DAV Expedkader Frauen Expedition Indien DAV Expedkader Frauen
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DAV Expedkader Frauen Expedition Indien 11 Bilder

DAV-Expedkader

Frauen-Expedkader in Indien

Abenteuer Klettern - die besten Storys

Trotz Schwierigkeiten gelang dem Frauen-Expedkader im indischen Himachal Pradesh drei Erstbegehungen, darunter eine Erstbesteigung.

Der Exped-Kader des Alpenvereins bildet die Spitzenalpinisten von morgen aus. Der Frauen-Kader war 2019 in Indien und hat dort einige Erstbegehungen vollenden können.

Zusammenfassung:

Eigentlich sollte die Abschlussexpedition in die Zanskar-Region gehen, wegen des Konflikts mit Pakistan gab es dafür aber keine Permits. So ging‘s in den Bundesstaat Himachal Pradesh, wo Raphaela Haug, Jana Möhrer, Veronika Hofmann und Laura Tiefenthaler plus Trainerin Dörte Pietron und Ärztin Franziska Dünßer drei Erstbegehungen gelangen. Highlights waren der Südwestpfeiler am Ali Ratna Tibba (5490 m, bis 6a) sowie die Erstbegehung eines Pfeilers an einem namenlosen Gipfel mit perfekten Granitrissen bis 6b+. Am 6. Dezember hält der Frauen-Expedkader einen Vortrag im Alpinen Museum in München, der Eintritt ist frei.

Bericht des Frauen-Expedkaders des DAV:

Nur wenige Tage vor dem geplanten Aufbruch in die indische Zanskar-Region kam die Nachricht, dass die Gegend wegen des erneut aufgeflammten Grenzkonfliktes mit Pakistan gesperrt wurde. Es fehlten dementsprechend die nötigen Permits. “Und außerdem helfen Kletterhelme auch nicht gegen Granaten„, lautete das frustrierte Statement der Kaderathletinnen, während sie in kürzester Zeit ein Alternativziel suchten.

Gefunden haben sie ihr Ausweichziel schließlich in der indischen Region Himachal Pradesh. Rund um den in der Gegend prominentesten Berg Ali Ratni Tibba (5490m) warteten mehrere noch unbestiegene Gipfel und Felswände. In wenigen Tagen organisierten die Nachwuchsalpinistinnen ihre Expedition um und flogen nach Indien.

Endlich in den Bergen

Von der Ortschaft Naggar nahe der Stadt Manali lief der Expedkader zunächst über einen Pass und dann das Manala-Tal in vier Tagesmärschen hinauf. Einen fünften Tag benötigten sie für die Überquerug eines reißenden Gletscherbachs. “Wir mussten extra eine Seilbahn aufbauen, das hat alles gedauert„, berichtet Jana. Auf circa 3400 Meter Höhe richteten sie das Basislager ein und gleich machten sich alle daran die Umgebung auszukundschaften sowie nach möglichen Routen abzusuchen. Außerdem wurde auf der Südwestseite des Ali Ratni Tibba auch gleich ein vorgeschobenes Basislager (ABC) auf circa 4600 Meter Höhe eingerichtet. Praktischer Nebeneffekt der Kundschafterei und Arbeit: Alle waren schon schnell akklimatisiert und bereit zum Klettern.

Schnelle Gipfelerfolge

Schließlich standen die Ziele für das Schönwetterfenster fest: Vroni und Kadertrainerin Dörte wollten einen bisher unbenannten Berg angehen, während Jana, Raphaela und Laura den Südwestpfeiler des Ali Ratni Tibba im Auge hatten.

Es sollte ein langer Tag werden. Die Dreierseilschaft kletterte über den Granitpfeiler und meisterte dabei Schwierigkeiten bis 6a, bevor sie über das kombinierte Gelände den Gipfel auf 5490 Meter Höhe erreichten. Selber überrascht über das schnelle Tempo machten sie sich an den Abstieg über die Aufstiegsroute. “Alles lief rund, pünktlich zu Sonnenuntergang waren wir mit dem Abseilen fertig und mussten nur noch eine halbe Stunde ins ABC laufen, wo wir mit Einbruch der Dunkelheit ankamen. Ein perfekter Tag!„ Vroni und Dörte änderten ihr Ziel kurzfristig und stiegen über eine Gletscherroute auf einen bisher unbestiegenen Gipfel.

Kaum unten, schon geht’s wieder rauf

Am nächsten Morgen im Basislager wurde Dörte krank, das Wetter war jedoch immer noch stabil. Also zogen die Kaderathletinnen ohne Dörte los und stiegen wieder ins ABC auf. Alle vier konnten daraufhin in zwei Zweierseilschaften die ursprünglich von Vroni und Dörte geplante Pfeilertour auf einen ebenfalls unbenannten Gipfel erstbegehen. Auch hier erwartete sie Traumfels, perfekte Granitrisse und Schwierigkeiten bis 6b+.

Am Ende kam dann doch das schlechte Wetter

Eigentlich hatte das Team jetzt noch die Nordwestwand und -kante des Ali Ratni Tibba im Visier. Allerdings war vorher ein Ruhetag im Basislager dringend nötig und der Wetterbericht schlecht. In Sorge, dass der ohnehin kritische Gletscher auf dem Weg zum ABC unpassierbar werden könnte verlegten die Nachwuchsalpinistinnen vorsorglich das ABC soweit nach unten in die Nähe der Nordkante, dass der gefährliche Abschnitt nicht mehr begangen werden musste.

Eine gute Entscheidung, denn kurz darauf verschlechterte Regen die Verhältnisse auf dem Gletscher stark, außerdem schneite es in die geplante Route.

So blieb nichts außer Bouldern, Wandern und am Griffbrett hängen, bevor die Gruppe in die Zivilisation zurückkehrte. Zum Abschluss verbrachten sie noch jeweils zwei Tage in Manali und in Dehli, anschließend flogen sie wohlbehalten nach Deutschland zurück.

Überblick Frauen-Expedkader Indien-Expedition 2019

  • Expeditionsteilnehmerinnen: Dörte Pietron (Kadertrainerin), Franziska Dünßer (Expeditionsärztin), Raphaela Haug, Jana Möhrer, Veronika Hofmann und Laura Tiefenthaler. Die Kadermitglieder Elena Wiwiora und Eva Lochner konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht mitkommen.
  • Expeditionsziel: Malana-Tal und Ali Ratni Tibba (5490m) im indischen Himachal Pradesh.
  • Anreise: Fünf Tage durch das Manala-Tal bis zum Basislager auf 3400m
  • Geplante Touren: Ali Ratni Tibba über Südwestpfeiler und Nordwestwand und -kante sowie ein unbenannter Gipfel
  • Tatsächliche Ziele: Südwestpfeiler des Ali Ratni Tibba, Granitpfeiler auf unbennannten Felsgipfel sowie Erstbesteigung eines ebenfalls unbenannten Gletschergipfels
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