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Klettertechnik

Adieu Längenzüge

Der nächste Griff ist einfach viel zu weit weg! - Hier erklären wir, mit welchen Techniken der gemeine Längenzug seinen Schrecken verliert.

Längenzüge gibt es nicht? Nun ja, das vielleicht nicht gerade, aber trotzdem solltet ihr euch nicht zu schnell geschlagen geben, wenn der nächste Griff mal wieder unendlich weit entfernt scheint. Denn auch wenn der Halte­arm schon maximal blockiert ist und beide Beine gestreckt sind, heißt das nicht, dass ihr eure Reichweite gänzlich ausgeschöpft habt.

Auf den folgenden Seiten stellen wir einige Techniken vor, die helfen, weite Griffabstände zu überbrücken: vom frontalen Anblockieren über Eindrehen und Stützen bis zu dynamischen Zügen und Weitergreifen im „toten Punkt“.

Augen auf und durch

Oft ist der Griff in die technische Trickkiste nötig, um die gegebenen Tritte und Griffe optimal zu nutzen. Beim Treten auf großen Hallengriffen macht es einige Zentimeter Unterschied aus, ob man mit den Zehenspitzen auf dem äußeren Rand des Griffs steht, oder diesen mittig mit dem ganzen Vorderfuß belastet. Und ob drinnen oder draußen: Oft finden sich noch weitere Zwischentritte, die ein höheres Antreten ermöglichen – und so unter Umständen „unmögliche“ Griffabstände ins Mögliche befördern.

Augen auf heißt es auch bei den Griffen. Schaut nach möglichen Zwischengriffen – manch' Käntchen mag vielleicht zu klein sein, um daran weiterzuziehen, aber vielleicht reicht es aus, um sich anders zu positionieren und dann mit derselben Hand weiterzugreifen. Habt ihr alle Griffe und Tritte auf dem Radar, bleibt immer noch die Frage: „Wie klettere ich das und welche Methode ist die kraftsparendste“?

Darum geht es hier: Wir stellen fünf Techniken vor, mit denen sich weite Züge überwinden lassen und sagen euch, wann sich welche Methode anbietet. Beobachtet aber auch mal die Cracks in eurer Halle: Wann setzen diese welche Techniken ein, um weite Griffabstände zu überbrücken, wann ziehen sie statisch, wann dynamisch?

Doch letztlich gilt: Probieren geht über studieren. Viel Spaß dabei!

1. Frontal blockieren

So geht's:

Ausgangsposition

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Ralph Stöhr
Klettertechnik in der Kletterhalle lernen

1. Bei zwei ähnlich hohen Tritten befindet sich der Körperschwerpunkt in der Ausgangsposition am „langen“ rechten Haltearm über dem rechten Fuß.

Anziehen

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Ralph Stöhr
Klettertechnik in der Kletterhalle lernen

2. Beim Anziehen verlagert ihr das Gewicht auf den linken Fuß, die rechte Schulter bewegt sich zur Haltehand hin. Schöpft ihr die maximale Reichweite aus, löst sich dabei euer rechter Fuß.

Hoch antreten

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Ralph Stöhr
Klettertechnik in der Kletterhalle lernen

3. Steht ein hoher Tritt zur Verfügung, bringt ihr den Körperschwerpunkt am „langen“ linken Haltearm komplett über den linken Fuß und könnt nun den rechten Fuß lösen. Durch das „Zurücklehnen“ gestaltet sich das Antreten leichter.

Aufhocken

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Ralph Stöhr
Klettertechnik in der Kletterhalle lernen

4. Nun zieht ihr den Körper nach oben und zur Wand, wobei der linke Fuß gelöst wird. Ziel ist es, mit dem Gesäß über die rechte Ferse zu kommen (das Knie wird seitlich „weggeschoben“) und aus dieser recht stabilen Position weiterzugreifen.

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2. Über den Fuß schieben

So geht's:

Ausgangsposition

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Ralph Stöhr
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1. Befinden sich der Zielgriff und ein hoher Tritt weiter seitlich, gilt es, den Körperschwerpunkt über diesen Tritt zu bringen. Zuerst lehnt man sich wie beim frontalen Anblockieren am „langen“ Arm nach hinten, um den anderen Fuß lösen und hoch antreten zu können.

Anziehen

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Ralph Stöhr
Klettertechnik in der Kletterhalle lernen

2. Nun zieht ihr mit beiden Armen an, um Höhe zu gewinnen sowie den Körperschwerpunkt nahe an die Wand zwischen Haltearm und hohen Tritt zu bringen. Der untere Fuß kann gelöst werden.

Aufhocken

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Ralph Stöhr
Klettertechnik in der Kletterhalle lernen

3. Anschließend sollte die Bewegung eures Haltearms möglichst fließend in eine Streckbewegung übergehen, um den Körperschwerpunkt ganz über den rechten Tritt zu bringen (Gesäß über der Ferse) und euch zum Zielgriff zu schieben.

Hook-Variante

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Ralph Stöhr
Klettertechnik in der Kletterhalle lernen

4. Bei weit seitlich gelegenen großen Tritten bietet sich alternativ ein Heelhook an. Dabei fungiert das hookende Bein fast wie ein dritter Arm und unterstützt mit seiner Zugbewegung den Haltearm.

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3. Eindrehen

So geht's:

Ausgangsposition

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Ralph Stöhr
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1. In Überhängen bei horizontal weiter auseinanderliegenden Tritten (und optimalerweise einem Seitgriff für den Haltearm) ist ein „Ägypter“ oft die beste Wahl. Die Füße platziert man dabei leicht gedreht mit der Innen- bzw. Außenseite auf den Tritten.

Eindrehen auf zwei Tritten

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Ralph Stöhr
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2. Dreht das Knie auf der Greifarm-Seite nach innen unten ein, die Hüfte (und der Körperschwerpunkt) kommt eng an die Wand. So „verspannt“ ihr euch zwischen den Tritten und entlastet die Arme.

Weitergreifen

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Ralph Stöhr
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3. Um weitergreifen zu können, müsst ihr eure Greifarm-Seite durch Zug mit dem Haltearm möglichst nah an der Wand halten.

Eindrehen auf einem Tritt

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Ralph Stöhr
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4. Eindrehen auf nur einem Tritt: Im Bild lastet das Körpergewicht auf rechtem Arm und linkem Fuß. Der rechte Fuß dient zur Balance, drückt eventuell gegen die Wand und kann einen Impuls nach oben beisteuern. Oft lässt sich diese Bewegung kraftsparend am gestreckten Arm ausführen.

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4. Stützen und Untergriffe

So geht's:

Ausgangsposition

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Ralph Stöhr
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1. Das Gelände ist maximal senkrecht, der nächste Griff zu weit entfernt, um dorthin zu ziehen. Ungefähr auf Höhe der unteren Griffe ist seitlich aber ein Tritt vorhanden.

Stützen

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Ralph Stöhr
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2. Die untere Hand wird umgedreht, vom "Ziehen" zum "Stützen" bewegt, indem die Handfläche nach unten drückt. Der Schwerpunkt des Körpers sollte nun auf dieser Hand und dem höheren Fuß lasten, damit die andere Hand gelöst werden kann.

Untergriffe

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Ralph Stöhr
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3. Untergriffe werden wie beim Tragen von Gegenständen belastet: nach außen bzw. oben (wenn möglich am langen Arm). Dabei gilt: Je weiter ihr die Füße nach oben bringt, desto besser lässt sich der Untergriff nach außen belasten.

Weiterziehen

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Ralph Stöhr
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4. Nun den Körper zur Wand ziehen und den Untergriff auf Gegendruck gegen den/die Tritte verspannen. Die Bewegung erfolgt frontal oder wie im Bild eingedreht.

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5. Dynamisch anziehen

So geht's:

Ausgangsposition

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Ralph Stöhr
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1. Beim dynamischen Klettern nutzt man den Schwung, um den Körper in die gewünschte Richtung zu bewegen. Idealerweise erreicht man den Zielgriff im Umkehrpunkt („toten Punkt" oder "Deadpoint“). Der Schwung wird durch ein Ausholbewegung eingeleitet.

Anlauf nehmen

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Ralph Stöhr
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2. Die Beschleunigung nach oben erfolgt in einer Wellenbewegung: die Beine strecken sich, die Arme ziehen den Oberkörper zur Wand. Je weniger überhängend, desto mehr sollte die Bewegung aus den Beinen kommen.

Hau...

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Ralph Stöhr
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3. Schwingt der Oberkörper Richtung Wand, löst ihr eine Hand Richtung Zielgriff, die andere führt die Schwungbewegung fort.

...ruck!

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Ralph Stöhr
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4. Ist der obere Griff fixiert, muss der untere Arm den entstehenden Pendelschwung abfangen. Zumindest ein Fuß sollte dabei an der Wand bleiben.

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