Teil des
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Interview mit Dorothea Karalus

"Eine schöne Linie mit Leisten..."

Die 23-jährige Dorothea Karalus hat im letzten Jahr superharte Boulder abgezogen - mit "Teamwork" (8a) im Tessin als Krönung. Wir fragten sie, wie das war und noch einiges mehr.

Dorothea Karalus, wohnhaft in Bayreuth, ist 1,60 m groß und wird von Monkee gesponsort. Mit ihren fünf Bouldern im achten Grad (Fontainebleau-Skala) gehört sie zu den stärksten deutschen Frauen und auch international zur Crème de la Crème der Kletterinnen. Dabei hält sie sich so bedeckt, dass auch wir sie fast übersehen hätten. Gut, dass es nicht so gekommen ist und wir hier ein umfassendes Interview mit der symphatischen Wahlfränkin bringen können.//

Du hast gerade "Teamwork" (8a) abgezogen - erzähl mal, wie war das?
Da ich mir eine Woche vor dem Tessinurlaub eine supertiefe Wunde auf der Fingerkuppe geholt hatte, musste ich mit getaptem Finger klettern, was nicht unbedingt förderlich für Sloperboulder ist. Meine Hoffnung lag darin, dass ich halbwegs positive Leisten trotzdem noch halten könnte. Vom letzten Besuch in Chironico im Frühling hatte ich Teamwork noch als schöne Linie mit Leisten im Hinterkopf, damals waren mir 8a-Boulder jedoch noch zu schwer.

Nach einigen Einklettertagen (dringend nötig nach einer Lernphase) boulderten Mona und ich den Boulder aus und fanden auch eine super Lösung. Dummerweise lag auf dem Ausstieg ziemlich viel Schnee, der sich auch mit viel Aufwand nicht vollständig entfernen ließ. So endeten am ersten Tag die zwei besten Versuche an den vereisten Griffen des eigentlich leichten Ausstiegs. Die nächsten Tage brachten mehr Schnee, also mussten wir nochmal mit Seil, Leiter und Besen anrücken. Als der Fels dann aber abgetrocknet war, klappte es und ich konnte somit meinen fünften Boulder im 8. Grad klettern. Dabei war mein Ziel für 2008 eigentlich, nur 'solide' 7c+ klettern zu können...

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Dass Tessin versinkt im Schnee, doch die Freundinnen Mona und Doro vertiefen sich ins "Teamwork" (8a).

Seit wann kletterst Du, und wie bist Du dazu gekommen?
Klettern ist schon immer ein Bestandteil meines Leben. Da meine Eltern selbst klettern und viel draußen aktiv sind, wurde ich schon als Kind quer durch die Klettergebiete Europas "geschleift", war meistens aber mehr am Spielen und Toben interessiert. Später begann ich, mich aus eigenem Antrieb fürs Klettern zu interessieren und seitdem nimmt es einen immer größeren Anteil in meinem Leben ein.

Was motiviert Dich?
Der Enthusiasmus anderer Leute, die angenehme Müdigkeit nach einem langen Klettertag, die vielen schönen Tage an neuen Orten überall auf der Welt.

Du boulderst in erster Linie - warum?
Im Moment sprechen mich die Linien und Bewegungen beim Bouldern mehr an, es macht stark und man lernt superviel dabei! Außerdem ist es einfach praktischer, wenn man nach der Uni nur drei Stunden Zeit hat bis es dunkel wird. Vor allem aber müsste ich ja meinen Freund zum Sichern überreden...

"Müde, kaputt aber zufrieden einschlafen..."

Was macht gute Kletterpartner (bzw. Boulderpartner) aus?
Einerseits die nötige Lockerheit, sodass man zusammen einen schönen Tag und viel Spaß hat. Andererseits ist es auch wichtig, dass man sich gegenseitig motivieren kann, zusammen gute Lösungen für Probleme austüftelt und voneinander lernen kann. Super ist es natürlich wenn man ähnliche körperliche Voraussetzungen hat, deswegen kletter' ich echt gerne mit anderen Mädels (und man hat einfach mehr zu erzählen).

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Zurückhaltend und stark wie Hölle: Dorothea Karalus.

Was disqualifiziert jemanden als Kletterpartner?
Ständiges Rumschreien, Auftreten in Riesengruppen, mangelhafte Sicherungstechnik, mit Schweißfingern die Griffe anfassen...

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Leisten bevorzugt: Doro in "Shining" (8a) in der Silvretta.

Wie sieht der perfekte Klettertag für Dich aus?
Morgens in der Sonne auf dem Crashpad frühstücken, ein neues Gebiet mit vielen tollen Bouldern anschauen, viele tolle Boulder klettern, zwischendurch Freunden beim Bouldern zuschauen und die Natur genießen, ein schöner Sonnenuntergang, leckeres Essen und Bier, müde und kaputt aber zufrieden einschlafen.

Begehungen, auf die Du besonders stolz bist?
Schicht im Schacht (Fb 8a) im Frankenjura: Mein großes Projekt 2008, im Frühling davon geträumt, im Sommer bei viel zu hohen Temperaturen versucht (wollte alles dafür tun, dass es im Herbst dann auch klappt), im Herbst erstmal vor einer komplett nassen Wand gestanden, als es dann mal trocken war, bin ich einfach dagegen angerannt, bis es geklappt hat. Für mich optisch und bewegungsmäßig einer der besten Boulder im Frankenjura.

Frogger (Fb 7c+) im Tessin: Ist auf meiner "lifetime ticklist" (also Sachen, die man eigentlich nur in Tagträumen in einer langweiligen Vorlesung klettert). Perfekter Fels an einem superschönem Platz in einem meiner Lieblingsgebiete.

Wieviele Paar Kletterschuhe hast Du in Deinem Rucksack?
Ein ausgelatsches Paar zum Aufwärmen; ein bis zwei gute Paare (für Hooks und kleine Tritte); manchmal ein weicheres Paar für Reibungstritte (je nach Gebiet).

Was ist Dein persönlicher "limitierender Faktor" (wenn Du sowas hast)?
Zeit? Die Uni nimmt irgendwie schon immer mehr Zeit und Energie in Anspruch.

Wo trifft man Dich häufig an?
Am Schreibtisch, im Labor oder unter einem nassen Block im Frankenjura...

"Jeden Klettertag glücklicher nach Hause kommen..."

Dein Lieblingsklettergebiet?
Die Alpen: Ich mag es, in den Bergen zu sein, in Gebirgsbächen zu baden und von Natur umgeben zu sein. Und es gibt sooo viele schöne kleine Gebiete.

Wo geht Dein nächster Urlaub hin?
In den nächsten Semesterferien im Frühling wird es wohl in die Schweiz und eventuell noch in ein für uns neues Gebiet gehen. Nach meiner Bachelor-Arbeit würde ich gerne ein halbes Jahr reisen, wahrscheinlich (hoffentlich!) machen wir einen Roadtrip durch die USA.

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Am Ausstieg von "Höhenrausch" (7b+).
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Bouldern auf der Alm - Doros Lieblings-Boulder-Umgebung.

Wofür musst Du Dich anstrengen?
Jeden Morgen pünktlich an der Uni zu sein...

Dein Lieblingsessen?
Schokomüsli (grinst).

Hast Du Helden bzw. Vorbilder? Wenn ja, welche und warum?
Ich finde es super-motivierend, wenn andere Leute, vor allem Frauen, schwer klettern. Wenn man sieht, dass Leute wie Lynn Hill auch nach vielen Jahren anscheinend noch so viel Freude und Ehrgeiz beim Klettern haben, dann ist das schon sehr anspornend.

Wenn ich nicht gerade klettere, dann... versuche ich, eine fleißige Studentin der Biochemie zu sein.

Kann mir bitte jemand erklären, warum... Frauen schneller frieren müssen als Männer?

Was machst Du in 10 Jahren?
Ich habe hoffentlich einen interessanten Job, der mir genug Zeit lässt, in einem tollen Klettergebiet vor meiner Haustür klettern zu gehen...

Dein Tipp an Kletter-Anfänger?
Klettern, klettern, klettern! Mit vielen verschiedenen Leuten, an verschiedenen Felsarten, mit unterschiedlichen Anforderungen. Meiner Meinung nach ist für Anfänger Seilklettern oft besser geeignet als Bouldern, da man bei längeren Routen gezwungen wird, effizient und mit möglichst wenig Kraft zu klettern. Beim Bouldern bekommt man zwar vielleicht mehr Power, aber die dürfte für 80% der (männlichen) Anfänger nicht der limitierende Faktor sein...

Dein nächstes Projekt?
Die Liste wird länger und länger... Konkrete Ziele möchte ich aber nicht verraten, will mich ja nicht unter Druck setzen (grinst). Das eigentliche Ziel ist es, an jedem Klettertag ein klein wenig glücklicher nach Hause zu kommen als man es vorher war.

Das ist doch die beste Zielsetzung, die ich seit langem gehört habe. Danke fürs Interview!

Mehr über Dorothea Karalus:

Dorotheas "Logbook" auf www.8a.nu

Dorotheas Athletenprofil bei Monkee Clothing

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