KL Helm im Einsatz Ralph Stöhr
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Report: Die aktuellen Kletterhelme im Vergleich

Kopfsache

Neue Marken, neue Modelle, mehr Auswahl: Die Hardware-Hersteller haben sich in Sachen Kopfschutz in letzter Zeit mächtig ins Zeug gelegt. Wir haben uns 15 aktuelle Helme aufgesetzt.

Der Kopf ist der wichtigste Muskel beim Klettern. Dieser Spruch ist wahrscheinlich die am meisten strapazierte Aussage, die je zum Thema Klettern gemacht wurde. Und natürlich auch eine der zutreffendsten – wie bestimmt schon jeder am eigenen Leib erfahren hat. Umso wichtiger also, gerade diesen „Muskel“ effektiv zu schützen vor Stein- und Eisschlag, aber auch vor Verletzungen, die durch den Aufprall am Fels beim Stürzen hervorgerufen werden können.

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Diese Aufgabe erfüllt nur ein zertifizierter Kletterhelm. In den letzten Jahren wurde auch bei den Helmen kräftig weiter entwickelt, und mit Mammut und Singing Rock sind auch neue Hersteller auf den Markt gekommen. Wir haben uns deshalb 15 aktuelle Modelle einmal näher angesehen.

Normtest

Aus zwei Metern Höhe fällt ein fünf Kilogramm schweres Metallgewicht beim Normtest direkt von oben auf den Helm. Das muss er aushalten und zudem die Fallenergie so weit abdämpfen, dass auf den Kopf nur noch eine Kraft von zehn Kilonewton einwirkt.

Kommt der Stein aus größerer Höhe, genügt natürlich schon ein wesentlich kleinerer, um denselben Schaden anzurichten. Aus zehn Metern Höhe genügt schon ein ein Kilo schwerer Stein. Daneben sieht die Norm (EN 12492) noch seitliche Aufprallversuche, einen Durchdringungstest sowie Prüfungen der Festigkeit der Gurte und des Sitzes auf dem Kopf vor. Neben dieser verbindlichen Norm gibt es von der UIAA noch eine weitere freiwillige Norm, die eine Krafteinwirkung von nur acht Kilonewton fordert. Die beiden Helme von Camp, der Madillo von Edelrid, die beiden Petzl-Helme, der Tripod von Mammut sowie der Salewa Sargon sind auch nach dieser strengeren Vorschrift zertifiziert.

Je nachdem, wie die Aufprallenergie abgebaut wird, lassen sich die Helme in drei Konstruktionstypen einteilen. Da ist zum einen der klassische Hartschalenhelm. Er besteht, wie der Name schon sagt, aus einer harten, sehr stabilen Schale mit einem darin angebrachten Gurtsystem, das für die Dämpfung sorgt. Das andere Extrem sind die Inmolding-Helme, bei denen das dämpfende Material (Styropor) bei der Herstellung in eine dünne Kunstoffschale eingespritzt wird. Sie funktionieren nach demselben Prinzip wie Autos: Aufprallenergie abgebaut, Auto zerknautscht, Insasse geschützt. Die dritte Kategorie ist die heute am meisten verbreitete. Hybridhelme bestehen aus einer härteren Schale und einem dämpfenden Styroporeinsatz im oberen Bereich des Helmes.

Soweit zur Theorie. Kaufentscheidend sind in der Praxis aber andere Kriterien: Gewicht, Tragekomfort, Belüftung, das Handling der Schnallen und Verstellungen.

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Kopfsache - Was die aktuellen Helme können

Wer wie der Autor dieser Zeilen die Helmentwicklung der letzten 25 Jahre „mitgetragen“ hat, weiß den Komfort moderner Helme zu schätzen. Zugegeben, eine coole Mütze ist schicker und trägt sich immer noch angenehmer, allzuweit davon sind einige der aktuellen Helme aber nicht mehr weg. Neben der Form des Helms und der Polsterung spielt beim Komfort natürlich auch das Gewicht eine entscheidende Rolle. Die knapp 180 Gramm Unterschied zwischen dem schwersten und leichtesten Helm im Feld spürt man einfach.

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KL Wo ist der Helm
Ralph Stöhr
Wo ist der Helm? (Klick aufs Bild öffnet die Großansicht)

Die aktuellen Helme im Überblick

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Was nicht heißt, dass schwerere nicht auch sehr angenehm sitzen können, wie der Altios von Petzl beweist. Gut gepolstert sind auch der Armour von Camp, der Stunt von Cassin oder der Skywalker von Mammut. Der Targa von Edelrid büßt durch die dünnen Kopfpolster einiges an Performance ein. Den fünf Inmolding-Helmen genügen auf Grund des geringeren Gewichts durchweg dünnere Polster, um einen entsprechenden Tragekomfort zu erzielen.

So ein angenehmes Klima wie unter einem Fahrradhelm herrscht unter einem Kletterhelm leider noch nicht ganz, dazu fehlt schlicht der Fahrtwind. Mit modernen Helmen kann man aber dennoch auch in einer Südwand ganz gut einen kühlen Kopf bewahren. Dabei zählt nicht nur die Anzahl und Größe der Lüftungsebenen, sondern auch, wie sich die Luft im Helm verteilt. Ein regelrechtes Kanalsystem findet sich etwa im Terra von Singing Rock. Überhaupt haben die fünf Inmolding-Modelle mit ihrer Vielzahl an Lüftungsöffnungen beim Klima eindeutig die Nase vorn. Aber auch der Altios von Petzl oder der Edelrid Targa zeigen sich gut belüftet. Die meisten der anderen Helme tragen sich ebenfalls recht angenehm, wenn man nicht gerade zehn Stunden im Sommer durch eine Südwand klettert.

Ein guter Tragekomfort und sicherer Halt am Kopf wird nur dann erzielt, wenn der Helm sauber angepasst ist. Alle Hybridmodelle sind mit einem umlaufenden Kopfband ausgestattet, dessen Umfang mit einem Drehrad geregelt wird. Was in der Praxis auch tadellos funktioniert. Bei den Inmolding-Helmen sitzt das Band nur im Bereich des Hinterkopfs. Hier kommt dann zusätzlich noch die individuelle Kopfform ins Spiel. Der Tracer von Black Diamond passt eher auf breitere Köpfe. Der Madillo von Edelrid mit seinem Klappmechanismus neigt bei schmalen Köpfen zum Wackeln. Insgesamt sind alle Helme gut anzupassen. Unterschiede gibt es allerdings beim Handling. Die doppelten Kinnbänder der meisten Modelle lassen sich am Kopf nur schwer festzurren oder lockern, zumal wenn sie noch mit einem Kinnpolster versehen sind. Dass es auch ohne doppelte Kinnbänder geht, zeigen die Helme von Mammut und Petzl. Besonders gut und sicher anpassen lässt sich ein Helm, wenn das Nackenband wie bei den Petzl Helmen oder beim Mammut Tripod in der Höhe verstellbar ist. Die Seitenbänder sollten so eingestellt werden, dass sie nicht über die Ohren laufen. Zudem lässt sich mit ihnen die Lage – vorn, mittig, hinten – auf dem Kopf regulieren.

Fazit:
Ausgiebig probieren ist beim Kauf von Helmen angesagt. Ruhig den Helm im Laden ordentlich anpassen, aufsetzen und dann ein Viertelstündchen den Rest der Waren begutachten und mal von allen Seiten kräftig auf den Helm drücken. Wer in Eis und Schnee unterwegs ist, sollte den Helm auch mit Mütze aufsetzen.

Wer viel und lange mit Helm klettert, kommt in Sachen Komfort nicht an den Inmolding-Modellen vorbei, die aber mit dem Nachteil behaftet sind, dass man sie nicht planlos in den Rucksack stopfen oder sich draufsetzen sollte. Besonders gut gefallen haben uns der Petzl Meteor III, der Black Diamond Tracer, der Grivel Airtech und der Mammut Tripod. Den günstigsten Inmolding-Helm bietet Singing Rock an. Wer lieber einen im Alltagsgebrauch robusteren Helm will, der greift zu einem Hybridmodell. Der Armour von Camp verdient in dieser Kategorie einen Preistipp.

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Kopfsache - Aufs Detail geschaut

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Schnallenlos

Der Cosmic von Camp kommt ohne Verschlussschnalle aus. Seitlich am Helm sitzt ein Drehrad, mit dem das gesamte Gurtsystem festgezogen oder gelockert wird. Einmal richtig angepasst funktioniert das System problemlos. Zum Aufsetzen des Helms legt man am besten zuerst das Kinnband unter das Kinn und schiebt dann den Helm von vorn über den Kopf.

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Kl Madillo 1
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Faltbar

Etwas Übung bedarf es, um den Faltmechanismus des Madillo von Edelrid zu bedienen. Dabei sollte man nicht zu kraftvoll vorgehen, sonst zieht man die Seitenteile aus der Führung heraus. Die Größenanpassung erfolgt durch Vorschieben des hinteren Teils in vorgegebenen Rasten. So luftig es auch wäre, der Helm darf natürlich nicht mit hochgeschobenen Seitenteilen verwendet werden.

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Detailreich

Petzl hat beim Altios einige nützliche Details eingebaut: Das Nackenband mit dem Drehrad ist höhenverstellbar, das Kinnband nur einfach durch die Schnalle geschlauft. Das Meshpolster kann ebenso wie das Polster am Stirnband zur Reinigung entfernt werden. Bei tiefen Temperaturen können die Lüftungsschlitze mit Schaumstoffpads von innen abgedeckt werden.

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Schutzbedürftig

Konstruktionsbedingt bieten Inmolding-Helme mehr Seitenaufprallschutz. Ihre steife Schale steht auch im Bereich der Ohren deutlich über, während die flexible Schale der Hybridhelme gerade in diesem Bereich leicht zusammengedrückt werden kann und so im Falle eines Anpralls Ohren oder Wange schneller unliebsam mit dem Fels in Kontakt kommen können.

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