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Sasha DiGiulian

"Glaube an dich" - Sasha DiGiulian Interview

Sasha DiGiulian hat schon zwei 9a-Routen klettern können. Im Interview spricht sie über ihren Werdegang, Training, und wie sie schwere Routen angeht.

Sasha DiGiulian hat nicht nur am Fels zuletzt mächtig abgeräumt. Bei der letzten Weltmeisterschaft gewann sie die Gesamtwertung (Bouldern, Speed und Lead kombiniert), nach ihrer ersten 9a 'Pure Imagination' folgte kürzlich ihre zweite: 'Era Bella' in Margalef. Das Interview führte Anna Piunova.//

Erzähle uns ein bisschen etwas über Sasha DiGiulian.
Ich bin 19 Jahre alt und komme ursprünglich aus Washington, DC. Ich habe 1999 mit dem Klet­tern begonnen, nachdem wir die Geburtstagsparty meines Bru­ders in einer Kletterhalle bei uns in der Nähe gefeiert haben. Ich habe schon immer verschiedene Sportarten betrieben, aber Klet­tern wurde meine wahre Leiden­schaft. Es ist der Sport, der mir am meisten Freude bereitet. Be­vor ich mit Klettern anfing, war ich schon Eiskunstlaufen und Ballett tanzen, habe Fußball ge­spielt und bin geschwommen. Und ich fahre schon ewig Ski. Meine Eltern und Freunde haben mich immer unterstützt, meine Träume zu verfolgen, und jetzt, wo sie langsam Wirklichkeit werden, muss ich mich zuerst bei ih­nen bedanken. Vor allem bei mei­ner Familie, die mir immer gesagt hat, dass ich alles, woran ich glaube, auch erreichen kann.

Du warst gerade mal sieben, als du aufs Klettern gestoßen bist.
Ja. Und ich liebte es sofort. Ich fand die Höhe aufregend, und beim Klettern konnte ich immer höher und höher hinauf.

Video: Sasha DiGiulian in "Era Bella" (Rohmaterial)

Wer waren deine Förde­rer im Klettern?
Meine Freunde. Ich habe nie zu jemandem Spezi­ellen aufgeschaut. Ich hatte zwar Idole wie Chris Sharma, den ich für einen unglaub­lich talentierten Kletterer halte. Aber generell bekomme ich die meiste Unterstützung und den meisten Zuspruch von den Leu­ten, mit denen ich täglich zusammen bin – meinen Freunden.

Welchen Einfluss hatten Deine Trainer Claudiu Vidulescu und Vadim Vinokur?
Claudiu Vidulescu war mein ers­ter Trainer, von meinem achten bis ungefähr zu meinem zwölf­ten Lebensjahr. Mit Vadim be­gann ich im Alter von elf, zwölf Jahren zu arbeiten bis ich 16 war. Beide haben immer sehr hohe Standards gesetzt und mir beige­bracht, dass ich mich in meinen Möglichkeiten selbst beschränke, wenn ich nicht großen Träumen folge. Vor allem haben mich die beiden in die Welt des internatio­nalen Wettkampfs eingeführt.

Wie sahen ihre Trainingsme­thoden aus?
Arbeite hart, glaube an dich, und bringe dir mentale Stärke bei.

Kannst du dich an deinen ers­ten Wettkampf erinnern?
Ja! Ich war noch nie zuvor bei einem dabeigewesen, und stolperte in die regionale Jugendmeisterschaft in unserer Kletterhalle. Die ließen mich mitmachen – und ich gewann.

Wie sieht das Training beim US Team Training Camp in Boulder, Colorado, aus?
Ich gehe da nicht hin, deshalb weiß ich das nicht.

Hast du niemanden, der dir einen strukturierten Trainingsplan aufstellt?
Nein.

Auf der nächsten Seite: Sasha über Training, Fokus, und wie sie schwere Routen angeht...

Sasha DiGiulian

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"Es gibt keinen Grund, sich beim Klettern von Zahlen einschränken zu lassen" - Sasha DiGiulian Interview

Welche Art von Training funktioniert für dich am besten?
Die Art, auf die ich am jeweiligen Tag am meisten Lust habe, um ehrlich zu sein. Mir macht Draußen klettern am meisten Spaß, deshalb trainiere auch am liebsten am Fels.

Wie schaffst du es, in einer Route fokussiert zu bleiben?
Ich versuche, eine Route in einzelne Sequenzen zu zerlegen und mich nicht mit dem Gedanken nervös zu machen, dass ich jetzt den Durchstieg schaffen will. Jede Route zerlege ich in einzelne Abschnitte, und die große Reise besteht dann nur darin, die einzelnen Abschnitte zu verbinden.

Du hast deine erste 8c+ im März, deine erste 9a im Oktober geklettert. Das ist ein fantastischer Fortschritt. Warst du überrascht oder hast du ganz gezielt darauf hin trainiert?
Ein bisschen von beidem, denke ich. Es gibt keinen Grund, sich beim Klettern von Zahlen einschränken zu lassen. Wenn mich eine Linie inspiriert, dann probiere ich sie einfach.

Fotostrecke: Sasha DiGiulian klettert Era Bella (9a)

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Video: Sasha DiGiulian in "Pure Imagination"

Deine ersten beiden 8c+ Routen hast du in sechs Versuchen geschafft, deine erste 9a ebenfalls. Ist Sechs deine Glückszahl? Im Ernst: Wie laufen deine Versuche und Durchstiege ab?
Im allgemeinen klettere ich eine Route zwei Mal, bis ich die optimalen Lösungen für die einzelnen Passagen gefunden habe. Dann fange ich an, längere Passagen am Stück zu klettern und entwickle dabei eine Art muskuläres Gedächtnis, so dass ich die Route möglichst effizient und mit dem geringstmöglichen Kampf und Energieaufwand klettern kann – damit mir möglichst viel Kraft für die Schlüsselstellen bleibt.

Du bist sehr stark in langen, steilen Ausdauerrouten, am besten solchen mit kleinen Leisten. Ist das einfach natürliche Veranlagung?
Das ist tatsächlich mein bevorzugter Stil von Routen. Ich war schon immer besser an Leisten als an Slopern oder Zangengriffen. Wahrscheinlich, weil meine Hände klein sind und deshalb von Natur aus kleine Leisten besser halten können. Und lange Routen liebe ich, weil sie wie kleine Reisen sind. Alles andere um dich herum verschwindet aus deinem Bewusstsein und du nimmst nur noch dich selbst und das Klettern wahr.

Die Onsight-Regeln können ziemlich tricky sein. Du hast vor zwei Jahren Markus Midtboe bei seiner Onsight-Begehung von Omaha Beach (8b+) in der Red River Gorge gesichert. Letztes Jahr warst du die erste Amerikanerin, die Omaha Beach onsight geklettert ist ...
Meiner Meinung nach ist Onsight die Begehung einer Route, die du noch nie probiert hast, in der du noch nie jemandem zugeschaut hast und von der du auch sonst keine Informationen hast. Es stimmt, dass ich Markus zwei Jahre zuvor in der Route gesichert habe. Aber die Route hängt unglaublich über und geht anfangs über einen Wulst, unter dem du als Sicherer stehst. Von dieser Stelle aus siehst du den Vorsteiger nicht. Dazu kommt, dass ich nicht hochgeschaut habe, weil ich wusste, dass das eine Route ist, die ich einmal onsight probieren könnte. Nach meiner Einschätzung und der aller Leute, die die Route und ihre Geschichte kennen, war meine Begehung eine 100-prozentig korrekte Onsight-Begehung.

Was macht den Unterschied zwischen einem guten und einem Spitzenkletterer aus?
Du musst die ganze Reise lieben und Spaß am Klettern haben. Und darfst dich nicht auf Schwierigkeitsgrade und Wettkampfergebnisse fixieren.

Gibt es Bereiche, in denen du noch an dir arbeiten musst?
Absolut – an allem. Vor allem aber an pressigen Zügen und Dynamos.

Wie fühlt es sich an, jemand zu sein, der Grenzen verschiebt?
Ich hoffe nur, dass ich andere in- spirieren kann, ihre eigenen Träume zu verfolgen und an sich selbst zu glauben.

Hast du noch andere Interessen neben dem Klettern? Bleibt dir Zeit dafür?
Ich hänge gerne mit meinen Freunden ab, liebe Skifahren, kochen, lesen, laufen und shoppen gehen!

Du hast jetzt ein freies Jahr, bevor du mit dem Studium beginnst. Was sind deine Ziele für die Zukunft?
Ich möchte weiter voller Leidenschaft klettern und Spaß bei diesem Abenteuer haben. Und ja, in diesem Jahr werde ich an der Columbia University anfangen zu studieren.

Sichert dich deine Mutter noch manchmal?
Ja. Draußen zwar nie, aber wenn ich mal zuhause in der Halle trainiere, dann schon.

Danke für das Interview, Sasha!

Sasha DiGiulian

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