Granit-Klettergebiete in Italien

Granit sportiv

Foto: Davide Borelli Klettern in Casa Capietto, Valsesia
Fünf geniale Klettergebiete im Norden Italiens mit Granit oder Gneiss: Ossola, Valsesia, Valle d'Aosta, Val Masino und Valle d'Orco.

Fünf Täler, fünf mal Granit oder Gneiss, vom Valle dell‘Orco im Westen bis zum Val Masino im Osten: Jedes dieser Klettergebiete ist einen ausgedehnten Klettertrip wert. Als Appetithäppchen stellen wir jeweils eine kleine Auswahl an lohnenden Sportkletterspots vor.

Foto: d-maps.com Klettergebiete Granit in Nord-Italien
Foto: Paolo Sartori Klettern in Esigo

Esigo eignet sich für heiße Sommertage. Grazia Fenu klettert 'Havana' (7b).

Klettergebiet Ossola - westlich vom Tessin

Die Klettergebiete rings um das malerische Städtchen Domodossola reichen vom Lago Maggiore bis unter die über 3000 Meter hohen Gipfel an der Grenze zur Schweiz und halten von der 20-Meter-Sportkletterroute bis zum 27 Seillängen langen alpinen Abenteuer alles bereit. Sommertauglich sind die Gebiete im Val Divedro Richtung Simplon (Gondoschlucht) sowie im Val Antigorio und im Val Formazza nördlich von Baceno. Die Klettereien können dem Tessin zwar nicht ganz das Wasser reichen, dafür geht es hier deutlich ruhiger zu und der Cappuccino ist wesentlich billiger.

Croveo: Das größte und bekannteste Gebiet der Gegend fordert mit seinen senkrechten und überhängenden Wänden ordentlich Ausdauer.
Routen: Rund 130 Routen (10 bis 50 m) von 4a bis 8a, das Gros davon von 6b bis 7b. Es gibt aber auch einige sehr lohnende Routen im 5. Grad.

Esigo: Nordostseitig ausgerichtet und in einem Tannenwald gelegen ist Esigo das ideale Gebiet für richtig heiße Tage. Auch hier überwiegt Ausdauerkletterei an Rissen, Leisten und Überhängen.
Routen: Etwa 50 Routen (15 bis 35 m) von 5b bis 8a, meist ab 6b aufwärts.

Agaro: Schon der Zustieg hält mit einem 1,5 Kilometer langen, engen Tunnel eine kleine Überraschung parat. Danach warten traumhaft schön über einem Stausee gelegene Mehrseillängenrouten.
Routen: 15 Routen von 6a (5c obl.) bis
7b, 150 bis 350 m.

Premia: Auto abstellen, aussteigen, einsteigen: weniger Zustieg als im Sektor Balmafregia geht wirklich nicht. Ideal zum Einklettern mit technisch anspruchsvoller Kletterei an Leisten und wenigen, runden Rissen.
Routen: 106 Routen (10 bis 80 m) in drei Sektoren, 4a bis 8a, die Hälfte davon bis einschließlich 6a.

Codelago: Zwei Sektoren in rund 2000 Meter Höhe über einem tiefblauen See gelegen, bieten griffige, senkrechte und überhängende Wandkletterei an eisenfestem Fels.
Routen: Etwa 70 Routen von 4a bis 7b mit 10 bis 38 m Länge, darunter auch 20 Routen im 4. und 5. Grad.

Kletterführer: Ossola Rock, 400 Seiten, Verlag Versante Sud, 2014, mit deutscher Übersetzung.

Foto: Davide Borelli Klettern in Casa Capietto, Valsesia

Feinster Fels: Nicola Degasparis klettert 'Il Girovago' (7b) in Casa Capietto.

Klettergebiet Valsesia - Gneiss und Granit im Piemont

Das Valsesia liegt westlich des Lago Maggiore und teilt sich in diverse weitere Täler auf, die bis in die südlichen Ausläufer der Monte Rosa Gruppe reichen. 43 verschiedene Gebiete bieten die ganze Palette, angefangen von Klettergärten auf knapp über 400 Metern Meereshöhe bis zu den langen Routen an der Punta Vittoria mit einer Gipfelhöhe von 3435 Meter. Bis auf eine Ausnahme (Falesia di Ara) spielt sich die Kletterei an abwechslungsreich strukturiertem Gneis und Granit ab. Die Routen in den fünf vorgestellten Gebieten sind durchweg gut bis sehr gut eingebohrt.

Falesia di Ara: Keine Regel ohne Ausnahme: Ganz unten im Valsesia liegt ein sehr lohnender Fels, der einzige aus Kalk weit und breit.
Routen: Etwa 50 Routen von 4b bis 8a (10 bis 23 m). Am reichhaltigsten ist die Auswahl im sechsten Franzosengrad.

Torre del Giavine: Ein echter Gipfel, der erst einmal bezwungen sein will. Von allen Seiten leiten Routen auf den markanten, etwa 90 Meter hohen Felsturm.
Routen: 10 Routen mit bis zu vier Seillängen. Abgesehen von der Via Normale (4c) werden die Grade 6a bis 7b/c oder technische Kletterei gefordert.

Falesia Ronco: Das größte Gebiet im Valsesia bietet alles, was das Herz begehrt: Reibungsplatten, Risse und Verschneidungen, Überhänge und Dächer.
Routen: Knapp 80 Routen von 4b bis 8a (10 bis 50m), davon allein 20 im vierten und fünften Grad sowie 35 in den Graden 6a und 6b.

Alpe Dorracche: Wer die knappe Stunde Zustieg nicht scheut, findet hier in alpiner Umgebung auf über 1200 Metern tolle Sportklettereien sowie ein halbes Dutzend längere Routen. Letztere müssen allerdings teilweise selbst abgesichert werden.
Routen: Über 50 Routen von 5c bis 7b (20 bis 120 m). Unter 6b ist die Auswahl begrenzt (12 Routen).

Casa Capietto: An diesen senkrechten und überhängenden Wänden schlägt das Herz von Sportkletterern der schärferen Richtung höher.
Routen: Rund 160 Routen von 5c bis 8b (10 bis 40 m). Bis 6b ist das Angebot eher spärlich.

Kletterführer: Valsesia Rock, 192 Seiten, Verlag Versante Sud, 2015

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Foto: Alberto Gnerro Klettern in Gressoney Valle AostaKlettern im Valle d'Aosta

Steile Kletterei im Sektor La Benedizione bei Gressoney: der Top-Sportkletterspot im Aosta-Tal.

Klettern im Valle d'Aosta - am Fuße des Mont Blanc

Wo anfangen und wo aufhören? Rund 100 Sportklettergebiete und Sektoren gibt es aktuell im Aosta-Tal und seinen zahlreichen Seitentälern zwischen Pont Saint-Martin und dem Montblanc-Tunnel. Und da sind die größeren Wände mit ihren langen, zum Teil sportklettermäßig eingebohrten Routen noch gar nicht mitgezählt. Mit einem familientauglichen Parade-Klettergarten, einem Gebiet mit einigen mittelschweren Routen und einem Highend-Sportklettergebiet kratzen wir da gerade mal ein wenig an der Oberfläche.

Montestrutto: Perfekt für Einsteiger: Der Klettergarten beim gleichnamigen Ort mit Bar und Liegewiese bietet eine riesige Auswahl an bestens eingebohrten Linien.
Routen: Rund 130 Routen von 3a bis 7c. Das Angebot reicht von kurz und kindertauglich bis zur 80 Meter langen Multipitch.

Mont Ross: Eines der größten Klettergebiete im Tal – das Gestein des Gebietes am Eingang zum Valle di Cogne ähnelt von den Strukturen her Kalk, ist aber keiner.
Routen: Etwa 60 Routen von 5a bis 8a (10 bis 25 m) mit reichlich Auswahl von 6a bis 6c.

Gressoney - Noversch: Die Sektoren im Valle di Gressoney haben schon Klettergrößen wie Adam Ondra oder Chris Sharma angelockt. Es geht hier also etwas härter zur Sache.
Routen: Rund 40 Routen von 6a bis 9a. Unter 7a sind es allerdings nur ein halbes Dutzend.

Kletterführer: Mani Nude 2. Arrampicata sportiva in Valle d‘Aosta, Ausgabe 2016; Schweiz plaisir sud, Edition Filidor

Foto: Bruno Quaresima Klettern im Val Masino

Laura Pastorelli klettert 'Kosterlitz' (6c) auf der Westseite des Sasso Remenno.

Klettern im Val Masino - Tor zu den großen Wänden

An ihm führt kein Weg vorbei. Jeder, der schon sich mal zu den großen Wänden im Val di Mello aufgemacht hat, ist schon an dem gewaltigen Block des Sasso Remenno direkt neben der Straße vorbei gekommen. Er und seine etwas kleineren Nachbarn bieten eine ordentlich Auswahl an Sportkletterouten, ideal zum Einklettern oder für Tage, an denen einem nicht nach großen Wänden zumute ist. Ansonsten sind gut eingebohrte Sportklettereien mit einer oder wenigen Seillängen Länge im Val di Mello oder dem Val dei Bagni eher Mangelware.

Sasso Remenno: Neben unzähligen Boulderblöcken umfasst das Ensemble des Sasso Remenno insgesamt 11 Blöcke mit bohrhakengesicherten Kletterwegen.
Routen: Etwa 280 Routen von 4a bis 9a (10 bis 40 m), darunter auch einige Techno-Klettereien.

Kletterführer:
Sasso Remenno Climbing Map, Verlag Versante Sud, 2015

Info-Map Sasso Remenno Val Masino direkt hier im klettern-Shop bestellen

Foto: Maurizio Oviglia Klettern im Val d'Orco

Bolts neben Rissen sind ein seltener Anblick im Vale dell'Orco. Umso entspannter klettert sich 'Harry Potter' (5c) im Sektro Prietra Filosofale.

Klettern im Valle del Orco - Risse und Granit wie im Yosemite

Zugegeben, selbst wenn man den Begriff Sportklettern sehr weit fasst, ist das Valle del‘Orco südlich des Gran Paradiso Massivs nicht gerade mit eingebohrten Sektoren gepflastert. Viel mehr ist hier Rissklettern und Selbstabsichern ganz nach amerikanischem Vorbild angesagt, wie die Namen der großen Wände Sergent und Caporal schon vermuten lassen. Es gibt aber dennoch Sektoren, in denen auch diejenigen zum Zuge kommen, die sonst im Orco-Tal mutigeren oder erfahreneren Vorsteigern den Vortritt lassen.

Cavalieri pendienti: Wer den Dschungel und die Reibungsplatte im Zustieg hinter sich gebracht hat, findet hier brauchbar bis gut gesicherte Plattenkletterei an Leisten und Kanten.
Routen: 9 Routen von 5c bis 6a+ mit einer (30 m) bis drei eingebohrten Seillängen.

La Piramide: Die geneigten Platten im linken Teil sind ideal zum Einklettern. Zwischen den Bolts können oft noch Keile oder Friends gelegt werden. Weiter rechts wird es dann etwas schwerer.
Routen: 9 Routen von 4b bis 7a (30 bis 130 m). Davon je eine lange Route im Grad 4b und 5c (max.)

Frachiamo: Eines der wenigen reinen, gut eingebohrten Sportklettergebiete liegt am Taleingang kurz hinter Pont Canavese.
Routen: Über 50 Routen von 4b bis 8a+ (10 bis 50 m). Unter 6a ist hier nicht viel zu holen.

Sergent: Was für eine Wand und was für Routen, wenn man den Schwierigkeiten gewachsen ist. Die geneigten Platten im linken Teil bieten drei größtenteils eingebohrte Routen (6a obl.) mit bis zu 330 Meter Länge.
Routen: Etwa 60 Routen ab 6a aufwärts mit einer bis acht Seillängen, darunter viele Risse, die selbst abzusichern sind.

Pietra Filosofale: Klettern oder Picknick oder beides? Der kleine, malerisch gelegene Sektor bietet bohrhakengesicherte Kletterei.
Routen: 20 Routen von 5a bis 7b mit 10 bis 20 Meter Länge.

Kletterführer: Valle dell‘Orco, 320 Seiten, Verlag Versante Sud, 2010.

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18.09.2018
Autor: Volker Leuchsner
© klettern
Ausgabe 06/2018