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Knowhow: Klettern am Fels

Von der Kletterhalle raus an den Fels

Abenteuer Klettern - die besten Storys

Endlich echten Fels unter die Finger bekommen: genial. Damit beim ersten Draußenklettern nichts schief geht, gibt es hier die wichtigsten Tipps direkt vom Bergführer.

In diesem Artikel:

  1. Klettern am Fels: die Risiken
  2. Runout, Bodensturzgefahr, Sicherungen selbst anbringen
  3. Seilreibung - Fluch oder Segen
  4. Richtig Einhängen und Klippen
  5. Achtung Steinschlag
  6. Felsen sind Biotope
  7. Schlechte Sicherungen
  8. Runter kommen sie immer

Klettern am Fels: die Risiken

Eigentlich passiert beim Klettern relativ wenig – auch beim Klettern draußen am Fels. Auffällig ist jedoch, dass sich beim Outdoor-Klettern ein Unfallmuster häuft: Relativ unerfahrener Kletterer stürzt in einer Route im fünften oder sechsten UIAA-Schwierigkeitsgrad auf den Boden.

Der Grund dafür liegt oft in der Unterschiedlichkeit zwischen der Kletterhalle und dem Klettern Draußen. Und da die meisten Kletterer mittlerweile in der Kletterhalle zum Klettern kommen, sollte man die Unterschiede und die daraus resultierenden Verhaltenstipps kennen.

Schön wäre es, wenn erfahrene Kletterer andere nicht überheblich belächeln, sondern Hilfestellung anbieten, wenn sie Fehler oder Unsicherheiten beobachten. Doch nun zu den einzelnen Unterschieden im Detail. Auf den folgenden Seiten, in der Fotostrecke und in der Tipp-Liste unterhalb haben wir die wichtigsten Infos und Tipps für den sicheren Start am Fels für euch zusammengefasst.

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Sicherheit

Runout, Bodensturzgefahr, Sicherungen selbst anbringen

Runout, Bodensturzgefahr, Sicherungen selbst anbringen: Diese drei Punkte hängen zusammen. In der Halle sind die Hakenabstände genormt, draußen nicht. Jeder muss also vor dem Einsteigen abschätzen, ob ihm die Hakenanzahl ausreicht und ob er der Route gewachsen ist.

Und sich folgende Fragen stellen: Sind die Abstände so groß oder ist der Weg zum ersten Haken so weit, dass Bodensturzgefahr besteht? Wenn ja, kann ich zusätzliche Sicherungspunkte anbringen (Keile, Schlingen, Cams)? Oder kann ich die Passagen zwischen den Haken sturzfrei klettern? Ist Spotten oder ein Crashpad vor dem ersten Haken hilfreich?

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Szene

In vielen Klettergebieten gehören mobile Sicherungsmittel wie Sanduhrschlingen, Keile und Cams in den Rucksack. Wer draußen noch nicht so erfahren ist, sollte mit dem Schwierigkeitsgrad deutlich runtergehen. Ein Sturz darf draußen nur dann riskiert werden, wenn dieser vor dem Boden (oder einem Felsabsatz) in der Luft endet.

Die Einschätzung, ob Stürzen vom Gelände her erlaubt ist oder nicht, muss draußen ständig überprüft werden. In vielen Sportkletterrouten gibt es Passagen, in denen Stürze tabu sind, da man ansonsten am Boden oder auf einem Absatz aufschlägt. Dagegen hilft nur, zusätzliche Sicherungspunkte anzubringen oder nicht zu stürzen.

Seilreibung – Fluch oder Segen

Seilreibung kann heikel sein, aber auch ein Segen. Gefährlich ist Seilreibung, weil sich dadurch die Belastung in der Sicherungskette bei einem Sturz erhöht und der Anprall an der Wand härter wird. Natürlich ist es auch unangenehm, wenn man auf einer Reibungsplatte steht und das Seil kaum mehr hochgezogen bekommt.

Ein Segen kann Seilreibung sein, wenn ein weiter Sturz gehalten werden muss und der leichte Sicherungspartner ohne viel Seilreibung aus dem Stand gerissen und vor Schreck das Bremsseil loslassen würde. Auch das Sicherungsgsgerät sollte auf die Seilreibung abgestimmt sein.

In der Kletterhalle ist diese gering, weshalb hier relativ viele Bodenstürze zu beobachten sind, dafür erstaunlich wenig Anprallverletzungen. Hier bieten sich zum Sichern Halbautomaten oder Auto-Tuber an. Draußen kann die Reibungssituation stark variieren.

In Routen mit geradem Seilverlauf und großen Hakenabständen sind Halbautomaten oder Auto-Tuber perfekt. In Routen mit sehr großer Seilreibung (Seilverlauf im ZickZack oder über Felskanten), sollte man die Zwischensicherungen verlängern und gegebenenfalls ein dynamisches Bremsgerät verwenden. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass dieses auch perfekt beherrscht wird. Im Zweifel sollte man immer das bekannte Sicherungsgerät wählen.

Draußen klettern - was beachten?

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Richtig Einhängen und Klippen

Es klingt eigentlich banal, doch einige Unfälle liegen in Fehlern beim Klippen begründet. Selbstaushänger oder Karabinerbrüche nehmen ihren Anfang meist im verkehrten Klippen des hakenseitigen Karabiners.

Wird der Karabinerschnapper in Kletterrichtung positioniert, legt sich der Karabiner in der Hakenöse leicht auf den Schnapper. Offenbelastungen und Karabinerbrüche oder das Aushängen können daraus resultieren. Aber auch die passende Schlingenlänge ist wichtig, um die Seilreibung zu reduzieren.

Optimal sind gleich positionierte Expressschlingen mit guten Karabinern (Offen-Festigkeit von 9 kN), eine 60-cm-Schlinge sowie eine „Alpin-Exe“ zum Verlängern. Zudem sollte der Karabiner nicht auf Biegung am Fels aufliegen. Um das zu vermeiden und zum Fädeln von Sanduhren ist eine kurze Prusikschlinge aus Kevlar hilfreich.

Achtung Steinschlag

In Klettergärten besteht grundsätzlich Steinschlaggefahr. Ob man einen Helm trägt, hängt von der Wahrscheinlichkeit des Steinschlags ab. Ist die Felsqualität eher mäßig? Helm auf, besonders der Sichernde!

Klar auch, dass man sich nicht unnötig unter dem Kletternden aufhält. Kinder und Kinderwagen haben am Wandfuß nichts verloren! Wanderwege und Personen oder Tiere, die oberhalb der Felsen Steinschlag auslösen, sind eine oft unterschätzte Gefahr.

Was gern vergessen wird: Der Helm schützt nicht nur bei Steinschlag, sondern auch bei Anprall an der Wand oder auf dem Boden. Bei weiten Hakenabständen und bei möglicherweise unkontrollierten Stürzen ist ein Helm sinnvoll. Deshalb haben die Kletterer im englischen Gritstone beim Tradklettern oft einen Helm auf, wenn sie vier Meter über dem Keil zu einem Dynamo ansetzen.

Draußen klettern - was beachten?

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Felsen sind Biotope

Am schönsten ist das Klettern draußen. Aber besonders an den sensiblen und seltenen Mittelgebirgsfelsen in Deutschland sollte man sich entsprechend verhalten. Viel zu viele Felsen sind schon gesperrt. Zonierungsregeln und Sperrungen müssen eingehalten werden.

Rücksichtsvolles Verhalten sollte selbstverständlich sein, egal ob gegenüber anderen (Lärm, Platz, Routen belegen) oder gegenüber der Umwelt (Anlieger, Grundbesitzer, Flora, Fauna). Das fängt beim Parken an, geht über den Zustieg und endet bei den Exkrementen. Am Fels kommt am Abend kein Putzdienst wie in der Halle.

Zum Thema:
Der große Klettergnigge - wie Kletterer sich daneben benehmen

Draußen klettern - was beachten?

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Schlechte Sicherungen

Anders als in der Kletterhalle gibt es am Fels keinen „Betreiber“. Hier fehlt ein Verantwortlicher, der Haken prüft und Exen und Karabiner austauscht, wenn diese eingeschliffen oder aufgescheuert sind.

Ein tödlicher Unfall in einem Schweizer Klettergarten lag darin begründet, dass ein scharfkantig eingeschliffener Karabiner einer fix belassenen Express-Schlinge bei einem Sturz zum Seilriss führte.

Schlecht gesetzte Bohrhaken, selbstgebaute Haken ohne Festigkeitsnachweis, alte rostige Bohrhakensysteme, vergammelte Fix-Exen, eingeschliffene Karabiner oder billiger Baumarktschrott sind Zeitbomben, die zwar relativ selten zu Unfällen führen, doch sollte man beurteilen können, woran man sich sichert und in welches Material man reinspringt.

Draußen klettern - was beachten?

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Runter kommen sie immer

Für viele ungewohnt ist die Tatsache, dass draußen am Ende der Routen oft keine Kette wartet, die mit einem schönen Nirosta Stahlkarabiner bestückt ist, sondern stattdessen ein vergammelter Schlingensalat, ein einzelner Bühler, eingeschliffene und kaum mehr zu betätigende Alu-Karabiner oder eine geschlossene Öse.

Ob und wie man hier abgelassen werden kann, wie man umbaut und wie man gegebenenfalls abseilt, muss bekannt sein. Wichtig ist, dass zwischen den Kletterpartnern klar kommuniziert wird, was ansteht. „Stand“ ist ein absolutes Tabu-Kommando im Klettergarten, wenn man abgelassen werden will. „Zu“ und „Ab“ sind hier die passenden Kommandos.

Beim Umbauen sollte immer Redundanz bestehen, nach Möglichkeit hinsichtlich der Fixpunkte, viel wichtiger aber gegen Fehler bei den Umbauschritten. Denn trotz aller äußerer Unwägbarkeiten am Fels: Statistisch werden Kletterunfälle zehn Mal häufiger durch eigene Fehler verursacht als dadurch, dass Material versagt oder ein Griff ausbricht. Die gute Nachricht ist also, dass Ausbildung, Übung und Information zu Routine, Erfahrung und somit Sicherheit verhelfen.

Draußen klettern - was beachten?

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*BR*

Neue Sicherungsgeräte

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Sicherungsfehler beim Klettern

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