KL Shit happens unbeleyvable Scharfes Ende 8-16 teaser Ryan McGuire (CC0 Public Domain)

Sichern ohne Kopf und Verstand: Storys

Noch mal gut gegangen – aber nur knapp!

Jeden Montag berichtet ein US-amerikanisches Klettermagazin über die unglaublichsten Sicherungsfehler beim Klettern. Eine Auswahl.

Dass man beim Sichern so viel falsch machen kann, hätten wir nicht gedacht. Aber diese Begebenheiten sind tatsächlich von Kletterern beobachtet worden. Vielleicht ist es eine statistische Normalität, dass je mehr sich das Klettern zum Breitensport wandelt, desto mehr unerfahrene und halbwissende Kletterer auf verrückte Ideen kommen. Und da man aus anderer Leute Fehler immer etwas lernen kann und selbst natürlich auch nicht vor solchen gefeit ist, hier eine kleine Auf­listung erstaunlicher Sicherungsfehler.

Sicherungsproblematik Kopfhörer

Beginnen wir harmlos: Die Vorsteigerin trägt Kopfhörer, um sich beim Klettern mit ihrem Lieblingssound beschallen zu lassen. Leider versteht sie dadurch keine Seilkom­mandos und auch sonst nichts mehr. Die anderen Kletterer am Fels ebenfalls nicht, weil ihr Sicherer schreit wie am Spieß, dass sie oben angekommen bitte ein Toprope für ihn einrichten solle.

Sicherungsproblematik Telefon

In eine ähnliche Kerbe haut die in Bohus­län in Schweden beobachtete Geschichte einer Sichernden, die beim Sichern auf dem Handy Whatsapp-­Nachrichten schreibt und dafür beide Hände braucht. Damit ist leider keine mehr frei, um das Bremsseil hinterm Tuber zu halten, während der Bruder hoch oben in der Wand klettert.

Sicherungsproblematik Fotografieren

Wo wir schon beim Smartphone sind: Aus den USA stammt die Story von der Sichernden, die mit ihrem Partner Toprope in der Halle klettert. Als der eine eindrucks­volle Höhe erreicht hat, weist sie ihn an, eine spannende Position einzunehmen, um ein Foto mit dem Handy zu machen. Handy raus, Sicherungsseil in die linke Hand, Handy hoch. In dem Moment stürzt unge­schickterweise der Partner aus der Wand. Die Sichernde lässt das Handy fallen, wech­selt das Sicherungsseil noch irgendwie schnell in die rechte Hand und stoppt den Sturz kurz vor dem Boden – immerhin!

Sicherungsproblematik Zwischensicherungen aushängen

Von wegen Toprope und Halle: Natürlich kommt auch der Klassiker vor. Kletterer steigt im Toprope nach, hängt alle Zwi­schensicherungen aus und will am Ende auch noch den Umlenker aushängen. Das Hallenpersonal kann den Supergau gerade noch durch Zuruf verhindern. Auch diese Geschichte ist aus den USA, aber ebenso schon von uns beobachtet in einer Kletterhalle un­weit von Stuttgart.

Sicherungsproblematik Keine Ahnung

Auch für Hallen­verhältnisse schon etwas exotischer: Mutter klettert mit Tochter. Bezie­hungsweise Toch­ter will im Toprope klettern, Mutter soll sichern. Dazu hält Mutter das Sicherungsseil mit bloßen Händen fest, während bei der kletternden Tochter statt eines Einbindeknotens ein Grigri vor­ne am Gurt hängt, durch das das Seil läuft. Zum Glück kommt die Tochter nicht weit, ehe jemand den Fehler bemerkt.

Problematik Bedienung des Sicherungsgeräts

Gehen wir wieder raus. Kletterer hört am Fels neben sich ein Seil durchrauschen und sieht einen Vorsteiger im freien Fall. Plötzlich stoppt der Fall. Und warum? Weil sich das Sicherungsgerät samt Seil in der ersten Exe der Route verklemmt hat. Es hatte sich vom Gurt des Sichernden gelöst, was dieser sich nicht erklären konnte.

Sicherungsproblematik Kletterseil

Zwei blutige Kletteranfänger kaufen Gurte, Schuhe und Ausrüstung, sparen aber am Seil. Ein 30 Meter Polypropylen-­Seil aus dem Baumarkt, das 100 Kilo hält, soll für den Anfang genügen. Sie klettern den gan­zen Tag, am Abend lassen sie sich ein Stück am neuen Seil ab. Nachdem sich dieses beim Ablassen auf 60 Meter Länge dehnt und nur noch den halben Durchmesser hat, kaufen sie danach ein richtiges Kletterseil.

Sicherungsproblematik Standbau

Ein Vorsteiger klettert oben über die Fels­kante, setzt sich hin, zieht Seil ein und ruft „Nachkommen!“ – ohne sich selbst zu si­chern. Von anderen Kletterern darauf angesprochen, meint er, er sei 20 Kilo schwerer als der Nachsteiger.

Sicherungsproblematik fehlendes Material

Kletterer in den USA kommt mit Kumpel im Auto an einer schönen Wand vorbei und beschließt, dort toprope zu klettern. Nach­ dem er seitlich irgendwo hochgekraxelt ist, das Toprope eingerichtet und wieder abgeseilt hat, stellt sich die Frage: Wo sichern? Denn die beiden haben nur einen Gurt dabei. Kurzerhand befestigen sie eine Schlinge am Tür­ schloss des Autos und daran das Sicherungsgerät. Und weil die heutigen Autos of­fenbar recht stabil sind, hält das Schloss. Jedenfalls stürzt keiner der Toproper beim Ablassen ab.

Sicherungsproblematik falsche Entscheidung

Einer geht noch: Kletterer in den USA steigt eine Sportkletterroute im siebten Grad vor und stellt nach wenigen Bohrhaken fest, dass er keine Exen und Karabiner mehr hat. Beschließt aber, weiterzuklettern bis zum Umlenker. Dort angekommen bindet er sich – entgegen der sehr dringenden Bitte seines Sicherers – aus dem Seil aus, um es durch den Umlenker zu fädeln. Lässt es aber stattdessen fallen. Und kann sich mit viel Glück solange halten, bis ein ande­rer Kletterer mit einem Seil zu ihm hoch­ kommt und ihn rettet. Na also: Ging doch gut!

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