KL-Provence-GiconsTeaser (jpg) Archiv Ralph Stöhr

Venasque, Châteauneuf-de-Chabre, Ventavon, Gicons

Vier mal Kalk à la Provence

Die Region Provence-Hautes Alpes in Südfrankreich ist für ihre großen Klettergebiete wie Céüse, Orpierre oder Buoux bekannt. Daneben verstecken sich aber viele kleinere Ziele, die guten Fels und Ruhe bieten.

Die Region Provence-Hautes Alpes im Süden Frankreichs ist eine Mischung aus voralpinen Hügelketten und alpinen Gebirgen. Im Herbst und Frühjahr sind die Gipfelziele in der Höhe zwar manchmal auch bekletterbar, meist wird man aber in tieferen Lagen bessere Temperaturen antreffen. Wir stellen euch vier bei uns weitgehend unbekannte Gebiete zwischen Gap und Carpentras vor, die von recht weit droben und eher kühl bis ziemlich weit unten und warm reichen.

Ein paar Wände mehr

KL Lage Klettergebiete Provence
Johanna Widmaier
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Obwohl sie alle ausreichend Kletterstoff für etliche Tage bieten, haben sie es nicht geschafft, zu In-Gebieten aufzuteigen – was zum Teil an der im Vorspann genannten übermächtigen Konkurrenz liegt. Bei uns würde man sich die Finger nach diesen Felsen lecken, in Südfrankreich sind es dann eben doch nur „ein paar Wände mehr“.

Weil sie alle recht nahe an den bekannten Kletterzentren liegen, sind Venasque, Ventavon, Châteauneuf-de-Chabre und Gicons auch sehr gute Ausweichziele, wenn es in den bekannten Ballungsräumen wieder einmal zu voll wird. Wir waren schon am Ostersonntag in Ventavon alleine, auch in Châteaunauf-de-Chabre trifft man nicht allzuviele Kletterer. Im Herbst legt sich der Andrang ohnehin.

Ob der Blick übers Durance-Tal, auf die Devoluy-Berge oder auf den Mont Ventoux: Klettern mit Aussicht ist hier garantiert. Orpierre und Apt bieten sich als Ausgangspunkte an, hier gibt es Campingplätze, Gîtes oder andere Unterkünfte.

Die aktuellen Kletterführer

Für die Felsen von Venasque gibt es nicht einmal in Frankreich einen richtigen Führer, dabei ist es mit 220 Routen das größte der vier vorgestellten Gebiete. Ein Faltblatt mit Topo gibt es beim Touristenbüro in Venasque, das Gebiet ist aber auch ausführlich im Südfrankreich-Führer „Mistral 1“ vom tmms-Verlag beschrieben. Châteauneuf-de-Chabre findet ihr im neuen Orpierre-Führer, die Felsen von Gicons im aktuellen Céüse-Führer, und Ventavon ist sogar in allen beiden enthalten.

Kalk à la Provence - Venasque

Auf einen Blick:

Routenzahl: rund 220 Routen
Schwierigkeiten:
4a bis 5c: ca. 10 Routen
6a bis 6c+: ca. 120 Routen
7a bis 7c+: ca. 90 Routen
8a und mehr: ca. 5 Routen
Ausrichtung: Ost und Nord
Höhenlage: 250 m
Zustieg: 5 Minuten

KL-Provence-Venasque1 (jpg)
Archiv Ralph Stöhr
Rund 220 Routen bietet das "kleine" Gebiet Venasque.
KL Karte Südfrankreich Lage von Venasque
Johanna Widmaier
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Allgemeines: Die Hügelketten östlich von Orange und Avignon bieten Provence pur. Rosmarin- und Thymianfelder, Weinbau und malerische Ortschaften, dazu der Blick auf den Mont Ventoux – mehr Südfrankreich ist nirgendwo. Zu den netten Orten gehört auch Venasque, das aus Kletterersicht dazu noch den unschlagbaren Vorteil eines eigenen großen Klettergebiets mit sich bringt. Wegen der Bewaldung und der nordöstlichen Ausrichtung sind es keine ausgesprochenen Sonnenwände, durch die tiefe Lage in Rhone-Nähe ist es hier aber trotzdem meist angenehm warm.

KL-Provence-Venasque2 (jpg)
Archiv Timo Marschner
Timo Marschner klettert "La Brigade de Stups" (7b).

Anfahrt/Zustieg: Von Carpentras auf der D4 nach Venasque. Kurz vor dem Ort steht rechterhand eine Infotafel, direkt davor rechts ab Richtung Le Beaucet. Nach etwa zwei Kilometern erreicht man den Sektor La Route.

Charakter: Der Fels erinnert an den Kalksandstein von Fontvieille in den Alpillen, von Reibungsplatten bis zu knackigen Überhängen ist in vier großen Sektoren alles geboten.

Führer: Die Felsen von Venasque sind auf Deutsch in „Mistral 1“ vom tmms-Verlag sowie in „Avignon Soleil“ von Jingo Wobbly (englisch) beschrieben.

Die Felsen liegen auf Privatgrund. Dem entsprechend bitte nur angelegte Wege benutzen und Rücksicht üben.

Kalk à la Provence - Ventavon

Auf einen Blick:

Routenzahl: rund 120 Routen
Schwierigkeiten:
4a bis 5c: ca. 20 Routen
6a bis 6c+: ca. 40 Routen
7a bis 7c+: ca. 50 Routen
8a und mehr: ca. 10 Routen
Höhenlage: rund 1000 m
Ausrichtung: Süd
Zustieg: 50 Minuten

KL-Provence-Ventavon_1 (jpg)
Ralph Stöhr
Der Felsriegel von Ventavon. Ein Klick auf das Bild öffnet die Großansicht.
KL Lage Fels Ventavon
Johanna Widmaier
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Allgemeines: Die Felsen unter der Crête des Selles bei Ventavon wirken in jeder Hinsicht wie ein Ableger des etwas weiter nördlich gelegenen Paradegebiets Céüse. Nur ist eben alles einen Tick kleiner: der Felsriegel ist nicht ganz so lang, kompakt und hoch, die Gegend um die Ortschaft Ventavon ist vielleicht nicht ganz so malerisch. Dennoch: Auch Ventavon bietet perfekten, Céüse-artigen Fels in Hülle und Fülle. Der steile Zustieg und als Ergebnis die tolle Aussicht vom Wandfuß erinnern ebenfalls stark an die große Schwester. Ein wichtiger Unterschied ist aber vielleicht vielen ganz willkommen: In Ventavon geht es noch richtig ruhig zu.

Anfahrt/Zustieg: Von Gap oder Sisteron kommend folgt man der N85 bis Monêtier-Allemont. Von dort auf der D942 Richtung Ventavon. Kurz vor dem Ort zweigt rechts ein Fahrweg zum Gîte „Le Refuge“ und Le Villard ab. Diesem folgt durch Le Villard, dann links hinauf steil bis an sein Ende. Ab hier zu Fuß auf gutem, steilem Weg in rund 50 Minuten unter die Wand.

Charakter: Löchrig bis leistig, plattig bis überhangend: Der Fels von Ventavon bietet viele unterschiedliche Facetten.

Führer/Infos: Die Routen von Ventavon sind sowohl im Ceüse-Führer als auch im Orpierre-Führer enthalten. Aktuelle Infos und Neutouren gibt es unter www.ceuse.fr.

Kalk à la Provence - Châteauneuf de Chabre

Auf einen Blick:

Routenzahl: rund
80 Routen
Schwierigkeiten:
4a bis 5c: ca. 20 Routen
6a bis 6c+: ca. 35 Routen
7a bis 7c+: ca. 25 Routen
Höhenlage: 580 m
Ausrichtung: Süd
Zustieg: 10 Minuten

KL-Provence-Chateauneuf_1 (jpg)
Martin Leiendecker
Der Fels von Châteauneuf de Chabre.
KL Lage Fels Chateauneuf de Chabre
Johanna Widmaier

Allgemeines: Genau zehn Kilometer Luftlinie liegen die Wände über der Gorges de la Méouge von Orpierre entfernt. Und doch ist es hier immer einen spürbaren Tick wärmer, sonniger und windstiller. Châteauneuf-de-Chabre lohnt sich besonders als Tagesziel von Orpierre aus, die Wand bietet mit ihren rund 80 im Führer aufgelisteten Routen aber auch für mehrere Tage Betätigung. Die nahe Bar in Châteauneuf betreibt der derzeitige Haupterschließer des Gebiets, Pierre Isoard, der auch auf der anderen Seite der Méouge schon einige Felsen eingerichtet hat. Dank kurzem Zustieg und bequemem Wandfuß kinder-, aber nicht Kinderwagen-tauglich.

Anfahrt/Zustieg: Von Laragne an der N75 folgt man der D942 nach Châteauneuf. Im Ort rechts ab zur Gorges de la Méouge. Nach rund einem Kilometer rechterhand parken (nichts im Auto lassen!). In zehn Minuten auf markiertem Fußweg unter die Wand.

Charakter: Plattig bis sehr steil in sehr kompaktem Kalk. Wandhöhen bis 35 Meter, zwei kurze Mehrseillängenrouten.

Führer/Infos: Die Routen von Châteauneuf-de-Chabre sind im aktuellen Orpierre-Führer beschrieben. Weitere Infos gibt es in der Bar in Châteauneuf.

Kalk à la Provence - Gicons

Auf einen Blick:

Routenzahl: rund 100 Routen
Schwierigkeiten:
4a bis 5c: ca. 25 Routen
6a bis 6c+: ca. 55 Routen
7a bis 7c+: ca. 20 Routen
8a und mehr: 2 Routen
Höhenlage: 1450 m
Ausrichtung: Südwest
Zustieg: 20 Minuten

KL-Provence-Gicons1 (jpg)
Ralph Stöhr
Der Fels von Gicons. Ein Klick auf das Bild öffnet die Großansicht.
KL Lage Fels Gicons
Johanna Widmaier
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Allgemeines: Die Wände von Gicons liegen herrlich in den Devoluy-Bergen. Dank ihrer südwestlichen Ausrichtung erlauben sie das Klettern, wenn auf den umliegenden Gipfeln noch oder schon Schnee liegt. In fünf Sektoren findet sich eine ungewöhnlich homogene Verteilung der Schwierigkeiten, nur die ganz harten Wege fehlen. Der Fels ist abwechslungsreich, die Routen sind gut gesichert. Aufgrund des etwas steileren Zustiegs ist Gicons zumindest nicht kleinkinderfreundlich.

KL-Provence-Gicons042 (jpg)
Ralph Stöhr
Gicons bietet feine Sportkletterei bei bester Aussicht.

Anfahrt/Zustieg: Von Corps an der N85 (Grenoble-Gap) folgt man der D537 nach St. Disdier. Alternativ von Süden (Orpierre) über Serres und Veynes, dann der D937 folgend nach St. Disdier. Hier auf die D117 Richtung St. Etienne, nach rund einem Kilometer links ab Richtung Haut-Gicons. Durch den kleinen Ort und dem Sträßchen folgen bis zu einer Sendeantenne. Parken und zu Fuß auf schmalem Pfad links aufwärts unter die schon vom Parkplatz gut sichtbare Wand. Rund 20 Minuten Aufstieg.

Charakter: Plattige bis leicht überhängende Routen in meist sehr festem Kalk. Im Sektor Pierre-Besse bis zu 90 Meter lange Routen, sonst meist 20 bis 30 m.

Führer/Infos: Die Routen von Gicons sind (unvollständig) im Céüse-Führer enthalten. Aktuelle Infos und Neutouren gibt es unter www.ceuse.fr.

Weiterlesen:

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