Teil des
KL Alpinklettern mit Softshell Laurent de Senarclens

Softshelljacken im Test

Textile Weichlinge

Der Siegeszug der textilen Weichlinge hält unvermindert an. Drum prüfe, wer sich ehrlich schindet - 13 aktuelle Softshells im Praxistest für den Einsatz im Gebirge.

Der Siegeszug der textilen Weichlinge hält unvermindert an. Ob Alpinist, Sportkletterer oder Boulderer – Vertikalisten jeder Couleur wissen inzwischen die Kombination aus Wetterschutz, Wärme und Wohlgefühl zu schätzen. Doch „Softshell“ ist nicht gleich „Softshell“. Das Spektrum reicht von supersoft bis Hardshell-ähnlich, von fast gummigleicher Flexibilität bis zu vornehmer Steifheit, von stark wasserabweisend und winddicht bis minimal imprägniert und sehr luftig, von extra-dampfdurchlässig bis hin zum Sauna-Style. Und was für Sportkletterer oder Boulderer perfekt ist, muss nicht gut für Alpinisten sein, die sich bei ungemütlichem Wetter einen sechsstündigen Hüttenzustieg in den Berner Alpen hinaufquälen, oder für alpine Sportkletterer, die an windigem Fels permanent zwischen Schwitzen beim Klettern und Frösteln am Standplatz wechseln. Drum prüfe, wer sich ehrlich schindet!

Stretch muss sein

Grundbedingung für eine alpintaugliche Softshell ist, dass sie die Beweglichkeit beim Klettern nicht einschränkt. Denn was helfen der beste Wetterschutz und Klimakomfort, wenn die Jacke mit darüber getragenem Klettergurt oder Rucksack an den Schultern spannt, und man beim Kampf gegen die Schwerkraft auch noch mit der Jacke zu ringen hat. Oder wenn beim Seil- und Rucksack-freien Klettern in leichterem Gelände die Jacke deutlich nach oben rutscht. Bauchfrei ist in alpinen Wänden nicht angesagt.

Für optimale Bewegungsfreiheit sind die Elastizität des Gewebes, der sogenannte „Stretch“, sowie der Schnitt der Jacke verantwortlich. Neben der uneingeschränkten Bewegungsfreiheit ist bei der Bewertung des Tragekomforts zudem eingeflossen, wie angenehm sich das Innenfutter in trockenem und verschwitztem Zustand auf der Haut anfühlt und wie soft der Grip des Gewebes ist. Und natürlich spielt auch das Gewicht der Jacke beim Tragekomfort eine Rolle.

Noch ganz dicht?

Beim Wetterschutz haben wir vor allem auf den Schutz vor Wind geachtet. Denn vorrangige Aufgabe einer Softshell ist, bei stop-and-go-Tätigkeiten ihren Träger vor dem Auskühlen zu schützen – ob am Standplatz oder bei einer Pause. Aber auch den Schutz vor Nässe haben wir bewertet. Länger anhaltenden Regen abzuwehren, ist allerdings nicht die Aufgabe einer Soft­shell, hierfür sind nach wie vor ihre steiferen Membrankollegen wie Gore-Tex oder eVent zuständig. Umso besser allerdings, wenn auch eine Softshell Nieselregen oder sogar etwas dickeren Tropfen eine Zeit lang Paroli bietet. Denn dann kann man beispielsweise in alpinen Sportkletterrouten, über die man ohnehin wieder abseilt, seine Hardshell getrost im Rucksack am Wandfuß zurücklassen. Schlimmstenfalls tritt man eben den Rückweg zum Auto oder zur Hütte nicht nur nass an den Beinen, sondern auch am Oberkörper an. Es gibt Schlimmeres …
Eine Kapuze trägt zum Wetterschutz natürlich entscheidend bei. Da viele Kletterer bei Softshells aber lieber kapuzenfrei unterwegs sind – weil diese beim Tragen einer Hardshell samt Kapuze darüber eher stört –, haben wir sechs mit und sieben Jacken ohne Kapuze ausgewählt. Und um für Transparenz bei der Bewertung zu sorgen: Jacken ohne Kapuze haben wir prinzipiell einen Punkt beim Wetterschutz abgezogen.

Klimakatastrophen, nein danke!

Wind und Wetter draußen zu halten, ist die eine Sache. Die andere, möglichst viel vom Körper produzierten Schweißdampf durch das Gewebe nach außen entweichen zu lassen – denn beim ständigen Wechsel von Anstrengung und Ruhepausen ist der Klimakomfort ebenso entscheidend für das Wohlbefinden wie der Wetterschutz. Erfreulicherweise vereinen einige Modelle Wetterschutz und Klimakomfort weitgehend. Manche Jacken sind auch mit Ventilations­öffnungen – sogenannten „Pitzips“ – ausgestattet, was für zusätzlichen Luftaustausch sorgt, andere ermöglichen etwas Ventilation über netzgefütterte Taschen und/oder weite Ärmelbündchen. Aber auch noch so große und zahlreiche Ventilationsöffnungen können eine mangelnde Dampfdurchlässigkeit des Materials beim alpinen Klettern nicht ersetzen (siehe nächste Seite).

Unser viertes Bewertungskriterium war die „Bedienung“ der Jacken. Darunter fällt, ob sich Reißverschlüsse und die Regulierungen von Bundabschluss, Kapuze und Ärmelbündchen – möglichst auch mit Handschuhen – gut bedienen lassen. Und ob der Zugang zu den Außentaschen auch mit Klettergurt und/oder Rucksack gewährleistet ist. Dies ist wichtig, damit man beispielsweise am Standplatz schnell mal Handschuhe überstreifen und anschließend ebenso schnell wieder verstauen kann.

Für Modebewusste sei noch erwähnt: Alle Modelle gibt‘s natürlich auch in anderen Farben. Viele der Jacken sind zudem mit identischer Technik, aber mit anderem Schnitt als Damenmodell erhältlich.

Fazit: Wie schon erwähnt, haben wir die Jacken vorrangig im Hinblick aufs alpine Klettern bewertet. Was nicht bedeutet, dass weniger flexible oder dampfdurchlässige Modelle als Schutz- und Kuscheljacken beim Bouldern oder Sportklettern nicht ebenso taugen.

Als Hardcore-Alpinjacke hat uns aber vor allem das Vaude Platinum Jacket überzeugt. Eine weitere Empfehlung geht an das Astron Hooded Jacket von Mountain Equipment, einen leichten Hautschmeichler mit ausgewogener Performance. Letzteres trifft auch auf
das Norrøna Svalbard Flex 1 Jacket zu, an das die dritte Empfehlung geht. Einen Preis­tipp hat sich das Offwidth Jacket von Mountain Hardwear verdient, das eine rundum solide Leistung zu einem tollen Preis bietet.

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Genau hingeschaut - Wichtige Details

Eine Mütze gehört im alpinen Gelände immer in den Rucksack, eine Kapuze schützt zusätzlich auch den Nacken. Vorausgesetzt sie lässt sich gut an die Gesichtskonturen anpassen, so dass möglichst wenig Wind Einzug hält. Beim alpinen Klettern mit Helm sind die Ansprüche noch größer. Ob über oder unter dem Helm getragen, ist zumindest bei Softshells Geschmackssache. Wer sie über dem Helm trägt, sollte darauf achten, dass die Jacke nicht nach oben gezogen wird und man den Kopf ohne Spannungen in alle Richtungen bewegen kann. Dazu sollte das Volumen regulierbar sein, damit die Kapuze nicht zur Henkers-Kappe mutiert. Wer sie darunter trägt, muss sicher stellen, dass sich die Helmgurte mit dem – möglichst hochreichenden – Kragen vertragen, und hier nicht drücken oder die Jacke nach oben ziehen. Beispiel für eine perfekte Kapuze ist die der Vaude Platinum: sie passt problemlos über einen Helm, lässt sich aber auch ohne leicht an den Kopf anpassen, und der Kragen reicht bis unter die Nase.

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Neben dampfdurchlässigen Geweben bieten Ventila­tionsöffnungen, sogenannte „Pitzips“, die Möglichkeit, bei starker körperlicher Anstrengung für zusätzliche Frischluft zu sorgen. Selbstverständlich gilt, je länger desto mehr. Allerdings können Pitzips eine gute Dampfdurchlässigkeit in der alpinen Praxis nur bedingt kompensieren. Beim Klettern stören flattrige Ärmel und Front, und der Grat zwischen Belüftung und Auskühlung ist unter Umständen schmal. Zudem können lange, nicht-elastische Reißverschlüsse die Beweglichkeit in diesem Bereich einschränken, und auf textilfreien Oberarmen fühlen sie sich nicht besonders angenehm an.

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