Klettergebiete um Montpellier Sam Bié

Claret, Thaurac, Pic St Loup und Co

12 Sportkletter-Ziele für den Winter

Klettern in der kalten Jahreszeit? Gebietstipps für den Ostertrip im Frühjahr? Bitteschön: Die Gebiete im Languedoc rund um Montpellier bieten für jeden etwas, von der großen Wand über tolle Sportklettergebiete bis zum Bouldergebiet.

In diesem Artikel:

Wintertaugliche Klettergebiete rund um Montpellier

Beim Stichwort Südfrankreich denkt in unseren Breiten fast jeder automatisch an die Provence östlich der Rhone mit ihrer Vielfalt an Klettergebieten. Doch wie sieht es auf der anderen Seite des Flusses aus, der den Süden unseres Nachbarlandes mehr oder weniger in zwei Hälften teilt? Da muss es doch auch was zum Klettern geben. Klar, sagt ihr, Seynes, Russan und die Gebiete am Chassezac oder die Gorges du Tarn. Einverstanden, allerdings sind die meisten davon nicht wintertauglich. Wer der Kälte nördlich der Alpen entfliehen will, muss aber nicht gleich bis nach Spanien pilgern: von der Rhone ein Stückchen weiter Richtung Südwesten bis ins Hinterland von Montpellier genügt. Vom Herbst bis ins Frühjahr bietet diese Ecke des Languedoc Sonnenfelsen satt.

Klettergebiete um Montpellier
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Bei guter Sicht reicht der Blick von Hortus bis zum Meer: Eine Seilschaft in der dritten Länge von Zenith (7b+)

Rund eine Autostunde nördlich und nordwestlich der Stadt, liegt in den Hügeln und Tälern über ein Dutzend Klettergebiete, die eine Vielfalt bieten, wie sie sonst selten zu finden ist: Sportklettern in allen Graden in Thaurac, gleich nebenan die großen Wände des Pic Saint Loup und Hortus. Der überhängende Felsriegel von Claret, der mit seinen harten Routen schon vor längerer Zeit von sich reden machte und bis heute nichts von seiner Attraktivität verloren hat. Dazu die Klassiker und Sportklettereien im Felskessel von Saint-Guilhem-le-Désert mit ihren unglaublichen Felsstrukturen und den Blick auf eines der schönsten Dörfer Frankreichs und ein Weltkulturerbe der UNESCO. Fast hätte ich die Sandsteinblöcke von Prieuré vergessen. Wer sein Quartier zentral in einer der netten Ortschaften wie Saint-Martin-de-Londre oder Saint-Bauzille-de-Putois aufschlägt, steht dann nur noch vor der großen Frage: In welches Gebiet gehe ich heute?

Übersicht: Die Klettergebiete bei Montpellier im Überblick

Klettergebiete um Montpellier
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Klettergebiete im Languedoc bei Montpellier im Überblick

Die größeren Gebiete: 1. Thaurac, 2. Claret, 3. Pic Saint Loup und Hortus, 4. Saint-Bauzille, 5. Saint-Guilhem, 6. Prieuré; die kleineren Felsen: A. Valflaunès, B. Le Clocheton des Matelles, C. Le Moulin du Trou, D. Saugras, E. Le Moulin de Bertrand, F. Saint-Jean-de-Buèges, G. Le Joncas

Thaurac, die Schule der Vielseitigkeit

Thaurac ist das älteste und zugleich auch das abwechslungsreichste Gebiet im Hérault-Tal. Hier findet sich, bis auf ganz steiles Gelände, wirklich für jeden etwas: mehr oder weniger leichte Routen, von top gesichert bis zum Abenteuergelände, Mehrseillängenrouten, Felsen in allen Himmelsrichtungen. Über 700 Routen warten auf Aspiranten, davon rund 200 in den Graden von 4c bis 6a und nochmal etwa dieselbe Zahl bis zum Grad 6c+. Also ein wahres Paradies für Einsteiger und weniger extreme Sportkletterer. Zwar findet sich, wie gesagt, gelegentlich noch der eine oder andere rostige Haken oder es muss mit Keilen nachgeholfen werden, dies ist aber nur in abgelegenen Sektoren oder manchen Mehrseillängenrouten der Fall. Die Sportklettereien sind durchweg sehr gut abgesichert. Zu den beliebtesten Sektoren gehören die Wände auf der linken Talseite der Gorges de l‘Hérault. Sie sind fast durchweg nach Südwesten ausgerichtet und bieten so bis in den späten Nachmittag Sonne. Der Sektor „Mur des Lamentations“ direkt über der Straße eignet sich bestens für einen Einstieg in das Gebiet. Volle Sonne ist in der breiten Südwand garantiert. Die Wände links und rechts des Eingangs zur Grotte des Desmoiselles, einem der größten Touristenmagneten der Gegend, bieten Sportklettern in allen Graden und Routen mit bis zu 70 Metern Länge. Für das leibliche Wohl wird in den Ortschaften Saint Bauzille de Putois, Laroque und im Städtchen Ganges bestens gesorgt. Wem die Routen im größten Gebiet der Gegend nicht ausreichen, braucht nur weiter zu lesen.

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Olivier Pfersdorff in Il faut battre le frère tant qu‘il est chauve (6c+), einer der abwechslungsreichen Routen an der Mur des Lamentations, Thaurac

Info: Klettergebiet Thaurac

  • Lage: 40 Kilometer nördlich von Montpellier an der D986 Richtung Ganges, zwischen Saint Bauzille de Putois und Laroque.
  • Zustiege: 2 bis 20 Minuten
  • Beste Zeit: ganzjährig
  • Ausrichtung: alle
  • Maximale Höhe: 90 m
  • Routen: Über 700 Routen von 4a bis 8b+, die meisten davon im 5. und 6. Franzosengrad
  • Führer und Infos: „Escalade au Thaurac“ von Fabien Roumanille und Jean-Luc Fabre aus dem Jahr 2017. Zusätzliche Infos auf www.topo-thaurac.com. Eine Routenauswahl findet ihr auch im Rockfax-Führer „France, Languedoc-Roussillon“ (29,90 €).
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Freunde gemäßigter Grade kommen in Thaurac auf ihre Kosten: Marie Naurais klettert Maladie Jonteuse (6a) im Sektor l‘Étrave du Vaisseau fantôme

Claret, Klettergebiet mit Charakter

Claret ist das Epizentrum der Kletterei rund um Montpellier. Der langgezogene Felsriegel ist weder der erste bekletterte Fels in dieser Ecke des Départments Hérault noch der mit den meisten Routen. Der Stil der Kletterei und die Motivation, mit der die Erschließer herangingen, hat aber die Entwicklung der anderen Gebiete stark beeinflusst. Daneben ist Claret für die Locals noch so etwas wie das kleine Bistro an der Ecke, in dem man sich gerne trifft.

Seit über 25 Jahren wird hier geklettert. Zeit, der Wand ein kleines Facelift zu verpassen. So wurden vor kurzem alle Umlenker erneuert und 80 Routen komplett saniert. Dazu kommt noch ein neuer Parkplatz und Zustiegsweg.

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Arno Catzeflis klettert Classe Economique (7b+) in Claret

Abgesehen davon ist in Claret alles beim alten geblieben. Es gibt immer noch sehr wenig leichte Routen, und die sind es auch nicht wirklich. Die guten Griffe sind es immer noch, die schlechten aber auch. Und die steile Wand mit ihren charakteristischen Dächern ist auch nicht flacher geworden. Neben einer ordentlichen Portion roher Kraft ist auch eine gewisse Charakterstärke von Nöten. Die Hakenabstände sind auch nach der Sanierung noch ziemlich vom heute üblichen Standardmaß entfernt. Die Tatsache, dass man bei Stürzen meist ins Freie fällt, wird da für manchen nur ein schwacher Trost sein. Ebenso der Hinweis, dass die Haken von den Erstbegehern so gesetzt wurden, dass sie sich gut klippen lassen.

Die Südausrichtung macht den Felsriegel von Claret zu einem idealen Wintergebiet. Dazu noch der kurze Zustieg und der ebene Wandfuß, und fertig ist ein familientaugliches Sportklettergebiet. Zumindest, wenn Mama und Papa sich in gehobeneren Graden wohlfühlen. Richtig los geht es erst ab 6b. Darunter gibt das steile Gemäuer nicht einmal zwei Dutzend Routen her. Für das Gros der über 200 Routen wird der siebte Franzosengrad verlangt. Reichlich Auswahl in Genussgraden bieten dafür die anderen Gebiete der Gegend.

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Typisch Claret: Jean-Fiorn Pfersdorff turnt durch das Dach von Biotop (8b+)

Info: Klettergebiet Claret

  • Lage: 35 Kilometer nördlich von Montpellier Richtung Alès. Durch Claret und den anschließenden Ort Les Embruscalles hindurch bis unter den weit sichtbaren Felsriegel. Vom neuen Parkplatz auf direktem Weg zum Fels.
  • Zustiege: 10 Minuten
  • Beste Zeit: Frühjahr, Herbst und Winter
  • Ausrichtung: Süd
  • Maximale Höhe: 35 m
  • Routen: Über 200 Routen von 5b+ bis 9a, die meisten davon ab 6c aufwärts.
  • Führer und Infos: Arno Catzeflis hat die Arbeit von Pierre Rouzo weitergeführt und den Führer zu Claret im gleichen Design 2011 aufgelegt. Das sehr schön gemachte Büchlein ist vor Ort erhältlich. Eine Routenauswahl gibt es im Rockfax-Führer „France, Languedoc-Roussillon“ (29,90 €).

Pic Saint Loup & Hortus, die ungleichen Zwillinge

Ob ihr es glaubt oder nicht: Die beiden höchsten Wände der Region und ihre zugehörigen Gipfel sind bei gutem Wetter von den Alpen und den Pyrenäen aus sichtbar. Man muss nur wissen, wo man suchen muss. Radikal unterschiedlich im Stil und entgegengesetzt in der Ausrichtung ergänzen sich die beiden perfekt.

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Caroline Ciavaldini tanzt mit den Sintersäulen im Cirque des Escargots in Pic Saint Loup

Schon der Pic Saint Loup teilt sich mit seiner Nordwand in zwei Bereiche mit völlig unterschiedlichen Kletterstilen. Da sind zum einen die leichten, klassischen, alpin angehauchten Mehrseillängenrouten, das ideale Gelände um den Umgang mit mobilen Sicherungen oder die Wegfindung zu trainieren. Und da ist zum anderen der Cirque des Escargot mit seinen überhängenden, teilweise versinterten Sportkletterrouten bis 9a+ – ein Berg mit zwei Gesichtern.

Noch einmal anders präsentiert sich die gegenüber liegende Wand des Hortus. Mit Blick aufs Meer und nach Süden ausgerichtet, sind die langen Routen hier insgesamt steiler und anspruchsvoller. Nach meist drei oder vier Seillängen enden die meisten Routen auf einem markanten Band nach etwa drei Viertel der Wandhöhe. Die leichtesten Anstiege sind ab etwa 6a zu haben. Platten, Risse, Verschneidungen und Überhänge, die ganze Palette werden in der breiten Wand geboten. Diese ist zwar nur 90 Meter hoch, wegen den Hängen darunter und dem Blick in die Weite kommt einem die Kletterei aber doch ziemlich ausgesetzt vor. Wer sich nicht gleich in eine der langen Routen stürzen will, findet am Wandfuß noch kleinere Sektoren mit kurzen Sportkletterrouten. Der Felsdoppelpack gehört auf jeden Fall auf die To-Do-Liste jedes Besuchers hier.

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Camille Doumas und Capucine Cotteaux in der zweiten Länge von Le Vent l‘emportera (6c) am Hortus

Info: Klettergebiete Pic Saint Loup & Hortus

  • Lage: 30 Kilometer nördlich von Montpellier. Ausgangspunkt für den Pic Saint Loup ist das Örtchen Cazevielle, für den Hortus ein Parkplatz an der Straße zwischen Saint-Mathieu de Tréviers und Saint-Martin de Londre.
  • Zustiege: Pic 45 Minuten, Hortus 20 Minuten
  • Beste Zeit: Frühling bis Herbst am Pic, Hortus: Winter
  • Ausrichtung: Nord und Süd
  • Maximale Höhe: 120 m am Pic, 90 m am Hortus
  • Routen: Pic Saint Loup: etwa 30 Sportkletterrouten von 7a bis 9a+ plus etwa zwei Dutzend alpine Routen, Hortus: 120 Routen von 5b bis 8b
  • Führer und Infos: Zum Pic Saint Loup gibt es derzeit keinen Führer. Infos zu den langen Routen gibt es auf www.camptocamp.org. „Escalades à L‘Hortus“ aus dem Jahr 2003 von Fabien Roumanille und Jean-Luc Fabre ist vereinzelt noch erhältlich. Zusätzliche Infos auf www.topo-thaurac.com. Eine Routenauswahl gibt es im Rockfax-Führer „France, Languedoc-Roussillon“ (29,90 €).

Saint-Bauzille-de-Montmel, besser als sein Ruf

„Die Routen in Montmel sind kurz, oldschool und es gibt nur einen Kletterstil, nämlich den von Montmel.“ So oder so ähnlich wird die Kletterei an der breiten Wand über dem Örtchen Saint Bauzille de Montmel oft abgetan. Absolut zu Unrecht. Als altmodisch und zugleich wieder modern würde ich es bezeichnen. Wer kleine Griffe in steilem Gelände nicht mag, dem kommt hier recht schnell alles verdammt schwer vor.

Klettern bei Montpellier
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Der Felsriegel von Saint Bauzille de Montmel bietet neben steilem Gelände auch eine große Auswahl an leichteren Routen

Viel Sonne, kurzer Zustieg, ein einladender Wandfuß und die Nähe zu Montpellier: Hier hat für viele einheimische Kletterer ihre Leidenschaft begonnen. Über 40 Routen vom 3. bis in den 5. Grad haben dazu ihr Übriges beigetragen. Und wer wollte, konnte hier auch stark werden. Die Routenauswahl reicht bis 8b und von geneigten Platten über senkrechte Wände bis zu ordentlichen Überhängen. Ob leicht oder schwer, eines haben fast alle Routen gemeinsam: Sie sind sehr homogen. Sobald man in die Vertikale eingetreten ist, geht es meist ohne große Ruhepunkte bis zum Umlenker dahin. Der ist wegen der Kürze der Routen Gott sei Dank nicht allzu weit entfernt.

Nach einem Feuer im Sommer 2010, das über 2000 Hektar Land verwüstet hat, mussten alle Haken überprüft werden, und das Gebiet war in Folge eine Zeit lang gesperrt. Es kam aber zurück wie Phoenix aus der Asche, mit teilweise neuen Haken, neuen Umlenkern und seit diesem Jahr einem aktuellen Führer. Lasst euch überraschen. Saint Bauzille de Montmel lohnt sich und ist besser als sein Ruf.

Klettergebiete um Montpellier
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Die Routen in Saint Bauzille de Montmel fordern ein ordentliches Maß an Technik – Caroline Houal klettert Le Monodoigt céleste (6a+).

Info: Klettergebiet Saint-Bauzille-de-Montmel

  • Lage: 25 Kilometer nordöstlich von Montpellier Der Parkplatz liegt am nördlichen Ortsrand von Saint Bauzille unterhalb der Felsen bei einer Zisterne.
  • Zustiege: 10 Minuten
  • Beste Zeit: Frühjahr, Herbst und Winter
  • Ausrichtung: Süd, Südost
  • Maximale Höhe: 25 m
  • Routen: Rund 230 Routen von 3a bis 8b+, darunter eine große Auswahl im 5. und 6. Franzosengrad.
  • Führer und Infos: Arno Catzeflis zeichnet auch für den Führer zu Saint Bauzille de Montmel verantwortlich, erschienen 2019.

Saint-Guilhem-Le-Désert, Felsen am Ende der Welt

In Saint-Guilhem-le-Désert ist Geschichte allgegenwärtig. Das malerische Dörfchen bewacht den Eingang zum gewaltigen Felskessel Cirque du Bout du Monde, dem „Ende der Welt“. So ähnlich müssen sich wohl im Mittelalter die Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela vorgekommen sein, wenn sie hier vorbei kamen. Das 804 angeblich von Wilhelm (Guilhem) von Aquitanien gegründete Kloster von Gellone gehört heute zum UNESCO Weltkulturerbe und lockt gewaltige Touristenscharen an. Etwa 300000 Besucher zählt der Ort mit gerade mal 250 Einwohnern pro Jahr.

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Klettern am „Ende der Welt“: Arno Catzeflis in der fünften Länge von Équinoxe (7a), Roc de la Bissone, Saint-Guilhem-le-Désert

Aber nicht nur die Pilger mit den gefalteten Händen zieht es an diesen Ort, sondern auch die mit den weißen Händen. Den Anfang in den bis zu 200 Meter hohen Wänden der „Dolomiten der Garriques“ machten Georges Fraissinet und René Desmaison mit Hanfseil und Knickerbockern in den 50er-Jahren. Charakteristisch für die Mehrseillängenrouten ist ihre beeindruckende Steilheit und der teilweise durch zahlreiche Querbänder strukturierte Fels. Ein grandioses Beispiel für diese ungewöhnliche Kletterei ist La Carmina mit ihren neun Seillängen. Fast schon angsteinflößend steil geht es von Henkel zu Henkel empor, nie schwerer als 6b. Ähnliches gilt für L‘Empire des Sens (6b+). Aber auch für Sportkletterer, die weniger auf saugende Tiefe als auf gehobene Grade aus sind, ist gesorgt. Im Sektor Baume Ventée sind Routen im 8. Grad zu finden.

Zugegeben, Saint Guilhem ist nicht gerade ein Winterziel. Wer sich hier, im Stand hängend, eine Daunenjacke wünscht und seinen langsamen Vor- oder Nachsteiger verflucht, hat zu allem Überfluss immer die sonnenbeschienenen Felsen der anderen Talseite im Blick. Dort ist Klettern aber leider verboten.

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Der verlockende Felskessel des "Cirque au Bout du Monde", St Guilhem

Info: Klettergebiet Saint Guilhem

  • Lage: 45 Kilometer nordöstlich von Montpellier. Die Anfahrt erfolgt am besten über Gignac. Von dort der Beschilderung folgen und auf einem der leider kostenpflichtigen Parkplätze parken. Der Zustieg erfolgt durch den Ort.
  • Zustiege: 20 bis 40 Minuten
  • Beste Zeit: Frühjahr, Sommer, Herbst
  • Ausrichtung: Nord und Ost
  • Maximale Höhe: 200 m
  • Routen: Rund 130 Routen von 5c bis 8c+ mit bis zu 9 Seillängen, davon rund 50 kurze Sportkletterrouten in meist gehobeneren Graden.
  • Führer und Infos: Einen gedruckten Führer zu Saint Guilhem gibt es nicht und wird es aller Voraussicht nach auch nicht geben. Alle Infos und Topos gibt es online auf www.topo-thaurac.com.

Die Ausnahme: Prieuré, Bouldern im Sandstein

Es soll ja Leute geben, die gegen Kletterseile, Karabiner und Haken allergisch sind. Doch auch für die hat Montpellier etwas zu bieten. Nämlich ein waschechtes Bouldergebiet mit Sandsteinblöcken und das inmitten von Kalkfelsen. Boulderer brauchen eine gute Nase. Zumindest wenn es um die Suche nach neuen Blöcken geht, sollten sie einen ähnlich guten Riecher haben wie Wildschweine auf der Suche nach Trüffeln. Diese Vierbeiner sind die eigentlichen Herrscher des Unterholzes auf den Hügeln rings um Lodève, eine knappe Autostunde nordwestlich von Montpellier.

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Gewaltig steil und typisch Saint-Guilhem: MSL-Kletterei vom Feinsten in La Carmina (6b)

Neben einem guten Riecher verdanken wir die Entdeckung der Boulder von Prieuré einer geologischen Landkarte und der Tatsache, dass sich eine Sandsteinader quer durch ganz Südfrankreich zieht, diese aber nur an wenigen Stellen zutage tritt in Annot, La Capelle oder eben hier.

Mit rund 500 Problemen ist Prieuré heute eine wahre Sandstein-Trüffel. Leider kein zweites Annot, das vom Gestein her ähnlich ist, aber auf jeden Fall einen Abstecher wert, und so groß wie ein einzelner Sektor in Fontainebleau ist es allemal. Nachdem das Gebiet anfänglich den Ruf hatte, durchweg schwere Probleme und jede Menge Highballs zu beherbergen, hat sich das durch den örtliche Kletterclub Parci-Parla inzwischen geändert. Mit viel Liebe und Einsatz putzten die Mitglieder die Probleme, deren Griffe den ersten Erschließern zu groß erschienen waren.

Von der Kletterei her bietet das Gebiet alles, was das Herz begehrt: Platten, Sloper, Überhänge. Was vielleicht fehlt, ist überhängende Wandkletterei an Leisten. Ansonsten wird das gesamte Sandsteinrepertoire gefordert, wie man es auch von Fontainebleau gewohnt ist. Wer dafür eine Nase hat, wird hier seinen Spaß haben.

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Sandstein statt Kalk: Bouldern in Prieuré

Info: Bouldergebiet Prieuré

  • Lage: Bei Lodève knapp 60 km westlich von Montpellier. In Lodève die Winzer-Genossenschaft (Cave Cooperative) links liegen lassen und weiter Richtung Saint Privat. Nach rund 6 Kilometern steht linkerhand ein großer Mast, hier parken. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite führt ein Pfad zu den einzelnen Sektoren.
  • Zustiege: 10 Minuten
  • Beste Zeit: ganzjährig
  • Ausrichtung: alle
  • Maximale Höhe: 7 m
  • Routen: Etwa 500 Boulder von 3A bis 8B.
  • Führer und Infos: Ein kleines Topo gibt es als PDF zum Download auf www.parci-parla.org/page_391.php. Weitere Infos bietet die Webseite lodevebloc.blogspot.com.

Bonus: 7 kleinere Klettergebiete der Region

Diese sieben Felsen im Umland von Montpellier sind nicht riesig, haben aber durchaus etwas zu bieten. Bei diesen Perlen lohnt der Besuch jeweils teils für Einsteiger, teils für Fans härterer Grade, teils für eine Stippvisite und teils mit einer Bohrmaschine.

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Genussreich: Emma Espozito klettert Terminus les Étoiles (5b) in Saint-Jean-de-Buèges

Valflaunès

Das kleine Gebiet wartet mit 21 Routen von 4a bis 6b+ und Höhen von 12 bis 20 Metern auf. Der Felsen von Gourdou liegt sich auf einem Kamm auf derselben geologischen Schicht wie Hortus oder Claret. Von Valflaunès fährt man Richtung Notre-Dame de Londres und parkt in der letzten Linkskehre unterhalb des Plateaus. Ein Topo gibt es als PDF unter www.scalanature.fr.

Le Clocheton des Matelles

Zehn Routen (4b bis 6b) für Kletteranfänger finden sich an dem kleinen Felsen oberhalb des Örtchen Les Matelles der Straße Richtung Ganges. Die Wand ist nach Süden ausgerichet, der Wandfuß bietet Schatten. Topo: ascig.fido.free.fr/ascig/top.html

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Das Rauschen des Wassers im Hintergrund klettert Didier Franco Majorité Absolue (7a), Moulin de Bertrand

Le Moulin du Trou

Die kleine Wand von Saint-Jean-de-Védas liegt direkt am Stadtrand von Montpellier und war und ist deswegen sehr beliebt und immer voll. Der Fels ist deswegen ziemlich poliert, weswegen man die Bewertung der Routen zwischen 4 und 6c nicht mehr so ernst nehmen sollte. Heute könnte man sagen: Der Fels hat seine Schuldigkeit getan.

Saugras

Wer nach einer Abwechslung zum sonst üblichen Kalk sucht, findet mit dem Dolomit des Roc de Pampelune eine Alternative. An D127 zwischen Grabels und Viols-le-Fort gelegen bieten die 17 Routen von 4 bis 6a+ ideale Vorausetzungen für Einsteiger in die Vertikale.

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Max Chabon klettert Loppsi Lopsa (6b+) im Canyon von Joncas, dem jüngsten Klettergebiet bei Montpellier

Le Moulin de Bertrand

Wenn eines der kleinen Gebiete gerade in Mode ist, dann Moulin de Bertrand. Am rechten Ufer des Herault beim Bertrand-Damm (zwischen Saint-Martin-de-Londre und Causse-de-la-Selle an der D122 gelegen) begeistern rund 30 Routen von 4b bis 8b+ und bis 25 Meter Höhe die ganze Kletterfamilie. Topos sind im Führer für Saint-Jean-de-Buèges enthalten.

Saint-Jean-de-Buèges

Über einem schönen und abgelegenen mittelalterlichen Dorf im Buèges-Tal gelegen, ist der Roc de Tras Castel das perfekte Gebiet für diejenigen, die sich in rund 50 kurzen Sportkletter- oder Mehrseillängenrouten versuchen wollen. Geboten werden Schwierigkeiten von 3b bis 7b + und Höhen bis 90 Meter. Führer und Infos: www.scalanature.fr.

Le Joncas

Diese Wände in einem kleinen, trockenen Canyon haben das Zeug, sich zu einem der bekannteren Gebiete der Region zu entwickeln. Seit längerem wird hier schon am Grad 9a gekratzt. Es gibt aber auch einige leichtere unter den etwa 70 Routen zwischen 2 und 8c+ (Höhe: 10 bis 30 m). Der Zustieg erfolgt von der ersten Linkskurve der D122, die zwischen Montpeyroux und Arboras von der D9 abzeigt. Ein kleines Topo gibt es vor Ort.

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