Sicher am Standplatz

Sichern am Stand - worauf man achten sollte

Sicher Sichern im alpinen Gelände - was es zu beachten gibt und wie man Risiken umschifft, lest ihr hier.
Foto: Sarah Burmester / klettern.de Klettern im Zillertal

Beim Sportklettern ist Stürzen fast immer erlaubt. Im Alpinen ist dies anders.

Früher galt im alpinen Fels der Grundsatz „Stürzen verboten“ – und wenn es denn doch mal geschah, lag das Hauptaugenmerk darauf, die Sturzstrecke möglichst kurz zu halten und den Körper des Sichernden nicht in die Sicherungskette zu integrieren, damit dieser seinen womöglich verletzten Partner möglichst einfach am Stand fixieren konnte. In gut mit Bohrhaken abgesicherten alpinen Sportkletterrouten geht es aber schon lange nicht mehr um Leben und Tod, die Verletzungsgefahr ist gering, und oft wird hier am persönlichen Limit geklettert. Das bedeutet, dass der Sicherer das Seil möglichst schnell ausgeben können sollte, wenn der Vorsteiger in wackeliger Position eine Zwischensicherung klippen will, und dass er möglichst „weich“ sichern sollte, wenn der Vorsteiger stürzt. Dies lässt sich am besten durch die „aktive Körpersicherung“ erreichen. Unter aktiver Körpersicherung versteht man, wenn der Sichernde im Moment des Sturzzugs durch eine Aufwärtsbewegung aus den Beinen die Beschleunigung des Stürzenden gegen die Wand verringert. Dazu muss der Sichernde natürlich auf den Sturz gefasst sein und die Möglichkeit haben, sich mit den Beinen nach oben abzustoßen. Bei einem Hängestand oder einem überraschenden Sturz ist dies nicht gegeben. Der Sichernde hält nur das Bremsseil fest, ohne aktiv den Sturzverlauf zu beeinflussen. Dann spricht man von einer „passiven Körpersicherung“.

Unabhängig davon ob eine aktive oder passive Körpersicherung praktiziert wird – um im alpinen Gelände über Körper sichern zu können, müssen einige Voraussetzungen gegeben sein:
1. Da der Sichernde bei der Körpersicherung Teil der Sicherungskette ist, muss er diese Art der Sicherung souverän beherrschen.
2. Der Vorsteiger darf maximal 25 Prozent schwerer sein als der Sichernde.
3. Der Sturzzug kann ausschließlich nach oben und nicht zur Seite oder nach unten erfolgen.
4. Die Selbstsicherung ist lang genug, damit der Sichernde bei einem Vorsteigersturz nach oben abheben kann, ohne gegen die Wand katapultiert zu werden. Auch darf keine Kollisionsgefahr mit dem Stürzenden oder der ersten Zwischensicherung bestehen. Es darf keine Verletzungsgefahr für den Sichernden bestehen!

Diese Voraussetzungen sind wirklich zwingend! Denn in alpinen Sportkletterrouten kann es zu weiteren Stürzen kommen, als man sie vom Sportklettern im Klettergarten oder gar in der Halle gewohnt ist. Entsprechend höher sind auch die Kräfte, die auf den Sichernden einwirken. Und eine zu kurze Selbstsicherung oder ein seitlicher Sturzzug können zu erheblichen Verletzungen führen, wenn der Sichernde gegen die Wand katapultiert wird. Punkt 1 und 2 lassen sich – zumindest kurzfristig – nicht beeinflussen. Um die Voraussetzungen 3 und 4 zu erfüllen, stehen dagegen zwei unterschiedliche Konstruktionen zur Auswahl: Die Methode mit einem „Dummy-Runner“ und die sogenannte „Plus-Clipp-Methode“, die wir Euch auf den nächsten Seiten vorstellen.

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19.09.2008
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 06/2008