Geschichte des Kletterns

Elbsandstein – die Wiege des Freikletterns

Wer heute in eine Kletterhalle schaut, sieht Menschen klettern – freiklettern, genau gesagt. Dass diese Idee aus dem Elbsandstein stammt, wissen wenige. Ein Überblick.
Foto: Robert Hahn Wahnsinnsverschneidung am Goldstein Elbsandstein

Die "Wahnsinnsverschneidung" am Goldstein.

Wer am Wochenende an einem der deutschen Kletterfelsen vorbei kommt, wird ebenfalls Kletterer beobachten können, die frei klettern. Die Idee, sich nur mittels der eigenen Kraft und Fähigkeiten an den naturgegebenen Strukturen einer Felswand in die Höhe zu arbeiten und das Seil nur zur Sicherung zu verwenden, hat sich weltweit durchgesetzt, das Freiklettern ist der international vorherrschende Kletterstil. Dass dieser Stil schon vor über 130 Jahren an den Gipfeln des Elbsandsteingebirges erfunden wurde und von dort aus seinen Siegeszug angetreten hat, wissen allerdings die wenigsten.

Südöstlich von Dresden, nahe der deutsch-tschechischen Grenze, erheben sich entlang der Elbe über 1000 freistehende Sandsteintürme in den Himmel. Die kompakten, schwarzen oder grau-gelben und bis zu 100 Meter hohen Wände wirken auf den ersten Blick unstrukturiert glatt bis auf die großen Risslinien, die die einzigen natürlichen Schwachstellen in diesen Mauern zu sein scheinen.

Videos: Julia Winter und Robert Leistner klettern im Elbsandstein

Video: Klettern im Elbsandstein




Foto: Robert Hahn Silhouette Brosinnadel Elbsandstein

Die Silhouette der Brosinnadel im besten Licht.

Bewusster Verzicht auf Hilfsmittel

Es überrascht kaum, dass diese gewaltigen Felsen und die romantische Landschaft schon sehr früh Kletterer angezogen haben und sich die Region bald zum bedeutendsten Klettergebiet Deutschlands entwickelte.

Der Reiz des Kletterns im Elbsandsteingebirge hat nicht nur mit seiner landschaftlichen Schönheit, sondern auch viel mit seiner Geschichte zu tun. Im Jahr 1874 erstieg Otto Ufer den Gipfel des Mönch in freier Kletterei – er verzichtete auf Leitern, geschlagene Griffe und Tritte und was sonst in jener Zeit noch an Hilfsmitteln üblich war, nur um auf einen Gipfel zu kommen. Sein bewusster Verzicht auf diese Hilfsmittel markiert den Beginn dessen, was wir heute als Freikletterei verstehen.

09.05.2008
Autor: Hahn / Stöhr
© klettern