Klettern im Informationszeitalter

Der Wettermacher - Dr. Karl Gabl im Interview

Er versorgt als Meteorologe des OEAV-Wetterdienstes Expedi­tionen weltweit mit einem lokalen Wetterbericht. Ohne Karl Gabl wären viele Alpinisten mit deutlich mehr Risiko unterwegs.

Dr. Karl Gabl, der Wetterprofi.

Wieviele Alpinisten rufen pro Jahr ungefähr direkt von der Expedition bei dir an, um einen Wetterbericht zu erfragen?
Es sind etwa 50 bis 60 Expeditionen, die wir jährlich mit Prognosen versorgen.

Muss man dazu ein Profibergsteiger sein oder bietest du diesen Service jedermann?
Bis jetzt bieten der AV-Wetterdienst und ich diesen Service noch vielen an. Bei weiter steigender Nachfrage könnte es schwieriger werden.

Wieviele Tage lässt sich das Wetter mit hoher Wahrscheinlichkeit prognostizieren?
Kurzfristprognosen, sogenanntes Nowcasting, sind weltweit ohne Radar, aktuelle Messungen und Beobachtungen nur sehr bedingt möglich. Längere Zeiträume von vier bis fünf Tagen sind hinsichtlich der Lage des Jetstreams und der Niederschlagsmengen nach unserer bisherigen Erfahrung sehr brauchbar. Es gibt aber keine Verifikationen oder Aussagen über die Wahrscheinlichkeit der Genauigkeit von Prognosen.

Welcher Arbeitsaufwand steckt hinter diesem Service?
Der zeitlich recht unterschiedliche Aufwand hängt davon ab, ob man schon an den Tagen vorher für eine Region Prognosen erstellt hat und natürlich auch von der herrschenden Wetterlage. Bei starken Strömungsverhältnissen wie in Patagonien sind Prognosen zeitaufwändiger als wenn man sich in irgendeiner Region in einem stabilen Hoch befindet.

Fühlst du dich manchmal persönlich verantwortlich für die Kletterer vor Ort?
Die Verantwortung kann man den Bergsteigern nicht abnehmen, auch fehlendes Können kann durch den Wetterbericht nicht ersetzt werden. Aber die Sicherheit erhöhen und vor allem bei der Logistik, auch bei Entscheidungen über den Abbruch einer Expedition, liefert der Wetterbericht wertvolle Hinweise. Natürlich fiebert man zu Hause mit, bei Gerlinde heuer am Lhotse, bei Simone Moro, dem am 9. Februar 2009 die Wintererstbesteigung des Makalu mit Denis Urubko gelang.

Glaubst du, dass dieser Service das Expeditions­bergsteigen wesentlich verändert hat?
Laut Miss Hawley in Kathmandu hat sich die Erfolgs­rate beim Expedtionsbergsteigen in den letzten 18 Jahren gegenüber dem Zeitraum von 1950 bis 1989 deutlich erhöht. Bei Gipfelhöhen zwischen 8000 und 8500 Metern von 15 auf 32 Prozent, über 8500 Metern von 11 auf 29 Prozent. Einen Anteil an der erhöhten Erfolgsquote dürfte auch der Wetterbericht haben.

Dr. Karl Gabl ist Meteorologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik in Innsbruck. Der Bergführer und Landesskilehrer war selbst 15 mal beim Trekking und auf Expeditionen im Himalaya, in Afrika und in den Anden.

10.03.2010
Autor: Ralph Stöhr
© klettern
Ausgabe 2+3/2010/2010