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Test: Acht Sicherungsgeräte

Bremskraftverstärker

Ob Halle, Klettergarten oder Gebirge: Im Fall des Falles bremst ein Sicherungsgerät den Sturz. Wir zeigen, was die neuesten Modelle sonst noch können.

Runter kommen sie immer, weiß der Volksmund. Beim Klettern kommt es nun darauf an, dass das Runterkommen möglichst sicher geschieht. Ob Stürzen, Ablassen oder Abseilen: Ohne die geeignete Sicherungsmethode geht gar nichts. Inzwischen hängen an den meisten Klettergurten spezielle Sicherungsgeräte. Eine Umfrage auf unserer Homepage hat übrigens ergeben, dass es sich dabei zu fast zwei Dritteln um sogenannte Tubes handelt.

Die auf der letzten outdoor-Messe vorgestellten neuen Sicherungsgeräte kommen nun in die Läden. Wir haben sechs neue Tubes sowie einen neuen und einen überarbeiteten Halbautomaten unter die Lupe genommen und in fast allen Lebenslagen getestet. Wichtig war uns dabei vor allem die sichere Bedienung und das komfortable Handling der Probanden. Was die sichere Bedienung angeht, ist festzuhalten, dass mit steigender Komplexität der Geräte auch die potenziellen Fehlermöglichkeiten zunehmen.

Von simpel bis komplex

Insofern ist das neue ATC Sport von Black Diamond ein interessanter Ansatz: Wer mit der Einschränkung leben kann, dass das Gerät eben nur mit Einfachseil funktioniert (wie auch die meisten Halbautomaten), erhält ein unkompliziertes Sicherungsgerät fürs Sportklettern oder die Halle.

Das andere Ende der Skala stellen aufwendige Tubes wie das Toucan von Simond oder Halbautomaten wie das neue Zap-o-Mat von Edelrid dar. Wiewohl nicht wirklich schwierig zu bedienen, weisen sie eben doch Möglichkeiten auf, das Seil falsch einzulegen (Zap-o-Mat) oder das Gerät an der falschen Aluöse aufzuhängen (Toucan). So gilt bei allen Geräten weiterhin, dass der richtige Umgang damit erlernt und beherrscht werden will. Partnerkontrolle und ein Funktionscheck vor dem Losklettern sind nach wie vor sinnvoll und erhöhen die Sicherheit. Auf der anderen Seite bietet ein Toucan eben auch sehr vielfältige Anwendungsmöglichkeiten, die vor allem beim alpinen Klettern zum Tragen kommen.

Gedanken über die Sicherheit des eigenen Tubes haben sich sicher schon viele gemacht, wenn das Gerät nach längerem Gebrauch starke Verschleißerscheinugen zeigt und die Kanten, an denen das Seil vorbeiläuft, langsam scharf werden. Wir haben dazu bei Österreichs Sicherheitsspezialisten Michael Larcher (von der Zeitschrift „bergundsteigen“) nachgefragt, der den Verschleiß so beurteilt: „Ja, die Alutubes werden abgeschliffen, aber das Risiko eines Seilrisses oder einer ernsthaften Seilbeschädigung besteht nicht. Bei starken Abnützungserscheinungen und Bildung von Graten und Kanten aufgrund der Seilreibung müssen die Geräte aber aussortiert werden.“

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Die Besten im Test

Drei der gestesten Geräte haben die klettern-Empfehlung bekommen. Bei den Tubes ist das zum einen das Simond-Toucan, das dem alpinen Spezialisten viele taugliche Funktionen bereitstellt. Ebenfalls sehr empfehlenswert finden wir das ATC Sport von Black Diamond, das durch einfache Bedienung überzeugt. Bei den zwei Halbautomaten geht eine Empfehlung an das Cinch von Trango, bei dem der große Schwachpunkt der Ursprungsversion (der zu unsensible Ablasshebel) inzwischen korrigiert wurde. Einen Preistipp verdient sich das Mammut Fuse, das kleinste und leichteste Gerät im Feld.

Weiterlesen:

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Sicherheit

Camp Lotus

KL Camp Lotus
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr

Ob hier wohl die geöffnete Lotusblüte bei der Namensgebung Pate stand? Ganz schwach erinnert das recht große Lotus von vorn vielleicht daran. Ansonsten ist das Lotus eigentlich normal: In der Standardstellung erhöht die Zahnung oben und unten die Bremswirkung spürbar, das Camp bremst in dieser Stellung am stärksten von den hier gezeigten Tubes. Auch anders herum eingelegt bremst es, wenn auch weniger. Im Handling überzeugt das Lotus vor allem bei Halb- und Zwillingsseilen, die angenehm leicht durchs Gerät flutschen. Einfachseile neigen eher mal zum Klemmen beim Ausgeben.

Vorteile:

Gute Bremswirkung; Ablassen gleichmäßig; falsches Seileinlegen nicht möglich; Handling mit dünnen Seilen gut.

Nachteile:

Handling mit Einfachseil nicht immer optimal.

Gewicht: 104 Gramm
Preis: 15,50 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Kong Ghost

KL Kong Ghost
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr

Das Ghost ist ein Tube mit zusätzlicher Plate-Funktion. Statt einer Drahtschlaufe hat es eine massive Metallöse zur Befestigung am Karabiner. Im Seilhandling ist das Ghost nicht optimal, sowohl Einfach- als auch Halbseile sind nur mit Mühe schnell auszugeben. Dafür lässt sich das Seil in der Plate-Stellung leicht durchziehen und blockiert selbständig, sollten der oder die Nachsteiger stürzen. Stürzt ein Nachsteiger und blockiert dessen Strang, kann der andere weiter eingeholt werden. Als Besonderheit preist Kong die Möglichkeit, das Ghost zum Lastennachholen einzusetzen.

Vorteile:

Vielseitige Anwendungsmöglichkeiten; leicht und klein; sehr gut beim Nachsichern.

Nachteile:

Seilhandling nicht immer optimal.

Gewicht: 68 Gramm
Preis: 19,50 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Simond Toucan

Kle_Empfehlung
KL Simond Toucan
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr

Wie das Ghost von Kong ist
auch das Toucan ein sehr vielseitiges Gerät, das mit seiner Plate-Funktion für den alpinen Einsatz taugt. Das Seilhandling beim Vorstiegssichern
ist tadellos, die Bremswirkung im Sturzfall etwas höher als beim Ghost. Das Einziehen beim Nachsichern am Stand ist etwas anstrengender. Auch mit dem Toucan lassen sich zwei Nachsteiger problemlos nachsichern, stürzt einer und blockiert sein Strang, lässt sich der andere weitersichern. Sind beide Stränge blockiert, kann die Blockade durch Zug an der großen Aluöse jederzeit wieder
gelöst werden.

Vorteile:

Sehr vielseitig; gute Bremswirkung; Blockierung bei Nachstiegssturz kann aufgehoben werden.

Nachteile:

Etwas sperrig; falsches Einhängen an der großen Aluöse möglich!

Gewicht: 110 Gramm
Preis: 32,00 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

DMM V-Twin

KL DMM V-Twin
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr

Die Macher von DMM in Wales versprechen sich und uns dadurch eine wesentlich höhere Abriebfestigkeit des Geräts, das glauben wir gerne. Das etwas kantig wirkende V-Twin ist klein und daher trotz stählerner Festigkeit noch recht leicht. Die Funktion gibt keine Rätsel auf, die Zähne gehören beim Sichern nach unten. Die Bremskraft ist gut, das Seilhandling macht mit allen Arten von Seilen keine Schwierigkeiten.

Vorteile:

Gutes Handling mit allen Seiltypen; Ausführung in Stahl verringert Verschleiß des Geräts.

Nachteile:

Etwas kantige Konstruktion.

Gewicht: 86 Gramm
Preis: 20,00 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Black Diamond ATC Sport

Kle_Empfehlung
KL Black Diamond ATC Sport
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr
Einfach und funktional: Das ATC Sport.

Wie seine größeren Schwestern hat das ATC Sport zur Bremskraftverstärkung eine V-förmige, gezahnte Seilführung an der Unterseite des Geräts. Im Gegensatz zu seinen Geschwistern ist die neue Sport-Ausführung aber nur für die Benutzung mit einem Einfachseil geeignet. Das spart Gewicht und macht außerdem die Bedienung des Geräts noch simpler. So zielt das ATC Sport sicher nicht nur auf den versierten Sportkletterer, sondern vor allem auch auf Hallenkletterer und Einsteiger.

Vorteile:

Einfacher Aufbau, simple Bedienung; sehr leicht und klein; Seilhandling sehr gut.

Nachteile:

Ausschließliche Eignung für Einfachseile beschränkt den Einsatzbereich.

Gewicht: 58 Gramm
Preis: 17,99 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Mammut Fuse

Kle_Preistipp
KL Mammut Fuse
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr
Klein, leicht und günstig: Das Fuse von Mammut.

Die zwei verschieden dicken Enden erlauben zwei unterschiedliche Bremswirkungen, je nachdem, wie herum man das Seil einlegt. Die Standardstellung (das dicke Ende oben) ergibt die höhere Bremswirkung. Das Seilausgeben ist mit dem Einfachseil völlig unproblematisch, beim Halbseil neigt das Fuse beim schnellen Ausgeben aber schon mal zum ungewollten Blockieren. Beim Ablassen und Abseilen ruckelt es ebenfalls gerne ein wenig.

Vorteile:

Sehr klein und leicht; einfache Bedienung; gutes Handling mit Einfachseil.

Nachteile:

Ruckelt etwas beim Ablassen; Ausgeben von zwei Seilen nicht optimal.

Gewicht: 40 Gramm
Preis: 15,00 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Edelrid Zap-O-Mat

KL Edelrid Zap-O-Mat
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr
Anwärter für den coolsten Namen: der Zap-O-Mat von Edelrid.

Ein längs verschiebbarer Bolzen klemmt bei Belastung das Seil ein. Damit das beim normalen Seilausgeben nicht passiert, muss der Bolzen den Widerstand einer Feder überwinden, ehe er klemmt. Im Gegensatz zum Tre ist der Zap-O-Mat nur für Einfachseile ausgelegt. Er hat außerdem zum Einhängen eine senkrecht stehende Öse und hängt damit nicht so schief am Gurt wie das Tre. Zum Seileinlegen wird ein Verschlussbolzen entriegelt und das Gerät aufgeklappt. Das Handling des Zap-O-Mat ist unkompliziert, sichern und ablassen klappte mit unserem Prototypen einwandfrei. Sehr gut: Mit dem grünen Knopf lässt sich die Federkraft verstellen, das Seil blockiert so auch beim schnellen Seilausgeben nicht. In der Serienfertigung wird der Zap-O-Mat unten mit einem kleinen Schutzblech versehen sein, das ein falsches Seileinlegen von unten verhindert (was die schlimmste Fehlbedienung wäre). Sollte das Seil doch einmal von unten eingelegt sein, bricht zur Sicherheit der genannte Verschlussbolzen schon beim Seilausgeben.

Vorteile:

Gutes Handling, verstellbare Federkraft; Vertauschen der Seilstränge führt nicht zum völligen Funktionsverlust.

Nachteile:

Etwas sperrig; nur Sichern am Körper möglich.

Gewicht: 158 Gramm
Preis: 69,00 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Empfehlung: Trango Cinch

Kle_Empfehlung
KL Trango Cinch
Volker Leuchsner, Ralph Stöhr
Die Kinderkrankheiten sind auskuriert beim Cinch von Trango.

Der sehr kleine und handliche Grigri-Konkurrent funktioniert ohne Feder und klemmt sehr leicht und zuverlässig – solange das Seil richtig herum eingelegt ist (Funktionscheck vor dem Losklettern!). Das ist eigentlich nicht schwierig, aber eben eine potenzielle Fehlerquelle.
Ansonsten lässt sich mit dem Cinch auf verschiedene Weisen unter Einhaltung des Bremshandprinzips das Seil komfortabel ausgeben. Im Gegensatz zur Ursprungsversion wurde das Cinch an einigen Stellen weiter verfeinert: Der Ablasshebel ist jetzt etwas länger und aus härterem Kunststoff. Er lässt sich damit wesentlich feinfühliger bedienen. Außerdem hat das Cinch inzwischen den CE-Norm-Stempel.

Vorteile:

Sehr gute Bedienbarkeit; guter Klemmmechanismus; für Seile ab 9,4 mm.

Nachteile:

Nur zum Sichern am Körper geeignet; falsches Einlegen des Seils führt zum Funktionsverlust.

Gewicht: 188 Gramm
Preis: 74,00 Euro

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

Die Alten Bekannnten: Grigri, Eddy und SUM

Das Petzl Grigri

KL Petzl Grigri
Redaktion klettern

Das Grigri ist der Veteran unter den Halbautomaten und hat diese Geräteklasse im Sportklettern etabliert. Die Bedienung ist im Grunde einfach, Seilausgeben mit der Bremshand am Seil ist möglich. Eine Ausführung für sehr dünne Einfachseile steht derzeit noch aus.

Das Eddy von Edelrid

KL Edelrid Eddy
Redaktion klettern

Das Eddy funktioniert ähnlich wie das Grigri, bietet aber an einer Stelle mehr Sicherheit: Zieht man bei zu schnellem Ablassen den Hebel reflexartig vollends durch, führt das Eddy quasi eine Notbremsung durch. Die Blockiervorrichtung funktioniert also in beiden Endstellungen des Hebels.

Das Sum von Faders

KL Faders Sum
Redaktion klettern

Das Sum gehörte ebenfalls zu den neuen Halbautomaten, die wir in Ausgabe 3/2006 vostellten. Es ist neben dem Eddy das einzige, das auch für extrem dünne Einfachseile (ab 9,1 Millimeter Durchmesser) zulässig ist. Seit 2006 wurden kleinere Verbesserungen am Werkstoff vorgenommen, um den Seilabrieb zu verringern.

Die Vor- und Nachteile der gängigen Sicherungsmethoden im Überblick

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