KL Runterfallen beim Klettern - Sportklettersturz im Kronthal - Sarah Bettina Struch

Knowhow Sportklettern und Bouldern

Die besten Ausreden für Kletterer

Man kann nicht immer brillieren. Aber man kann zumindest glaubhaft machen, dass man einen guten Grund hat, ausgerechnet heute keine spitzenmäßige Performance abzuliefern.

Das wichtigste am Klettern ist ja, gut auszusehen dabei. Schwierig wird das, wenn man aus der Route fällt, sich ins Seil setzen muss oder den Boulder einfach nicht hochkommt. Schließlich steht man dann mit leeren Händen da.

Viele Menschen trösten sich dann damit, dass "der Weg das Ziel" sei, Schwierigkeitsgrade überschätzt würden und es beim Klettern ja eh nicht um irgendwelche Leistung geht, sondern darum, "mit Freunden draußen in der Natur (oder in der Kletterhalle unterwegs) zu sein und eine gute Zeit und viel Spaß zu haben". Manchen Kletterern geht es in erster Linie um "schöne Bewegungen" - und das ist prima, solange man die "schönen Bewegungen" denn hinbekommmt.

Wenn nicht, ist das auch kein Problem. Die von uns präsentierten Ausreden helfen Euch in jedem Fall weiter. Wenn Ihr eher leistungsorientiert klettert, werdet Ihr einige der folgenden Formulierungen eventuell bereits kennen. Trotzdem schadet es nicht, sein Repertoire an leistungsrelevanten Kausalitäten hin und wieder aufzufrischen.

Doch auch wenn Ihr weniger ergebnisorientiert beim Klettern unterwegs seid, lohnt es sich, die ein oder andere Idee aus unserer Sammlung abzuspeichern. Denn beim Runterfallen gut auszusehen ist schließlich eine Kunst, die niemand schadet. Oder?

Sollten die versierten Versager unter Euch noch Entschuldigungen auf Lager haben, die wir nicht berücksichtigt haben, teilt sie uns mit! Schreibt Eure besten Ausreden einfach ins Kommentarfeld unten!

Falsche Klamotten

"Ich habe die falsche Hose eingepackt"

Klingt vielleicht ein bisschen an den Haaren herbeigezogen. Nun, ist es ja auch. Aber theoretisch ist es schon möglich, dass die falsche Hose nun mal viel zu eng geschnitten ist, man sich darin nicht bewegen kann und den Fuß deshalb einfach nicht auf den hohen Tritt bekommt. Und: Nein, mit der eigenen Beweglichkeit hat das wirklich überhaupt nichts zu tun.

Sollte man nicht benutzen: wenn der Kletterpartner von ähnlicher Statur ist und immer einen Haufen ungewaschener, staubig-verschwitzter Kletterklamotten im Kofferraum herumfliegen hat.

Falsche Kletterschuhe

"Die Reibungstritte lassen sich mit dem Schuh nicht stehen"

Es ist tatsächlich nicht angenehm, mit aggressiv nach unten gebogenen Schuhen (alias Kletterschuh mit Downturn) oder niegelnagelneuen und noch nicht eingekletterten Kletterschuhen in seichten Mulden zu stehen, und schwieriger ist es allemal. Da lässt sich nicht abstreiten, dass dieser Faktor beim Klettern an der (jeweiligen) Leistungsgrenze einen ausschlaggebenden Effekt hat.

Sollte man nicht benutzen: wenn man die weichen Schluppen versehentlich schon ausgepackt hat.

Verletzung

"Bei dem Zug schmerzt einfach der Finger / Ellbogen / Schultergürtel / Kopf / *füge beliebiges Körperteil hier ein* zu sehr."

Bevor man eine Verletzung riskiert, sollte man auf die Signale seines Körpers hören. Die Disziplin aufzubringen, deshalb nun nicht mehr einzusteigen und besagten Zug zu versuchen, muss man auch erst einmal haben. Bewunderung für Selbstdisziplin ist daher erwünschter Nebeneffekt dieser Ausrede. Sie lässt sich außerdem fortgesetzt anwenden, man muss sich nur merken, welches Körperteil die chronischen Probleme hat.

Sollte man nicht benutzen: wenn der Kletterpartner Arzt / Orthopäde / Physiotherapeut / oder Ähnliches ist - das Risiko, tatsächlich Schmerzen zugefügt zu bekommen, ist zu groß!

Bedingungen

"Der Griff schmiert einfach nur brutal - überhaupt kein Grip heute!"

Reibung ist wichtig, das ist bekannt. Wenn es zu heiß, zu kalt, zu feucht oder zu dunkel ist, dann macht das schon eine Menge aus. Viele Kletterer versuchen dieser Ausrede vorzubeugen, indem sie von vornherein Kletterfelsen ansteuern, die nicht in der Sonne / im Regen / im Schneesturm liegen. Es ist allerdings auch eine der beliebtesten Entschuldigungen weltweit, daher besteht Inflationsgefahr.

Sollte man nicht anwenden: wenn andere Kletterer besagten Schmiergriff unter gleichen Bedingungen locker halten können. Oder man selbst darauf bestanden hat, an den sonnigsten Fels im Tal zu gehen.

Krankheit

"Ich bin einfach (noch) nicht (mehr) ganz fit heute"

Wer zwei Wochen mit Grippe im Bett lag, ist selbstverständlich nicht auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit. Wirkt besonders gut, wenn man noch eine leichte Triefnase / leicht grüne Gesichtsfarbe / einen dicken Schal vor sich herträgt. Manchmal macht man sich allerdings unbeliebt, wenn die Mitkletterer sich vor Ansteckung fürchten.

Sollte man nicht anwenden: wenn man anschließend noch ausgehen will und / oder Mitmenschen von sich einnehmen möchte.

Körpergröße und -Proportionen

"Das ist ein Längenzug!"

Morphologische Unterschiede sind das Salz in der Suppe - für die einen. Für die anderen sind sie Grund zum Verzweifeln. Es gibt Kletterer, die sind zu klein ("Von dem guten Tritt erreiche ich den Griff einfach nicht!"). Es gibt Kletterer, die sind zu groß ("An der Dachkante muss ich mich so dermaßen zusammenfalten, dass ich rauskippe!"). Schlechte Hebelverhältnisse und schlechtere Ausgangspositionen für die einen oder die anderen sind unabstreitbar. Doch auch die normal gewachsenen Kletterer sollten sich nicht grämen: Sie können immer noch ihre Durchschnittlichkeit verfluchen ("Ich bin einfach zu mittel!").

Sollte man nicht benutzen: wenn deutlich größere, kleinere oder mittelmäßigere Kletterer dabei sind, die die fraglichen Züge leider ohne Schwierigkeiten klettern.

Training und andere Hardcore-Aktivitäten

"Die Session am Campusboard gestern abend hätte ich wohl etwas harmloser gestalten sollen..."

Es ist natürlich nicht besonders klug, am Abend vor dem heißersehnten Klettertag physische Höchstleistungen zu erbringen, sei dies Trainieren am Campusboard oder das Schleppen von Zementsäcken oder Umgraben des Gemüse-Ackers oder das Gewinnen eines Holzhack-Contests oder sonstige glorreiche Aktivitäten. Nun, manchmal kann man es sich halt nicht aussuchen. Wichtig ist, dass man die physisch intensive Aktivität nicht mit stolz geschwellter Brust, sondern eher mit leicht bedauerndem Unterton mitteilt. Schließlich kann man ja nichts dafür, wenn man zum Baumstamm-Schlepp-Wettbewerb herausgefordert wird.

Sollte man nicht benutzen: wenn man von seinem Kletterpartner bei der Aktivität begleitet wurde und er gewonnen hat.

Kaputte Haut

"Aahhhhrg! Flapper!"

Die Ausrede ist ziemlich gut, denn wer sich einen 'Flapper', also einen großen Hautflatschen vom Finger gezogen hat, kann meist vor lauter Blut nichts mehr festhalten. Das ist auch das Problem: Leider kann man meist wirklich nichts mehr klettern, bis das Ding halbwegs verheilt ist. Mit Tape kann man manchmal das Ende des Klettertags hinauszögern, aber besser wird es meistens nicht. Wer die Haut nur gleichmäßig abgeschmirgelt hat, kann oft auch nichts mehr festhalten, aber für leicht siffende Fingerkuppen gibt es leider meist nur ein "musst halt nicht dauernd abrutschen"...

Sollte man nicht benutzen: wenn man keinen bluttriefenden Fetzen vom Finger hängen hat. Alles, was nach weniger aussieht, erntet nur leichtes Mitleid und keine bewundernde Zustimmung.

Schlafmangel

"Der Flug aus Neuseeland war schon lang, aber ich bin direkt vom Flughafen hergekommen."

Schlafmangel macht aus unserer Performance Hackfleisch, das ist nichts Neues. Besonders viele Punkte gibt es für strapaziöse Reisen und frischen Nachwuchs. Fürs ambitionierte Feiern inklusive dem Genuss verschiedenster Rauschmittel gibt es in manchen Kreisen Bewunderung, in anderen hingegen wird man nicht mehr ernst genommen. Man sollte daher also genau hinsehen, bevor man sich entscheidet, ob man die Kind- oder die Kater-Nummer spielt. Im Zweifel kann man die beiden ja kombinieren.

Sollte man nicht benutzen: wenn man sich für die Katernummer entscheidet, sollte man vorher sicherstellen, dass keine frischgebackenen Eltern im Team sind.

Nässe

"Die Route ist etwas zu nass."

Wenn die Route wirklich patschnass ist, wird die Ausrede vermutlich ziehen. Zumindest, wenn man nicht zufällig noch ein trockenes Projekt daneben hat, spricht also nichts dagegen, diese Entschuldigung zu nutzen. Bleibt die Frage, warum man an den Fels gefahren ist, wenn die Route patschnass ist - meist gibt es ja vorweg schon Indizien, die auf hohe Routenfeuchtigkeit hinweisen, im allgemeinen "Niederschlag" genannt.

Sollte man nicht benutzen: Wenn man selbst vorher darauf bestanden hat, dass das bisschen Regen gar nicht so schlimm sei.

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