Teil des
KL Klettern mit Kindern teaser Nina Rebele

Klettern mit Kindern

Klettern mit Kindern

Mit diesen Tipps geht es sicher an die Wand – und wieder zurück zum Boden. Plus Tipps & Spiele für Kletterkids.

Ab wann können Kinder klettern? Worauf muss man achten? Dr. Nina Rebele, Autorin des Buchs 'Klettern & Bouldern für Kids' erklärt die Grundlagen.

Die meisten Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang. Sie klettern üblicherweise schon früh: Sie richten sich an Stühlen oder Couchtischen auf, bevor sie laufen lernen. Später geht es an Bäumen und Klettergerüsten mit Eifer und Mut weiter. Die meisten Kinder finden Klettern großartig...

Tipps vom Erzieher: Klettern mit den Kleinen: Tipps und Ideen zum Klettern mit Kindern unter 6 Jahren

kl-klettern-mit-kindern-spass-DSC_5811 (jpg)
Nina Rebele
Klettern sorgt für Erfolgserlebnisse, fördert soziale Kompetenz und Verantwortungsbewusstsein. Und es macht Spaß!

Klettern fördert die natürliche Entwicklung

Klettern macht den meisten Kindern Spaß. Das Erklimmen von Hindernissen empfinden Kinder als motivierend, sie probieren sich gerne aus. Mut und die Fähigkeit Risiken abzuschätzen, werden gefördert. Anstrengung wird mit Erfolg belohnt und man darf auch mal Scheitern, ohne dass gleich die Welt untergeht.

Die beim Klettern geforderten Fähigkeiten sind vielseitig: Kraft und Koordination werden geschult, Raum- und Körperwahrnehmung werden durchs Klettern besser. Die Kinder lernen, sich zu konzentrieren und Verantwortung zu übernehmen. Klettern erweitert Bewegungsrepertoire und Beweglichkeit. Zudem erleben Kinder beim Klettern selbstbestimmtes Handeln und dessen Konsequenzen direkt und unverzüglich.

Beim Klettern lassen sich schwierige Stellen oft mit Beweglichkeit und Feingefühl lösen, was Mädchen, die anfangs meist weniger Kraft als ihre männlichen Altersgenossen mitbringen, weniger benachteiligt als bei anderen Sportarten. Klettern ist inklusiv und eröffnet innerhalb des durch Sicherheitsregeln vorgegebenen Rahmens auch die Freiheit, sich auszuprobieren.

kl-klettern-mit-kindern-toprope-DSC_5845 (jpg)
Nina Rebele
Im Toprope (mit Seilsicherung von oben) lassen sich die ersten Schritte an der Wand sicher angehen.

Ab wann können Kinder klettern?

Fürs Klettern müssen Kinder koordinativ in der Lage sein, Hände und Füße kontrolliert und unabhängig voneinander bewegen zu können. Prinzipiell können Kinder also schon im Vorschul-Alter klettern. Mit sieben Jahren können die meisten Kinder das Klettern ausprobieren. Das Alter stellt aber nur einen Richtwert dar.

Weitere Anforderungen sind ein relativ hohes Maß an Selbstkontrolle, eine ausreichende Aufmerksamkeitsspanne und die Fähigkeit zur Konzentration, sich nicht leicht ablenken zu lassen. Die Kinder müssen auch komplexere Anweisungen sicher befolgen können. Diese Kompetenzen sollten Kinder mitbringen, wenn sie mit dem Bouldern oder Klettern anfangen wollen.

kl-klettern-mit-kindern-sichern-Konzentration (jpg)
Nina Rebele
Klettern heißt Verantwortung übernehmen. Zum Sichern gehören volle Aufmerksamkeit und Konzentration.

Klettern mit Seilsicherung

Beim Seilklettern an höheren Wänden kommt die Sicherungskompetenz hinzu. Voraussetzung dafür sind Konzentrationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein. Die Kinder müssen auch in stressigen Situationen einen kühlen Kopf bewahren können und sich auf ihren Seilpartner konzentrieren. Jüngere Kinder besitzen diese Fähigkeiten noch nicht. Es kommt auf den Entwicklunggsstand des jeweiligen Kindes an, wann diese Fähigkeiten ausgebildet werden.

Kletter-Ausrüstung für Kinder

KL Kletter-Ausrüstung für Kinder
www.klettern.de
Fürs Klettern in der Halle brauchen Kinder Sportkleidung, die restliche Ausrüstung lässt sich meist in der Halle leihen. Dies ist sinnvoll, bis sicher ist, dass das Kind dabei bleiben möchte.

Kinder sichern sich in Kletterkursen von Anfang an gegenseitig, jedoch wird lange mit Hintersicherung gearbeitet. Das heißt, dass eine erwachsene Person mit etwas Abstand das Sicherungsseil noch kontrolliert. Erst wenn die Sicherungskompetenz nach Einschätzung des Trainers ausreichend ausgebaut ist, wird das Kind ohne Hintersicherung, aber immer noch betreut klettern. Erfahrungswerte zeigen, dass Kinder ab dem Grundschulalter meist die nötigen Voraussetzungen haben. Laut Empfehlung des Alpenvereins (DAV) kann mit dem Sichern unter Kontrolle ab etwa acht Jahren angefangen werden, selbständiges Sichern ganz ohne Aufsicht ist erst ab 14 Jahren möglich.

Wenn Kinder mit viel Klettererfahrung ihre ersten Schritte im Vorstieg wagen und dabei von deutlich schwereren Erwachsenen gesichert werden, ist es wichtig, dass die Sichernden das „weiche Sichern“ beherrschen, um harte Fangstöße und ein gefährlich hartes Aufprallen an der Wand vermeiden zu können.

kl-klettern-mit-kindern-vorstieg-ab-wann-IMG_7319 (jpg)
Nina Rebele
Kinder mit viel Klettererfahrung können ihre ersten Schritte im Vorstieg wagen.

Bouldern für den Einstieg

Kinder wollen spielen und spielerisch erkunden. Spielen und Freude am Tun sollte beim Klettern und Bouldern mit kleinen Kindern das wichtigste sein. Als Mutter oder Vater merkt man schnell, ob ein Kleinkind Spaß hat. Es kann auch sein, dass ein Kind an einem Tag große Lust zu bouldern hat, an einem anderen nicht. Das ist in Ordnung und kindgerecht.

Für den Einstieg eignet sich das Bouldern, also Klettern bis zu vier Meter Wandhöhe über Weichbodenmatten. Boulderkurse für Kinder ohne Eltern können ab fünf Jahren sinnvoll sein, wenn die Boulderhalle entsprechend mit Kinderbouldermöglichkeiten ausgestattet ist. Ab diesem Alter sind Kinder gewöhnlich in der Lage, sich zu konzentrieren und Anweisungen und Regeln zu befolgen.

kl-klettern-mit-kindern-boulderwand-hoch-DSC_6029 (jpg)
Nina Rebele
An der Boulderwand lässt sich spielerisch ausprobieren, was geht. Kinder sollten die Höhe ihrer Kletterstrecke nur langsam steigern.

Wettkämpfe und leistungsorientiertes Klettern für Kinder

Je nach Motivation und Fähigkeiten klettern Kinder ambitioniert oder bestreiten Wettkämpfe. Bereits für Sechs- bis Zwölfjährige bieten die Landesverbände des DAV Kids Cups an, bei denen die Kinder sich in einer spielerischen Wettkampfsituation miteinander messen können. Andere zieht es bald mit ihren Eltern oder Freizeitgruppen raus an den Fels. Selbst wenn Kinder bei Wettkämpfen mitmachen oder gern probieren, wie schwer sie klettern können, sollte der spielerische Charakter des Kletterns immer im Vordergrund stehen.

Zwar überlasten Kinder sich selten und tun – anders als sportlich ehrgeizige Jugendliche – in der Regel nichts, was ihnen Schmerzen bereitet, trotzdem kann es manchmal notwendig sein, ihren Bewegungsdrang ein wenig zu bremsen. Kinder können ab einem Alter von zwölf Jahren durchaus auch Körperkraft-Übungen mitmachen. Allerdings sollten sie nicht ans Campusboard oder Fingerboard gehen, und auch das wiederholte Festhalten von sehr kleinen Griffen sollte man vermeiden. Besonders sensibel sind bei Kindern und Jugendlichen die Wachstumsfugen der Finger, die Sehnenansätze am Knochen und die noch relativ weichen Gelenkknorpel.

kl-klettern-mit-kindern-toprope-fels-IMG_7380 (jpg)
Nina Rebele
Fürs Klettern am Fels braucht es erfahrenes "Bodenpersonal".

Bouldern: Sicherheits-Grundlagen

Boulderhallen sind keine Spielplätze, sondern Sportstätten. Rennen und Spielsachen sind im Boulderbereich verboten, da dies zu teils schwerwiegenden Verletzungen führen kann.
Wichtig: Nicht unter einer bouldernden Person aufhalten, der Absprung- oder Sturzbereich muss immer frei bleiben!
Vorsicht: Viele Kinder (und viele Erwachsene) können nicht einschätzen, wie weiträumig dieser Bereich ist. Möglichst weit weg von der Wand oder in der Mitte zwischen zwei Wänden. Diese Regel sollte man mit dem Kind jedes Mal vor Betreten der Bouldermatten neu besprechen. Eltern müssen dafür sorgen, dass diese Regel eingehalten werden – eine Verletzung der Aufsichtspflicht ist eine strafrechtlich relevante Handlung!

Beim Boulder wird nicht gesichert, hier wird „gespottet“. Der Spotter hat die bouldernde Person immer im Blick und stellt sich mit erhobenen Armen so hinter sie, dass der Spotter bei einem Sturz den Boulderer so stabilisieren oder lenken kann, dass er sicher auf der Matte landet. Der Spotter sollte darauf achten, dass sich im Sturzbereich weder Gegenstände noch Personen befinden. Man muss Kindern erklären, dass Spotter die einzigen Personen sind, die hinter einem Boulderer stehen dürfen. Wer noch nie „gespottet“ hat, sollte es sich zeigen lassen.

Boulderspiele für Kinder

Es gibt verschiedene Boulderspiele, die auch Eltern mit sehr wenig Erfahrung im Bouldern mit ihren Kindern spielen können. Es ist sinnvoll, kleine Kinder durch Aufgaben zu motivieren, die sie gut meistern können da sie durch kleine Erfolgserlebnisse angespornt werden und die Spannung und der Spaß am Bouldern erhalten bleiben. Wichtig dabei ist, dass die Kinder vorher die Boulderregeln kennen und verstehen. Es dürfen auch keine anderen bouldernden Personen stört oder gar gefährdet werden durch die Boulderspiele.

Rette das Tier

Dieses Spiel eignet sich, wenn ein Stofftier mit dabei ist. Je nach Alter und Fähigkeit des Kindes wird es auf einen gut erreichbaren Griff gelegt und das Kind darf zu ihm bouldern und es holen. Wichtig ist dabei, das Kind nicht zu überfordern und das Plüschtier gleich in drei Meter Höhe zu setzen. Es genügt, wenn das Kind zwei oder drei Kletterzüge machen muss, um es zu fassen.

Mama oder Papa sollte dabei mit den Händen gut an das eigene Kind kommen können, falls es Angst bekommt und man beim Abklettern helfen muss. Es kommt nicht selten vor, dass Kinder motiviert und sorglos nach oben bouldern um dann zu merken, dass sie weiter oben ängstlich sind und sich nicht wieder herunter bouldern trauen. Deshalb sollten die ersten Boulderzüge in gut erreichbarer Nähe der Eltern stattfinden. Es muss auch nicht immer nach oben gehen. Man kann die Kinder auch nach links oder rechts traversieren lassen.

Das Kuscheltier kann man, je nach Motivation und Mut, dann immer weiter nach oben setzen. Das Kind soll das Stofftier nach Erreichen nach unten fallen lassen und nicht damit im Arm weiter klettern da es so eingeschränkt ist und von den Griffen abrutschen kann. Eine Variation ist, das Kuscheltier dem Kind zu geben, damit es das Tierchen selbst auf einen Griff setzen kann. Mama oder Papa muss dann zum Kuscheltier bouldern und es holen. Dazu sollte das Plüschtier z.B. in den Hosenbund des Kindes gesteckt werden damit das Kind die Hände frei zum bouldern hat.

kl-klettern-mit-kindern-bouldern-spotten-DSC_5793 (jpg)
Nina Rebele
Kleine Tiere können von gut kletternden Kindern positioniert werden.

Kleine Spielsachen verstecken

Wenn die Kleinen mutiger sind und größere Anreize möchten bringt man am besten kleine Spielsachen mit, die gut auf den Griffen liegen bleiben. Dazu gehören zum Beispiel Playmobilfiguren, große Puzzleteile oder kleine Spielzeugautos. Diese legt man oben auf die Griffe. Das Kind kann dabei entweder zusehen oder es muss sich die Augen zuhalten. Das macht das Spiel etwas schwerer da das Kind zunächst die Gegenstände suchen muss. Dann dürfen die Spielsachen aus den Griffen geholt werden.

Entweder wird ein Gegenstand nach dem anderen geholt oder es werden alle nacheinander aus den Griffen geholt, ohne wieder auf die Matte zu kommen. Dabei muss beachtet werden, dass das Kind nicht über oder unter anderen Kindern zu bouldern kommt. Hier gilt, wie schon oben beschrieben, dass die Spielsachen vorsichtig nach unten fallen gelassen und nicht geworfen werden und die Kinder zudem nicht mit einem Gegenstand in der Hand weiter klettern sollen. Eltern merken sich am besten, wo die Autos oder Figuren liegen da man sie oft von unten nicht mehr sehen kann. Alle Spielsachen müssen wieder gefunden und mitgenommen werden!

kl-klettern-mit-kindern-bouldern-fontainebleau4 (jpg)
Nina Rebele
Auch draußen können Kinder bouldern, wenn das Gebiet kindgerechte Kletterei bietet, wie zum Beispiel Fontainebleau.

Mit verbundenen Augen bouldern

Ein Spiel, das viel Aufmerksamkeit der Eltern fordert aber den Kindern viel Spaß macht, ist Bouldern mit verbundenen Augen. Da das Sehen ein wichtiger Sinn beim Klettern und Bouldern ist, stellen verbundene Augen eine besondere Herausforderung dar. Der Tastsinn und das Vertrauen werden auf die Probe gestellt.

Diese Spiel soll nur mit Kindern gespielt werden, die mit der Boulderwand vertraut sind und es sich auch zutrauen, mit Augenbinde zu bouldern. Dazu werden dem Kind die Augen verdeckt. Eine Schlafbrille oder ein Halstuch eignen sich gut. Die Eltern sagen die Richtung an und die Lage der Griffe. Zu Beginn bleiben die Kinder in Bodennähe und traversieren. Die Eltern spotten das Kind grundsätzlich bei diesem Spiel. Wenn es mutiger ist kann es auch in die Höhe bouldern. Das Kind darf die Augenbinde immer abnehmen, wenn es sich unwohl fühlt. Zum herab bouldern sollte sie auch entfernt werden.

Generelle Info zum Bouldern mit Kindern

Auf Sicherheit achten
Kinder und Eltern müssen verstehen, dass Boulderhallen keine Spielplätze sondern Sportstätten sind. Auch Boulderspiele müssen in disziplinierter Manier ablaufen. Rennen, schreien, herumfliegende Gegenstände oder Spielsachen auf den Matten können zu Verletzungen führen. Die Gegenstände, die bei Boulderspielen verwendet werden, müssen immer von den Matten und Griffen entfernt werden.

Hallenregeln respektieren
Jede Halle hat zudem ihre eigenen Regeln. Jedoch ist es überall so, dass sich weder Kinder oder Erwachsene unter einer bouldernden Person aufhalten sollen. Auch übereinander bouldern ist nicht erlaubt. Der Absprung- oder Sturzbereich muss immer frei bleiben! Da Kinder noch nicht einschätzen können, wie umfangreich dieser Bereich ist, müssen sie sich immer in ausreichendem Abstand zur Boulderwand befinden. Auch in einer Kinderboulderhalle. Diese wichtige Regel sollte mit dem Kind jedes Mal vor Betreten der Bouldermatten neu besprochen werden. Zudem müssen die Eltern dafür sorgen, dass ihre Kinder diese wichtige Regel einhalten.

Alternativprogramm bereit halten
Kinder bouldern meistens sehr gerne. Jedoch gilt das nicht für alle Kinder und auch nicht immer. Malbücher, Puzzle oder ein kleines Kartenspiel im Rucksack sorgen für Abwechslung und können die Bouldersession retten. Manchmal hilft auch eine kleine Essenpause. Wenn Spiele nicht motivieren können und die Stimmung schlecht ist macht man am besten eine Pause oder bleibt offen für ein spontanes Alternativprogramm.

Tipps vom Erzieher: Klettern mit den Kleinen: Tipps und Ideen zum Klettern mit Kindern unter 6 Jahren

Dr. Nina Rebele

kl-klettern-mit-kindern-autorin-nina_rebele1 (jpg)
Nina Rebele
Dr. Nina Rebele

Die Kommunikationswissenschaftlerin und dreifache Mutter klettert und bouldert seit über 15 Jahren. In ihrem Buch „Klettern und Bouldern für Kids“ (177 Seiten, 24,90 Euro, Verlag Delius Klasing) beschreibt sie alles Wissenswerte für die Kletterhalle und den Fels von den ersten Schritten bis zum Klettern im Vorstieg.

Buch: Klettern und Bouldern für Kids direkt hier im KLETTERN-Shop bestellen

Zur Startseite
Training Training Claire Buhrfeind Core-Training Core Training Core Training

Kletterin Claire Buhrfeind und Physiotherapeutin Esther Smith zeigen fünf...

Mehr zum Thema Kinder
KL Ashima Shiraishi Sleepy Hollow Rave
Szene
KL Kinder in der Boulderhalle - Klettern mit U6-Kids
Training
KL Duncan Xavier 4 Jahre erste 6+ teaser
Szene
KL Ashima Shiraishi klettert Open your Mind direct (9a) in Santa Linya
Szene