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Tipps: Klettern am Fels

Draußen klettern ist anders: Knowhow

Im Vergleich zur Kletterhalle ist das Klettern draußen am Fels anders. Aber wie genau unterscheidet sich das Klettern am Fels vom Plastik?

Klettern am Fels ist anders als Klettern in der Kletterhalle. Aber wie genau habe ich mir das vorzustellen? Um es kurz zu sagen: Während in der Kletterhalle oder künstlichen Kletteranlagen meist alles darauf ausgerichtet ist, dass ein Kletterer die Wand sicher erklimmen und wieder hinuntergelangen kann, ist draußen am Fels das Gegenteil der Fall.

Nichts und niemand ist darauf ausgerichtet, dass wir eine Wand sicher erklettern können. Meist gibt es zwar Haken, um eine Sicherungskette zu etablieren; doch ob diese günstig plaziert sind und ob es uns gelingt, diese sicher zu erreichen - hängt völlig von uns und unserem Können ab.

Draußen am Fels ist Erfahrung und Knowhow sinnvoll und nötig, um sicher und fehlerfrei zu klettern. "Fehler" kann man nämlich nicht nur beim Klettern selbst machen: Falsch Parken oder Unwissenheit können hier nicht nur zu privatem Ärger führen, sondern die Existenz eines ganzen Klettergebiets aufs Spiel setzen.

In dicht besiedelten Gegenden wie den deutschen Mittelgebirge ist neben der Sicherheit für Kletterer und Sichernde das Beachten von Regeln zum friedvollen Miteinander in der Natur das wichtigste Gebot. Denn nicht selten hat es jahrelanger Verhandlungen und zäh errungener Kompromisse bedurft, um die Erlaubnis zum Klettern für ein Gebiet zu erhalten.

Sicherheit beim Klettern draußen am Fels

Am Fels drohen objektive Gefahren wie Steinschlag oder schlechte Sicherungspunkte (z.B. alte Schlaghaken). Das größte Unfall-Risiko geht allerdings von den sogenannten „subjektiven Gefahren“ aus. Hierzu zählen die eigenen Kletter- (und Sicherungs-)Fähigkeiten genau so wie Fähigkeiten zur Selbsteinschätzung und das Wissen um mögliche Konsequenzen aus dem eigenen Handeln.

Außerhalb der Kletterhalle steht man zum Beispiel vor dem Problem, dass es keine Topropes gibt - ein solches muss selbst eingerichtet werden. Hierfür muss also jemand im Vorstieg hochklettern und das Seil in die Umlenkung einhängen...

Mehr zum Thema Toprope einrichten und Sicher im Toprope klettern
Klettern im Vorstieg: was muss man beachten, wie geht es und was sind die Risiken?

Ganz allgemein listen wir hier die wichtigsten Punkte, die das Draußen-Klettern vom Klettern in der Kletterhalle unterscheiden:

Es gibt meist weniger Haken und größere Hakenabstände

Während in der Kletterhalle viele Sicherungspunkte in kurzen Abständen vorhanden sind, warten draußen am Fels oft nur wenige Haken. Meist sind sie spärlich gesetzt, gerade so, um einen Sturz auf den Boden zu vermeiden - und auch dies nur, wenn man nicht während des Klippens fällt.

Korrekte Selbsteinschätzung und gewisse Kletterfähigkeiten sind also Voraussetzung fürs Draußen klettern.

Griffe und Tritte sind nicht immer offensichtlich

Woran man sich draußen am Fels festhalten kann und auf welcher Art von Strukturen das Stehen und Antreten möglich ist, erschließt sich dem Hallenkletterer nicht immer. Winzige Käntchen, seichte Mulden und undefinierbare Felsformationen können als Griffe und Tritte dienen - nicht immer ist dies auf den ersten Blick erkennbar.

Es erfordert Routine und Übung, an den teils wenig offensichtlichen Strukturen einer Felswand zu klettern.

Es herrscht oft Bodensturzgefahr

Weil die Hakenabstände meist größer sind, wird es zum Haken hin und beim Einhängen meist knapp. Oft gibt es in "leichteren" Passagen kaum Haken - entweder weil diese mit Keilen und Klemmgeräten selbst absicherbar sind, oder weil vorausgesetzt wird, dass man im "leichten" Gelände nicht fällt.

Die mentale Verfassung des Kletternden muss darauf ausgelegt sein, die Souveränität für solche Passagen mitzubringen.

Zusätzliche Zwischensicherungen müssen selbst gelegt werden

Bohrhaken wurden traditionell nur gesetzt, wenn keine andere Möglichkeit der Absicherung vorhanden war. Wenn Risse oder sogenannte Sanduhren vorhanden sind, lassen sich Klemmgeräte und Schlingen legen, die weitere Sicherungspunkte bilden.

Das Wissen und Können zum Legen von eigenen Sicherungsmitteln ist oftmals nötig.

Es gibt oft mehr Seilreibung, die Seilführung ist weniger geradlinig

Wenn das Seil im Zickzack verläuft oder die zu kletternde Linie nicht gerade ist, muss umsichtig und mit verlängerten Expressen gearbeitet werden, damit der Seilzug nicht ausufert. Durch die verstärkte Seilreibung ist auch die Blockierfunktion von Halbautomaten nicht immer gegeben.

Inwieweit die Seilführung Einschränkungen verursacht sollte abgeschätzt werden können; außerdem sollte man wissen, wie und wo Sicherungen eventuell verlängert werden müssen, um ohne Beschwerden klettern zu können.

Die Exen müssen selbst geklippt werden

Eigentlich selbstverständlich: Draußen hängen keine Express-Schlingen in den Haken, sie müssen vom Kletternden mitgebracht werden ("Rotpunkt klettern"). Das Einhängen und Klippen erfordert deutlich mehr Kraft und Ausdauer, als einfach nur das Seil zu klippen.

Das Anklettern von Sicherungspunkten erfordert Umsicht und ein Plus an Kraft.

Es besteht Steinschlaggefahr und die Gefahr, dass Griffe oder Tritte ausbrechen

Viele Felsmassive verfügen über brüchige Passagen. Ob sich oberhalb der Wand noch Risiko-Gelände befindet, ist ebenfalls relevant. Auch wenn das Helm-Tragen beim Sportklettern nicht besonders verbreitet ist: sinnvoll ist es.

Das Erkennen von brüchigem oder weichem Fels hilft dem Kletternden, seine Situation richtig einzuschätzen.

Naturschutz und Kletterregelungen sind zu beachten

Richtig Parken, keinen Müll zurücklassen, keinen Lärm machen, Brutsaison und sonstige Einschränkungen beachten, mögliche regionale Besonderheiten berücksichtigen: Das Klettern am Fels ist nicht selbstverständlich. Wir sind in der Natur Gast; Sperrungen und Rücksicht gegenüber anderen Parteien (Anwohnern, Förster, Naturschützer) sind unbedingt zu beachten.

Information ist alles: felsinfo.alpenverein.de

Bohrhaken und Fixpunkte müssen selbst beurteilt werden

Manche Haken und Standplätze haben ihre beste Zeit schon hinter sich. Manchmal sind Umlenker stark abgenutzt, manche Reepschnur ist im Alterungsprozess schon weit vorangeschritten.

Es gilt zu wissen, wann welchem Material zu trauen ist.

An der Umlenkung muss abgebaut werden

Runter kommen sie alle - aber bitte langsam, sicher und mit dem Material, das man vorher am Fels untergebracht hat. Mehr dazu gibt es in diesem Knowhow-Artikel: Routen sicher abbauen: so geht's

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