht.

War das etwas anderes als bei Jugend-Wettbewerben zu starten?
Auf jeden Fall. Die Routen waren schon um einiges schwieriger, und dann ist da auch eine andere Atmos­phäre in der Iso-Zone. In der Jugend da sind immer viele Leute und da ist‘s auch immer recht spaßig. Bei den Erwachsenen geht‘s schon etwas ernster zu. Aber auch nicht immer, manchmal ist‘s da auch lustig.

Warst du besonders nervös?
Nein, nicht wirklich,... a bisserl natürlich schon.

Ist der Druck größer geworden durch deine Erfolge? Setzt du dich selbst mehr unter Druck?
Nein, ich klettere nächstes Jahr einfach weiter. Im Frühjahr möchte ich auch bei den Boulder-Weltcups starten – da bin ich gespannt, wie das laufen wird. Aber Druck mache ich mir keinen.

Hat sich durch deine Erfolge dein (Alltags-) Leben verändert?
Natürlich gibt‘s mehr Anfragen wegen Interviews und Fotos. Und die ganze Fanpost. Mein Leben hat sich aber nicht wirklich verändert, außer dass wir umgezogen sind. Aber ich selbst hab mich nicht verändert und denke auch, dass es wichtig ist, dass man trotz der Erfolge man selbst bleibt.

Wie läuft das während der Wettkampfsaison – wie bekommst du Training, Wettkämpfe und Lernen unter einen Hut?
Ich gehe jetzt an das Sport-Borg in Innsbruck. Das ist recht fein, weil ich so mehr Zeit für den Sport und für die Schule habe. Zweimal in der Woche haben wir in der Früh Training, da bekomme ich frei, genauso wie für die Wettkämpfe.

Behandeln dich deine Klassenkameraden anders, seit du ein „Kletterstar“ bist?
Nein, nicht wirklich. Die machen ja alle auch Sport und wissen, dass man dafür hart trainieren muss. Da gibt‘s kein Konkurrenzdenken.

Was sind deine Lieblingsfächer?
(lacht) Die Freistunden. Nein, Französisch ist ganz fein, Englisch … Aber das hängt auch stark vom Lehrer ab. Wenn du Mathe gar nicht magst, aber einen super Lehrer hast, dann wandelt sich das total schnell.

Wenn wir schon bei den Vorlieben sind: Was ist dein Lieblingsessen?
Lasagne.

Deine Lieblingsmusik?
Verschiedene Sachen, aber von der Richtung her Hip Hop.

Sonstige Hobbys?
Faul sein (lacht). Ich bin nicht so die Sportliche und hab‘s nicht so mit Radfahren oder so …

Mit wem kletterst du am liebsten?
(Zögert kurz, schaut zu ihrem Vater und fängt an zu lachen) Mit meinem Team. Nein, normalerweise sichert mich immer der Papa, aber zwei Mal die Woche haben wir Trainingstage im Tivoli, wo ich mit dem Innsbrucker Climbing Team zusammen bin, und das ist ganz lässig.

Wie oft trainierst du?
Fünfmal die Woche.

Wie lange?
Vier Stunden.

Und wie sehen deine Trainingseinheiten aus – Bouldern, Routen klettern, Krafttraining?
Bouldern und Routen klettern gemischt, das hat sich bisher bewährt. Krafttraining – vor allem für die Muskulatur, die ich beim Klettern nicht so brauche – mache ich das ganze Jahr über an den freien Tagen.

Trainierst du am Campusboard?
Ja, aber bislang nur ab und zu, wegen der Belastung für die Finger.

Was, glaubst du, sind die wichtigsten Eigenschaften, um so erfolgreich beim Klettern zu sein?
Ich denke, die Konsequenz ist das Wichtigste – die Konsequenz beim Trainieren. Und Spaß daran zu haben. Klar, man hat auch mal einen schlechten Tag, aber dann ist es eben auch wichtig, dass man konsequent ist.

Warum sind die österreichischen oder besser die Tiroler Kletterer und Boulderer seit Jahren so erfolgreich?
Weil‘s den Reini Scherer und den Rupi Messner gibt. Und die Birgit und den Martin Hammerer – das sind einfach alles super Trainer. Und auch weil es das Tivoli gibt – da hat‘s klasse geschraubte Routen, und zum Bouldern ist‘s auch fein.

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Was sind deine besonderen Stärken?
Ich denke der Kopf spielt eine große Rolle – einfach immer positiv zu denken. Und dann habe ich eine gute Ausdauer …

Woher kommt die?
Vom Papa.

Meinst du damit, dass die genetisch bedingt ist?
Schon! Der Papa war ja so ein Ausdauerviech, der war mal ein guter Mittelstreckenläufer.

Gibt‘s Griffe oder Züge, wo du sagen würdest, das kann ich weniger gut?
Nein, nicht wirklich. Manche Sachen muss ich halt noch trainieren. Im Springen bin ich nicht so gut, da fehlt‘s mir noch ein bisschen am Koordinativen. Aber man ist ja nie mit der Entwicklung am Ende, man kann immer was verbessern.

Johanna Ernst

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Wie und wann bist du eigentlich zum Klettern gekommen?
Vor zehn Jahren in den Ferien in Osttirol, da gab‘s eine Kletterwand, an der ich ein wenig gekraxelt bin. Die Leute dort wollten nicht glauben, dass ich noch nie geklettert war. Mir hat das gleich so viel Spaß gemacht, dass meine Eltern danach geschaut haben, dass wir immer wieder klettern gehen.

Klettern deine Eltern auch?
Nein, nur der Papa ein bisserl.

Wann hast du den ersten Wettkampf geklettert?
Ich glaube, das war 2000 in der Steiermark.

Hast du sofort gemerkt, dass das dein Ding ist?
Erst mal war ich frustriert, weil ich ziemlich weit hinten war … (Lacht) Aber ich habe einfach weiter trainiert. Irgendwann war ich dann auf einem Nachwuchswettbewerb in Rum in Tirol, wo auch Reini Scherer war. Ich habe den Wettkampf gewonnen, und meine Eltern haben ihn gefragt, ob er mich trainieren will. Von da an hatte ich Trainingspläne von ihm und es ist Stück für Stück aufwärts gegangen.

Verlassen wir kurz die Wettkämpfe: Im Frühjahr konntest du am Schleierwasserfall eine 8a+ onsighten und eine 8b punkten. Bist du viel am Naturfels unterwegs?
In letzter Zeit nicht mehr so viel, aber ich möchte in Zukunft wieder mehr raus gehen, weil es mir draußen mehr Spaß macht als in der Halle – man ist in der Natur und man kann auch viel mehr neue Routen ausprobieren.

Schadet das Felsklettern deiner Wettkampfform?
Nein, auf keinen Fall. Ich glaube, es fördert sie sogar: es ist ein ganz anderes Steigen, und durch das Suchen nach Griffen trainierst du ja auch deine Onsight-Fähigkeit. Es ist aber schon eine Umstellung zwischen Fels und Plastik. Nur draußen zu klettern, würde für Wettkämpfe nicht gehen.

Du meintest vorhin, dass du im Frühjahr auch Boulder-Weltcups klettern möchtest. Warum bist du im vergangenen Jahr nach dem Auftakt in Hall – bei dem du gleich Sechste geworden bist – keinen Boulderweltcup mehr geklettert?
Weil danach die Vorstiegssaison angefangen hat, und meine Ausdauer im Keller war. Das hat dann eine Weile gedauert, bis die Ausdauer wieder gut war. Und da ja Lead meine Disziplin ist, haben wir gesagt, dass ich 2008 nur Lead klettere und erst mal schaue, wie das überhaupt mit dem Weltcup so ist. Den Boulder-Weltcup in Hall habe ich deshalb mitgenommen, weil das in der Nähe war.

Warst du schon mal draußen zum Bouldern?
Noch nie. (Lacht) Ich hab zwar ne Bouldermatte, aber raus hab ich‘s bisher noch nicht geschafft. Will ich aber dieses Jahr unbedingt machen, das ist bestimmt lässig.

Wenn‘s der Wettkampfkalender zulässt … Sind deine Eltern eigentlich bei allen Wettkämpfen dabei?
Nein, nicht immer. In China war ich zum Beispiel allein. Der Papa ist schon oft dabei, die Mama weniger. Generell unterstützen sie mich aber sehr beim Klettern. Wir sind ja auch deshalb vor zwei Jahren nach Tirol gezogen.

Mit Blick auf‘s Karwendel. Bist du schon mal alpin geklettert?
Nein, würde ich aber auch gern mal machen. Gestern war ich auf einem Vortrag von Andy Holzer, dem blinden Kletterer. Das ist der Wahnsinn, was der macht. Aber auf jeden Fall möchte ich in Zukunft mehr draußen klettern.

Und was hast du dir für dieses Jahr konkret vorgenommen?
Es sind die World Games und die WM, da möchte ich natürlich mit einem guten Platz abschneiden. Und hoffen, dass Klettern olympisch wird!

Und was willst du mal werden, wenn du „groß“ bist?
Matura abschließen und studieren möchte ich auf jeden Fall. Was, weiß ich allerdings noch nicht.

Liebe Johanna, vielen Dank für das Interview.

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