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Spotten - so geht's

Fluglotsen - Sinn und Unsinn des Spottens

Ein Sturz endet beim Bouldern immer auf dem Boden. Mit gekonntem Spotten lassen sich aber fast alle Situationen entschärfen.

Wäre die Angelegenheit nicht so ernst, ließe sich über manche Spotter trefflich spotten. Steht doch oft ein Männlein im Walde und reckt seine Arme unmotiviert in den Himmel, von Aufmerksamkeit keine Spur. Auch beliebt: Verbales Anfeuern, die Hände tief in den Hosentaschen vergraben (ist aber auch kalt, Mann!).

Dabei ist Spotten eine anspruchs- und verantwortungsvolle Angelegenheit. Gilt es doch, alle möglichen Sturz-Szenarien zu antizipieren und die eigene Position anzupassen. Wenn gespottet wird, dann bitte mit 100 Prozent Konzentration und Engagement – und dies bis zum Schluss! Ansonsten sollte man besser gar nicht spotten und dies auch kundtun; dann weiß der Kletterer wenigstens, dass er im Falle eines Sturzes auf sich selbst gestellt ist.

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Kein Spotter notwendig: Der Boden ist eben, die Matte gezielt plaziert.

Die dringlichste Pflicht von Spottern ist, Kopf und Rücken des Kletterers zu schützen. Dies erreicht der Spotter am besten, wenn er dem Boulderer dabei hilft, mit den Füßen zuerst zu landen. Und damit auch diese nicht verletzt werden – und zugleich die Wirbelsäule nicht unnötig belastet wird –, sollte die Landung auf dem Crashpad und nicht daneben erfolgen. Daraus leiten sich die Hauptaufgaben des Spotters ab: Aufrichten und lenken.

Aufrichten
Es gilt, den Stürzen­den in aufrechte Position zu bringen. Je nach Wandneigung liegt der Ansatzpunkt der Hände zwischen Hüfte und Schulterblatt.

Lenken
Sind nicht genügend Crashpads vorhanden, um den ganzen denkbaren Einschlagsbereich abzudecken, muss der Spotter dem Stürzenden einen Impuls in Richtung der Matte(n) geben.

Fluglotsen - Haltung und Technik

Um beide Aufgaben (Aufrichten und Lenken) erfüllen zu können, sind die Hände des Spotters möglichst nah am Ansatzpunkt, damit die Fallbeschleunigung gering bleibt. Bei höheren Bouldern sollte der Spotter dagegen nicht zu nah unterm Kletterer stehen, damit dieser nicht auf ihn stürzt; aber auch nicht zu weit weg, da dieser sonst einschlägt, bevor der Spotter eingreifen kann.

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Highball: Irgendwann hilft auch Spotten nichts mehr...

Haltungssache

In der Grundposition beim Spotten sind Ellbogen und Knie leicht angewinkelt, um abfedern zu können. Eine leicht breitbeinige Stellung sorgt für festen Stand (adäquates Schuhwerk in unebenem Gelände!). Die Handhaltung ist seitlich offen (nicht die Handinnenseite nach vorn – erhöhte Gefahr von Finger- und Handgelenksverletzungen). Wichtig: Die Finger sollten nicht gespreizt, sondern aneinandergelegt werden. Das gilt auch und vor allem für den Daumen!

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Achtung Alibi-Spot: Der junge Mann im dunklen T-Shirt droht im Sturzfall erschlagen zu werden - den Blick nach unten gewendet, sieht er ja nicht, was passiert.

Auch der Spotter sollte sich um seine Fall-Linie Gedanken machen. Besonders aufpassen muss man, wenn der Spotter gegen Blöcke oder einen Hang hin­unter geschleudert werden könnte. Gegebenenfalls sollte auch der Spotter gespottet werden. Zu beachten sind zudem Gewichtsunterschiede – eine 50-Kilo-Frau wird kaum einen 80-Kilo-Mann auf Füße und Matte bugsieren können, wenn dieser zwei Meter über ihr aus einem Dach plumpst.

Fluglotsen - Do's and Dont's

Do's

- Schon vor dem Bouldern: Landeflächen analysieren, Bewegungen checken, eventuell auftretenden Schwung oder Seitdrall einkalkulieren;

- Landefläche einebnen. Nicht mit schwerem Gerät, sondern mit Rucksäcken (zwischen die Steine stecken) und Crashpads (darüberlegen);

- sich absprechen: Wer spottet wo, wer rückt die Matten wann wohin, etc.;

- vorher abklären: Möchte der oder die Boulder(in) überhaupt gespottet werden?

KL Maria wird gespottet
Sarah Burmester / klettern.de
Maria macht sich lang.
KL Spotten im Überhängenden
Sarah Burmester / klettern.de
Georg kann eng spotten, weil er den Boulder kennt; so weiß er, welche Bewegungen Martin ungefähr machen wird.

Dont's

- mit dem Spotten aufhören, obwohl der Boulderer noch kämpft: Das ist gefährlich, schließlich verlässt sich der Kletterer auf den Spotter;

- den Boulderer (besonders: die Boulderin) nie, nie, nie berühren, solange noch Felskontakt besteht!

- Gewichtsunterschied zu groß: Deutlich schwerere Kletterer zu spotten, kann für den Spotter gefährlich werden. Am besten ansprechen, und als Ausgleich anbieten, die Matten zurechtzurücken;

- Finger spreizen: Man sollte die Hände leicht seitlich mit angelegten Fingern halten, (bei gespreizten Fingern besteht Verletzungsgefahr).

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Fluglotsen - Sicherheit in jeder Situation

Auf die Füße bringen
Je steiler das Gelände, desto höher der Ansatzpunkt der Hände: Während man in senkrechtem Gelände den Stürzenden knapp über der Hüfte greift, liegt der Ansatzpunkt in Dächern knapp unterm Schulterblatt, um zu verhindern, dass der Kletterer kopfüber hinter dem Spotter einschlägt. Sobald die Position des Kletterers sich der Waagerechten nähert, den Ansatzpunkt Richtung Oberkörper und Schultern bewegen.

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Auch in Fontainebleau kann man sich schon einmal einen Spotter wünschen.
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Enge Einflugschneise
Ist der Landeraum durch Blöcke oder Bäume begrenzt, muss der Spotter neben dem Aufrichten und Lenken auch verhindern, dass der Kletterer während des Sturzes an Felsen aufschlägt (vor allem Kopf und Rücken schützen). Möglichst enges Spotten ist angesagt, oft sind in solchen Fällen mehrere Spotter nötig.

Manchmal helfen auch zusätzliche oder kleine Crashpads, die man über den störenden Block legt oder an den Baum anlehnt.

KL Herauspendelnde Füße beim Bouldern
Steffen Kern

Pendler einkalkulieren
Es kann passieren, dass dem Kletterer die Füße "kommen" und hinauspendeln. Hier muss man besonders aufmerksam sein: Schafft es der Boulderer, die Füße wieder an den Fels zu bringen, wäre Eingreifen schädlich, schließlich ist die Begehung dann verfälscht. Schafft der Boulderer nicht, die Füße wieder heranzuholen, kann sein Sturz sehr unkontrolliert erfolgen. Daher gilt es, die richtige Position einzunehmen, um dem Kletterer nicht die Begehung zu "versauen", aber trotzdem bei einem Abflug noch eingreifen zu können.

Grenzen des Spottens
Ab einer gewissen Höhe ist Spotten nicht mehr zu empfehlen, da die Verletzungsgefahr für die Spotter groß, ihre Unterstützungsmöglichkeit für den Stürzenden dagegen gering ist. Wichtig ist, dass man (vorher) die Höhe kommuniziert, ab der sich die Spotter zurückziehen.

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