Sportklettern: Pushing the Limits

Margo Hayes pushing the Limits

15 Jahre nach Josune Bereziartu hebt die 19-Jährige Margo Hayes mit 'La Rambla' und 'Biographie' das Niveau im 
Frauenklettern auf den Grad 9a+.

Als du für ein Jahr nach Europa kamst, hattest du da La Rambla und Biographie (auch Realization genannt) schon auf dem Plan oder hast du beide spontan versucht?
Ich interessiere mich seit Jahren für diese Routen – und viele andere. Jetzt hatte ich endlich Gelegenheit, beide zu versuchen.

Foto: Jan Novak Margo Hayes pushing the Limits Biographie Ceuse

Margo Hayes in 'Biographie' in Céüse.

Wusstest du viel über die Routen, war ihre Historie ein wichtiger Aspekt für dich?
Ich hatte ziemlich viel über diese Routen recherchiert und mit Freunden gesprochen, die sie schon geklettert haben. Ihre Geschichte faszinierte mich, aber auch, dass es einfach so tolle Linien sind.

Was war dein erster Eindruck, als du sie versucht hast?
An meinem ersten Tag in La Rambla konnte ich alle Züge klettern. Ich wusste, dass ich die Route klettern kann, aber dass es dann so einfach ging, hatte ich nicht gedacht. Ich machte schnell Fortschritte und stürzte bei fast jedem Versuch etwas weiter oben, bis ich schließlich den Umlenker erreichte. Biographie war von Anfang an eine andere Nummer. Obwohl ich alle Züge nach einigen Versuchen schaffte, war die mentale Herausforderung viel größer.

Was war bei den beiden Routen das jeweils Schwierigste?
Das Schwierigste an La Rambla war die Ungewissheit, weil ich noch nie eine Route dieses Grades versucht hatte. Ich nahm mir bewusst vor, diese neue Erfahrung ganz offen anzugehen und an mich zu glauben. Es war schön, dass ich diesen Prozess mit meinen Freunden Matty Hong, Jon Caldwell und Greg Mionske teilen konnte. Wir konnten über die Route diskutieren und unsere Lösungen austauschen. Biographie war eine ganz andere Geschichte, die sich auch länger hinzog. Das Schwierigste dabei war, den Glauben an mich selbst nicht zu verlieren und trotz einiger Monate mit schlechten Leistungen im Wettkampf, mit Verletzungen und anderen Problemen durchzuhalten.

Hat dich die Aussicht, die erste Frau sein zu können, die 9a+ klettert, eher angetrieben oder eher unter Druck gesetzt?
Ehrlich gesagt Letzteres. Obwohl es von außen keinerlei Druck gab, La Rambla zu klettern, setzte ich mich selbst unter Druck. Ich wurde aber schnell daran erinnert, dass ich, um Erfolg zu haben, das Endziel vergessen und mich auf den Prozess konzentrieren muss.

Bedeutet dir eine dieser Routen mehr als die andere?
Beide halfen mir, mich selbst besser zu verstehen. Und beide haben den Respekt vor unserem Sport und unserer Szene noch vertieft.

Hast du Vorbilder in der Kletterwelt? Wer beeindruckt dich besonders?
Ich habe viele Vorbilder im Klettern. Am meisten gefallen mir die, die helfen und andere unterstützen, unabhängig von Graden und Erfolgen. Ich habe größten Respekt vor Leuten, die anderen etwas beibringen, die helfen, unsere Umwelt zu erhalten, und die etwas bewegen.

Foto: Greg Mionske Reel Rock 12

Margo Hayes in 'La Rambla': Dieses Bild wurde zum Werbemotiv der Reel Rock Film Tour.

Margo Hayes (Bio)

Die 19-Jährige aus Boulder, Colorado, begann mit 10 Jahren mit dem Klettern und ist Mitglied der US Nationalmannschaft. 2016 holte sie bei der Jugend WM in Guangzhou den 1. Platz im Lead und im Bouldern und siegte auch in der Gesamtwertung. In ihrem Heimatgebiet Rifle kletterte sie unter anderem The Crew (8c+) und Bad Girls Club (9a). 2012 kam sie mit Robyn Erbesfield-Raboutou erstmals nach Europa, im Herbst 2016 zog sie für ein Jahr nach Frankreich und machte seither vor allem die Klettergebiete in Südfrankreich und Nordspanien unsicher.

15.12.2017
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 8/2017