Interview: Kilian Fischhuber und Anna Stöhr

"Bouldern und Klettern draußen hat einen riesigen Stellenwert"

Anna Stöhr und Kilian Fischhuber über Kletterziele, Seilklettern versus Bouldern und über ihre Stärken und Schwächen.

Seid ihr froh, wenn jetzt dann die Weltcup-Saison vorbei ist?
Anna:
Auf alle Fälle! Heuer war es eine sehr lange und schöne Saison, aber irgendwann reicht‘s auch. Wir freuen uns schon sehr, dass wir jetzt wieder Vollgas am Fels klettern können.

Ihr fliegt direkt im Anschluss in die USA. Wohin und wie lange?
Kilian:
Wir sind vier Wochen im Westen der USA unterwegs, wo wir einen Film mit Chuck Fryberger drehen. Auf jeden Fall in den Rocky Mountains National Park, und ansonsten werden wir schauen, wo es uns hinverschlägt.

Gibt es andere Ziele, Länder, wo ihr unbedingt noch hinwollt?
Anna:
Beim Bouldern haben wir schon sehr viele Gebiete durch …
Kilian: Ich möchte unbedingt mal nach Australien, aber eher zum Routen klettern. Was immer super ist, ist einmal im Jahr nach Fontainebleau, einmal nach Spanien und einmal ins Frankenjura. Dazu eine große Reise – nächstes Jahr wieder in die Rocklands oder eben nach Australien oder mal nach Südamerika.
Anna: (Lacht) Und dann ist das Jahr eh schon wieder rum, die Jahre sind immer viel zu kurz für unsere ganzen Pläne! Das Bouldern und Klettern draußen hat einen riesigen Stellenwert für uns. Dort tanken wir auch die Motivation für die Weltcups.

Wieviel bouldern, wieviel klettern?
Kilian:
Wir wechseln ab. Wenn wir im Frankenjura oder in Spanien sind, klettern wir eigentlich nur mit Seil.

Wie am vergangenen Wochenende, da wart ihr im Frankenjura zum Klettern. Ist das die ideale Vorbereitung vor dem letzten Worldcup?
Anna:
Das ist sicher eine ideale Vorbereitung. Wie waren jetzt so lange intensiv in der Halle bouldern, in den drei Tagen haben wir bestimmt nicht unsere Form verspielt. Außerdem sind das ja kurze Routen in der Fränkischen und keine Ausdauerhämmer. Und vor allem war es wichtig für die Motivation.
Kilian: Auf dem Weg dorthin waren wir in der Boulderwelt in München. Wir haben das schon so geplant, dass wir uns noch ein intensives Training am Plastik geben. Heute waren wir auch wieder motiviert, in der Halle zu trainieren. Und das bei dem schönen Wetter, da musst du ja einen Vogel haben! (Lacht)

Bouldern boomt – drinnen wie draußen gibt es immer mehr Boulderer. Wo geht die Reise hin? Seht ihr eher Chancen oder Probleme?
Kilian:
Ich glaube schon, dass man vorsichtig sein muss. Die Bouldergebiete, so wie sie jetzt sind, können die Massen, die sich in den Hallen beim Bouldern versammeln, nicht verkraften. Man muss den Leuten gleich beim ersten Kletterkurs mitgeben, dass es am Fels nicht wie in der Halle ist. Ich denke schon, dass das auch in Zukunft funktionieren wird. Es werden sicher Gebiete gesperrt, aber auch neue erschlossen werden.
Anna: Viele Hallenkletterer suchen ja gar nicht das Naturerlebnis und bleiben drinnen. Die Hallen sind heute für viele ein Fitnessstudio-Ersatz, wo sie hingehen, um etwas für ihren Körper zu tun, und nach zwei Stunden sind sie wieder weg.
Kilian: Es hat aber jeder das gleiche Recht auf den Fels. Nur weil wir schon seit 15 Jahren klettern, haben wir keine Privilegien.

Was nervt euch, wenn ihr draußen bouldert? Was geht gar nicht?
Kilian:
Lange Tickmarks oder Tickmarks, die nicht weggeputzt werden.
Anna: Mich stören auch zu viele Leute. Wenn ich draußen bouldere, habe ich schon die Idealvorstellung, dass ich mit einer Gruppe von Freunden unterwegs bin, und da nicht noch 50 andere Leute sind.

Was sind eure Schwächen?
Kilian:
Aufs Klettern insgesamt gesehen ist das derzeit sicher meine Ausdauer. Durch die lange Weltcupsaison habe ich das Routenklettern dieses Jahr bislang vernachlässigt und deshalb bin ich gerade nicht auf dem Niveau, auf dem ich gerne wäre.
Anna: Das ist bei mir genauso, nur dass diese Schwäche noch viel größer ist als bei Kili. (Lacht).

Und wo liegen eure Stärken?
Anna:
Ich denke meine Dynamik und Sprünge.
Kilian: Wahrscheinlich meine Vielseitigkeit, dass ich bei allen möglichen Problemen einen Weg finde. Eine spezielle Stärke habe ich nicht.

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30.12.2011
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 10/11/2011