KL Rucksacktest TEaser Jack Geldard

Alpin-Rucksäcke im Test

Auf die leichte Schulter

Alpinrucksäcke müssen vieles können. Wir haben 13 Modelle der Königsklasse um die 35 Liter getestet.

Früher gab es den Kletterrucksack. Das war‘s. Heute gibt es den Sportkletter-Tornis­ter, das Hallentäschchen, den Boulderbag und den Alpinrucksack. Während ersterer durch gute Bedienbarkeit und weniger durch Tragekomfort glänzen sollte, muss das Indoor-Interieur ja nicht hinauf nach Céüse gebuckelt werden, sondern höchstens von der Halle ins Café. Die Bouldertasche wiederum muss sich zuallerst mit dem Crashpad vertragen...

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Jack Geldard
Bei längeren Zustiegen zeigt sich die Qualität des Rucksacks.

13 Rucksäcke haben wir für euch ausgewählt, elf davon sind alpine Allrounder, welche die oben genannten Kriterien mehr oder weniger erfüllen und sich für Felswände, Eisfälle und Hochtouren eignen. Zwei fallen ziemlich aus dem Rahmen. Aber da die Ausdifferenzierung bei Rucksäcken ohnehin rasant voranschreitet, wollen wir euch diese Spezialisten – ein ultraleichter „Summit Pack“ und ein Rucksack-Haulbag-Zwitter – nicht vorenthalten. Das Volumen haben wir zwischen 32 und 40 Litern angesiedelt – der Größe, die man normalerweise für eine reine Fels-Eintagestour im Hochgebirge braucht, samt Hüttenschlafsack und Zahnbürste oder Bi­wakzeugs.

Einige der Modelle werden auch mit anderem Volumen angeboten. Von Deuter gibt es zusätzlich zwei separate Frauenmodelle, The North Face, Exped, Mountain Hardwear, Osprey und Black Diamond bieten ihre Rucksäcke in drei Rückenlängen an – eine wichtige Sache, bleibt nur die Frage, ob es alle Längen in die Läden schaffen.

Ein bunter Haufen

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Jack Geldard
Bei einer Stunde bergauf durchs weglose Gelände erkennt man die Schwachstellen des Tragesystems.

13 Rucksäcke haben wir für euch ausgewählt, elf davon sind alpine Allrounder, welche die oben genannten Kriterien mehr oder weniger erfüllen und sich für Felswände, Eisfälle und Hochtouren eignen. Zwei fallen ziemlich aus dem Rahmen. Aber da die Ausdifferenzierung bei Rucksäcken ohnehin rasant voranschreitet, wollen wir euch diese Spezialisten – ein ultraleichter „Summit Pack“ und ein Rucksack-Haulbag-Zwitter – nicht vorenthalten. Das Volumen haben wir zwischen 32 und 40 Litern angesiedelt – der Größe, die man normalerweise für eine reine Fels-Eintagestour im Hochgebirge braucht, samt Hüttenschlafsack und Zahnbürste oder Bi­wakzeugs.

Einige der Modelle werden auch mit anderem Volumen angeboten. Von Deuter gibt es zusätzlich zwei separate Frauenmodelle, The North Face, Exped, Mountain Hardwear, Osprey und Black Diamond bieten ihre Rucksäcke in drei Rückenlängen an – eine wichtige Sache, bleibt nur die Frage, ob es alle Längen in die Läden schaffen.

Was wirklich zählt

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Jack Geldard
Kletterpassagen sollten auch mit Rucksack zu bewältigen sein.

Der Rucksack muss zum Rücken passen. Sonst funktioniert die Übertragung der Hauptlast von den Schultergurten auf die Hüftflosse nicht optimal, und beim Klettern bleibt der Lastträger ein Fremdkörper. Eine gewisse vertikale Versteifung des Rucksacks durch Alu-Stangen, eine Kunststoffplatte oder zumindest durch einen steifen Schaumstoff ist dafür notwendig. Für den Tragekomfort ist zudem entscheidend, dass die Lastübertragung nach unten vom Rucksackkorpus auf die Hüftflossen fortgesetzt wird, damit das Hauptgewicht wirklich auf dem Hüftknochen sitzt. Dazu sollten die Flossen eine gewisse Steifigkeit insbesondere am Ansatz haben, denn nur so werden die Schultern entlastet. Drittes Komfortkriterium ist die Luftventilation entlang des Rückens. Damit bei sonnigen, schweißtreibenden Hüttenanstiegen keine Flutkatastrophe entsteht.
Fürs Klettern wiederum sollte der Rucksack möglichst viel Rumpf- und Armfreiheit, Nacken und Kopf- sowie Hüft- und Beinfreiheit gewähren. Wichtig ist die Konturierung der Schulterträger. Sie dürfen nicht zu weit außen sitzen. Dazu sollte der Rucksack möglichst reibungslos mit den Bewegungen des Oberkörpers mitgehen und der Schwerpunkt möglichst nah am Rücken liegen. Damit dies selbst in Überhängen so ist und damit nicht die Gefahr einer „Unwucht“ bei schwungartigen Körperbewegungen besteht, halten Brust- und Hüftgurt den Rucksack in Position.

Testfaktoren

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Marokko: ein Traumziel für Kletterer und Wanderer.

Exped hat die Schulterträger beim Mountain Pro an der Unterseite weiter hinten angenäht, wodurch der Rucksack auch ohne Hüftgurt am Rücken bleiben soll, wenn‘s richtig steil wird. Es funktioniert tatsächlich gut! Trotzdem empfehlen wir, einen zusätzlichen Gurt mit Schnalle zu kaufen und diesen während des Kletterns zu verwenden, um ungewollte Schwingkräfte auszuschließen. Für alle anderen Modelle außer denen von Mammut, Black Diamond und Camp würden wir dies übrigens auch empfehlen.
Ein gutes Handling ist die dritte Qualitätssäule. Wieviel man an Halterungen, Fächern, Taschen, Gurten und Verschlüssen benötigt, hängt vom Einsatz ab, ist ein Stück weit aber auch Geschmackssache. Die Handling-Wertung bezieht sich daher auf die Menge der Ausstattung, vor allem aber auf die Bedien­barkeit der vorhandenen Befestigungen und Regulierungen.

Resümee und Empfehlungen

Empfehlungen vergeben wir an drei Rucksäcke. Entscheidend war für uns vor allem ein in sich stimmiges Konzept und ein ausgewogenes Abschneiden bei den genannten Kriterien. Gewicht, Preis und das tatsächlich von uns gemessene Volumen haben wir nicht extra miteinfließen lassen. Da seht ihr ja selbst, was euch erwartet (siehe Einzeltests, oben rechts).

Der Black Diamond Epic 35 steht für die Zukunft: ein neuartiges Tragesystem, das einen sehr guten Eindruck hinterließ, kombiniert mit einem schlichten, robusten Korpus, der nur ein paar Schwächen bei den Halterungen vorweist. Für den konventionellen Kraxler, der Komfort, lange Lebensdauer und tadellose Bedienung erwartet, ist nach wie vor der Deuter Guide 35+ erste Wahl. Für Tüftler und alpine Perfektionisten ist der Mountain Pro 40 von Exped das Richtige. Der Preistipp schließlich geht an den Ascent 35 von Marmot. Weil er ein preisgünstiges, in sich stimmiges Paket ist – nicht für den normalen alpinen Einsatz, aber für Leute, die gerne mal mit Anhang klettern und noch einen trendigen „Kurierrucksack“ für Halle und Stadt brauchen können.

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Problemzonen, mögliche Lösungen und Testparameter

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Ganz schön eng: Hüftflosse versus Kletterausrüstung.

Einerseits soll die Last größtenteils auf den Hüftknochen sitzen, andererseits dürfen diese nicht großflächig von einer fett gepolsterten Hüftflosse umschmeichelt werden. Denn ist man mit Seil und Haken unterwegs, muss der problemlose Zugriff auf Karabiner, und Keile möglich sein. Um dies zu gewährleisten, gibt es mehrere Möglichkeiten:

a) der Hüftgurt besteht nur aus einer schmalen Hüftflosse oder einem Gurtband, das den Klettergurt nicht abdeckt und freien Zugriff auf die Materialschlaufen bietet.
b) die Hüftflosse lässt sich am Einstieg abnehmen und bei Bedarf in steiler Wand durch ein Gurtband ersetzen.
c) Hüftflosse und/oder Schulterträger des Rucksacks bieten ausreichend Materialschlaufen, so dass die Notwendigkeit eines Zugriffs auf die Materialschlaufen des Klettergurts entfällt.

Alle drei Methoden haben ihre Vor- und Nachteile: Bei Methode a) leidet in aller Regel der Tragekomfort deutlich, da die Lastübertragung auf die Hüfte nur bedingt funktioniert, und eine spartanische Gurtlösung auch ins Fleisch schneiden kann. Bei Methode b) besteht die Schwierigkeit darin, eine unkomplizierte, leicht zu lösende und zu schließende Befestigung der Polster zu bewerkstelligen, die aber trotzdem die Last auf die Hüftknochen bringt.

Mammut ist der einzige Hersteller, der ein simpel einzuklippendes Gurtband für den Klettereinsatz mitliefert. Bei Black Diamond und Camp wird die Hüftflosse dagegen nur von der darunter liegenden Gurtkonstruktion gelöst, das Gurtband bleibt an Ort und Stelle im Einsatz. Beim Rucksack von Camp leidet dadurch die Lastübetragung auf die Flosse aber deutlich. Und bei allen drei Modellen ist das mehr oder weniger pfriemelige Anbringen respektive Entfernen der Flossen ziemlich nervig.

Lösung c) schließlich funktioniert im alpinen Fels nur selten. Zwar statten immer mehr Rucksack-Hersteller ihre Alpinmodelle mit Materialschlaufe(n) aus, doch genügen nicht einmal zwei, um alle Expressschlingen, Keile, Friends, Schraubkarabiner und vielleicht auch noch Eisschrauben unterzubringen.
Die optimale Lösung für den Metalltransport im alpinen Fels gibt es also noch nicht. Entscheidend ist jedoch, dass der Rucksack überhaupt irgendeine Möglichkeit bietet, alle Eisenwaren zu bedienen. Bei einer fest angenähten, breiten Hüftflosse ohne genügend Schlaufen ist dies nicht der Fall.

Info: So haben wir bewertet

Das Feld der 13 Rucksäcke reicht vom spartanisch ausgestattetenen Superleicht-Modell bis zum über dreimal so schweren, aber dafür äußerst robusten Langzeitbegleiter. Die Geschmäcker sind verschieden, jeder Kletterer hat andere Prioritäten. Wichtig ist aber, dass das Konzept in sich schlüssig ist.

Unsere Empfehlungen und Tipps basieren auf diesem Gesamteindruck, der sich vorrangig in drei Kriterien untergliedern lässt:

Klettern
Wichtig ist ein flacher, schlanker Schnitt, der die Bewegungsfreiheit von Kopf und Körper nicht einschränkt. Auch die Arme sollten von den Schulterträgern nicht behindert werden, und die Rücken-/Tragekonstruktion sollte den Rumpf nicht einschränken. Außerdem müssen die Materialschlaufen des Klettergurts irgendwie zugänglich sein.

Tragekomfort
Hier zählt vor allem die Lastübertragung auf die Hüfte sowie die Konturierung der Polster. Schließlich möchte man möglichst komfortabel zum Einstieg gelangen.

Handling
Hierunter fällt die Ausstattung mit Befestigungsmöglichkeiten, Verschlüssen und Taschen. Doch nicht die Quantität, sondern die Qualität gibt hier den Ausschlag. Auch das Abnehmen und Wiederanbringen der Hüftflossen zählt.

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