KL Kletterschuh Toehook Harald Schellander

19 neue Kletterschuhe im Test

Auf heißen Sohlen

Die neuen Modelle der Saison im Praxistest: Wir haben die neuesten Kletterschuhe ausführlich geklettert und gebouldert.

Puh, Mensch, wo sind denn hier die Tritte? Der erste richtige Kontakt mit fränkischem Fels im Jahr 2008 ist ernüchternd: Dass die bunten Hallenknödel zum Draufstehen hier fehlen, wussten wir ja schon. Aber dass der Fels in manchen harten Passagen so trittarm ist, daran muss man sich erst mal wieder gewöhnen. Hier muss der Schuh wirklich allerlei Mikroleisten und -knubbel abkönnen. Doch das Schöne ist: Viele können das tatsächlich.

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Dass wir auf millmeterbreiten Käntchen selbst im überhängenden Gelände noch Druck ausübend stehen, ist ein Wunder der Technik. Und ich meine nicht nur unsere berauschende Klettertechnik. Sondern auch die der Kletterschuhhersteller. Auch 2008 kommt wieder eine Vielzahl dieser Wunderschuhe neu auf den Markt, und wie jedes Frühjahr haben wir sie ausführlich drinnen und draußen probegebouldert und -geklettert. Nicht alle davon sind echte Wunder, aber etliche sehr interessante Schuhe sind wieder einmal dabei.

Zum Test traten 19 verschiedene Modelle von elf Herstellern an. Darunter ist so ziemlich alles, was neu ist. Leider nicht mehr rechtzeitig eingetroffen ist das Topmodell Feroce von Scarpa, an dem der italienische Fabrikant noch einige Verbesserungen in letzter Minute vornehmen wollte. Ebenfalls nicht mehr aufnehmen konnten wir den Russian, einen preiswerten Schnürschuh von Garra mit Vibramsohle.

Generell in Mode ist der Klettverschluss, auch Velcro-Verschluss genannt. Dreizehn der getesteten Modelle verfügen über diese komfortable Möglichkeit, den Schuh schnell an- und auszuziehen. Sechs Modelle sind Schnürschuhe, wobei der Boreal Falcon etwas aus der Reihe fällt: Bei ihm zeigt die Schnürung relativ wenig Wirkung, der Fuß steckt aber auch so vorne fest im Schuh. Bei den anderen reicht die Schnürung meist relativ weit nach vorn und erlaubt die Anpassung an die Fußform.

Schnürschuhe werden ja gerne zwei Extremen zugesprochen: Einerseits sollen sie die Einsteiger beglücken, andererseits die ganz extremen Kletterer, die ersteren mit Komfort, letztere mit Präzision.

Die neuesten Kletterschuh-Modelle

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Gewisse Zweifel sind aber angebracht, jedenfalls haben wir noch keinen Schnürschuh im Einsteigerbereich gesehen, der durch die Schnürung wesentlich komfortabler wurde. Hier spielt eher die Leistenform und Schuhbreite in der Spitze eine Rolle. Und auch im Topbereich setzen sich zunehmend Velcroverschlüsse durch. Der Miura VS von La Sportiva zeigt, dass auch so hohe Präzision erzielbar ist, und je enger der Schuh sitzt, desto froher ist man, ihn nach einer schweren Seillänge oder einem harten Boulder schnell vom Fuß zu bekommen.

Ein gewisser Widerspruch zwischen Komfort und Performance bleibt auch mit der neuen Generation der Kletterschuhe erhalten. Starke Vorspannung und asymmetrische Leisten führen einfach nur bedingt zu Bequemlichkeit, und wer mit dem Jet7 auf kleinsten Leistchen stehen will, muss einiges an Druck auf die aufgestellten Zehen aushalten. Bei Schuhen wie dem Millet Dulac Pro oder dem Zerocks von Rock Pillars fällt im Neuzustand das Hineinschlüpfen sogar richtig schwer – sie erweisen sich nach kurzer Einkletterphase aber eben als besonders aggressiv und präzise.

Zu den interessantesten Neuigkeiten im Testfeld gehören sicher der Jet7 von Five Ten und der Miura VS von La Sportiva. Beide holen sich mit souveräner Performance eine klettern-Empfehlung, wobei der Miura die verträglichere Passform aufweist und der Jet7 den besseren Boulderschuh abgibt. Der Millet Dulac Pro landet nur knapp hinter den beiden.
Ebenfalls sehr empfehlenswert, wenngleich weniger extrem ausgelegt, ist der Sol von Boreal, der mit schmalem Schnitt auf Damenfüße zielt. Red Chilis Spirit Lady spielt in einer ähnlichen Klasse, ist aber etwas mehr auf Komfort als auf Performance getrimmt.

Erfreulich ist, dass es auch in den unteren Preiskategorien schon richtig gute Schuhe gibt. Insbesondere der Zerocks von Rock Pillars überrascht hier mit sehr präzisem Antritt, aber auch der etwas gemütlichere Lambada von Triop erweist sich als absolut brauchbarer Allrounder. Beide haben sich damit einen Preistipp verdient.

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KL Kletterschuh Millet D.Dulac Pro
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Neue Detail-Lösungen und alte Funktionen

Second-Hand-Gummi: Nein, die Sohle des Five Ten Jet7 ist nicht gebraucht, sondern besteht aus fabrikneuem Five Ten Stealth Rubber – mit exzellenter Reibung übrigens. Aber die Beflockung der Zehenkappe wird aus den Gummiresten der Sohlenherstellung fabriziert. „Green Rubber“ nennt Five Ten das eigentlich schwarze Produkt, das beim Jet7 dafür sorgt, dass auch Toehooks perfekten Halt finden. Nicht nur beim Bouldern ein echter Vorteil, allerdings wird‘s in der Sonne ziemlich warm.

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KL Five Ten Jet7 Detail
Redaktion klettern
Toe-Hooks sind hilfreich - Five Ten hat sich darum gekümmert und auch die Zehenkappe gummiert.

Ende gut, alles gut

KL Scarpa Techno Detailansicht
Redaktion klettern
Der Vorteil dieser Lösung: Bei offener Schnürung wird auch der Zug um die Ferse gelockert.

Auf kleinen Tritten braucht man nicht nur eine präzise Schuhspitze. Auch die Ferse muss passen, damit der Druck optimal übertragen wird. Und gerade beim Hooken darf die Ferse soll nicht aus dem Schuh rutschen. Meist wird dies durch ein Gummiband erreicht, das von der Schuhmitte um die Ferse gezogen wird und auf die Achillessehne drücken kann. Bei Scarpas Techno hält durch die Schnürung gestrafftes Textilband den Schuh und ermöglicht ein flexibles Einstellen.

Den Fels begreifen

KL Boreal Falcon Detailansicht
Redaktion klettern

Boreal will beim Falcon das Greifen mit den Zehen ermöglichen. Dazu verzichten die Spanier auf die Zwischensohle und schleifen auch die eigentliche Sohle so, dass sie hinter den Zehen etwas dünner wird. Das Konzept funktioniert im Prinzip, ist aber gewöhnungsbedürftig. Scharfkantige, größere Tritte sind deutlich zu spüren, auf kleinen Kanten gibt der Falcon wenig Halt. Wer aber in steilem Sintergelände unterwegs ist, erlebt ganz neue Möglichkeiten der Beinarbeit.

Form und Funktion

Die wichtigsten Begriffe im Kletterschuhland:

Leisten: Etwas vereinfacht kann man zwischen geraden und asymmetrischen Leisten unterscheiden. Gerade Leisten kommen vorwiegend in Einsteiger- und Allroundschuhen zum Einsatz, weil sie meist komfortabler sind. Die asymmetrischen Leisten bringen aber beim Klettern den Druck besser auf den großen Zeh, auch zum Antreten in Löchern haben sie Vorteile.

Vorspannung: Bei fast allen Modellen wird der Fuß von einem Gummiband nach vorne gedrückt. Je extremer der Einsatzbereich, desto kürzer sind diese Gummis. Die Stehqualität des Schuhs erhöht sich dadurch meist, der Komfort allerdings nicht.

Downturn: Bei den extremen Boulder- und Kletterschuhen zeigen die Zehen anfangs leicht nach unten. Dies ist sinnvoll, um auch in Überhängen druckvoll antreten zu können. Manche Hersteller gehen soweit, dass sie den Downturn auch nutzen, um die Zehen in eine natürlichere, gestreckte Lage im Schuh zu bringen.

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