Klettern Schwäbische Alb

Schön und schwer: Kesselwand, Geschlitzter Fels, linke Wittlinger

Die besten Felsen der Schwäbischen Alb: Kesselwand, Geschlitzter Fels und linke Wittlinger bieten gemütliche Routen genau so wie Hardcore-Teile bis in den zehnten Grad.

Alle wichtigen Infos zum Klettern im Kessel, am Geschlitzten Fels und den Linken Wittlingern, die vermutlich die besten Felsen auf der Schwäbischen Alb darstellen.

Foto: Ronald Nordmann / Panico Alpinverlag Klettern Schwäbische Alb, Lenninger Tal / Uracher Alb

Löchrig und steil, typisch Arena: Thomas Shorty Tauporn wärmt sich in der 'Vergessenen Wand' (8+) auf.

Klettern am Kesselwand

Ausrichtung: West, Südwest, Südost
Wandhöhe: 10 bis 45 Meter
Routen & Grade: 8 Routen im 5+ Grad, 81 Routen im 6. und 7. Grad, 39 Routen im 8. bis 10. Grad

Die Kesselwand ganz hinten im Lenninger Tal ist sicher das vielfältigste Felsmassiv in der Region. Mit rund 130 Routen ist es auch von der Routenzahl die größte Wand der Mittleren Alb. Eine Reihe ganz unterschiedlicher Sektoren sorgt dafür, dass Plattenschleicher, Lochzieher und Freunde langer, fast alpin anmutender Felsfahrten gleichermaßen auf ihre Kosten kommen. Als extrem beliebtes Sportkletterziel hat sich in den letzten Jahren die sogenannte Arena etabliert, wo ein gutes Dutzend steiler Lochklettereien zwischen 8 und 10 für dicke Unterarme sorgen. Links davon darf auf der Sylphenplatte etwas albtypischer an kleinen Dellen und Löchern geschlichen und gezogen werden. Der namengebende Felskessel weiter rechts bietet lange und sehr abwechslungsreiche Routen. Die teils brüchig erscheinende Wand ist es stellenweise auch, meist ist der Fels aber sehr gut und die Routenauswahl überzeugt in Qualität und Quantität.

Charakter: Lange, plattige bis löchrige Klettereien. Einige brüchig aussehende Partien entpuppen sich als überraschend gut kletterbar, die Absicherung ist fast durchweg sehr gut. Ein Helm ist im Kessel Pflicht!

Lage: Die Kesselwand erhebt sich über der Straße von Gutenberg nach Schopfloch. Vom Parkplatz in Schopfloch erreicht man die Wände in wenigen Minuten.

Foto: Ronald Nordmann / Panico Alpinverlag Klettern Schwäbische Alb, Lenninger Tal / Uracher Alb

Jonas Junker spreizt durch das Grande Finale (7).

Klettern am Geschlitzter Fels

Ausrichtung: Süd, West, Nord
Wandhöhe: 10 bis 30 Meter
Routen & Grade: 12 Routen im 4. bis 5. Grad, 26 Routen im 6. und 7. Grad, 26 Routen im 8. bis 10. Grad

Weit hinten im Ermstal steht mit dem Geschlitzten Felsen eines der Highlights des Gebiets. Die Qualität des Kalks ist hier besonders gut, die Wände sind unglaublich kompakt und fest. Als ganz großer Klassiker durchzieht die Plattenführe (7) in zwei Seillängen die Talseite des Hauptfels und verbreitet dabei pure Kletterfreude. Die meisten anderen Routen am Hauptfels fallen deutlich härter aus, und mit der von der Szene jahrelang berannten Snail (10) findet sich hier auch das lange Zeit schwierigste Testpiece im Ermstal. Die Erstbegehung gelang 2008 Tom Thudium. Der ebenfalls recht große Nebenfels ist im rechten Teil stärker gegliedert, hier durchziehen einige sehr lohnende Fünfer und Sechser die Wand. Im linken Wandteil herrscht wieder pures Sportklettern, und Routen wie Schmarotzer (7+), Freak Out (8+) oder Heilige Drei Könige (9) fordern selbst von geübten und starken Albkletterern vollen Einsatz.

Charakter: Über 60 Routen an zwei größeren Massiven. Die Kletterei ist plattig bis leicht überhängend und technisch meist sehr anspruchsvoll.

Lage: Der Geschlitzte Fels liegt im Ermstal zwischen Bad Urach und Münsingen und kurz vor Seeburg. Der Zustieg vom Parkplatz dauert rund 10 Minuten.

Foto: Ronald Nordmann / Panico Alpinverlag Klettern Schwäbische Alb, Lenninger Tal / Uracher Alb

Das 80er-Jahre Testpiece Black out, fall out, alles out (9) ist für den starken Nachwuchs wie Fabian Bosler kein Problem.

Klettern am linke Wittlinger

Ausrichtung: Südwest
Wandhöhe: 20 bis 40 Meter
Routen & Grade: 18 Routen im 3. und 5. Grad, 58 Routen im 6. und 7. Grad, 33 Routen im 8. bis 10+ Grad

Mit über 100 Routen gehören die Linken Wittlinger zu den ganz großen Wänden der Region. Früher waren sie sogar noch größer, denn 2008 wurde bei Straßensiche- rungsmaßnahmen ein Bereich der Wand gesprengt, rund zehn schöne Klettereien fanden sich als Blockwerk am Wandfuß wieder. Zum Glück ist die Wand so breit, dass die hässliche Attacke heute kaum noch auffällt. Die Wittlinger bieten vom Genuss-Vierer bis zur härtesten Route der Mittleren Alb, Criptomanie (10+), alles, was das Klettererherz begehrt. Viele Routen sind große Klassiker. Ein Handriss wie die Lange Felsenwand (6+), ein Leisten- und Rissroute wie der Tägliche Wahn (8) oder ein Uracher Pfeiler (9-) wären auch in jedem anderen Gebiet hochbegehrt. Die Nacherschließung bescherte dem Massiv dann weitere Genussbonbons wie Bonny & Clyde, Nur zur Übung oder den Geizhals (alle 6+). Kurzum: Wer im Ermstal klettert, muss an die Linken Wittlinger.

Charakter: Bis zu 40 Meter hohe, sonnige Wand mit vielen sehr festen Wandteilen und einigen brüchigen. Im 6. und 7. Grad gibt es besonders viel zu tun.

Lage: Die Linken Wittlinger liegen oberhalb der Wittlinger Steige. Der Zustieg vom Wanderparkplatz an der Abzweigung der Steige von der B465 dauert rund 20 Minuten.

28.04.2017
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 03/2017