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KL Klettergriff optimal halten Frank Enz
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Richtig Greifen beim Klettern

Alles im Griff

Klettergriffe sind unterschiedlich - ob in der Kletterhalle oder am Fels. Wer Griffe optimal zu halten weiß, spart Kraft, kommt weiter und schont die Gelenke.

Topkletterer beschäftigen sich ganz intensiv damit, wie sie jeden einzelnen Griff halten müssen. Da kommt es auf winzige Kleinigkeiten an, wo der kleine Finger liegt, ob der Daumen noch helfen kann, welcher Finger auf welcher Unebenheit Platz findet“, erklärte mir Udo Neumann einmal einen der Unterschiede zwischen Otto Normalkletterer und den Koryphäen des Sportkletterns und Boulderns. Klar, wer an der Grenze des Menschenmöglichen operiert, muss den Fels oder das Plastik optimal nutzen. Da wir in gewisser Weise aber alle an der Grenze des Menschenmöglichen klettern – nämlich unseres eigenen Menschenmöglichen –, profitieren wir auf jedem Niveau davon, wenn wir die Griffe möglichst geschickt verwenden.

Auf diesen Seiten haben wir die wichtigsten Grundregeln zusammengestellt, die helfen, Griffe besser und fingerschonender zu nutzen. Generell geht es darum, die vorhandene Grifffläche optimal zu belasten. In der Regel heißt das, dass so viele Finger wie möglich auf oder an den Griff kommen. Insbesondere beim Hallenklettern kann auch der Daumen fast immer irgendwie dazugenommen werden. Generell sollte der Kletterer möglichst nicht zu hoch greifen. Denn wer beim Weitergreifen völlig überstreckt steht, riskiert, dass ihm die Füße von den Tritten rutschen.

KL Klettergriff optimal halten
Frank Enz
Sloper (runde Griffe, auch 'Aufleger' genannt) sind fiese Viecher. Man braucht Kraft, um sie festzuhalten.

Ob man einen Griff halten kann oder nicht, hängt zu einem großen Teil von der Fingerkraft, ganz stark aber auch von der Körperposition ab. Wer sich optimal bewegt und gut steht, nimmt viel Gewicht mit den Füßen weg und muss entsprechend weniger am Griff ziehen. Dann lassen sich mitunter Griffe halten, bei denen man zuerst gar keine Chance hatte. Der Boulderraum ist der richtige Ort, um den Einfluss der Körperposition auszuprobieren und kennenzulernen.

Vor allem beim Routenklettern ist das sogenannte „weiche Greifen“ wichtig. Es bedeutet, dass wir Griffe nur mit der minimal nötigen Kraft halten und nicht jeden Griff maximal zuknallen. Wer weich greift, klettert einfach lockerer und spart Kraft für die wirklich schwierigen Stellen.

Schließlich ist auch das Gegenteil von Greifen manchmal nötig: Beim Bouldern am Limit oder wenn die Füße rutschen, sollte der Kletterer auch mal loslassen können, um Verletzungen vorzubeugen.

Auf der nächsten Seite: wie man Fingerverletzungen vermeidet

Krasse Griffe festhalten: Bilder vom Boulderholics-Bouldercup

Boulderholics-Cup 2012

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Fingerverletzungen vermeiden

Kleine Griffe, sehr runde Sloper, steiles Gelände, schlechte Tritte: Manchmal sind die Belastungen, die auf die Finger kommen, so hoch, dass sie die Festigkeit von Sehnen, Bändern und Knorpeln in der Hand überschreiten. Am häufigsten betroffen sind die Ringbänder, die auf der Innenseite der Finger die Sehnen führen. Dehnungen oder Anrisse dieser Bänder können zu wochenlangen Schmerzen und Zwangspausen führen. Hier geben wir einige Tipps, wie ihr solchen Verletzungen vorbeugen könnt:

1. Aufwärmen
Sehnen, Bänder und Knorpel sind schlechter durchblutet als die Muskulatur. Sie brauchen deshalb länger zum Aufwärmen und am Beginn einer Kletterlaufbahn auch länger, um sich an die neuen Belastungen anzupassen. Bei einer Kletter- oder Bouldersession ist es sehr wichtig, die Finger gut aufzuwärmen, bevor man ihnen hohe Belastungen zumutet. Leichtes Klettern und Bouldern oder schon vorher das Aufwärmen mit dem Knetball helfen weiter. Auch nach einer längeren Pause ist ein nochmaliges kurzes Aufwärmen zu empfehlen.

2. Spitzenbelastungen vermeiden
Das ist natürlich manchmal schwierig. Wenn man einen kleinen Griff auf Teufel-komm-raus halten will, um eine Route oder einen Boulder zu schaffen, dann muss man es irgendwann einfach probieren. Aber: Wenn es sich so anfühlt, als ob die Finger gleich brechen würden, dann ist die Verletzung wahrscheinlich nicht mehr weit weg. Möglichkeiten zur Abhilfe: eine andere Körperposition ausprobieren, die mehr Entlastung für die Finger bietet; besser ausgeruht erneut versuchen; mehr Fingerkraft aufbauen; und im Zweifel auch mal passen. Wichtig: nie im ermüdeten Zustand kleinste Griffe zu halten versuchen.

3. Vorsicht Falle
Es gibt einige Situationen, die leider sehr verletzungsträchtig sind. Wenn einem zum Beispiel die Füße abrutschen und man instinktiv versucht, sich noch zu halten, können hohe Kräfte auf die Finger wirken. Abhilfe: loslassen üben. Ebenfalls hässlich sind enge Fingerlöcher oder Schlitze, in denen die Finger sich beim Rausziehen nach oben verkanten. Abhilfe: Finger bewusst erst herausziehen, dann Hand nach oben führen.

Klettergriffe richtig greifen

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KL aufgestellte Finger Klettern
Ralph Stöhr
Am Fels muss man manchmal recht kleine Griffe "herprügeln".

4. Aufpassen
Wenn man einen kleinen Griff zu oft direkt hintereinander (oder verschiedene kleine Griffe nacheinander) festhält, ermüdet die zuständige Muskulatur. Was die Kraft nicht hält, hält dann der Bewegungsapparat. Daher: lieber öfter einmal Pause machen, bevor man sich die Finger hoffnungslos überlastet. Dies ist besonders schwierig, wenn man gerade voller Motivation ist. Da gibt es nur eine Frage: Was ist schlimmer - den Zug nicht schaffen oder wochenlang verletzt sein?

5. Auf Signale hören
Wenn sich im Finger Schmerzen bemerkbar machen, lohnt es sich, darauf zu hören. Im Zweifel sollte man pausieren. Was hilft, sind durchblutungsfördernde Maßnahmen (Massieren und Co.). Achtung: Pausieren muss nicht immer helfen. Wer die Finger nicht mehr belastet und weniger bewegt, wird nicht zwangsläufig schneller gesund. Dringend einen Arzt aufsuchen sollte man, wenn
- Fingerschmerzen stark sind;
- Fingerschmerzen nach einer Woche Pausieren nicht verschwunden sind;
- die Finger schmerzen, auch wenn man sie nicht belastet.
(Arzt ist nicht gleich Arzt, wenn möglich, sollte man jemanden aufsuchen, der sich mit dem Klettern auskennt.)

6. Geduld zeigen
Dieser Rat betrifft vor allem Anfänger und Trainingstiere. Denn jedes Mal, wenn man stärker wird oder die Belastungsintensität erhöht, dann passt sich die Muskulatur an. Muskeln wachsen und reagieren schnell, binnen Wochen. Doch Sehnen, Bänder und Gelenke brauchen zur Anpassung viel länger, nämlich Monate. Daher muss man aufpassen, wenn man einen Schub nach vorne tut, und dem Gelenkapparat Zeit zur Anpassung geben.

Warnung:
Viele Kletterer tapen sich die Finger, manche machen dies gewohnheitsmäßig. Das Tape kann - richtig eingesetzt - helfen. Doch sollte man mit Tape-Unterstützung sparsam umgehen, damit die Finger sich an die Belastung gewöhnen können (siehe Punkt 6). Mehr zum Tapen steht unter klettern.de/tapen.

Finger tapen

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