KL Boulder WC München 2010_11 Steffen Kern

Boulder-Worldcup: Herzschlagfinale in München

Akiyo Noguchi und Adam Ondra sind die Gewinner des letzten Boulder-Worldcups am 30. und 31. Juli in München und damit auch die Sieger in der Gesamtwertung 2010. Doch bis dieses Ergebnis feststand, herrschte im Olympiastadion Hochspannung.

Welch eine Location! Mit dem Austragungsort unter dem weltberühmten Zeltdach des Olympiastadions hat der DAV für das perfekte Ambiente beim Finale des Boulder-Worldcups 2010 gesorgt. Dank des parallel stattfindenden Sport Scheck Outdoor Festivals auf dem Stadion-Rasen war neben dem Fachpublikum auch für reichlich Laufkundschaft gesorgt. Nach Alpenvereinsangaben addierten sich die Zuschauer an Freitag und Samstag auf für deutsche Verhältnisse sensationelle 7000. Perfekt auch die Stimmung: Beim Halbfinale und Finale am Samstag brüllte das Publikum so manch einen Starter von Zug zu Zug nach oben.

Zum Video-Report von Udo Neumann

Boulder Worldcup 2010: Grande Finale in München

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Wurm schrammt knapp am Finale vorbei

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Auch wenn Juliane Wurm in diesem Quali-Boulder am Topgriff vorbeiflog, qualifizierte sie sich souverän fürs Halbfinale.

Das deutsch Team war mit sechs Startern bei den Herren und vier Damen vertreten. Vor allem Stefan Danker legte in der Qualifikation am Freitag eine tolle Vorstellung hin und belegte mit drei Topbegehungen Rang Drei in seiner Gruppe. Ebenfalls für das Halbfinale qualifizierten sich Markus Hoppe und Juliane Wurm. Dort war dann allerdings für alle Deutschen Endstation: Markus Hoppe belegte schließlich Rang Neun, Stefan Danker Rang Elf. Nur haarscharf verpasste die durch einen angebrochenen Finger gehandicapte Juliane Wurm als Siebte das Finale der besten Sechs. Trotzdem war die mehrfache Deutschen Meisterin auch während der Entscheidung aktiv: Für ein Kamerateam des Bayerischen Rundfunks kommentierte sie die Leistungen ihrer Mitstreiterinnen.

Starke Russen

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Sie stürzte, aber sie strauchelte nicht. Nicht nur Akiyo Noguchi zeigte wilde Flugeinlagen am unbezwungenen zweiten Finalboulder.

Dass die Deutschen beim Kampf um den Sieg im Gesamt-Worldcup keine Rolle spielen würden, war aber schon vor München klar gewesen. Bei den Damen hatten vor der letzten Station noch die Belgierin Chloé Graftiaux, Anna Stöhr aus Österreich und die Japanerin Akiyo Noguchi Chancen auf den Gesamtsieg. Noguchi und Stöhr marschierten dann auch souverän durch Quali und Halbfinale, Graftiaux musste dagegen mit nur einer Topbegehung im Halbfinale als 13. alle Träume vom Gesamt-Weltcup begraben.
Bei den Herren war in München der Boden für einen Showdown zwischen Kilian Fischhuber und Adam Ondra bereitet – und wie nicht anders zu erwarten überstanden beide problemlos Quali und Halbfinale. Ein Ausrufezeichen setzte die russische Mannschaft. Mit Victor Kozlov, Dmitry Sharafutdinov und Rustam Gelmanov erreichten gleich drei Starter das Finale, womit sich die Russen auch die Teamwertung sicherten.

Ondra überirdisch

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Nicht zu stoppen: Adam Ondra im dritten Finalboulder – bei seinem dritten Flash.

Im Herrenfinale war Adam Ondra dann eine Klasse für sich. Als einziger konnte er drei der vier Finalboulder klettern – und zwar alle im Flash. Auf Rang Zwei und Drei boulderten die Russen Sharafutdinov und Kozlov, Kilian Fischhuber musste sich mit zwei Topbegehungen in sechs Versuchen und dem vierten Platz begnügen, was Rang Zwei im Gesamtweltcup für ihn bedeutete. Ganz fairer Sportsmann gestand der Tiroler im Anschluss ein: "Adam war heute in einer eigenen Liga. Er ist ein würdiger Weltcupsieger und der wahrscheinlich beste Kletterer der Gegenwart!"
Platz Fünf im Finale belegte der Japaner Tsukuru Hori, der sich damit den dritten Platz im Gesamt-Weltcup sicherte.

Knapper geht's nicht

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Die drei Topplatzierten im Boulder-Gesamtweltcup 2010: Anna Stöhr, Akiyo Noguchi und Chloé Graftiaux (v.l.n.r.).

Noch spannender ging's im Damenfinale zur Sache: Hier fiel erst am vierten und letzten Boulder die Entscheidung. Boulder Nummer Drei hatten Noguchi und Stöhr als einzige klettern können – Noguchi im Flash, Stöhr benötigte einen zweiten Versuch, nachdem sie den Topgriff im Flash-Go nicht sicher halten konnte. Auch am vierten Boulder kämpften die zwei Ausnahme-Boulderinnen bis zur letzten Sekunde, scheiterten aber beide mehrfach beim Abschlussdyno an dem schwierig zu haltenden Aufleger am Top. Somit gewann Noguchi denkbar knapp aufgrund des einen Versuches weniger als Stöhr.

Kritik an den Problemen

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Kilian Fischhuber, Adam Ondra und Tsukuru Hori bei der Siegerehrung für die Gesamtwertung (v.l.n.r.).

Spannung pur und Superstimmung also in München. Einigen Startern war die Stimmung angesichts der von Andreas und Christian Bindhammer sowie Albert Gnerro und Christian Benk geschraubten, sehr harten Boulder allerdings vergangen. Der Kanadier Sean McColl beispielsweise schimpfte nach seinem Ausscheiden in der Quali verärgert in seinem Blog über die "schlechtesten Probleme", die ihm je untergekommen seien. Auch die sonst immer gutgelaunte Anna Stöhr war nach der denkbar knappen Finalniederlage bedient: "Das kann doch nicht sein, dass im Finale nur zwei Starterinnen jeweils einen Boulder schaffen. Wir alle können bouldern, aber das konnten wir heute überhaupt nicht sagen." Auch andere Starterinnen und Starter bemängelten, dass die Boulder zu hart gewesen seien, und dass es viel zu sehr darum gegangen sei, kleinste Griffe zuzuschrauben, anstatt abgefahrene Züge abzuverlangen. Bei einigen Bouldern waren zudem extreme Längenzüge und Dynos gefordert – und es war unübersehbar, dass sich kleine Boulderinnen wie die Slowenin Natalija Gros oder die Russin Yulia Abramchuk schwerer taten als größer gewachsene Starterinnen.

In Partystimmung

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Zwei Topbegehungen im Finale reichten Kilian Fischhuber "nur" zu Rang Zwei in der Boulder Worldcup Gesamtwertung. Dafür durfte er anschließend in seinen Geburtstag hineinfeiern.

Bei der anschließenden Weltcup-Abschlussparty in der Iso-Zone war aller Ärger aber schnell verraucht. Das japanische Team hüpfte völlig losgelöst über die Tanzfläche, die Franzosen zeigten sich ebenfalls in Feierlaune, und auch die Österreicher kamen schnell wieder in Schwung. Denn auch sie hatten Grund zum Feiern: Um 0:00 Uhr durften sie Kilian Fischhuber zu seinem 27. Geburtstag gratulieren. Und der wurde dann noch einige Stunden vom gesamten Weltcup-Tross gebührend gefeiert.

Zum Video-Report von Udo Neumann

Ergebnisse vom Boulder-Weltcup München

Herren Boulder-Worldcup München
1. Adam Ondra (CZE)
2. Dmitry Sharafutdinov (RUS)
3. Victor Kozlov (RUS)
4. Kilian Fischhuber (AUT)
5. Tsukuru Hori (JPN)
6. Rustam Gelmanov (RUS)
7. Mykhaylo Shalagin (UKR)
7. Thomas Caleyron (FRA)
9. Stewart Watson (GBR)
9. Markus Hoppe (GER)

11. Stefan Danker (GER)
39. Peter Würth (GER)
45. Mathias Conrad (GER)
47. Franz Schmidtlein (GER)
64. Markus Grünebach (GER)

Hier geht's zum kompletten Ergebnis

Damen Boulder-Worldcup München
1. Akiyo Noguchi (JPN)
2. Anna Stöhr (AUT)
3. Anna Galliamova
4. Natalija Gros (SLO)
5. Mina Markovic (SLO)
6. Yulia Abramchuk (SLO)
7. Juliane Wurm (GER)
8. Jenny Lavarda (ITA)
9. Katharina Saurwein (AUT)
10. Alexandra Ladurner (ITA)

23. Sarah Schützenberger (GER)
25. Katrin Lau (GER)
33. Monika Retschy (GER)

Hier geht's zum kompletten Ergebnis

Ergebnis Gesamtwertung Bouldercup 2010

Herren Endstand Boulder Worldcup 2010
1. Adam Ondra (CZE)
2. Kilian Fischhuber (AUT)
3. Tsukuru Hori (JPN)
4. Dmitry Sharafutdinov (RUS)
5. Rustam Gelmanov (RUS)
6. Stewart Watson (GBR)
7. Guillaume Glairon Mondet (FRA)
8. Alexey Rubtsov (RUS)
9. Mykhaylo Shalagin (UKR)
10. Klemen Becan (SLO)

14. Stefan Danker (GER)
29. Jonas Baumann (GER)
30. Markus Hoppe (GER)
54. Mathias Conrad (GER)

Hier geht's zum kompletten Ergebnis

Damen Endstand Boulder Worldcup 2010
1. Akiyo Noguchi (JPN)
2. Anna Stöhr (AUT)
3. Chloé Graftiaux (BEL)
4. Alex Johnson (USA)
5. Juliane Wurm (GER)
6. Natalija Gros (SLO)
7. Melissa Le Neve (FRA)
8. Yulia Abramchuk (RUS)
9. Cecile Avezou (FRA)
10. Jenny Lavarda (ITA)

52. Sarah Schützenberger (GER)
58. Katrin Lau (GER)

Hier geht's zum kompletten Ergebnis

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