Reihenschaltung oder Kräfte-Dreieck?

Standplatz-Bau

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Foto: Ortovox Safety Academy Lab Rock Standplatzbau beim Alpinklettern / MSL

Standplatzbau

Wie man beim MSL-Klettern sicher einen Stand baut, erklären wir hier. Reihenschaltung und Kräfte-Dreieck im Detail erklärt.

Diese Fotostrecke entstand in Zusammenarbeit mit dem Ortovox Safety Academy Lab Rock, dem Verband Deutscher Berg- und Skiführer sowie Petzl.

Reihenschaltung

Als erstes erklären wir die Reihenschaltung. Folgende Grundsätze gelten für die Reihenschaltung.

Weiches Auge / Doppelter Bulin

Am Standplatz braucht der Kletterer einen zentralen Punkt, in welchen die Karabiner zur Selbst- und Partnersicherung eingehängt werden. Als Zentralpunkt kann das „weiche Auge“ dienen. Das „weiche Auge“ wird mit einem doppelten Bulin gelegt und belastet das Bandmaterial wenig. Gleichzeitig besitzt es eine sehr hohe Festigkeit und zieht sich unter Belastung nicht zu. In der Regel wird das „weiche Auge“ mit einer 120 cm Bandschlinge vor der Tour hergerichtet. Während des Kletterns ist die mit zwei Verschlusskarabinern versehene Bandschlinge immer griffbereit.

Stand an einem soliden Fixpunkt

Besitzt ein Fixpunkt in allen Richtungen ausreichend Festigkeit, so kann ein Stand an einem Punkt errichtet werden. Neben normkonformen Bohrhaken kann ein Stand mit nur einem Fixpunkt an einem Köpfel, einem Block, einer armdicken Sanduhr oder einem dicken Baum errichtet werden. Besteht die Gefahr, dass bei einer Sturzeinwirkung nach oben der Fixpunkt versagt (z.B. bei einem Köpfelstand), muss der Fixpunkt verspannt werden. Ist das nicht möglich, dann wird er in Ausnahmefällen mit dem Körpergewicht des Sichernden verspannt. In diesem Fall wird über Körper und einen Dummy-Runner am Fixpunkt gesichert. Der Dummy-Runner verhindert, dass der Stürzende in den Sichernden fallen kann: Er bezeichnet eine Zwischensicherung am Stand, die garantiert, dass bei einem Stand-Sturz der Sturzzug im Sicherungsgerät nach oben wirkt und der Sichernde den Sturz halten kann. Ist ohne großen Aufwand eine Möglichkeit gegeben Redundanz zu schaffen, dann immer eine klassische Reihenschaltung einrichten!

Stand am Baum

Bäume können als Standplatz verwendet werden. Hierzu wird eine Schlinge mit Ankerstich um den Baum gelegt, damit sie nicht nach oben wandern kann. Ein Standplatzbaum sollte dabei noch grün sein, das heißt, er ist nicht abgestorben oder morsch. Der Durchmesser des Baumes sollte mindestens die Dicke eines Beins aufweisen.

Stand an einer Sanduhr

Um an einer Sanduhr Stand machen zu können, sollte diese an der schwächsten Stelle mindestens armdick sein und keine Risse aufweisen. Hierfür legt der Kletterer eine Bandschlinge um die Sanduhr. Es wird kein Ankerstich verwendet, da diese automatisch an den dünnsten Punkt der Sanduhr wandert, an welchem die Festigkeit am geringsten ist. Stattdessen fädelt der Kletterer eine Bandschlinge in die Sanduhr, sodass sich diese bei Belastung auf den Sockel – den solidesten Punkt der Sanduhr – legt. 

Stand am Felskopf

Im alpinen Gelände wird oft an soliden Felsköpfeln Stand gemacht und nachgesichert. Vorsicht: Kann die Schlinge bei einem Vorsteigersturz nach oben oder zur Seite abgehoben werden, muss der Zentralpunkt verspannt werden. Ist das nicht möglich muss dieser mit dem Körpergewicht verspannt werden und es kommt ein Dummy-Runner zum Einsatz. 

Stand an zwei soliden Fixpunkten

Klettert man in einer Route, deren Standplätze mit jeweils zwei soliden Bohrhaken eingerichtet sind, kommt eine Reihenschaltung zum Einsatz. Wenn in Wechselführung geklettert wird, kann der Stand statt mit der Bandschlinge auch mit dem Kletterseil aufgebaut werden: Hierzu in beide Fixpunkte einen Karabiner einhängen, sich selbst mit dem Mastwurf am unteren Fixpunkt - der gleichzeitig Zentralpunkt ist -  sichern und schließlich mit dem Seil am zweiten Karabiner einen Mastwurf legen. Wenn nicht klar ist, wer vorsteigt, sowie bei permanenter Führung oder einer Dreierseilschaft, wird der Stand mittels Standplatzschlinge gebaut (siehe Grafik). 
1. Vorbereitete Standplatzschlinge einhängen: Das weiche Auge bildet den Zentralpunkt am unteren Fixpunkt. Zur Selbstsicherung wird das Seil in der entsprechenden Länge mittels Mastwurf im Verschlusskarabiner eingehängt. 
2. Anschließend wird der obere Fixpunkt dazu geschalten und die Schlinge entsprechend mittels Sackstich oder Mastwurf verkürzt. 
3. Jetzt wird das Sicherungsgerät eingehängt.

Stand an einem soliden und einem mobilen Fixpunkt

Eine Reihenschaltung kann auch bei zwei ungleich guten Fixpunkten angewandt werden, wenn ein solider Fixpunkt vorhanden ist. Neben dem soliden Fixpunkt können Normalhaken, Klemmkeile oder Klemmgeräte als zweiter Fixpunkt dienen. Die Reihenschaltung kann entweder mit dem Seil (bei Wechselführung) oder mittels Standplatzschlinge aufgebaut werden. Wichtig ist dabei, dass der Zentralpunkt immer am unteren der beiden Fixpunkte platziert wird - unabhängig von der Qualität. Ist man sich bezüglich der Qualität des „soliden“ Fixpunktes nicht sicher, wird im Zweifel eine Kräfteverteilung aufgebaut!

Reihenschaltung am Standplatz

Kräfteverteilung

Als erstes erklären wir die Kräfterverteilung (auch Ausgleichsschaltung oder Kräftedreieck genannt. Folgende Grundsätze gelten dafür.

Stand an zwei mobilen Fixpunkten

Sind zwei mobile oder nur zwei fragliche Fixpunkte vorhanden, sollte der Standplatz verbessert werden. Geht das nicht und ist ebenfalls kein anderer Standplatz erreichbar, dann muss der Kletterer eine Kräfteverteilung aufbauen. Die Kraft wird auf beide Fixpunkte am Stand verteilt. Im Falle eines Sturzes ist die Kraft möglichst gleichmäßig auf beide Fixpunkte verteilt und bei Ausbruch eines Punktes kommt es zu keinem zusätzlichen Krafteintrag. 
Bei zwei mobilen oder fraglichen Fixpunkten (z.B. Normalhaken), hängt der Kletterer für die Kräfteverteilung eine ausreichend lange Schlinge in den oberen und unteren Fixpunkt ein. Dann hängt er mit dem Mastwurf oder Ankerstich einen Zentralpunktkarabiner ein.

Standplatzbau an mehreren fraglichen oder mobilen Fixpunkten

Bei einem Stand mit mehreren fraglichen oder mobilen Fixpunkten, wie z.B. an Normalhaken, Keilen oder Klemmgeräten, muss eine Kräfteverteilung aufgebaut werden. Mit einer langen Reepschnur aus Dyneema oder Kevlar (5,5 mm; 6-7 m) oder einer langen, vernähten Dyneema-Bandschlinge (2,5 m), werden alle Fixpunkte miteinander verbunden. Offene Kevlar- oder Dyneema Reepschnüre werden mittels Sackstich verknotet. Der Zentralpunkt wird mit einem Ankerstich um den Verschlusskarabiner eingeschlauft. 

1. Durchfädeln durch alle Fixpunkte: Dazu wird die offene Reepschnur durch alle Fixpunkte durchgefädelt und dann mit einem Sackstich verknotet. 2. - 4. Zentralpunkt aufbauen: Jetzt zieht man alle Schlingen-Abschnitte zwischen den Fixpunkten nach unten und schafft mit einem Verschlusskarabiner einen Zentralpunkt, indem man einen Ankerstich auf den Karabiner legt. Nun wird wiederum die Selbst- und Partnersicherung im Zentralpunkt eingehängt.

Südtiroler Stand

Beim Südtiroler Stand verwendet der Kletterer keine Karabiner in den Fixpunkten. Stattdessen wird der Stand mit einer vernähten Bandschlinge oder einer offenen Kevlar- oder Dyneema-Reepschnur aufgebaut, um schnell und einfach mehrere Fixpunkte zu verbinden. Um das Anbringen und Lösen zeitaufwendiger Knoten zu vermeiden, wird der Zentralpunktkarabiner mit einem Ankerstich in die Schlinge geknüpft. Wird eine offene Kevlar- oder Dyneema Reepschnur verwendet, wird diese nach dem Fädeln mit einem einfachen Sackstich verknotet. 
Mehr zu dieser Fotostrecke: Standplatzbau: so geht's