Klettern und Schwangerschaft

"Kann ich schwanger klettern?"

In diesem Bericht schildert die Kletterin Heike, wie sie während ihrer Schwangerschaft mit ihrem liebsten Sport - dem Klettern - umgegangen ist. Heike lebt in Großbritannien.

Mit freundlicher Erlaubnis von UKClimbing.com

Manche Fragen beschäftigen Kletterer immer wieder. Wie eng müssen Kletterschuhe sein, wann fahre ich am besten wohin, und gibt es in Rumänien gute Klettergebiete - all dies sind durchaus berechtigte Fragen. Doch dann gibt es noch eine Frage, die besonders weibliche Kletterer interessieren dürfte: "Kann ich schwanger klettern?"

Nachdem ich dies gerade erlebt habe, dachte ich, teile ich meine Erfahrungen mit. Vorweg: Ich bin kein Arzt und hier gibt es keine medizinischen Tipps, nur meine Meinung und Gefühle. Vermutlich wird jeder andere Erfahrungen machen, aber dennoch wird jeder das Beste für sich und das Kind wollen. Daher sollte jeder sich selbst informieren, medizinischen und sonstigen Rat einholen, und eine eigene Entscheidung treffen.

Heike nutzt den Winter in Schottland am Beinn Eighe in der achten Schwangerschaftswoche.

Würde ich noch klettern können?

Anfang November fand ich heraus, dass ich schwanger war. Natürlich war ich sehr aufgeregt, aber gleichzeitig war ich etwas traurig, weil Klettern mein Leben ist. Würde ich noch klettern können? Würde ich mich so schrecklich fühlen, dass ich nicht mehr klettern könnte? Würde ich noch rauskommen, nachdem mein Baby geboren war?

Der erste Schritt war, den Alkohol dranzugeben, ohne dass die üblichen Verdächtigen dies merkten. Glücklicherweise hat mein Mann und Langzeit-Kletterpartner auch den Alkohol aufgegeben, mit der Begründung, dass er vor dem Thailand-Urlaub über Weihnachten fit werden wollte. Das war also kein Problem. Ich hatte das Glück, in keiner Phase an Schwangerschaftsübelkeit zu leiden, so dass es anfangs kaum einen Unterschied gab - obwohl ich mich müder fühlte als normalerweise. Gute Bedingungen zu Beginn des Winters erlaubten mir, in der achten Schwangerschaftswoche noch eine meiner Traumrouten zu klettern: Central Buttress am Beinn Eighe. Der gute Winter ermöglichte es mir, noch ein paar Klassiker in Schottland abzuhaken, wie North Buttress am Buachaille Etive Mor oder Stirling Bomber in Invernesshire.

Sportklettern in Thailand in der zwölften Schwangerschaftswoche.

Emotionale Achterbahn

Über Weihnachten und Neujahr waren wir mit Freunden in Thailand. Beim ersten Abendessen verkündete ich, dass ich schwanger sei. Alle dachten, es sei ein Witz! Vor der Reise hatte ich mir Sorgen gemacht, ob ich in dem schrecklichen Zustand sei, in dem sich jeder fragt, ob man nun schwanger ist oder nur pummelig; aber wie sich herausstellte, sah man nicht wirklich etwas.

Während der Reise bin ich wie normal auch weiter vorgestiegen. Meine Hauptsorge war, dass ich beim Fallen mit dem Bauch anstoßen könnte und so achtete ich darauf, dass ich keine großen Stürze im Vorstieg machte. Ich senkte meinen Schwierigkeitsgrad etwas, und meine Kletterpartner hängten die Sicherungen ein, mit Verlängerung bei größeren Abständen. Das funktionierte gut und ich konnte einen vollwertigen Klettertrip verbringen. Mittlerweile war ich etwas weniger selbstsicher und hatte einige Momente emotionaler Achterbahn erlebt, aber im Allgemeinen klappte das Klettern noch ausgezeichnet.

30.03.2010
Autor: Heike Puchan
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