Teil des
KL-David-Firnenburg-Kalk (jpg) Ruben Firnenburg

Interview mit David Firnenburg

David Firnenburg: "Zuviel Aufhebens"

Wenn ein 13-Jähriger eine Route im Grad 11- durchsteigt, wird die Kletterszene hellhörig: so jung und schon so stark! Doch David meint, dass zu viel Aufhebens um diese Zahlen gemacht wird.

David Firnenburg aus Hannover gehört zu den vielversprechendsten Nachwuchstalenten Deutschlands. Als er am 3. Februar mit L'espiadimonis in Margalef (Spanien) seine erste 8c geklettert hat, lief sein Name über alle Kanäle der Kletterwelt. Auch wir sind neugierig geworden und haben David eine Interview-Anfrage geschickt.

Er hat uns geantwortet - doch eigentlich findet er es "zu viel des Aufhebens, was derzeit gemacht wird, wenn junge Leute wie Geoffray, Enzo oder ich mal eine 8c irgendwo schaffen." Denn auch die Franzosen Enzo Oddo und Geoffray de Flauguerges gehören zu denen, die man schon einmal mit dem Zusatz "Wunderkind" versieht, wie noch vor einigen Jahren David Lama oder Adam Ondra.

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Ruben Firnenburg
David bouldert am Kalk des "Pferdestalls" im Weser-Leine-Bergland.

Eine gesunde Skepsis vor dieser Art von Aufmerksamkeit hat sich David bewahrt. So fügte er seinen Antworten noch hinzu: "Starke jugendliche Kletterer hat es schon so lange gegeben, wie es das Sportklettern gibt. Und wenn es früher schon die Trainingsmöglichkeiten und den Erschließungsgrad von schweren Routen wie heute gegeben hätte, so wären auch früher schon von 13-Jährigen 8c- oder 9a-Routen geklettert worden. Ich finde den Hype nicht gerecht. Wenn Du an den Felsen unterwegs bist, triffst Du so viele Kletterer, die saugut sind, über die aber niemand spricht."

Nein, gerecht ist es nicht. Und es ist verständlich, dass David sich nicht nur auf eine einzige Facette seines Daseins reduzieren lassen will. Doch es ist nicht daran zu rütteln: Wir sind trotzdem neugierig auf David Firnenburg. Wir hoffen, sowohl der menschlichen Neugierde als auch Davids Bestreben nach Mäßigung in unserem Interview gerecht zu werden.

"Der Trainingsplan ist eine gute Bremse"

Was / wo kletterst Du am liebsten, was ist Deine bevorzugte Kletterei?

Ein ausgesprochenes Lieblingsgebiet oder eine Lieblingskletterei habe ich nicht. Am liebsten klettere ich da, wo für mich die Touren passen, die Landschaft schön ist und die Leute gut drauf sind. In Deutschland war ich bisher am meisten vor meiner Haustür im Weser-Leine-Bergland, im Frankenjura und im Elbsandstein unterwegs.

Ich mag alle Spielarten des Kletterns, einschließlich Psicoblocs (Deep Water Soloing) und Eisklettern. Für mich als Norddeutschen liegt natürlich das Mittelgebirgsklettern am nächsten. Wenn ich in Süddeutschland wohnen würde, wäre ich bestimmt mehr alpin und auch mehr mit Bergsteigen und Hochtouren unterwegs. In den Ferien versuche ich, möglichst viel herumzukommen. Ich kenne schon ein bißchen von Südwesteuropa, also von der Schweiz, von Norditalien, Südfrankreich und Nordspanien.

Ich mag gerne dynamische und technische Kletterei, z.B. überhängend, in Dächern und an Löchern. Systematisches Klettern an Platten mit kleinen Leisten versuche ich zu meiden (wegen der Belastungen für die Wachstumsfugen an meinen Fingern). Rissklettern mochte ich früher nicht so sehr. Aber seit dem mich mein Freund André Lüdtke im Elbsandstein da herangeführt hat, macht mir auch das Spaß.

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Ruben Firnenburg
Vom norddeutschen Winter lässt David sich nicht vom Bouldern abhalten.
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Ruben Firnenburg
Wettkämpfe klettert David zum Besserwerden - auch am Fels.

Was machst Du, wenn Du nicht kletterst?

Hauptsächlich bin ich mit Familie, Freunden, Schule und Schlagzeug beschäftigt. Daneben arbeite ich gerne mit Holz, habe mir auch schon Klettergriffe selbstgemacht. Das hat mir Rainer Schunder beigebracht, der selbst Holzklettergriffe herstellt. In der Familie und mit Freunden spiele ich gerne, z.B. Karten oder Schach. Mit unseren Freunden verreisen und kochen/essen wir gerne (und das ausgiebig und lang). Bevor ich mich mit 10 aufs Klettern konzentriert habe, gehörten noch Hockey und Judo zu meinen Hobbies.

Trainierst Du nach Plan, oder gehst Du einfach klettern? Seit wann bist Du im Kader?

Mein Trainingsplan hilft mir, regelmäßig zu trainieren, die Zeit einzuteilen, das Training zu dosieren und mich auf Projekte am Fels oder auf Wettkämpfe vorzubereiten. Aber ich benutze den Plan nur als grobe Vorgabe, ändere ihn während des Trainings häufig so ab, wie ich mich fühle, was mich an Kletterproblemen interessiert und wozu ich Lust habe. Ich passe nur am Ende der Trainingswoche oder des Trainingszyklus auf, dass ich mein Soll so ungefähr erreiche.

Ich achte darauf, möglichst vielseitig, mit Spaß und zusammen mit anderen Leuten zu klettern. Da ich beim Klettern ziemlich ehrgeizig bin, trainiere ich häufig mehr, als ich eigentlich sollte. Der Trainingsplan ist dann eine gute Bremse, um auf meine Finger zu achten. Bisher hatte ich da keine Probleme. Ein jährlicher sportmedizinischer Check meiner Hände, der über Andreas Vantorre vom DAV Hessen organisiert wird, ist eine gute Hilfe und gibt mir eine gewisse Sicherheit. Ich bin seit 2006 im Norddeutschen Kader und seit diesem Jahr im Jugendnationalkader. Wettkämpfe klettere ich vor allem, um dabei zu lernen und besser zu werden.

Was willst Du mal werden?

Das weiß ich noch nicht so genau. Zuerst würde ich gerne ein Auslandsjahr machen und dann mein Abitur. Alles Weitere wird sich zeigen.

Wie klappt es, Schule mit dem Klettern zu vereinen?

Es ist nicht einfach. Ich beneide meine Altersgenossen, die an Sportschulen sind und dort in ihrem Training sehr unterstützt werden. Aber immerhin bin ich auf einer Europa-Schule, d.h. ich lerne Englisch, Spanisch und Französisch, was mir beim Reisen sehr hilft. Mein Auslandsjahr würde ich gern an einer solchen Sportschule verbringen, beispielsweise in Österreich, der Schweiz, Italien, Frankreich oder Spanien. Mal sehen.

Wo geht Dein nächster Klettertrip hin?

Wenn das Wetter wieder besser wird, zum Routenklettern in den Selter und ins Frankenjura. In den Osterferien möchte ich mit meinem Bruder und meinem Vater gerne wieder nach Katalonien fahren und anschließend mit „Hexen & Friends“, meiner Jugendgruppe vom Alpinclub Hannover, nach Chateauvert in Südfrankreich.

David, vielen Dank für das Interview!

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"Ich war unheimlich stolz"

Erzähl mal von Deiner Begehung von L'espiadimonis (8c), wie war das? Was war die Schlüsselstelle für Dich?

In den Weihnachtsferien hatte ich mehrere 8c-Projekte in Margalef, Siurana und Santa Linya ausgecheckt. Die Route L‘espiadimonis gefiel mir und war auch unter den teilweise kalten oder nassen Bedingungen diesen Winter in Katalonien kletterbar. Der Sektor Cova Boix in Margalef, in dem L’espiadimonis liegt, kam mir vor wie „Frankenjura mit Olivenbäumen“.

Die Tour ist nämlich eine ca. 20 m lange, überhängende, im unteren Bereich anhaltend schwere Kletterei an kleinen Löchern. Sie hat zwei Schlüsselstellen: Eine erste nach dem vierten Haken, die in etwa einem 7b-Boulder entspricht und vorwiegend technisch über präzise Fußarbeit, eindrehen, ägyptern und blockieren an kleinen Löchern zu lösen ist. Und eine zweite nach dem 6. Haken, die überwiegend an kleinen Leisten und zum Ende hin dynamisch geklettert werden muss.

Die eigentliche Herausforderung liegt darin, beide Passagen hintereinander ohne Ruhepunkt klettern zu müssen. Über der zweiten Schlüsselstelle kommt dann ein kleines Band mit einem guten Knieklemmer, an dem man sich erholen kann. Der Rest der Route entspricht einer 7a. Nachdem ich beim Auschecken an Weihnachten gemerkt hatte, dass mein Hauptproblem bei der ersten Schlüsselstelle lag, habe ich die technischen Feinheiten und vor allem das Blockieren an kleinen Löchern zu Hause im Training geübt und das Projekt dann vier Wochen später während der Halbjahreszeugnisferien nach noch einigen Tagen Arbeit am Fels klettern können.

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Ruben Firnenburg
David in Margalef.
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Ruben Firnenburg
David strebt nach oben im Sektor Raco des Espadelles.

Wie lange kletterst Du schon, wo und wie hast Du angefangen? Mit wem kletterst Du meistens?

Als ich 6 Jahre alt war, hat mir mein Vater während der Ferien in einem Klettergarten am Lago Maggiore mal eine Tour im 5. Franzosengrad eingehängt. Ich erreichte eine schwierige Stelle, in der ich über einige Minuten zunächst nicht weiterkam. Obwohl alle von unten riefen, ich solle aufhören und wieder runterkommen, habe ich nicht aufgegeben und die Stelle doch noch ohne reinzufallen geschafft. Ich war unheimlich stolz.

Im Prinzip ist es bis heute so geblieben. Klettern macht mir viel Freude und ich versuche, immer schwerer zu klettern und dranzubleiben, auch wenn es mal nicht so klappt. Ich klettere viel mit meiner Familie, speziell mit meinem Bruder Ruben und meinem Vater. Aber ich bin auch viel mit Freunden und Bekannten unterwegs. Dazu gehört meine Jugendgruppe „Hexen & Friends“ im Alpinclub Hannover, die sehr aktiv ist. Schön war für mich in den letzten Jahren die nette und freundschaftliche Aufnahme auch außerhalb von Norddeutschland.

Fürs Wettkampfklettern möchte ich hier mal NRW (Kidscups, Landesmeisterschaften, Klettergruppe „real up“ Beckum), Sachsen (Kinder- und Schülercup, Landesmeisterschaft, „Treffen junger Bergsteiger“ auf der Burg Hohnstein) und die Sektion Oberland in und um München (Oberlandcup) nennen. Draußen am Fels hat es mir mit den Mädels und Jungs vom Sächs’schen Maut’nverein Freiberg und mit den Jugendgruppen „KGB Kletterbananen“ und „Exenjägern“ aus Dresden sehr viel Spaß gemacht.

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