Angela Eiter Interview zur Biografie Tyrolia Verlag

Angela Eiter Biografie

Angela Eiter

Angela Eiter hat eine Autobiografie geschrieben, in der sie auch heikle Themen aufgreift. Die viermalige Lead-Weltmeisterin über Magersucht, Olympia und das Klettern am Fels.

Du hast ein sehr offenes Buch geschrieben, in dem jugendliche Magersucht und Mobbing nicht ausgespart werden. Fiel dir das schwer oder hat es gut getan, sich alles von der Seele zu schreiben?

Ich beschäftige mich schon seit etwa vier Jahren mit diesem Buchprojekt. Es war mir ein Anliegen, dass ich meine schönen Erfahrungen, aber auch meine Rückschläge mit anderen Menschen teile, um sie zu ermutigen, ihre eigenen Durststrecken zu meistern. Da die Magersucht und auch das Thema Mobbing schon etliche Jahre zurückliegen, fiel es mir leichter, darüber zu reden. Allerdings war ich mir anfangs nicht sicher, ob ich diese Tabu-Themen so offen aufgreifen soll. Denn ich wollte auf keinen Fall bestimmte Personen diffamieren, sondern Botschaften aussenden. Das, glaube ich, ist mir soweit gelungen.

Deine Wettkampfkarriere war von Disziplin und Kontrolle geprägt. War das Ende dieser Karriere auch eine Befreiung für dich?

Ich bin von Grund auf diszipliniert und habe meine Dinge gern im Griff. Von daher lagen die Gründe von meinem Karriereende woanders. Ich wollte hinaus in die Natur und das Klettern auf der „Abenteuer-Ebene“ erfahren. Ich suchte den geistig-körperlichen Austausch mit den Felsen, weit weg von Plänen und Bewertungen. Ich wollte die Zeit, den Ort und die Routen, die ich klettern wollte, selbst bestimmen. In anderen Worten: das Klettern in seiner ursprünglichen Form am Fels statt am Plastik kennenlernen.

Angela Angy Eiter
Red Bull Contentpool Bernhard Hörtnagel
Angy Eiter ist die erste Frau, die den Grad 9b klettern konnte.

In deinem Buch beschreibst du neben deinen Erfolgen auch Rückschläge wie Verletzungen oder Motivationsprobleme. Welche Lehren hast du aus all diesen Erfahrungen, positiven wie negativen, gezogen?

Mein derzeitiges Grundrezept ist das „In mich und in meine Umgebung hineinhorchen“. Ich möchte meinen Körper spüren lernen, seine Signale wahrnehmen und mein Tun an die Gegebenheiten der Natur anpassen. So kann ich Verletzungen von vornherein reduzieren. Ich habe gelernt, dass Rückschläge da sind, um aus ihnen zu lernen. Und ich habe bemerkt, dass ich außer dem Klettern noch andere Interessen habe, denen ich gerne nachgehe, wie meine Arbeit mit meinen Kooperationspartnern oder einfach mal Zeit mit meinem Patenkind Selina verbringen. Der Abstand tut mir oft gut und mildert meine Motivationsprobleme.

Nächstes Jahr ist Sportklettern erstmals eine olympische Disziplin. Wäre Olympia in deiner aktiven Wettkampfphase ein erstrebenswertes Ziel gewesen?

Klettern bei den Olympischen Spielen war für mich damals als Wettkampfathletin ein großes Ziel. In meinen Augen ist dies auch ein wichtiger Schritt, vor allem was die Attraktivität für die Medien angeht. In Österreich bemerke ich, dass zunehmend größere Firmen in den Klettersport als Partner einsteigen und dadurch die finanziellen Ressourcen gestiegen sind. Für diesen Vorteil wurde eine neue Wettkampfdisziplin – die Kombi aus Lead, Bouldern und Speed – für die Olympischen Spiele generiert. Die Schere zwischen Wettkampf- und Felsklettern geht nun noch weiter auseinander. Da ich damals gerne bei den Olympischen Spielen dabei gewesen wäre, hätte ich aber wohl zielstrebig versucht, mich dem neuen Format anzupassen.

Was würdest du jungen Kletterern, die vielleicht schon von Olympia 2024 träumen, am ehesten raten?

Von pauschalen Ratschlägen für die Allgemeinheit halte ich wenig. Ein Grundrezept für das Training, das sich bei mir bewährt hat, ist folgendes: Die Leiter von ganz unten stufenweise hinaufklettern. Das heißt, an der Basis anfangen und geduldig darauf aufbauen. Als Trainerin sehe ich mir die Athleten dann aus der Nähe an und gehe auf die individuellen Bedürfnisse ein.

Angela Angy Eiter
Tyrolia Verlag
Angys Buch über ihren Weg

Du hast beim Klettern im Wettkampf und am Fels alles erreicht. Was befeuert deine Lust am Klettern heute?

Was mir gegenwärtig am Klettern voll taugt, ist das Erkunden von mir unbekannten Kletterregionen, das Einbohren meiner eigenen Linien und das Testen meiner Grenzen in diesen Routen. Mit meinem Mann Bernie läuft das prima, denn er liebt diese Dinge genauso. Im Grunde war es er, der in mir diese Freude erweckt und mich mit seiner angesteckt hat.

Angela Eiter

Angela „Angy“ Eiter, Jahrgang 1986, ist die erfolgreichste Lead-Kletterin aller Zeiten. Zwischen 2005 und 2012 wurde sie viermal Weltmeisterin, 2010 Europameisterin, dreimal gewann sie den Gesamt-Weltcup und sechsmal das Rock Master in Arco. 2017 kletterte Angy mit La Planta de Shiva als erste Frau eine Route im Grad 9b. Seit 2011 betreibt die Tirolerin mit ihrem Mann Bernhard Ruech die Kletterschule K3-Climbing.

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