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KL Besser Bouldern in der Boulderhalle Teaser Sarah Dynochrom Georg Lenz

10 Tipps: Besser Bouldern in der Kletterhalle

Bouldern in der Kletterhalle (10 Tipps)

Bouldern in der Kletterhalle ist ein super Training und es lässt sich viel Spaß haben. Mit diesen Tipps geht's noch besser.

Bouldern macht Spaß. Beim Bouldern trainieren wir den ganzen Körper und auch ein bisschen den Kopf. Die Konzentrationsfähigkeit wird geschult, durch die Arbeit mit dem Körper verbessert sich das Wohlbefinden. Sogar gegen depressive Verstimmungen soll das Bouldern helfen.

Auf nur wenigen Metern verbindet das Bouldern all die faszinierenden Aspekte des Kletterns: Sich festhalten, Bewegungsrätsel lösen, Herausforderungen bestehen und natürlich viel Spaß haben. Man kann mit Freunden an schweren Zügen herumdoktorn oder alleine von Boulder zu Boulder ziehen.

Ob harte Moves im Überhang oder diffiziles Gewichtverlagern auf einer Platte, Bouldern fordert Kopf und Muskeln auf faszinierende Weise heraus. Wir haben zusammengetragen, was beim Bouldern hilfreich und nützlich ist und wie man verletzungsfrei besser wird.

Manche dieser Tipps mögen selbstverständlich erscheinen. Doch haben wir versucht, alle wichtigen Aspekte des Boulderns zu sammeln. Denn nur weil es logisch und vernünftig ist, wärmt man sich noch lang nicht gründlich auf. Aber Achtung, alle unsere Tipps haben eine leistungsfördernde Wirkung!

Mit diesen 10 Tipps wird das Bouldern in der Halle noch besser.

Aufwärmen

Klingt langweilig, bringt aber enorm viel.

Erst den gesamten Kreislauf in Schwung bringen, am besten mit Seilspringen, Laufen oder ähnlich pulssteigernden Aktivitäten. Hampelmänner eignen sich prima, weil man beim in-die-Hände-klatschen direkt noch die Durchblutung der Finger anregt. Dehnen sollte man beim Aufwärmen nur kurz und nicht zu extrem.

Dann kletterspezifische Körperstrukturen aufwärmen: Arme, Beine und Rücken bewegen, Gelenke (durch Kreisen oder leichte Bewegungen) mobilisieren, die Muskulatur mit leichten (!) Trainingsreizen aufwärmen.

Aufwärmen verbessert die Funktionsfähigkeit des Bewegungsapparates. So kann man Verletzungen vorbeugen und bessere Leistungen erzielen. Das gilt übrigens auch fürs Abwärmen nach dem Bouldern.

Erst denken, dann bouldern

Routenlesen oder Bewegungen antizipieren lernt man nicht von allein.

Sich eine Route oder einen Boulder vor dem Losklettern anzusehen, eventuell versteckte Griffe und Tritte zu finden, und sich dann zu überlegen, wie man die Bewegungen ungefähr ausführen möchte, sind essenzielle Fähigkeiten beim Klettern.

Das Ansehen und "Planen" eines Boulders oder von Bewegungen vorab hilft uns dabei, in der Wand schnell und effizient zu klettern. Wenn unser Plan mal nicht aufgeht, ist das nicht weiter tragisch, dann wird eben improvisiert.

Anschließend wissen wir mehr: Wo der Plan funktioniert hat - prima. Wo nicht - haben wir eventuell gemerkt, warum nicht. Haben improvisiert. Und gemerkt: Ah, so geht's. Oder: Nein, das war nicht hilfreich.

Bewegungsplanung und das Ergebnis aus der Umsetzung sind wertvolle Hinweise zu unseren Fähigkeiten. Planung und anschließende Auswertung unserer Bemühungen helfen uns somit dabei, Klettern zu lernen.

Andere Kletterer beobachten

Abgucken zählt.

Es ist ganz natürlich, anderen Kletterern zuzusehen. Zum einen ganz allgemein, zum anderen beim gemeinsamen Probieren von Boulderproblemen. Dabei ist das Abgucken von Tricks und Ideen nicht nur erlaubt, sondern sehr sinnvoll.

Weil unser Gehirn auch die Bewegungsmuster anderer Personen verwerten kann (mit Hilfe des sogenannten Spiegelns), ist es durchaus sinnvoll, gerade besseren Kletterern und Boulderern aufmerksam zuzusehen.

Außerdem lässt sich der ein oder andere Trick erhaschen: Warum klettert XY eigentlich so elegant? Beim genauen Hinsehen fällt auf, dass XY die Füße immer in Zeitlupe setzt, sich aber sonst zügig bewegt. Das muss nicht immer gut sein, kann aber durchaus Vorteile bringen.

Der Mensch lernt durch Zusehen. Deshalb, kein Witz: Unbeholfenen Kletterern besser nicht zusehen.

Keine Angst vor Experimenten

Man muss auch mal was wagen.

Bouldern ist das Spiel mit der Bewegung; es gibt unterschiedliche Körpergrößen mit unterschiedlichen Stärken und Schwächen und natürlich verschiedene Vorlieben. Deshalb ist es durchaus sinnvoll, zu versuchen, eine "eigene" Lösung für ein Boulderproblem zu finden. Also eine, die einem selbst leicht fällt.

Der Versuch, eine eigene Methode zu finden, schult das Bewegungsgefühl und verbessert somit unsere allgemeinen Kletterfähigkeiten. Bonus: Mittlerweile haben Sportwissenschaftler herausgefunden, dass komplexe Bewegungsabläufe nach einem absichtlich anders oder "falsch" ausgeführten Versuch erneut an Qualität hinzugewinnen.

Daher: Experimentieren lohnt sich!

Fokus aufs Gleichgewicht

Kraft kann man trainieren, Klettertechnik nicht.

Klettertechnik kann man erlernen. Anders ausgedrückt heißt Klettertechnik, sich mit möglichst wenig Kraft möglichst effizient zu bewegen. Wer ein gutes Gefühl dafür entwickelt, was die Füße und Beine alles können, muss weniger aus den Armen arbeiten.

Um das Körpergefühl zu verbessern eignen sich geneigte Klettereien, also Plattenboulder, bei denen die Wände nicht überhängen, sondern die Schwierigkeit meist darin besteht, relativ kleine oder schlechte Griffe und Tritte zu nutzen. Neben der Fähigkeit "Druck auf die Füße zu bringen" - also die Last auf den Füßen zu halten, gehört ein gutes Balance-Gefühl dazu, diese Bewegungsfähigkeit zu entwickeln.

Auf den Körper hören - ist etwas abgedroschen, hilft aber beim Erspüren der richtigen Körperposition. Wer die Balance findet, weiß, wie die Bewegung optimal verläuft.

Schwächen trainieren

Logisch, wer es schafft, die eigenen Schwächen - sei dies Fingerkraft, Hüftbeweglichkeit oder vielleicht das Nutzen von Toe-Hooks - zu finden und daran zu arbeiten, wird ein besserer Kletterer.

Schwierig ist meist, herauszufinden, was die eigene Schwäche ist. Oft denken wir, es mangelt an Kraft. Bis jemand daherkommt und die schwierige Stelle löst, ohne Kraft zu benötigen...

Oft ist es der Blick von außen, der hilft, die eigene Schwäche zu erkennen. Fragt also eure Kletterkollegen, was sie glauben, was ihr besser machen könntet. Nehmt dann ein kleines Anti-Programm in eure Kletterzeit mit auf. (Übrigens: Meist sind es die Sachen, die uns keinen Spaß machen, die unsere Schwäche darstellen!)

Oft reichen schon 10 Minuten dehnen oder ein bis zwei Versuche (regelmäßig) in einem "unsymphatischen" Boulder, um etwas an der Schwachstelle zu bewegen.

Stärken trainieren

Auch Gutes lässt sich verbessern! Dieser Tipp scheint dem vorherigen diametral zu widersprechen - tut er aber nicht. Denn nur weil wir ein bisschen an unseren Schwächen arbeiten, heißt das nicht, dass wir zum Superhelden mutieren.

Gerade wer nur begrenzt Zeit hat, wird sich schwertun, die kostbare Kletter- oder Trainingszeit mit Übungen zu füllen, die wir "gefühlt" nicht können.

Das Ausbauen der eigenen Stärken ist indes sehr effektiv, wenn es darum geht, aus wenig Zeit viel herauszuholen. Manche Schwäche lässt sich damit kompensieren, und mehr Spaß macht es meist auch.

Allerdings gibt es die Einschränkung: Wer die Schwächen vernachlässigt, wird kein "kompletter" Kletterer. Doch wer effizient an der Verbesserung arbeiten möchte, kann mit gezieltem Ausbau der eigenen Stärken viel gewinnen.

Nichts auf Schwierigkeitsbewertungen geben

Welche Schwierigkeit einem Boulder in einer Boulderhalle oder Kletterhalle zugewiesen ist, sagt nicht immer viel aus. Denn schließlich sind die Boulder in der Halle von Menschen geschraubt - die auch ihre Stärken und Schwächen haben.

Wie es den Schwierigkeitsbewertungen beim Klettern so innewohnt, sind diese eben nichts Absolutes, sondern eher relativ zu sehen. Bei Parcours, die oft in Boulderhallen vorzufinden sind, um ein gewisses Schwierigkeitslevel anzugeben, sind Schwankungen nicht nur unvermeidlich, sondern auch erwünscht.

Letztendlich ist das Anstreben einer gewissen Schwierigkeit ein guter Motivator, aber auch nicht mehr. Wer sich in die vermeintliche Wichtigkeit von Schwierigkeitsgraden verrennt, wird wenig Spaß haben und reduziert das Bouldern oder Klettern auf eine Zahl, die letztlich völlig irrelevant ist. Genießt das Klettern und nehmt Schwierigkeitsgrade als das, was sie sind: Eine Orientierungshilfe.

Spielen

Früher wurde das Bouldern belächelt und als "Spielen an Felsklötzchen" abgetan. Doch genau dies ist auch die große Verheißung daran.

Über dicken Matten kann man auch mal etwas Verrücktes ausprobieren. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: Probiere Boulder X ohne Tritte. Oder ohne Griffe? Oder nur mit zwei Fingern? Oder mit verbundenen Augen? Oder mal blitzschnell oder schneckenlangsam?

Das "Spielen" mit den Wandstrukturen und dem Körper schult unser Bewegungsgefühl und macht Spaß. Spaß wiederum befeuert die Motivation - und diese wiederum treibt uns an, besser zu klettern.

Entspannt bleiben

Bouldern ist schwer. Manche Boulder müssen wir ganz schön bearbeiten, manche kommen wir trotzdem nicht hoch.

Kein Grund, sich zu ärgern! Denn wer seine eigenen Grenzen verschieben möchte, muss an die Grenze heran. Da ist es logisch, dass wir auch einmal scheitern: Das ist Teil des Spiels.

Deshalb ist es nicht sinnvoll, sich zu ärgern, zu stressen oder sonstwie schlechte Laune zu bekommen, nur weil irgend ein Boulder nicht klappt. Im Gegenteil, wenn wir alles gegeben haben beim Probieren, dann haben wir prima trainiert!

Bouldern ist schwer, und das ist gut so. Erfolg und Spaß haben nichts damit zu tun, ob man ein Boulderproblem schafft oder nicht. Wie wir Erfolg interpretieren und ob wir Spaß haben oder nicht, liegt in unserer eigenen Herangehensweise.

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