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Interview mit Alex Honnold

"I don't really want to kill myself"

Alex Honnold (23) aus Kalifornien machte mit kapitalen Solobegehungen und schnellen Wiederholungen von Gritstone-Klassikern von sich reden. Nicholas Hobley führte ein Interview mit ihm.

Im letzten November hatte Alex Honnold mit Matt Segal und Kevin Jorgesson den britischen Gritstone besucht und zwischen den Regenschauern Begehungen von Klassikern wie Parthian Shot (E9 6c), New Statesman (E8 7a) und Gaia (E8 6c) gemacht. Nicholas Hobley hat das Interview geführt.

Alex, Du wurdest bekannt, als Du 2007 die Yosemite-Routen Astroman (5.11c) und The Rostrum (5.11c) an einem Tag free solo geklettert hast. Welchen Schwierigkeiten bist Du begegnet?

Der härteste Teil an Astroman und The Rostrum war, tatsächlich den Boden zu verlassen. Die mentale Barriere zu überwinden, etwas so großes und langes free solo zu machen. Es war das erste Mal, dass ich je so etwas gemacht habe. Keine der Routen ist super hart, wenn man vom Sportklettern ausgeht. Das schwerste daran ist definitiv, die Zuversicht und den Nerv aufzubringen, um sie solo zu klettern.

Du hast noch einen draufgesetzt, indem Du Moonlight Buttress (5.12d) in Zion free solo geklettert hast.

Moonlight hatte ich einige Jahre vorher geflasht, und es war super. Ich mochte die Route und wusste, dass ich sie klettern kann. Ich hatte es mir in den Kopf gesetzt, sie solo zu machen; und so habe ich es gemacht. Die Route ist vielleicht etwas leichter als 5.12d, aber das macht im Großen und Ganzen auch nichts aus. Wenn du eine solche Route solo machst, ist das die letzte deiner Sorgen. Meine bleibende Erinnerung an die Kletterei ist das Klemmen in den letzten paar Längen: Der Pfeiler wird schmaler, es fühlt sich ausgesetzter an, und du hast alle vier Punkte in einem verzweigten Fingerriss verklemmt. Es ist ein tolles, tolles Gefühl.

Mit einem Statikseil und einer Steigklemme hast Du die Route vier Mal ausgecheckt und ausgebouldert, bevor Du die Solo-Begehung gemacht hast. Meinst Du, dies vermindert in irgendeiner Weise den Wert der Solo-Begehung?

Für mich sicherlich nicht! Ich wollte Moonlight solo machen, und ich wollte es nur tun, wenn ich mich sicher darin fühlte. Also habe ich geübt, bis ich mich sicher fühlte und dann habe ich sie solo geklettert. Es hat sich gut angefühlt, genau zu wissen, was zu tun ist und alles perfekt zu klettern. Ich habe nie wirklich versucht, meine Onsight-Solo-Grenze herauszufinden - und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich das will. Ich habe sehr viel Respekt für Leute, die schwere Sachen solo onsight machen, und es könnte sein, dass ich in der Richtung noch weitergehen werde. Aber um ehrlich zu sein, ich will mich nicht wirklich umbringen. Es wäre echt scheiße, zu fallen...

KL Alex Honnold in Bachar-Yeria
Archiv Honnold
Alex in der Bachar-Yeria (5.11c) in Tuolumne Meadows, USA.

Und doch hast du im September 2008 die Regular Northwest Face (5.12) am Half Dome solo geklettert, die einen 5.12a-Boulderpart hat und eine Menge wackeliger Züge um die 5.11+...

Der Half Dome ist ein wahnsinnig beeindruckender Fels. Sogar der Zustieg hoch ist irgendwie einschüchternd. Ich hatte den Half Dome nicht so oft beklettert wie Moonlight und es war definitiv eine größere Herausforderung. Die Kletterei ist einfach härter: technischer, unsicherer Granit, Platten, sogar die Risse sind nicht einfach zu klemmen. Abgesehen davon würde ich die Route als superschöne Kletterei an einer tollen Wand beschreiben. Auf diese Solo-Begehung bin ich ganz besonders stolz.

Alex Honnold & Hans Florine Speedclimbing

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"Meistens klettere ich mit Seil, ich bin nur nicht so gut darin"

Was geht dir durch den Kopf beim Soloklettern?

In schwereren Routen bin ich normalerweise komplett ausgeschaltet. "Im Flow" oder wie auch immer man das nennen will. Ich bin dann sehr konzentriert, aber denke nicht wirklich an irgend etwas. In leichteren Routen hab ich normal einfach Spaß. Ich unterhalte mich, und höre Musik und so weiter. Ich bin auch schon ans Telefon gegangen. Es hängt nur davon ab, wie schwer die Kletterei ist.

Siehst du dich vorwiegend als Solokletterer oder ist das ein unvollständiges Bild?

Das wäre definitiv ein unvollständiges Bild. Meistens klettere ich mit Seil, ob Sportklettern oder Trad. Ich bin nur nicht so gut darin, deshalb hört keiner davon. Soloklettern gehe ich eigentlich nur selten im Jahr.

KL Alex Honnold in Parthian Shot
David Simmonite
Alex Honnold in "Parthian Shot".

Kürzlich standest Du im internationalen Rampenlicht, als Du zusammen mit Kevin Jorgesson und Matt Segal einen extrem erfolgreichen Klettertrip nach England gemacht hast. Nicht viele amerikanische Kletterer fahren nach Großbritannien, vor allem nicht im November!

Ich weiß, es ist nicht die übliche Saison fürs Klettern da drüben, aber Kevin und Matt haben die Reise organisiert, und ich bekam dank The North Face einen freien Flug, also habe ich die Gelegenheit genutzt. Und wie man sieht, haben wir genug geklettert und alles lief gut. Es ist besser, bei schlechtem Wetter wo hinzufahren, als gar nicht hinzufahren!

Was hältst Du vom britischen Gritstone?

Das Gritstone-Spiel könnte man beschreiben als verrückte Kombination aus Highball-Bouldern und sportlichen Trad-Klettereien. Sportlich meint hier athletisch wie beim Sportklettern und doch mit ganz schönen Abständen der Sicherungspunkte. Letztendlich ist es einfach ein cooler Kletterstil an einzigartig gutem Fels.

Deine Liste von Begehungen im Regen ist beeindruckend - gelinde gesagt. Was würdest Du als Deine wichtigste Leistung dort einschätzen und warum?

Ich denke "wichtige Leistung" überbewertet die Bedeutung eines Klettertrips. Aids zu heilen ist eine "wichtige Leistung". Wir haben nur viel geklettert und während des Regens Filme geguckt. Am meisten stolz bin ich auf den, ähem, "Onsight" von Gaia und Master's Edge. Davon abgesehen, mein solo onsight von London Wall könnte mein persönliches Highlight sein. Darüber hatte ich eine gute Weile nachgedacht.

Alex Honnold & Hans Florine Speedclimbing

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"Ich bin nicht so der Boulderer"

Du hast Deinen Begehungsstil von Gaia speziell betont...

Ich hatte Hard Grit ein paar Mal gesehen und Dosage auch, bei dem Lisa Rands Gaia klettert. Aber ich kann mich nie an sowas erinnern. Ich nehme an, korrekterweise ist es ein Flash, aber in meinem kleinen Notizbuch, in dem ich meine Routen und so notiere, ist es ein Onsight. Das ist für mich gut genug.

KL Alex Honnold in Gaia
Archiv Honnold

Dann soll es das für uns auch sein! Aber erzähl mal von Deinen Erfahrungen in Gaia und Master's Edge.

Die Erlebnisse in diesen beiden Routen waren komplett unterschiedlich. Gaia war frei von Chalk aber ist körperlich nicht sehr hart während des Runouts. Ich musste nur ruhigbleiben und mich vorsichtig bewegen und es war nicht so schwer. Master's Edge hingegen war komplett markiert und getickt (so fanden wir sie vor, was ein Glück) und voller Chalk, also war es wie eine Sportkletterei. Aber von den Zügen her war sie recht anstrengend und ich fand die Kletterei bis zum Sicherungspunkt hart. Es war stressig, so hoch über dem Pad zu sein. Um ehrlich zu sein, bin ich nicht so der Boulderer.

Beide Routen stammen aus den 80er Jahren...

Dass Johnny Dawes und Ron Fawcett all die harten Sachen in den 80ern geklettert sind, ist super-beeindruckend. Ich fand die Routen von John Dunne allerdings noch beeindruckender, weil sie mir von den Bewegungen her schwerer erschienen. Aber so oder so ist es cool, dass die Jungs solch schwere Routen in so gutem Stil vor so langer Zeit erstbegangen haben.

Wirst Du wieder hin fahren?

Am letzten Klettertag in England bin ich rausgegangen und habe Gaia solo geklettert. Es war eine wunderschöne Art, den Trip zu beenden: ein klarer Tag mit blauem Himmel und die Route strahlte in der Sonne. Perfekt. Ja, ich könnte mir vorstellen, eines Tages wiederzukommen und an den anderen Felsarten zu klettern. Vielleicht die Felsen am Meer oder Schiefer. Es scheint, dass es eine Menge spezieller Kletterei dort gibt. Aber erst will ich zum Sportklettern nach Europa. Ich habe gehört, in Spanien soll das Wetter besser sein...

Kürzlich bist Du noch einmal ins Yosemite zurückgekehrt. Was bedeutet das Valley für Dich?

Tja das Valley ist so nah an zu Hause, dass ich immer wiederkehren werde. Aber es hat auch die ehrfurchtgebietendsten Wände, die ich je gesehen habe. Ich muss dazu sagen, dass ich noch nicht so viel gereist bin, aber sie sind wirklich super-beeindruckend... und das Wetter in Kalifornien ist unschlagbar: Du kannst das ganze Jahr in der Sonne klettern. Das Wetter ist spitze.

Wen würdest Du als Kletter-Vorbild bezeichnen?

Ich war immer inspiriert von Peter Croft und John Bachar. Schon jahrelang höre ich Geschichten über sie im Valley. Mittlerweile, denke ich, bin ich eher inspiriert von Tommy Caldwell. Es ist spitze, wie er die Schwierigkeiten vom Sportklettern und Bouldern auf Bigwalls überträgt.

Big Walls, Sportklettern, kurze schlecht abgesicherte Routen - in welche Richtung wird Deine Kletterei gehen?

Ich weiß nicht, ob ich eine feste Richtung bestimmt habe, aber ich bin von Bigwalls definitiv am meisten inspiriert. Wer weiß? Es wird sich zeigen.

Video: Alex Honnold klettert Gaia

Das Interview führte Nicholas Hobley, www.planetmountain.com

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