Sicher am Standplatz

Schnelligkeit bedeutet Sicherheit - wichtige Tipps fürs Alpine

Wichtige Basics fürs Klettern in Mehrseillängen: Wie man Material gut organisiert und wie die Grund-Kommandos lauten, erfahrt ihr hier.

Ordnung muss sein

Beim alpinen Klettern bedeutet Schnelligkeit auch Sicherheit, und gerade am Standplatz kann man viel Zeit verlieren – durch Kommunikationsprobleme, unnötige Umbauarbeiten oder Seilchaos. Um Zeitverlust oder gar fatale Missverständnisse durch die Kommunikation auszuschließen, müssen die Seilkommandos zwischen den Partner klar ausgemacht sein (siehe unten). Während ihr dann den Nachsteiger sichert, solltet ihr bereits sondieren, wo die nächste Seillänge weitergeht. Sichert ihr mit einem selbsttätig blockierenden Gerät nach, könnt ihr auch schon das Topo mit der Realität abgleichen. Je nachdem wie die nächste Seillänge vom Stand startet, solltet ihr euch dann positionieren: bei Wechselführung so, dass der Partner an euch möglichst problemlos vorbei kommt. Wenn ihr zudem den Vorsteiger konventionell am Fixpunkt sichert, solltet ihr schon beim Einhängen der Nachsteigersicherung überlegen, ob diese so auch bei der anschließenden Vorstiegssicherung gut zu bedienen ist. Steigt ihr alles vor, solltet ihr den Standplatz so vorbereiten, dass euer Partner auf der vom Weiterweg abgewandten Seite Platz findet.

Foto: Johanna Widmaier

Wenn am Standplatz nicht genügend Fläche für einen Seilhaufen ist, empfiehlt es sich, das eingezogene Seil in Schlaufen über die Selbstsicherung zu hängen. Tipp: Bei Wechselführung die Seilschlaufen immer kleiner werden lassen. Damit vermeidet man, dass sich diese ineinander verhängen und einen Seilsalat verursachen.

Die meiste Zeit wird am Standplatz aber durch schlechte Seilversorgung verbraten. Vor allem bei Verwendung von Halb- oder Zwillingsseilen, bei gleichbleibendem Vorsteiger und insbesondere bei Dreierseilschaften ist ohne die entsprechende Seilversorgung das Seilchaos programmiert. Bei Dreierseilschaften zieht deshalb ein Nachsteiger das Seil von hinten nach vorne durch, während der andere den Vorsteiger sichert. Bei Zweierseilschaften mit gleichbleibendem Vorsteiger muss das Seil durchgezogen werden, bevor dieser in die nächste Länge startet. Ist am Standplatz nicht genügend Platz vorhanden, um das eingezogene Seil auf einen Haufen zu legen, bestehen zwei Möglichkeiten: Ist die Wand unter dem Standplatz steil genug und besteht keine Gefahr, dass sich das Seil verhängt (Vorsicht bei starkem Wind!), könnt ihr es in einer großen Seilschlaufe nach unten hängen lassen. Das schnelle Seilausgeben zum Klippen gestaltet sich bei dieser Methode aber recht mühsam. Leichter geht dies mit der Methode, Seilschlaufen über den Fuß oder besser über die Selbstsicherung zu legen, da man hier nicht so stark in der Beweglichkeit eingeschränkt ist.

Seilkommandos

Oberer: „Stand“
Bedeutung: Ich habe den Standplatz komplett aufgebaut und bin fixiert. Nimm mich aus der Sicherung.

Unterer: „Seil ein“
Bedeutung: Zieh das Restseil ein.

Unterer: „Seil aus“
Bedeutung: Seil ist komplett eingezogen, nimm mich in die Sicherung.

Oberer: „Nachkommen“
Bedeutung: Ich hab dich in der Sicherung, du kannst dich aus der Selbstsicherung nehmen und nachkommen.

Unterer: „Ich komme“
Bedeutung: Ich klettere los, zieh das Seil ein.

Wenn mehrere Seilschaften unterwegs sind, sollte man bei allen Kommandos den Namen des Seilpartners vorauszuschicken, um Missverständnisse zu vermeiden. Eingespielte Seilschaften kommen auch mit weniger Kommandos aus. Nach dem „Stand“-Ruf ist die Abfolge ja eigentlich klar, und sobald der Obere den Nachsteiger in der Sicherung hat, zieht er das Seil straff, um diesem zu signalisieren, dass er losklettern kann. Noch eleganter, für die anderen Bergkameraden weniger nervig und bei langen Seillängen oder Sturm oft auch die einzige Möglichkeit, ist, ganz auf verbale Kommandos zu verzichten. Bei Verwendung eines Halbseils zieht beispielsweise der Vorsteiger als „Stand”-Signal einen Seilstrang vier bis fünf Meter ein. Wichtig ist wie gesagt nur, dass die Kommandos klar ausgemacht sind und keinesfalls Missverständnisse aufkommen können.

Mehr zum Thema:

19.09.2008
Autor: Steffen Kern
© klettern
Ausgabe 06/2008