Interview: Kilian Fischhuber und Anna Stöhr

"Wir haben nichts im Kühlschrank"

Profi-Boulderer Kilian Fischhuber und Anna Stöhr über ihr Training, die richtige Einstellung und was sonst noch auf dem Plan steht.

Wie oft trainiert ihr vor, wieviel während der Weltcupsaison?
Anna:
Vor der Wettkampfsaison fünfmal die Woche, manchmal auch doppelt, also morgens und abends. Während der Saison kommt es darauf an. Wenn am Wochenende ein Weltcup ansteht, machen wir vorher zwei Tage Pause. Als dieses Jahr an drei Wochenenden hintereinander Weltcups waren, haben wir dazwischen nur jeweils einmal trainiert. Sonst brichst du total zusammen.

Trainiert ihr systematisch und nach Plan oder eher nach Gefühl?
Kilian:
Wir haben einen Trainingsplan von unserem Trainer Rupert Messner. Am Anfang der Saison trainieren wir meist genau nach diesem Plan. Am Ende der Saison ebbt das aber meistens etwas ab.
Anna: Ich bin da sicher etwas konsequenter als der Kili.
Kilian: Wir haben ja auch selbst eine Ahnung davon, wie man sinnvoll trainiert. Da steckt schon System dahinter.

Wie steht‘s mit der Ernährung?
Anna:
(Lacht) Gut!
Kilian: Du siehst ja, wir haben nichts im Kühlschrank. (Lacht)
Anna: Wir achten schon auf eine ausgewogene Ernährung.
Kilian: Aber es gibt keinen Verzicht. Wenn wir im Frankenjura sind, dann gibt es auch drei Tage was Gutes zu essen. Dafür gibt‘s das zuhause nicht. Ich habe keine Oma, die mir immer einen leckeren Schweinebraten macht.
Anna: Und auf Schokolade verzichte ich auch nicht, das mag ich einfach viel zu gern!

Welchen Anteil haben die Innsbrucker Infrastruktur und die Szene an euren Erfolgen?
Kilian:
Die Infrastruktur ist eigentlich ziemlich schlecht. Unsere Kletterhalle, das Tivoli, ist seit zehn Jahren überfüllt und der Boulderraum zu niedrig. Dafür macht der Reini Scherer, der die Halle betreibt, seine Sache so gut, dass er diese Nachteile wettmacht. Für ihn sind seine Topathleten das Wichtigste.
Anna: Da haben wir wirklich extremes Glück! Der Reini schaut, dass die Griffe im Boulderraum aus der ganzen Welt kommen. Wir kaufen seit zehn Jahren überall Griffe ein und geben ihm die Rechnungen. Er achtet darauf, dass es uns an nichts fehlt. Lässig in Innsbruck ist auch, dass es hier so viele Kletterer auf Topniveau gibt und dass wir immer gemeinsam trainieren können. So hast du jederzeit einen guten Vergleich.
Kilian: Und es gibt drei internationale Routensetzer, die regelmäßig neue Routen schrauben. Die Halle ist an sich schlecht, aber so wie sie betrieben wird, das ist …
Anna: … der Wahnsinn! Und auch mit unserem Trainer, dem Rupi, sind wir ein so gutes Team, dass das alles super hinhaut.

Wie seht ihr eure Zukunft im Kletter- und Wettkampfgeschehen? Erst mal alles wie gehabt?
Kilian:
Ich werde 2012 wieder am Weltcup teilnehmen, muss aber erst schauen, ob ich alle Stationen mitmache. Eigentlich habe ich keine Lust mehr, auf Bewerbe zu fahren, wo Wand, Griffe, Routenbau und Iso-Zone schlecht sind.
Anna: Bei mir wird es weitergehen wie gehabt. Ich sehe derzeit keinen Grund, was zu ändern.

Kilian, wirst du nochmal den Weltmeistertitel angreifen?
Kilian:
Die WM 2012 ist auf jeden Fall ein Ziel. Ich werde mit einer anderen Einstellung hingehen, aber ich werde mich sicher sehr gut darauf vorbereiten.

Mit einer anderen Einstellung?
Kilian:
(Lacht) Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ich noch Weltmeister werde. Deshalb möchte ich schauen, dass ich irgendwie ins Finale komme und das dann auch genießen kann, statt mich über das Abschneiden zu ärgern.

Und was kommt danach?
Kilian:
Es gibt einige Filmprojekte, da wird sicher noch einige Jahre was laufen. Auch die Weltcups kann ich noch länger betreiben, ich möchte es nur nicht mehr so intensiv tun. Da und dort ein Masters oder ein Einladungswettkampf – Wettkämpfe machen mir einfach zu sehr Spaß, als dass ich das ganz lassen wollte.

Auf der nächsten Seite: Anna Stöhr und Kilian Fischhuber drücken sich um die Pärchenfrage und erzählen stattdessen was sie außer Klettern noch tun

30.12.2011
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 10/11/2011