KL_Crashpad_Highball_7c_Jonas_jump (jpg) Tom Thudium

Crashpads im Test

Mattenmatik

Von wegen Hülle mit etwas Schaumstoff dazwischen – ein gutes Crashpad zu konstruieren, ist eine Wissenschaft für sich. Wir haben bei 19 Bouldermatten ausgiebig geprüft.

Bereits im August 2008 haben wir mit unserem bis dato längsten Produkttest begonnen. Susten- und Gotthardpass, Fontaine­bleau, Tessin, Averstal, Odenwald, Pfalz – über ein Jahr lang waren 19 Matten in unterschiedlichem Gelände im Einsatz. Über 20 Boulderinnen und Boulderer unterschiedlicher Größen- und Gewichtsklassen haben mitgetestet, ihre Kritikpunkte und Anregungen sind in die Bewertung eingeflossen. Mit Ausnahme von drei Matten, die sich schnell als unzureichend herausstellten, haben wir alle Crashpads mindestens 20 Bouldertage getestet, die meis­ten brachten es auf 30, manche sogar auf über 50 Tage.

Selbstverständlich wären noch mehr Testtage pro Crashpad wünschenswert, um den Alterungsprozess während eines ganzen Mattenlebens beobachten zu können. Ein Vergleichstest über einen noch längeren Zeitraum macht jedoch keinen Sinn, da viele Crashpads am Ende gar nicht mehr erhältlich wären. Schon im Rahmen unseres Tests gab es bei zwei Firmen für 2009 Änderungen gegenüber den von uns beboulderten Matten: beim Flashed Ronin nur die Farbe, das aktuelle Modell ist schwarz-grau. Revolution hat sein Mission Pad dagegen nicht nur optisch verändert, sondern auch um einige sinnvolle Details verbessert.

Für jeden etwas

Wir haben das Spektrum der Crashpads bewusst weit gefasst – von putzig klein bis Monstermatte –, damit für jeden etwas dabei ist. Gelegenheitsboulderern, Fontaine­bleau-Parcourkletterern und Blockjüngern, die ihre Probleme grundsätzlich in größeren Gruppen angehen und dann meist mit mehreren Pads ausgestattet sind, dürfte ein kleines, etwa 120 mal 90 Zentimeter großes Crashpad genügen. Passionierten Einzelkämpfern, Highballspezialisten und Liebhabern von stark verblockten Bouldergebieten wie dem Magic Wood im Averstal kann ihre Matte dagegen oft nicht groß genug sein, sofern sie nicht lieber mehrere Exemplare durch die Gegend schleppen. Und natürlich haben wir auch einige Modelle im Angebot, die zwischen Minimatte und Doppelbett rangieren.

Die Mischung macht‘s

17 der 19 Modelle sind konven­tionell aufgebaut: zwei oder mehr Schaumstoffschichten, oben eine harte, geschlossenzellige, welche die Sturz­energie verteilt, dann eine weichere, meist offenzellige Schicht, die für die Dämpfung sorgt, darunter oft nochmal ein geschlossenzelliger Schaum, der ein Durchschlagen auf harten Untergrund verhindern soll. Ob zwei oder fünf Schichten ist aber nicht die entscheidende Frage, es kommt auf die Qualität und die Abstimmung der Schaumstoffe an.
Zwei Hersteller beschreiten innovative Wege. Bei den Modellen von Chillaz und Flashed übernimmt vorrangig Luft die Aufgabe der Dämpfung – jeweils mit überzeugendem Ergebnis.
Bleibt noch die Frage: „Geschnitten oder am Stück?“ 13 Matten kommen mit zweiteiliger Konstruktion, fünf besitzen nur eine Kammer, das Beal Big Air Bag ist eine Kombination aus beidem (siehe Kasten unten).

And the winner is

Von den vier großen Matten hat uns das Mondo von Black Diamond am meisten überzeugt. In Sachen Sicherheit und Handling top, dazu robuste Materialien – ein klarer Fall für eine Empfehlung. Bei den mittelgroßen bis kleinen Modellen haben uns vier Crashpads besonders gut gefallen: das extrarobuste Ronin von Flashed mit seiner innovativen und funktionellen Luftkammer-Konstruktion, das ebenfalls sehr robuste Metolius
Boss Hog mit einer rundum guten Performance, dito das Ocùn Paddy Dominator und das schon erwähnte Mission Pad von Revolution. Der einzige Preistipp geht an das kleine Mad Pad von Mad Rock, das dafür Größe beim Preis-Leis­tungsverhältnis zeigt.

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Das macht ein gutes Crashpad aus

Eine sichere Landung hat bei Crashpads höchste Priorität. Für eine Empfehlung kamen daher nur Matten in Frage, die bei Durchschlagschutz und Dämpfung über den ganzen Testzeitraum mit sehr gut oder gut abschnitten. Dazu sind Tragekomfort, Handling sowie die Robustheit von Hülle und Trägern in die Bewertung eingeflossen. Den Preis haben wir bei unseren Empfehlungen nicht berücksichtigt, dafür gibt‘s einen Preistipp.

Durchschlagschutz

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Steffen Kern
Zwei Fixiergurte verhindern beim Black Diamond Mond ein Zusammenklappen.

Auf Wiesen und anderem weichen Untergrund nicht ganz so entscheidend, bei felsigem, mit Wurzeln durchsetztem oder gar verblocktem Absprunggelände jedoch essentiell. Die Schaumstoffschichten sollten auch bei Stürzen aus drei Metern Höhe oder mehr ein Durchschlagen der Füße verhindern.
Dies gilt auch für ihre Schwachstellen: Bei zweiteiligen Matten (manchmal auch dreiteilig) mit getrennten Kammern besteht vor allem in Mulden die Gefahr, dass sie bei einer Landung im Falz „zusammenklappen“ und man durchschlägt. Je dicker die Matte, desto unwahrscheinlicher ist dieses Szenario. Velcros und überlappende Falze helfen im Worstcase nur bedingt. Ideal ist die Lösung von Black Diamond beim Mondo: Dank zwei Fixiergurten an der Unterseite ist ein Zusammenklappen ausgeschlossen.
Bei Matten mit einer Kammer und durchgängigen Schaumstoffschichten – sogenannten Tacos – fällt die Gefahr des Zusammenklappens weg. Doch die Schwachstelle bleibt. Durch den 180°-Knick im geschlossenen Zustand werden die Schaumstoffe dort mehr oder weniger schnell weich und bieten dann oft geringeren Durchschlagschutz als Matten mit Falz. Tacos sollten daher offen gelagert werden!

Dämpfung

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Steffen Kern
Wenn's weicher sein soll, kommt die Luftmatte beim Chillaz-Crashpad obendrauf.

Durchschlagschutz ist nur die halbe Miete in Sachen Sicherheit. Die Matte sollte gleichzeitig möglichst viel Sturzenergie absorbieren, um Gelenke, Knochen, Bänder und Wirbelsäule zu schützen. Das Schwierige daran: Kleine Stürze mit Rückenlandung stellen andere Anforderungen als Abgänge aus drei oder mehr Metern Höhe mit Landung auf den Füßen. Natürlich spielt auch das Gewicht des Boulderers eine Rolle. Bei der Bewertung der Dämpfung sind wir eher von weiten Stürzen ausgegangen – schließlich ist hier die Gefahr von Verletzungen deutlich größer. Sofern die Dämpfung in die eine oder andere Richtung Schwächen hat, haben wir dies vermerkt.

Tragekomfort

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Steffen Kern
Schwer, aber gut zu tragen: das Flashed Ronin hat das beste Tragesystem.

Hier sind Tragesystem, Gewicht, Sperrigkeit und Sitz in die Be­wer­tung eingeflossen, und auch ob sich die Ausrüstung in der Matte transportieren lässt. Ein Latz an der Unterseite, der als Boden fungiert („Flap“) ist dazu hilfreich. Viele Firmen behandeln das Tragesystem leider sehr stiefmütterlich. Zu weiche, schlecht angebrachte Schulterträger, keine Hüftflosse – da wird selbst ein leichtes Crashpad mit Gepäck darin auf einem längeren Anmarsch zur Qual. Liebe Hersteller: Zumindest für große, schwere Matten ist eine gute Hüftflosse Pflicht, ebenso wie die Höhenverstellbarkeit der Schulterträger – damit das Ungetüm nicht an jedem Ast hängen bleibt respektive kleineren Personen nicht bei jedem Schritt gegen die Wade schlägt.

Handling

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Steffen Kern
Dicke Matten wie das Mondo sollten Positioniergriffe an allen "Ecken" haben.

Bei kurzen Transporten zwischen zwei Blöcken sind zweiteilige Matten gegenüber Tacos im Vorteil. Sie lassen sich mit Gear darin zusammenklappen und als Koffer tragen – sofern sie beidseitig Tragegriffe haben. Dünne Matten kann man einfach greifen, dickere Modelle sollten auch an den Ecken oder an allen Seiten Positioniergriffe besitzen, damit man die Matte schnell verrutschen kann, wenn sich der potenzielle Einschlagpunkt verändert. Des weiteren ist bei der Bewertung des Handlings eingeflossen, wie die Verschlüsse zu bedienen sind und ob die Matte sich leicht zusammenpacken lässt.

Robustheit

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Steffen Kern
Starkes Nylon und verstärkte, abgerundete "Ecken" beim Metolius Boss Hog.

Neben den Schaumstoffen sollte auch die Hülle lange halten. Hier kommt es auf die Stärke, Abrieb- und Reißfestigkeit des verarbeiteten Materials an und auf die Qualität der Nähte. Starke Garne und doppelte oder eingefasste Nähte sind Qualitätsmerkmale, auf die ihr achten solltet. Manche Hersteller verstärken auch die besonders belasteten Ecken an der Unterseite. Bei abgerundeten „Ecken“ wetzt sich das Material langsamer durch. Zudem sollten die Schnallen („Buckles“) aus Metall sein. Besondere Robustheit oder Mängel haben wir bei den Modellen erwähnt.

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