Portrait: Jule Wurm

Das Nachwuchstalent

Mit 15 wurde Juliane Wurm Deutsche Meisterin – als bisher jüngste. Wir stellen das Nachwuchstalent aus Dortmund vor.
Foto: Matthias Keller Wurm

Juliane Wurm, das Nachwuchstalent aus dem Ruhrpott.

Die derzeit erfolgreichste Kletterin ihrer Generation in Deutschland ist Juliane Wurm aus Dortmund. Mit gerade einmal 15 Jahren wurde sie 2006 bei den Damen die jüngste deutsche Meisterin aller Zeiten im Bouldern und Lead und holte sich nebenbei noch den Jugendtitel. Lediglich der Speedmeister blieb ihr verwehrt – hier wurde sie Zweite.

Die Meisterin und die Eichhörnchen
DAV-Kletterhalle Wuppertal, Dienstag Nachmittag: Die Kids der Eichhörnchen-Klettergruppe wuseln über die Matten im Boulderbereich: Aufwärmen für das Seilklettern ist angesagt. Mitten drin Juliane Wurm, die einigen Steppkes mit riesigen Augen zeigt, wie der Boulder geht: Linker Fuß da hin, hochschieben, weiter an den nächsten Griff, rechter Fuß auf den kleinen Tritt, geschafft. Ist doch gar nicht so schwer! Heute steht noch die Abnahme des "Bronzenen Eichhörnchens" auf dem Programm: Mindestens eine Vier minus im Toprope, eine Sicherungstechnik und die Kletterregeln werden von Juliane abgefragt, bevor der begehrte Aufnäher mit dem Pelztier auf den Chalkbag darf. Und natürlich wollen alle Eichhörnchen später mal Deutsche Meister werden, wie die Trainerin …

Jeden Dienstag nach der Schule betreut Juliane mit ihrer Freundin Frederike Förster – ihrerseits Junioren-Landesmeisterin in NRW – die Kinderklettergruppe im Alter von acht bis elf Jahren, um sich ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern. "Wenn ich die Kids sehe, fühle ich mich immer ein bisschen an meine eigene Anfangszeit im Klettern erinnert", meint Juliane zu ihrem Job.

Foto: Matthias Keller Wurm

Juliane an "ihrer" Wand in Wuppertal.

Julianes eigene Eichhörnchenjahre liegen noch gar nicht so weit zurück: Zu ihrem zehnten Geburtstag hatte der Papa als Aktion für die komplette Kindergeburtstagsbelegschaft einen Nachmittag in der Kletterhalle gebucht. Von da an nahm das Schicksal seinen Lauf: Juliane war sofort angetan vom Klettern und durch ihre Vergangenheit beim Turnen, das sie schon einige Jahre betrieb, stellten sich an der Wand sehr schnell Erfolge ein. Fortan trainierte sie regelmäßig in einer Kinderklettergruppe in Dortmund. Hier sah sie dann bald, dass sie auch mit viel stärkeren Jungs mithalten konnte, und der Wunsch reifte, sich doch auch einmal im Wettkampf mit anderen Kletterinnen zu messen. Juliane ließ sich zum Kids-Cup in Essen anmelden und kletterte wenig später auch regelmäßig erfolgreich bei den Landesmeisterschaften mit. Dies mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Eltern, die als Shuttle-Service und motivierendes Bodenpersonal fungierten – gerade als es dann auch bei den DAV- Jugendcups quer durch die Republik ging.

In den Nationalkader
Nachdem Juliane richtig ins Wettkampfgeschehen eingestiegen war, dauerte es nicht lange, bis sie durch ihre hervorragenden Leistungen bei den Jugendcups den Bundesjugendtrainer auf sich aufmerksam machte.

Zur Saison 2004 wurde sie schließlich in den Jugendnationalkader berufen und durfte für Deutschland bei den European Youth Cups (EYC) an den Start gehen. Nach der anfänglichen Nervosität im ungewohnten internationalen Wettkampfgeschehen zeigte Juliane hier schnell ihren Konkurrentinnen, wo der Chalkbag hängt: In ihrem ersten internationalen Jahr steigerte sie sich vom 15. Platz im ersten EYC bis auf den 3. Platz im abschließenden Wettkampf im slowenischen Kranj. Wenige Wochen vorher war sie bei ihrer ersten Jugend-WM in Edinburg hervorragende Fünfte geworden. In ihrem zweiten Jahr bei der Jugend B konnte sie sich dann richtig unter den Top Girls etablieren: Bereits den ersten EYC in Brno gewann sie, bei den folgenden drei wurde sie jeweils Zweite. Am Ende der Saison holte sie sich mit diesen Platzierungen den Gesamtsieg des European Youth Cups 2005 in der Jugend B; bei der Jugend-WM in Peking hätte sie gar das Zeug gehabt, Weltmeisterin zu werden, ein Lesefehler kostete sie jedoch extrem viel Kraft. So blieb „nur“ der dritte Platz, und dabei waren die beiden Mädels vor ihr auch ohne Lesefehler nur unwesentlich weiter gekommen. 2006 lief es dann international nicht ganz so gut. Die Platzierungen unter den Top 10 im EYC und ein zweiter Platz waren zwar nicht schlecht, aber das ganz große Highlight blieb für Juliane leider aus – dies holte sie sich dann eben national mit ihren drei Meistertiteln.

15.03.2007
Autor: Matthias Keller
© klettern