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KL Anna Stöhr beim Boulderworldcup in Hall
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Interview: Kilian Fischhuber und Anna Stöhr

Die Boulderprofis Anna Stöhr & Kilian Fischhuber im Interview

Die Österreicher Anna Stöhr und Kilian Fischhuber sind die erfolgreichsten Wettkampfboulderer aller Zeiten - und seit Jahren ein Paar.

Fünfmal Weltcup-Gesamtsieger, aber noch nie Weltmeister. Wurmt dich das nicht?
Kilian: Das geht ja gut los! (Lacht) Klar, das tut schon weh, wenn man bei so vielen Welt- oder Europameisterschaften als einer der Favoriten gehandelt wird und in einer guten Form ist, es dann aber nicht so läuft, wie man es sich vorstellt.

Ziehst du ihn manchmal damit auf?
Anna:
(Lacht) Nein …
Kilian: Aber sicher! Wir witzeln schon ab und zu, wer besser ist.
Anna: Wir bauen uns gegenseitig auf, manchmal ziehen wir uns aber auch auf. Das gehört dazu, glaube ich.

Welchen Anteil am Erfolg hat der Kopf bei Wettkämpfen?
Anna:
Von der Kraft und der Fitness sind alle in der Spitze auf einem enorm hohen Level. Da ist manchmal schon der Kopf entscheidend. Wer die Nerven am besten bewahrt, ist dann eben ganz vorn. Aber es geht auch darum, wer den entscheidenden Tick fitter ist, deshalb kann man nicht sagen, dass das nur Kopfsache ist.
Kilian: Ich denke nicht, dass die Wettkämpfe, bei denen der Fitteste gewinnt, überwiegen. Wenn wir uns in der Iso-Zone aufwärmen, da sind oft viele Leute stärker als ich. Und wenn es dann beim Wettkampf darum geht, die richtige Lösung zu finden, ist das ja auch kein mentales Problem. Da geht es einfach darum, ob man‘s checkt, was zu tun ist. Dann kommt es darauf an, ob einem der Boulder liegt, ob man einen guten Tag erwischt – das sind so viele Faktoren. Der Fitteste zu sein, reicht nicht, um zu gewinnen.

Anna, was waren bei der WM in Arco die kritischsten Momente für dich?
Anna:
Erstmal die Quali, nach der ich nur 15. war. Da gab es zwei Gruppen, und mir ist ein Boulder überhaupt nicht reingelaufen. Die anderen habe ich geflasht. Da war ich ziemlich irritiert, dass ich so weit nach hinten gerutscht bin. Der nächste kritische Moment war im Halbfinale, wo ich einen Boulder nicht hochgekommen bin. Und dann bin ich da gesessen und habe gedacht, jetzt schaust du beim Finale vielleicht zu. Das war die Oberzitterpartie für mich. Als ich dann gewusst habe, dass ich im Finale bin, hat sich meine mentale Einstellung geändert. Ab da war ich super motiviert und wollte einfach nur gut klettern.
Kilian: Es ist generell besser, wenn man einfach Vollgas gibt und nicht die Einstellung hat, man muss unbedingt gewinnen. Mein Ziel war ganz klar zu gewinnen. Und das war wahrscheinlich die falsche Herangehensweise.
Anna: Es ist sehr schwierig, damit umzugehen, die richtige mentale Strategie zu finden. Wir sind beide nach Arco gefahren, um Weltmeister zu werden.
Kilian: Mit so viel Weltcup-Siegen muss das ja auch das Ziel sein. Ich war auch weniger über den vierten Platz enttäuscht als über meine Leistung. Ich bin einfach scheiße geklettert, so schlecht wie das ganze Jahr nicht – und das hat mich am meisten geärgert.

Und im Anschluss, hast du da ordentlich gefeiert, Anna?
Anna:
(Lacht) Auf jeden Fall! Im Conti d‘Arco haben wir noch die Korken knallen lassen!

Du hast hoffentlich mitgefeiert?
Kilian:
Schon! Nach dem Wettkampf wollte ich erstmal eine halbe Stunde niemand sehen und meine Ruhe haben. Wenn ich verliere und es wäre mir egal, dann wäre das ja auch die falsche Einstellung. Danach habe ich mich aber nicht mehr geärgert, bin auf die Party und hatte meine Gaudi.
Anna: Wichtig ist, dass man in solchen Situationen den Sieg eines anderen anerkennt. Als Akiyo 2010 den Gesamt-Weltcup gewonnen hat, haben wir später auch darauf angestoßen und gemeinsam ihren Sieg gefeiert.

Wie lebt es sich als fünfmaliger Boulderweltcup-Gesamtsieger respektive als zweimalige Weltmeisterin und Weltcup-Siegerin in Österreich?
Kilian:
Dadurch, dass die Medienaufmerksamkeit so groß ist – vor allem in Tirol – und das Fernsehen wieder mehr auf unseren Sport aufmerksam wird, ist Klettern und Bouldern eine anerkannte Sportart. Es gibt Förderungen vom Staat an den Verband, der uns alle Reisen und Unterkünfte bei den Wettkämpfen bezahlt. Und die Sponsoren bezahlen unsere Kletterreisen. Außerdem sind wir beim Bundesheer, mit 14 Monatsgehältern und Pension. Allein davon würden wir schon über die Runden kommen. Die Unterstützung auch von der Seite ist super. Wir sind also volle Profisportler.

Auf der nächsten Seite: Kilian Fischhuber und Anna Stöhr über die Entwicklung über das Klettern als Wettkampfsport und den perfekten Weltcup

"Man sollte einen Sport nicht um 180 Grad drehen..."

Wie muss man sich das vorstellen als „Sportsoldat“? Habt ihr auch richtigen Dienst?
Anna:
Wir haben zu Beginn ganz normal fünf Wochen den Grundwehrdienst geleistet und jetzt müssen wir von Montag bis Freitag jeden Tag um 7:30 Uhr Meldung in der Kaserne machen. Da sagen wir „Guten Morgen“ und danach haben wir unseren Trainingsplan – bis 16:30 Uhr haben wir quasi Dienst.
Kilian: Wir haben aber auch große Freiheiten. Ab nächster Woche sind wir einen Monat mit Chuck Fryberger in den USA für einen Film unterwegs. Das gilt als Trainingslager, das ist unsere Arbeit. Wenn wir uns dort verletzen sollten, ist das ein Arbeitsunfall.

Hat sich hinsichtlich der Professionalität im Klettern in den letzten Jahren viel verändert?
Anna:
Die besten Kletterer in Österreich können heute vom Klettern leben, das war früher nicht so. Da hat sich extrem viel getan, auch vom Verband. Wir haben einen Physiotherapeuten, der auf allen Weltcups dabei ist, und einen Coach, der alles für uns organisiert. Es ist ziemlich lässig, dass wir diese ganze Entwicklung miterlebt haben. Als ich 2004 erstmals im Weltcup gestartet bin, da sind Kili, Katharina Saurwein, Babsi Bacher und ich allein, ohne Coach und ohne Physio nach China geflogen. Deshalb wissen wir das sehr zu schätzen.
Kilian: Wenn dir nach dem Halbfinale die Schulter weh tut und du weißt, du hast zwei Stunden, um was dagegen zu tun, dann ist das ein Riesenunterschied. Zu sagen, wer die beste Betreuung hat, gewinnt letztlich den Wettbewerb, wäre vielleicht übertrieben, aber das ist auf jeden Fall ein wichtiger Faktor. Ein weiterer Faktor ist, dass wir so ein tolles Team haben.
Anna: Dass wir total gerne zusammen unterwegs sind. Auf einen Weltcup zu fahren, ist immer eine Gaudi. Jeder freut sich auch für den anderen, was nicht selbstverständlich ist.
Kilian: Wir haben auch viel Mitspracherecht. Wenn die Frage ansteht, wohin wir im nächsten Frühjahr ins Trainingslager fahren – Fontainebleau, Tessin oder Sheffield –, dann können wir sagen, wir hätten Lust auf dies oder das. Dann mailen wir uns zusammen, und erst dann wird gebucht.

Wie wird sich der anhaltende Kletterboom in den nächsten Jahren auf das Sponsoring von Profikletterern auswirken?
Anna:
Ich denke schon, dass sich da noch einiges tun wird. Momentan siehst du im Weltcup noch viele Kletterer, die gar keine Sponsoren haben. Ich denke, dass der Trend dahin geht, dass immer mehr Leute Sponsoren finden und davon profitieren. Das ist sehr wichtig, dass nicht nur die absolute Spitze was davon hat.
Kilian: Es wird sehr davon abhängen, wie es mit dem Fernsehen weitergeht. Servus TV plant, nächstes Jahr öfters beim Weltcup dabei zu sein. Das wäre wieder ein gutes Argument für uns. Für die großen Firmen ist es wichtig, dass sie sehen, da geht was voran.

Wie seht ihr die Chancen, dass Klettern und Bouldern 2020 olympisch wird?
Kilian:
Das kann ich schwer beurteilen, aber ich habe den Eindruck, dass die IFSC schwer dahinter her ist, dass es deren größtes Ziel ist. Ob es nicht wichtigere Aufgaben gäbe, sei dahingestellt.

Wieviel hängt davon für die Entwicklung des Kletterns ab?
Anna:
Klar, wenn eine Sportart olympisch ist, sieht alles ganz anders aus. Für mich stellt sich trotzdem die Frage, ob es dem Sport so viel bringt. Man sollte einen Sport nicht um 180 Grad drehen, nur damit er olympisch wird.

Olympia ist weit weg, der letzte Boulder Weltcup 2011 dagegen am Wochenende in München. Anna, bei dir geht‘s wie 2010 um die Wurst. Bist du nervös?
Anna:
Ich denke, dass ich genauso unter Strom stehe wie Akiyo. Das ist ganz normal. Wir wollen beide gewinnen, und die Rechnung ist ganz einfach: Wer in München vorn ist, gewinnt den Gesamt-Weltcup. Die Stärkere soll gewinnen und wird gewinnen – und dann gehen wir wieder gemeinsam ein Bier trinken. Ich bin jedenfalls hochmotiviert, mir dieses Jahr den Titel zu schnappen.

Letztes Jahr warst du ziemlich verärgert über die Boulder in München. Wie muss ein perfekter Weltcup geschraubt sein?
Anna:
Optimalerweise hat der Gewinner vier Tops, der Zweite drei und der Dritte zwei, aber das ist eine Wunschvorstellung. Mir ist klar, dass der Routenbau super schwierig ist. Da hat der internationale Verband auch nicht das Geld, um die Nuancen hinzubekommen. Wenn man immer zwei internationale Routenbauer bezahlen könnte, würde das schon ganz anders aussehen. Für einen ist es extrem schwierig, einen optimalen Wettkampf zu schrauben.
Kilian: Es sollte so sein, dass der Chefroutensetzer vom vorherigen Weltcup beim nächsten mithilft und einer, der beim letzten Weltcup Assistent war, beim nächsten Chefroutensetzer ist. Das garantiert auch keinen perfekten Wettkampf, aber so würden die Routensetzer das Niveau deutlich besser einschätzen können. Es gibt Weltcups, bei denen nur Griffe von einer Firma benutzt werden dürfen oder wo die Wand wackelt wie ein Blatt im Wind. Das sind Standards, die kannst du in Hintertupfingen machen. Solange es so etwas gibt, brauchen wir nicht von „fair“ zu sprechen. Genauso bei den Iso-Zonen. Wir sind noch weit weg von den ganzen Träumen, die da im Raum stehen. Die Unterschiede zwischen guten und schlechten Weltcups sind riesig!

Auf der nächsten Seite: Anna Stöhr und Kilian Fischhuber über Kletterziele, Seilklettern versus Bouldern und über ihre Stärken und Schwächen

Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

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KL-Kilian-Fischhuber-Anna-Stoehr-290611FC09 (jpg) KL-Kilian-Fischhuber-180910BO16 (jpg) KL Anna Stöhr beim Boulderworldcup in Hall KL-Kilian-Fischhuber-200509FC14 (jpg) 22 Bilder

"Bouldern und Klettern draußen hat einen riesigen Stellenwert"

Seid ihr froh, wenn jetzt dann die Weltcup-Saison vorbei ist?
Anna:
Auf alle Fälle! Heuer war es eine sehr lange und schöne Saison, aber irgendwann reicht‘s auch. Wir freuen uns schon sehr, dass wir jetzt wieder Vollgas am Fels klettern können.

Ihr fliegt direkt im Anschluss in die USA. Wohin und wie lange?
Kilian:
Wir sind vier Wochen im Westen der USA unterwegs, wo wir einen Film mit Chuck Fryberger drehen. Auf jeden Fall in den Rocky Mountains National Park, und ansonsten werden wir schauen, wo es uns hinverschlägt.

Gibt es andere Ziele, Länder, wo ihr unbedingt noch hinwollt?
Anna:
Beim Bouldern haben wir schon sehr viele Gebiete durch …
Kilian: Ich möchte unbedingt mal nach Australien, aber eher zum Routen klettern. Was immer super ist, ist einmal im Jahr nach Fontainebleau, einmal nach Spanien und einmal ins Frankenjura. Dazu eine große Reise – nächstes Jahr wieder in die Rocklands oder eben nach Australien oder mal nach Südamerika.
Anna: (Lacht) Und dann ist das Jahr eh schon wieder rum, die Jahre sind immer viel zu kurz für unsere ganzen Pläne! Das Bouldern und Klettern draußen hat einen riesigen Stellenwert für uns. Dort tanken wir auch die Motivation für die Weltcups.

Wieviel bouldern, wieviel klettern?
Kilian:
Wir wechseln ab. Wenn wir im Frankenjura oder in Spanien sind, klettern wir eigentlich nur mit Seil.

Wie am vergangenen Wochenende, da wart ihr im Frankenjura zum Klettern. Ist das die ideale Vorbereitung vor dem letzten Worldcup?
Anna:
Das ist sicher eine ideale Vorbereitung. Wie waren jetzt so lange intensiv in der Halle bouldern, in den drei Tagen haben wir bestimmt nicht unsere Form verspielt. Außerdem sind das ja kurze Routen in der Fränkischen und keine Ausdauerhämmer. Und vor allem war es wichtig für die Motivation.
Kilian: Auf dem Weg dorthin waren wir in der Boulderwelt in München. Wir haben das schon so geplant, dass wir uns noch ein intensives Training am Plastik geben. Heute waren wir auch wieder motiviert, in der Halle zu trainieren. Und das bei dem schönen Wetter, da musst du ja einen Vogel haben! (Lacht)

Bouldern boomt – drinnen wie draußen gibt es immer mehr Boulderer. Wo geht die Reise hin? Seht ihr eher Chancen oder Probleme?
Kilian:
Ich glaube schon, dass man vorsichtig sein muss. Die Bouldergebiete, so wie sie jetzt sind, können die Massen, die sich in den Hallen beim Bouldern versammeln, nicht verkraften. Man muss den Leuten gleich beim ersten Kletterkurs mitgeben, dass es am Fels nicht wie in der Halle ist. Ich denke schon, dass das auch in Zukunft funktionieren wird. Es werden sicher Gebiete gesperrt, aber auch neue erschlossen werden.
Anna: Viele Hallenkletterer suchen ja gar nicht das Naturerlebnis und bleiben drinnen. Die Hallen sind heute für viele ein Fitnessstudio-Ersatz, wo sie hingehen, um etwas für ihren Körper zu tun, und nach zwei Stunden sind sie wieder weg.
Kilian: Es hat aber jeder das gleiche Recht auf den Fels. Nur weil wir schon seit 15 Jahren klettern, haben wir keine Privilegien.

Was nervt euch, wenn ihr draußen bouldert? Was geht gar nicht?
Kilian:
Lange Tickmarks oder Tickmarks, die nicht weggeputzt werden.
Anna: Mich stören auch zu viele Leute. Wenn ich draußen bouldere, habe ich schon die Idealvorstellung, dass ich mit einer Gruppe von Freunden unterwegs bin, und da nicht noch 50 andere Leute sind.

Was sind eure Schwächen?
Kilian:
Aufs Klettern insgesamt gesehen ist das derzeit sicher meine Ausdauer. Durch die lange Weltcupsaison habe ich das Routenklettern dieses Jahr bislang vernachlässigt und deshalb bin ich gerade nicht auf dem Niveau, auf dem ich gerne wäre.
Anna: Das ist bei mir genauso, nur dass diese Schwäche noch viel größer ist als bei Kili. (Lacht).

Und wo liegen eure Stärken?
Anna:
Ich denke meine Dynamik und Sprünge.
Kilian: Wahrscheinlich meine Vielseitigkeit, dass ich bei allen möglichen Problemen einen Weg finde. Eine spezielle Stärke habe ich nicht.

Auf der nächsten Seite: Profi-Boulderer Kilian Fischhuber und Anna Stöhr über ihr Training, die richtige Einstellung und was sonst noch auf dem Plan steht

Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

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KL-Kilian-Fischhuber-Anna-Stoehr-290611FC09 (jpg) KL-Kilian-Fischhuber-180910BO16 (jpg) KL Anna Stöhr beim Boulderworldcup in Hall KL-Kilian-Fischhuber-200509FC14 (jpg) 22 Bilder

"Wir haben nichts im Kühlschrank"

Wie oft trainiert ihr vor, wieviel während der Weltcupsaison?
Anna:
Vor der Wettkampfsaison fünfmal die Woche, manchmal auch doppelt, also morgens und abends. Während der Saison kommt es darauf an. Wenn am Wochenende ein Weltcup ansteht, machen wir vorher zwei Tage Pause. Als dieses Jahr an drei Wochenenden hintereinander Weltcups waren, haben wir dazwischen nur jeweils einmal trainiert. Sonst brichst du total zusammen.

Trainiert ihr systematisch und nach Plan oder eher nach Gefühl?
Kilian:
Wir haben einen Trainingsplan von unserem Trainer Rupert Messner. Am Anfang der Saison trainieren wir meist genau nach diesem Plan. Am Ende der Saison ebbt das aber meistens etwas ab.
Anna: Ich bin da sicher etwas konsequenter als der Kili.
Kilian: Wir haben ja auch selbst eine Ahnung davon, wie man sinnvoll trainiert. Da steckt schon System dahinter.

Wie steht‘s mit der Ernährung?
Anna:
(Lacht) Gut!
Kilian: Du siehst ja, wir haben nichts im Kühlschrank. (Lacht)
Anna: Wir achten schon auf eine ausgewogene Ernährung.
Kilian: Aber es gibt keinen Verzicht. Wenn wir im Frankenjura sind, dann gibt es auch drei Tage was Gutes zu essen. Dafür gibt‘s das zuhause nicht. Ich habe keine Oma, die mir immer einen leckeren Schweinebraten macht.
Anna: Und auf Schokolade verzichte ich auch nicht, das mag ich einfach viel zu gern!

Welchen Anteil haben die Innsbrucker Infrastruktur und die Szene an euren Erfolgen?
Kilian:
Die Infrastruktur ist eigentlich ziemlich schlecht. Unsere Kletterhalle, das Tivoli, ist seit zehn Jahren überfüllt und der Boulderraum zu niedrig. Dafür macht der Reini Scherer, der die Halle betreibt, seine Sache so gut, dass er diese Nachteile wettmacht. Für ihn sind seine Topathleten das Wichtigste.
Anna: Da haben wir wirklich extremes Glück! Der Reini schaut, dass die Griffe im Boulderraum aus der ganzen Welt kommen. Wir kaufen seit zehn Jahren überall Griffe ein und geben ihm die Rechnungen. Er achtet darauf, dass es uns an nichts fehlt. Lässig in Innsbruck ist auch, dass es hier so viele Kletterer auf Topniveau gibt und dass wir immer gemeinsam trainieren können. So hast du jederzeit einen guten Vergleich.
Kilian: Und es gibt drei internationale Routensetzer, die regelmäßig neue Routen schrauben. Die Halle ist an sich schlecht, aber so wie sie betrieben wird, das ist …
Anna: … der Wahnsinn! Und auch mit unserem Trainer, dem Rupi, sind wir ein so gutes Team, dass das alles super hinhaut.

Wie seht ihr eure Zukunft im Kletter- und Wettkampfgeschehen? Erst mal alles wie gehabt?
Kilian:
Ich werde 2012 wieder am Weltcup teilnehmen, muss aber erst schauen, ob ich alle Stationen mitmache. Eigentlich habe ich keine Lust mehr, auf Bewerbe zu fahren, wo Wand, Griffe, Routenbau und Iso-Zone schlecht sind.
Anna: Bei mir wird es weitergehen wie gehabt. Ich sehe derzeit keinen Grund, was zu ändern.

Kilian, wirst du nochmal den Weltmeistertitel angreifen?
Kilian:
Die WM 2012 ist auf jeden Fall ein Ziel. Ich werde mit einer anderen Einstellung hingehen, aber ich werde mich sicher sehr gut darauf vorbereiten.

Mit einer anderen Einstellung?
Kilian:
(Lacht) Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich noch Weltmeister werde. Deshalb möchte ich schauen, dass ich irgendwie ins Finale komme und das dann auch genießen kann, statt mich über das Abschneiden zu ärgern.

Und was kommt danach?
Kilian:
Es gibt einige Filmprojekte, da wird sicher noch einige Jahre was laufen. Auch die Weltcups kann ich noch länger betreiben, ich möchte es nur nicht mehr so intensiv tun. Da und dort ein Masters oder ein Einladungswettkampf – Wettkämpfe machen mir einfach zu sehr Spaß, als dass ich das ganz lassen wollte.

Auf der nächsten Seite: Anna Stöhr und Kilian Fischhuber drücken sich um die Pärchenfrage und erzählen stattdessen was sie außer Klettern noch tun

Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

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"Wir weichen Pärchenfragen immer aus..."

Ihr seid vor kurzem zusammengezogen. Es ist euch also ernst?
Kilian:
(Lacht) Ehrlich gesagt weichen wir Pärchenfragen immer aus. Den Tirolern taugen so Fragen halt extrem. Erst vor einer Woche hatten wir ein Pärchen-Interview, das war echt schlimm.
Anna: Aber du kannst dann auch nicht nein sagen, und das ist ziemlich nervig. Eigentlich sollte es ja um die Personen gehen …
Kilian: … und nicht um irgendein Drama.

Ich halte mich zurück! Das klingt so, als sei das Medieninteresse an einem Sportlerpaar größer als an zwei einzelnen Sportlern …
Kilian:
Auf jeden Fall! Das verkauft sich ganz gut. Wir versuchen zwar, darauf zu achten, dass es nicht in diese Richtung geht …
Anna: … weil das eben oft in fürchterlichem Kitsch endet.
Kilian: Und weil wir dann oft auf das Paar reduziert werden. Aber prinzipiell ist es nicht schlecht, zu zweit aufzutreten. Das ist ja auch sympathisch. Wenn ich zwei Sportler auf so hohem Niveau sehe, sage ich ja auch: He, cool, dass das funktioniert bei den beiden!

Könnt ihr euch bei Wettkämpfen unterstützen oder ist da jeder mit sich selbst beschäftigt?
Anna:
Da musst du dich auf dich selbst konzentrieren.
Kilian: Oft sind wir gleichzeitig an der Wand, und wenn wir da anfangen würden, nach uns zu schauen, dann wäre alles zu spät. Wenn der Wettkampf vorbei ist, dann reden wir drüber – oder sagen auch einfach mal nichts, was oft das Beste ist. Denn da reden ohnehin genug Leute auf einen ein. Aber auch ohne Worte helfen wir uns sehr, glaube ich.

Und in der Iso-Zone?
Anna:
Da ist es ja nicht so, dass Kili und ich in einer Ecke sitzen. Da sind wir mit allen anderen Athleten zusammen und reden miteinander oder auch nicht.
Kilian: Je näher der Start rückt, desto weniger. Da hat jeder seine Routine, wann er die Schuhe anzieht, wann das Liquid Chalk aufträgt. Die Anna hat eh ihre Kopfhörer auf, da klopfe ich nicht die ganze Zeit an und sage: „He, ich habe meinen Boulder geklettert!“ Wobei, solche Leute gibt es auch.

Was verbindet euch abseits des Kletterns? Gemeinsame Hobbys?
Anna:
Im Winter gehen wir auf Skitouren oder zum Skifahren, im Sommer zum Mountainbiken.
Kilian: Annas Papa ist Bergführer und Powder-Spezialist …
Anna: … der zeigt uns unberührte Hänge, das ist der Wahnsinn! Im Winter sind wir oft mit ihm und meiner Mama oder meiner Schwester unterwegs.

Letzte Frage: Was werdet ihr auch in Zukunft nicht zusammen machen?
Anna:
(Lacht) Das ist eine gute Frage! Schwierig … (Schweigen)
Kilian: Zum Friseur gehen!
Anna: Das wollte ich auch gerade sagen! (Lacht)

Auf der nächsten Seite: Auf einen Blick: Die Eckdaten der Lebensläufe von Kilian Fischhuber und Anna Stöhr. Plus: Einige Videos, auf denen die Kunst der beiden zu bewundern ist

Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

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KL-Kilian-Fischhuber-Anna-Stoehr-290611FC09 (jpg) KL-Kilian-Fischhuber-180910BO16 (jpg) KL Anna Stöhr beim Boulderworldcup in Hall KL-Kilian-Fischhuber-200509FC14 (jpg) 22 Bilder

Videos + Vita: Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

Kilian Fischhuber
Geboren: 1. August 1983
Aufgewachsen: Waidhofen/Ybbs, Niederösterreich
Studiert: Englisch und Sport
Erster Klettertag: 1995
Wichtigster Durchstieg: Action
directe (9a, Frankenjura)
Größte Erfolge: Gesamtsieg Boulder Worldcup 2005, 2007, 2008, 2009, 2011, Boulder Rockmaster 2005, 2008, 2009
Leibgericht: Fleisch und Nudeln
Lieblingsmusik: FM4
Sponsoren: Red Bull, Edelrid, Vaude, Bundesheer, Sportland Niederösterreich, La Sportiva

Anna Stöhr
Geboren: 25. April 1988
Aufgewachsen: Rum, Tirol
Studiert: Englisch und Sport
Erster Klettertag: 1995
Wichtigster Durchstieg: Riverbed (Fb 8b, Magic Wood)
Größte Erfolge: Weltmeisterin Bouldern 2007 und 2011, Gesamtsieg Boulder Worldcup 2008, 2011,
Europameisterin Bouldern 2010
Leibgericht: Spaghetti Bolognese
Lieblingsmusik: Feist …
Sponsoren: Recheis, Mammut, drei, Bundesheer, sporthilfe, La Sportiva

Anna Stöhr und Kilian Fischhuber

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KL-Kilian-Fischhuber-Anna-Stoehr-290611FC09 (jpg) KL-Kilian-Fischhuber-180910BO16 (jpg) KL Anna Stöhr beim Boulderworldcup in Hall KL-Kilian-Fischhuber-200509FC14 (jpg) 22 Bilder

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