KL Kletterrucksacktest Steffen Kern

Produktreport: Sportkletter- Rucksäcke

Sack und Tasche

Seilplane statt Biwaksack, Tragegriffe statt Pickelhalterung: Im Klettergarten und in der Halle gelten ganz andere Anforderungen als im alpinen Einsatz, weshalb viele Hersteller inzwischen spezielle Sportkletterrucksäcke anbieten. Wir stellen euch zehn Zwitter aus Rucksack und Tasche vor.

Mit der Sporttasche zum Einstieg? Das hätte es früher nicht gegeben! Da schleppte der Kletterer Seil und Haken standesgemäß auf den Schultern hinauf zur Wand, und im Anschluss den Rucksack durch diese hindurch. Beim Sportklettern endet die Reise der Tragehilfe dagegen spätestens am Einstieg, in der kalten Jahreszeit oft schon in der Umkleidekabine. Und so sind vor allem indoor vermehrt allerlei Taschen zu sichten, oder Gurt, Schuhe und Chalkbag werden einfach mit in den Seilsack gestopft. Letzterer gehört längst zur Standard-ausrüstung beim Sportklettern, sei es, um das Handling beim Sichern zu erleichtern, den Strick vor Schmutz zu schützen oder ihn möglichst schnell und vor potenziellen Mitbewerbern unter dem freigewordenen Plastikprojekt drapieren zu können. Aber auch draußen zählt für viele Sportkletterer weniger der Tragekomfort des Transportmittels als dessen möglichst einfaches Handling am Wandfuß.

Möglichst unkompliziert

Diesen Trend haben auch die Rucksackhersteller erkannt, und so führen inzwischen viele Firmen ein oder mehrere Modelle im Sortiment, die speziell auf die Bedürfnisse von Sportkletterern zugeschnitten sind. Eines dieser Bedürfnisse ist, einen möglichst unkomplizierten Zugang zum Rucksackinnern zu haben, weshalb enge Toplader mit Deckel nicht angesagt sind. Stattdessen sorgen durchgehende oder umlaufende Reißverschlüsse an der Front für einen schnellen Zugriff selbst auf den Bodenbereich, zu dem man bei vollgestopften konventionellen Rucksäcken erst nach längerem Wühlen vordringt.
Damit auch sonst nicht gewühlt werden muss, sind die meisten Rucksäcke mit allerlei Innen- und Außentaschen bestückt, in denen Kleinkrams und Wertsachen oder der Autoschlüssel einen angestammten Platz haben. Einige Modelle offerieren sogar extra Fächer für Schuhe, Chalkbag oder den Kletterführer.

Platz für alles?

KL Rucksackinhalt
Redaktion klettern
Blind in den Untiefen des Rucksacks wühlen ist passé - Sportkletterrucksäcke ermöglichen den schnellen Zugriff.

Bei sieben der zehn Modelle ist zudem eine Seilplane im Lieferumfang enthalten. Bei einigen Produkten lässt sich diese mittels Gurten auch separat tragen, der Degre 9a von Vaude besitzt sogar eine vollwertige Seiltasche, die sich zur Plane ausbreiten lässt und in der bei Bedarf problemlos alles Nötige für einen Tag an Fels oder Plastik Platz findet. Der Copperhead von Rocksnake besitzt dagegen ein extra Seilfach am Boden, aus dem man am Einstieg den mit Velcro angezippten Seilsack samt Inhalt nur noch auszukippen braucht. Eine an sich sehr praktische Lösung – allerdings ist das Fach für ein 70-Meter-Seil etwas knapp bemessen.
Auch bei anderen Modellen mussten wir beim Packen feststellen, dass es mit einem kompletten Sportkletterrack inklusive Seil ziemlich eng wird. Wir haben das Platzangebot aller Rucksäcke mit einer „normalen“ Sportkletterausrüstung bestehend aus zwei Paar Kletterschuhen, Chalkbag, zehn Expressen, Klettergurt, drei Verschlusskarabinern, Sicherungsgerät, zwei Bandschlingen, einem 70-Meter-Seil sowie einer 1,5-Liter-Trinkflasche und einer Regenjacke getestet – und bei der Bewertung zwischen „knapp“, „ausreichend“ und „gut“ unterschieden.
Sofern das mitgelieferte Seilbehältnis auch extra getragen werden kann, ist ein begrenztes Platzangebot im Rucksack ja noch zu entschuldigen. Handelt es sich aber nur um eine Plane, dann muss diese auch mit Seil in den Rucksack passen, sonst macht das Ganze wenig Sinn. Und für den Einsatz draußen ist ein 70-Meter-Seil nun mal fast schon Standard.

Saubere Sache

KL Sportkletterrucksack innen
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Von günstig bis High-End: Sportkletterrucksäcke gibt es in allen Varianten.

Ist das Material verstaut, sollte sich der Rucksack bequem tragen lassen. Die Modelle von Black Diamond, Boreal, Rocksnake und Vaude besitzen hierzu ein vollwertiges Rückentragesystem mit gepolsterten Schulter- und Hüfttragegurten. Bei den anderen Modellen fällt der Tragekomfort etwas geringer aus, für einen durchschnittlichen Sportkletterzustieg sollte er aber ausreichend sein.
Manchmal jedoch ist es angenehm, wenn man beim Umzug zur nächsten Route nicht alles einpacken und die Tragehilfe schultern muss, sondern einfach Expressen und Co. oben drauf werfen und den Sack als Tasche tragen kann. Dies gilt auch beim Bouldern, wenn der Rücken bereits mit einem Crashpad belegt ist. Für solche Situationen besitzen sieben der zehn Modelle Tragegriffe an Front oder Seite. Bei den Modellen von Cassin, Edelrid, Masterrange, Salewa und Vaude lässt sich zu diesem Zweck das Rückentragesystem unter einer Abdeckung verstauen, was auch praktisch ist, wenn der Rucksack als Fluggepäck aufgegeben werden soll.

Aber auch beim Fels- oder Halleneinsatz stören so keine baumelnden Träger – und werden nicht dreckig. Die reinlichste Taschen-Lösung bietet der Vaude Degre 9a, bei dem die gesamte Rückenfläche unter einer zweiten Haut verschwindet. Der Crag Bag von Edelrid wiederum schützt die Kleidung auch im Rucksack-Dasein: Hier ist der umlaufende Reißverschluss am Rückenteil platziert, so dass beim Öffnen das Tragesystem umgeklappt wird, statt unten im Dreck zu liegen.
Fazit: Für Sportkletterer bieten die Kombinationen aus Rucksack und Tasche auf jeden Fall Vorteile beim Handling – und sehen dazu noch pfiffig aus.

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